Luselei

30.03.2006 um 10:14 Uhr

Liebes Lusel!

Nicht, daß ich behaupten würde, Deine Hochzeit fiele in´s Wasser - iiih bewahre! - aber regnen wird´s. Bei immerhin milden 18 Grad Celsius.


Und der hier hat seinen Job ja schon gemacht.

24.03.2006 um 21:28 Uhr

Liebes Lusel!

Du kennst sicherlich auch diese Filmszenen, in denen ein Mann (eine Frau) frohgemut die heimische Wohnungstür aufschließt, den Einkauf in der Küche ablädt, dann ins Schlafzimmer geht, um sich umzuziehen, und dort, im eigenen Bett, seine Frau (ihren Mann) mit jemand anderem in eindeutiger Pose vorfindet.


Es ist natürlich eine Stilfrage einerseits, andererseits eine Auslegungssache des Regisseurs, wie der (die) solcherart Betrogene reagiert. Kommt es aber dahin, daß Ärger, Wut und Enttäuschtsein sich in Gewalt Luft machen, kriegt fast immer der Mann die Prügel, gleichgültig, ob er derjenige ist, der in eine bestehende Beziehung einbrach oder aber derjenige, der die Treue gebrochen hat. Wenigstens in ernsthaften Filmen. In Komödien gibt´s auch schon ´mal einen lustigen Weibercatch.


In ernsthaften Filmen, scheint es, daß man sich am Ende - auch wenn die Spielregeln gerade eben gebrochen wurden - dann doch an Spielregeln hält: Frauen schlägt man nicht. Und, wenn der Mann der Betrogene ist, mag da auch noch überkommenes Gedankengut eine Rolle spielen: die Frau als arme Verführte, die nicht wirklich etwas dafür kann, obschon mir in der Neuzeit, wenn es nicht gerade um Vergewaltigung geht, keine Frau vorstellbar ist, die wider eigenen Willen fremdgeht.


Und übrigens bin ich, fernab von aller geschlechterspezifischen Bewertung bei derlei Geschehnissen der Meinung, daß (wenn überhaupt) der Partner verprügelt gehört. Jawoll! Der war´s doch, der sich wider die Spielregeln benommen hat, denn solcherart Wutausbruch ist ja sowieso nur vorstellbar, wenn Untreue nicht zum Programm gehört (was es ja geben soll).


Wenn also ich, gegebenenfalls, dazu gekommen wäre, wie euer Vater... (was nie passiert ist, denn auch so etwas ist eine Frage von Stil) dann hätte ich wohl gehadert, ob ich seinen geliebten Computer oder ihn verhaue, wenn aber ihn, dann weil er der Ehebrecher und nicht weil er der Mann ist.


Davon abgesehen, macht Prügel nie ´was besser. Und über abgeschnittene Hosenbeine (oder ähnliche Racheakte) kann man später wenigstens lachen.

04.03.2006 um 17:27 Uhr

Liebes Lusel!

Las ich doch dieser Tage in meiner Psychologiezeitschrift, daß allzu strenges Leben nach der Wahrheit zwangsläufig mit einem Verlust der sozialen Kompetenz einhergeht. Was irgendwie logisch ist. Denn würde ich jedem Blödmann sagen, daß ich ihn für einen halte, hätte ich bald nicht nur all die Blödmänner gegen mich, sondern auch deren Freunde und all die anderen Leute, die wissen, daß sie Blödmänner sind, und fürchten, ich könnte es aussprechen.


Gleichwohl fällt es mir mit zunehmendem Alter immer schwerer, mich diesbezüglich zurückzuhalten. Denn das Leben ist zu kurz, um es mit Blödmännern zu verschwenden. Und da ist es doch besser, wenn alle Beteiligten Bescheid wissen.


