Me--> Evil

24.03.2009 um 12:17 Uhr

Oviedo 23.03. und 24.03.09

von: evil

jetzt bin ich ja schon fast wieder daheim. Lang dauerts ja nicht mehr. Meine Exkursionen hab ich auch alle abgeschlossen, heut gehts nur noch mal kurz nach Gijón zu Laura zum Churros essen und Strandspazieren.
Heute ist mal wieder ein Tag, an dem ich nicht fort von hier möchte, schließlich kenn ich die Stadt schon wie meine Westentasche und fühl mich ziemlich wohl. Langsam hab ich mich auch an meinen belebten Wecker gewöhnt, der mich mit ziemlicher Genauigkeit immer 5 nach 9 weckt. Es handelt sich dabei immer noch um die Nachbarn, die über uns wohnen und diesmal war der Weckton ein schreiendes Baby, ein schreiender Opa und eine schreiende Oma. Lucie und ich können nur immer den Kopf über diese Verrückten schütteln. Aber gerade bin ich ja mal wieder im Café, mit dem einzigen ansehnlichen Spanier, der aber, die Vermutung festigt sich immer mehr, wohl schwul ist. Jedenfalls zeugen seine engen Hosen und sein tänzelnder Gang davon.

Wie ihr ja schon seht, bin ich gestern gut von meiner Reise heimgekommen.
Ich bin zuerst mit dem Autobus nach Cangas de Onís gefahren, was ziemlich lange dauerte, weil der Bus jede zittrige Oma am Straßenrand aufgelesen hat. In Cangas hatte ich dann einen kurzen Aufenthalt, den ich genutzt habe um die präromanische Brücke zu bestaunen und mir ein paar Infos zur Region in der Touriinfo zu holen. Sonst hatte Cangas aber nicht so viel zu bieten. Aber ein Plätzchen in der Sonne war noch drin, denn auch gestern war wieder Superwetter. Und bis Freitag bleibts wohl auch so, durchschnittlich 16° und kein Regen. Abgesehen von den ersten paar Tagen hatte ich also ein Riesenglück mit dem Wetter. Es ist nämlich nicht normal, dass der März in Asturien so regenfrei abläuft.

Von Cangas bin ich dann weiter nach Covadonga gefahren. Der Bus wandt sich ein paar Serpentinen nach oben und plötzlich eröffnete sich ein Anblick wie aus dem Märchen. Mitten in der Bergwelt trohnte eine rosa-rot leuchtende Basilika im Sonnenlicht. Vielleicht gefällt sie mir so, weil sie der deutschen Kathedralenarchitektur nachempfunden ist. Jedenfalls war es sehr beeindruckend, auch weil rings um die Basilika der Felsen steil abfiel. Man kann sehr gut nachempfinden, dass dieses Fleckchen Erde sehr lange Zuflucht vor den Mauren bot und letztendlich auch der Ausgangspunkt für die Rückeroberung der Spanischen Halbinsel war. Der König, der maßgeblich dazu beitrug steht auf dem Vorplatz der Basilika: den Blick zu Höherem erhoben grüßt Pelayo. Danach führte mich mein Weg zur "Santa Cueva" einem wichtigen Pilgerort für die Katholiken Spaniens. Hier steht "Santina" eine Maria, zu der schon unzählige spanische Könige und Königinnen pilgerten um ihre Ehre zu erweisen. In dieser Cueva liegt dann auch Pelayo mit Frau und Kind. Die heilige Jungfrau hat wohl sogar einen eigenen Kleiderschrank, da sie auf den verschiedenen Abbildungen jedesmal ein anderes Gewand trägt. Dies riss mich bei ihrem Anblick auch zu dem unheiligen Gedanken hin, ob sie unter ihrer Kutte eventuell sogar nackt ist. Naja, ich hab mir mein Heiligenbildchen inklusive Gebet mitgenommen, vllt ist das ja später mal meine Eintrittskarte ins Himmelreich. Euch hab ich keine mitgebracht, müsst ihr schon selber pilgern.
Die Grotte mit der heiligen Maria ist übrigens in den Fels eingelassen. Sie bietet aber noch Platz für ein paar Reihen Gestühl und einen Altar, neben der improvisierten Kirche fällt der Felsen dann steil nach unten in einen kleinen Teich ab, der von einem kleinen Wasserfall im Gestein unterhalb der Höhle gespeist wird. Der Teich glitzert golden, da die Spanier sich doch gerne mal um ein paar Euro erleichtern um ihren Schöpfer zu bestechen.

Ich hab mich da lieber auf die Suche nach den Trollen im Gehölz gemacht. Die Gegend sah sehr danach aus. Deswegen habe ich den Camino de la Reconquista eingeschlagen, um die Berge zu erklimmen. Nach einer Stunde Bergklettern kam ich dann auch endlich mal auf eine Ebene. Es sah wirklich verwunschen aus, mit der Ruine eines alten Bauernhauses, moosbewachsenen Findlingen und den Schlüsselblumen im Spiel mit Licht und Schatten. Außerdem hörte man außer Vögelgezwitscher, einem Specht und fernen Kuhglocken nichts. Die Fabelwesen aus der asturianischen Mythologie haben sich trotzdem nicht blicken lassen. So bin ich dann nach einigen Minuten der glücklichen Contemplation wieder nach unten gestiegen. Der Abstieg war leider nicht so lustig, da es eine dreiviertel Stunde abschüssig nach unten ging und mir nach einer viertel Stunde schon die Beine zitterten vor ungewohnter Beanspruchung. Ich habs aber heil nach unten geschafft, ich hab nur heute einen Muskelkater in den Waden, der mich hoffen lässt, dass ich bei weiterem Training, mal Steine damit zertrümmern kann.

Danach bin ich dann wieder nach Cangas, wo es mir mal wieder passiert ist, dass ein Spanier dachte die Gelegenheit ergreifen zu müssen und mich ansprach. Diesmal wars einer von der Sorte ungepflegt, das Gesicht voller Krümel und noch bei Mutti wohnend.
Mir ist dabei immer sehr unwohl. Er fragte mich dann auch noch nach meinem Namen und stand dann auf um die Begrüßung nachzuholen, er war aber wenigstens so gut erzogen, dass er an meiner Körpersprache ablaß, dass ich keinen Wunsch hatte, meine Backe an seine zu pressen. Mich schüttelts jetzt noch, wenn ich daran denke, wie die Krümel von seiner Backe an meiner geklebt hätten.
Ich zückte in einem günstigen Moment dann meine Infobroschüren über Cangas um mich darin zu vertiefen und ihm zu signalisieren, dass ich jetzt in Ruhe gelassen werden möchte. Er hat sich dann auch schnell /verkrümelt/.

In Oviedo bin ich dann noch mit Lucie ins Kino in "Los abrazos rotos". Ist ein guter Film finde ich, voller Emotionen und nervlicher Spannung ins Unendliche. Er ist ein modernes Märchen über Abhängigkeiten, Geld und Geheimnisse. Die Spanier mögen Almodovar und seine Muse Penelope Cruz zwar nicht, dafür ich um so mehr :> Ich empfehle ihn wärmstens weiter!

24.03.2009 um 12:16 Uhr

Oviedo 22.03.09

von: evil

also eigentlich ist alles so gekommen, wie ichs vorausgesagt habe. Eigentlich muss ich gar nicht so viel erzählen.
Gestern bin ich mit Laura ein bisschen durch Oviedo geschlendert. Wir haben uns mittags vollgefressen und mussten deswegen einen langen Spaziergang machen, damit wir wieder klar denken können.
Für mich ist das hier wirklich ein sehr effektiver Sprachurlaub. Ich spreche spanisch, weil ichs sprechen muss, die Leute erzählen mir gerne Geschichten über ihr Land und korrigieren mich, wenn ich Fehler mache. Und alles geht so nebenbei vonstatten ich merke aber trotzdem jede Woche mehr, wieviel leichter mir das Sprechen fällt. Ich nehme alles freiwillig auf und so festigt es sich ganz gut :>
Ich glaub bei mir erreicht man mit Zwang nicht viel.
Mit Laura kann ich ja dann gottseidank in Deutschland weiterüben!