Es geht also gar nicht so sehr um die Wahrheit, sondern um die Verschwendung von Zeit, die man womöglich gar nicht mehr hat. Denn das Lügen, das hab ich auch aus der Zeitschrift, gehört zum Leben dazu. Alle tun es, und alle tun es ungefähr im gleichen Maße. Womit im übrigen wissenschaftlich bewiesen wäre, daß weder Männer, noch Frauen mehr lügen, sondern allenfalls anders. Warum sollte ich mich da ausnehmen? Andererseits suche ich mir die Anlässe für meine Lügen schon gerne selbst aus. Denn der Anlaß muß den Aufwand schon rechtfertigen. Weil Lügen ja irgendwie eine anstrengende Sache ist: Man muß sich merken, wen man wann womit belogen hat, und sich bei Bedarf daran erinnern. Da ist die Wahrheit bequemer. Jedenfalls, wenn man es nicht allzu sehr darauf angelegt hat, von anderen gemocht zu werden.


Am Ende ist es hierbei wie überall im Leben: Man muß Entscheidungen treffen und Prioritäten setzen. Allerdings habe ich gelernt, daß die Lüge, da sie ja sowieso zum Leben dazugehört, quasi eine Art Bevorzugung darstellt, was ich so noch nicht gesehen hatte. Aber es stimmt; nur die Leute, die ich in meinem Umfeld halten möchte, kommen in den Genuß, von mir belogen zu werden, manchmal jedenfalls, wenn die Wahrheit ihnen nicht so angenehm wäre. Weil ich doch will, daß sie sich in meiner Gegenwart auch später noch wohl fühlen.


Allen anderen sage ich die Wahrheit, was ja nicht immer etwas Schlechtes sein muß. Es stellt quasi so eine Art Aufräumaktion dar, ein Ballast abwerfen. Manch einer ist geblieben, trotzdem, weil ihm meine Wahrheit gefallen hat, weil er mehr davon hören wollte ...

03.03.2006 um 18:03 Uhr

Liebes Lusel!

Heute sprach ich mit einer alten Bekannten, die mich eine Zeit lang nicht hatte erreichen können. Sie folgerte daraus, ich wäre zum Karneval abgetaucht. Woraus man erkennen kann, daß sie mir so nahe dann auch wieder nicht steht. Andernfalls hätte sie gewußt: Es gibt nichts, was mich zu diesen großen und lustigen Feiern hinzieht.

Mittlerweile kann ich es damit abtun, daß ich eben kein Faschingsmensch bin. Früher hatte ich das Gefühl, an mir würde etwas nicht stimmen. Ich fühlte mich verkehrt, weil ich keine Lust auf Verkleidungen verspürte. Und der Gedanke, zu Silvester mich auf das neue Jahr freuen zu sollen, wo das alte schon nachdenkenswert genug gewesen war, machte mich depressiv. War ich nur nicht in Ordnung oder fehlte mir gar ein Gen?

Die Gnade des Älterwerdens ist, daß man sich so zu nehmen lernt, wie man ist. Man hinterfragt nicht mehr, sondern ist eben so. Vielleicht bleibt einem nicht mehr allzu viel Zeit, sich zu nehmen, wie man ist, wenn es denn schon kein anderer tut?

Natürlich haben solche Gedanken nur Menschen, die ihr Leben für endlich halten. Es gibt auch die anderen, die feiern Silvester und verschwenden keinen Gedanken an Voraus- und Rückschauen. Ich aber habe meine Gedanken verschwendet an diese Rückschauen; Vorausschauen sind fruchtlos, weil keiner die Zukunft kennt.

Ich schaue nur selten noch zurück. Und nie nach vorn.
"Et kütt, wie´t kütt.", sagen die Rheinländer - oder so. Und ich habe gelernt, das stimmt.

Den Drang nach sinnloser Fröhlichkeit verspüre ich immer noch nicht. Es wird schon weitergeh´n. War immer immer so, war immer so. Und Fröhlichkeit finde ich anderswo. Nicht, daß ich die in meinem Leben nicht hätte. Ich spüre sie beim Reden mit anderen. Wenn etwas schiefläuft, verbal oder sonstwie. Ich spüre sie auch beim Lesen gewisser Zeilen. Der Frohsinn ist mehr so ein innerer, aber er ist da; das ist doch die Hauptsache. So bin ich halt, kein Faschingsmensch. Aber ich.