Mir ist grad was lustiges passiert. Ich sitzt grad in der Küche und hörte, wies in Lucies Zimmer anfängt zu klingeln. Deswegen habe ich Lucie, die eben grad auf dem Klo saß, zugerufen: "Lucie, da klingelt grad was in deinem Zimmer". Sie hat dann auf "Sí, sí" geantwortet. Sekunden später ist mir dann aufgefallen, das ich den Satz wirklich auf deutsch gesagt habe. Ich schreibe ja gerade auf deutsch und so war es gerade ganz natürlich diese Sprache zu benutzen. Ich mach mir einfach nicht mehr so viele Gedanken, wie ich was jetzt sagen muss und plapper drauf los. Und nun ists eben mal auf deutsch rausgekommen :>

Abends gegen elf sind Lucie und ich dann aufgebrochen in Richtung Altstadt um damit das "Ausgehen" einzuläuten. Wir waren erst in einer schnuckeligen Jazzbar in der dann um 12 auch eine Jazzband angefangen hat zu jammen. Als sich dann aber zwei hübsche blonde deutsche Mädels neben uns niedergelassen hatten, wars für mich höchste Zeit die Bar zu wechseln. Danach sind wir in eine recht schäbige Bar gegangen, in der Ana mit zwei Freunden auf uns wartete. Diese Bar sind meist der Ausgangspunkt für ein ausgedehntes Nachtleben, da man dort sehr billig vorglühen kann. Ich hab zum zweiten Mal an diesem Abend ein "Mahou" getrunken und hab langsam gemerkt, dass ich mit diesem Bier den Abend nicht überstehen werde. Es schmeckte echt widerlich, für einen verwöhnten fränkischen Gaumen eine Beleidigung.

Danach haben wir uns dann erst mal etwas zu Essen gesucht. Hier gibt es kleine Bars, die ab 12 Uhr nachts öffnen und in denen man dann Sandwiches, Pinchos und so weiter gibt, für die vergnügungssüchtige Meute. Nach einem Baguette mit Jamon Serrano, Olivenöl und Tomaten sind wir dann ins Flamin. Dort waren wir ja neulich schon mal, und es ist ja auch ganz nett. Aber Musik zu der man Tanzen kann, spielen sie nicht wirklich. Und irgendwie war ich auch noch erschreckend nüchtern. Das wollten die anderen dann schnellst möglich ändern und versuchten mich zu Tequila und co zu überreden. Da sind meine Regeln aber recht streng, mich zu etwas anderem als Bier und Cocktails zu kriegen ist sehr schwierig, und die Cocktails kosten hier so ab 8€ aufwärts. Deswegen haben wir uns dann auf die Suche nach einer Bar gemacht, in der es deutsches Bier gibt. Ich glaub selbst das schlechteste deutsche Bier ist besser als das spanische.

Gefunden hab ich mein Franziskaner Weißbier dann im Asturianu, einer gemütlichen Studentenkneipe. Dort haben wir uns natürlich auch wieder nicht so lange gehalten und so sind wir dann noch in eine Bar, in der man auch tanzen konnte. Die Musik war zwar mittelprächtig, aber dort haben wirs dann noch bis halb 5 ausgehalten. So ausgiebig getanzt wie bei uns wird hier aber anscheinend nicht, es geht schon gar nicht, weil die Mädels sonst reihenweise von ihren Highheels fallen würden.

Gegen halb 6 bin ich dann ins Bett und war um 11 schon wieder wach. Es ging auch alles ganz gut, ich hatte keinen Kater, mir war nur ein bisschen flau im Magen. So hab ich dann nach dem Frühstück erst mal noch einen Spaziergang gemacht, da heut mal wieder ein wunderschöner Sonnentag ist. Später gings dann aber doch noch abwärts, mein Magen hat heftig rebelliert, ich konnte nicht Siesta machen, weil ich zuuu müde war und davon hab ich dann auch noch Kopfweh bekommen. Ana hat mich aus meinem Dahinsumpfen dann befreit, indem sie mich und Lucie mit nach Cudillero geschleppt hat. So sind wir dann ans Meer gefahren und haben uns das im Felsen eingepferchte Fischerdörfchen angesehen. Es schaut aus wie gemalt: bunte,eng beieinanderstehende Häuschen, die Wäsche an Leinen über der Straße, kleine Fischerboote im Hafen und nette Restaurants in denen man Meeresgetier aller Art essen kann. Bei den Preisen wiederum hauts einen um: 50€ für eine Paella für 2 Personen. Das ist schon einiges.

Jetzt bin ich wieder daheim und hoffe, dass ich früh einschlafen werde, da ich morgen eine recht komplizierte Reise vor mir habe von der ich hoffe wieder zurück zu kommen. Ich muss ein paarmal umsteigen um dahin zu kommen wo ich hinwill und das ist mir nicht so recht. Und außerdem fährt nur ein Bus abends zurück und zwar um 5, da hab ich Angst, dass ich nicht mehr nach Oviedo komm. Ach, wo ich überhaupt hinmöchte: nach Cangas de Onís, dann weiter nach Covadonga und anschließend noch zu den Bergseen in den Picos de Europa.

24.03.2009 um 12:15 Uhr

Oviedo 21.03.09

von: evil

heute ist es mal ein bisschen frischer. Was ganz angenehm ist :> Aber
ich hatte trotzdem gehofft mit einem nahtlos gebräunten Body
zurückzukommen, aber das wäre wohl ein bisschen zu viel verlangt. Wenn
meine Rechnung aufgeht, beginnt in Deutschland wenn ich zurückkomme der
Frühling und so hätte ich das gute Wetter bis zum Letzten ausgereizt.

Gestern hat mich Ana mit auf eine kleine Spritztour durch ihr Gijón
genommen. Ich hab neulich mal ein Herzchen mit Oviedo auf unseren
Kühlschrank-Block gemalt und seit dem will sie mich davon überzeugen,
dass Gijón viel schöner ist.
Ihr erster Streich war mir das Haus ihrer Eltern zu zeigen. Es ist eine
kleine Finca die in sattem Orange schon von weitem zu sehen ist. Daneben
steht ein Doppel-Hórreo, den ihr Vater in mühevoller Kleinstarbeit
restauriert hat. Dazu sollte man sagen, dass Anas Eltern beide sehr
künstlerisch veranlagt sind. Ihr Vater hat ein schwaches Herz und musste
deshalb schon früh in Rente gehen. Er hat dann das Grundstück mit dem
Hórreo gekauft. Die ersten Monate wohnte er dann mit seiner Frau im
Hórreo während das Haus nach seinen Wünschen entstand. Der Vater macht
Holzarbeiten, in die er die Familienwappen und sonstige asturianische
Symbole schnitzt. Die Mutter hat die bunten Glasfenster und
Tiffany-Lampen im ganzen Haus gefertigt und außerdem unzählige Tonkrüge.
Schaut toll aus, sehr bukolisch und heimelig. Im Haus hatte ich dann
auch die Möglichkeit endlich mal "Madrenas" aus der Nähe zu
fotografieren. Das sind die Arbeitsschuhe der Landbevölkerung.

Anschließend sind Ana und ich auf einen Berg gefahren. War aber nur dank
Anas gutem Orientierungssinn zu schaffen. Es ging bergauf, bergab,
bergauf, bergab auf kleinen Sträßchen, alles im grünen mit noch mehr
Fincas und Hórreos. Nachdem Anas Golf dann endlich keuchend den Berg
erklommen hatte wurden wir mit einer unglaublichen Sicht belohnt. Leider
war es diesig und man sieht auf den Fotos nicht so viel, aber man hatte
einen Blick auf ganz Gijón, das sich ans Meer schmiegt. Danach hat Ana
mir die Arbeiter-Uni gezeigt. Ein Gebäude, das von Franco gebaut wurde
um das Handwerk zu fördern. Es ist wirklich beeindruckend und es hat
mich sehr gewundert, dass es nicht in sämtlichen Reiseführern aufgeführt
wird. Daran ist wohl der Bauherr schuld, den Spanien am liebsten aus
ihrer Historie tilgen möchte. Anschließend sind wir noch zu einem
anderen Aussichtspunkt gefahren, von dem man die zerklüfteten Klippen
sehen konnte, zwischen denen sich die 11 Strände der Gemeinde Gijón
verstecken.
Das Ganze haben wir natürlich mit einem Kneipenbesuch abgerundet, bei
dem ich auch noch Anas Gijoner Freunde kennengelernt habe. Mittlerweile
kann ich schon ganz gut mitplappern und werde auch schön gelobt :)
Heimgefahren bin ich dann mit dem Autobus, der wirklich alle 15 Minuten
nach Oviedo fährt und nur 2 Euro kostet. Vergleichbar wäre das mit der
Strecke Heilsbronn-Nürnberg. Und für 2 Euro kommt man in Deutschland ja
fast nicht mal in die nächstgelegene Ortschaft.

Heute kommt dann Laura, wann weiß ich natürlich mal wieder nicht. Und
abends wird dann ausgegangen. Heyeiei...ich hoffe ich muss nicht den
ganzen Sonntag im Bett verbringen. Ana wollte morgen mit mir nach
Cudillero fahren, falls sie nicht zu müde ist und außerdem hat sie mir
noch versprochen mit das Tortilla-machen beizubringen.

24.03.2009 um 12:15 Uhr

Oviedo 18., 19. und 20.03.09

von: evil

Jetzt ist heute schon der 20., das heißt es dauert wirklich nicht mehr lange, bis ich in meinen Flieger zurück steigen muss. Ich muss mal auskundschaften, obs in der Autobusstation eine Waage gibt, ich hab Angst, dass mein Koffer zu schwer wird :>

Am Mittwoch hatte ich einen sehr entspannten Tag. Ich hatte noch ein bisschen Rückenschmerzen vom Vortag, deswegen hab ich den Tag mit Lesen im Park und shoppen verbracht.

Gestern bin ich dann schon zeitig aufgestanden um in den Bus nach León zu hüpfen. Eigentlich wollte ich ja nach Santander, aber da das viel weiter weg ist, und von der Altstadt nach einem Brand von 1945 fast nichts mehr übrig ist, hab ich mich dann kurzfristig noch umentschieden.

1,5 Stunden bin ich dann nach León in der Comunidad Castilla-León gefahren. Die Fahrt war schon wunderschön, da sie durch die Berglandschaft an der Grenze der beiden Comunidades ging. Was man vom Busfenster aus sah erinnerte schon ein bisschen an Szenen aus Herr der Ringe, bloß ein bisschen kahler. Gleich neben der Autopista lag ein riesiger Bergsee, der dann auch noch in einer Klamm verschwand. Und alles so rau und erhaben. Hat mir wirklich gut gefallen. Danach kam dann fast ein anderes Landschaftsextrem, eine Steppe wie aus dem amerikanischen Western, oder vllt um beim Thema zu bleiben, wie Mordor.
In León war ich dann gegen 12 und wie immer war dann mein erster Gedanke erst mal: Café.

Aus der Karte ging schon hervor, dass man sich in León leicht orientieren kann, die Hauptachse ist die Calle Ancha, die dann auch zur Kathedrale führt, die sich über León erhebt und somit auch einen guten Orientierungspunkt bietet. Auf dem Plaza St. Martín hab ich ein nettes Café gefunden und hab mich gemütlich nach draußen gesetzt und einen Café mit Patats picantes bestellt. Der Kellner brachte mir dann zum Café einen kleinen Teller mit Dingern, die aussahen wie fritierte Raupen. Ich dacht, das wären die Kartoffeln und hab mich schon innerlich aufgeregt. Aber dann kam ein riesen Teller mit leckeren Kartoffelecken und einer harmlos wirkenden gelben Sauce. Erste Überraschung also: Die Raupen waren die Tapa gratis zum Café, es handelte sich natürlich um Calamares. Zweite Überraschung: Die Spanier können höllisch scharfe Saucen kreieren, die absolut harmlos aussehen. Bei scharf rechnet man ja mit einer roten Sauce, oder grün, oder senfig. Die Sauce war gelb mit unscheinbar darin schwimmenden Chilisamen. Puh!

Frisch angeheizt bin ich dann in Richtung Kathedrale gezogen. Die Kathedrale zählt zu den schönsten in Spanien. Und das kann ich schon bestätigen, ohne die anderen gesehen zu haben. Ich bin hineingegangen und es hat mir wirklich die Sprache verschlagen. Ich habe wirklich noch eine so helle Kirche gesehen, an manchen Stellen türmen sich bis zu 3 kunstvoll bemalte Glasfenster übereinander. Mir wars als würd ich die Engel singen hören. Als ich mich wieder eingefangen hatte, sangen die Engelchen immer noch! Ein paar Schritte um die Ecke sah ich dann, dass im Hauptschiff gerade fröhlich geheiratet wurde. Und zwar mit langer weißer Schleppe und auf englisch und spanisch. Ich hab mir das natürlich nicht entgehen lassen und hätte mir am liebsten gleich den Nächstbesten geschnappt, weil ich solche Lust verspürte auch in den ewigen Bund der Ehe einzutreten. So hab ich mich dann weiter durch die Kathedrale geträumt, mich von einem Lichtspiel nach dem anderen verzaubern lassen. Meinen himmlischen Chor im Ohr. Wärs mir nicht irgendwann ein bisschen zu frisch gewesen, wäre ich wohl jetzt noch im Inneren der Catedral.
Ein paar Fotos hab ich übrigens gemacht, auch wenn überall verboten wurde dies zu tun. Die Spanier haben sich nicht daran gehalten, also ich auch nicht :> Die Spanier gehen aber auch über rot, selbst wenn die Polizei daneben steht. Das nennt man hier wahrscheinlich Eigenverantwortlichkeit.

Fotos hab ich auch von der alten Stadtmauer gemacht und von vielen roten Häusern, die irgendwie nicht so richtig in die Szenerie passten, weil sie mich irgendwie an Dublin oder so erinnerten. Jedenfalls würde ich rote Backsteinhäuser eher im rothaarigen Irland vermuten als in Spanien :> Dann gibts noch Fotos vom Casa de los Botines, das von Antonio Gaudí designt wurde (jetzt bin ich reif für Barcelona und die Sagrada Familia), eins vom Platz, an dem früher die römische Legion VII stationiert war, die den Ursprung Leons bildet.

Die Stadtbesichtigung war in 3 Stunden abgeschlossen und so hab ich mich im Barrion Húmedo, also im "feuchten Viertel" noch in eine Bar gesetzt. Diesmal gabs fritierte Kartoffeln dazu. In León gehört es wohl zum guten Ton, zu jedem Getränk ein Tapa zu servieren. So hatte ich dann für 1,30 ein Wasser und ein Schüsselchen hausgemachter Chips. Mein lieber Franco, davon könntest du dir eine Scheibe abschneiden, nachdem du schon wieder Einsparungen vornehmen möchtest, Skalventreiber!
Die Herren am Nebentisch im Barrio Húmedo rätselten übrigens sehr ungeniert darüber, aus welchem Land ich denn käme. Gingen wohl davon aus, dass ich das nicht verstehe. Sie tippten dann sogar richtig auf Deutschland, wobei ich die Begründung "blond" ein bisschen unzureichend fand. Wollte mich auch nicht mit ihnen anlegen. Schließlich hatten mir davor aus einem Auto ein paar Jungs zugerufen, ob ich denn aus Polen sei....

León ist sehenswürdig, auf jeden Fall. Aber irgendwie fühl ich mich in Oviedo wohler, ich hab auch das Gefühl, dass die hier nicht so viel auf den Boden schmeißen wie in León. Ich hab ein paar Fotos geschossen von den Böden in den Bars. Es war wohl so gegen 4 oder 5, da waren die Horden von Spaniern, die sich in Massen über die Innenstadt ergossen hatten schon weg. Gegen 3 war wirklich alles voll und danach auf einen Schlag wieder leer, nur der Dreck auf dem Boden zeugte noch von mittagessenden Spaniern.

Nach ein paar entspannenden Minuten am Flussufer bin ich dann wieder nach Oviedo zurückgekehrt. Abends haben wir dann noch in der Küche ein bisschen gefeiert. Lucia und Ana waren mit ihren Freunden da. Lucias Freund Juan hatte gestern seine letzte Prüfung. Er hat sich mit anfangs 60 Kandidaten um einen Platz in der EU in Brüssel geschlagen. Nach was weiß ich wieviel Prüfungen hat ers tatsächlich geschafft, den Posten zu bekommen. Und das musste natürlich gefeiert werden. Und da Lucia im Juni dann zu ihm nach Brüssel zieht, heißt das natürlich, dass ich die beiden unbedingt mal in der belgischen Hauptstadt besuchen muss!

24.03.2009 um 12:14 Uhr

Oviedo 16.03. und 17.03.09

von: evil

ich komme gerade von einem kleinen Gewaltmarsch :>

Nachdem ich gestern außer schlafen, in der Sonne sitzen und lesen und essen nicht weiter viel gemacht habe, bin ich heute früh in Richtung "Senda del Oso" aufgebrochen. Dieser Wanderweg gräbt sich durch die umliegenden Berge Oviedos.
Mit dem Bus bin ich nach Trubia gefahren und habe mir dann von einem Straßenreiniger den Weg nach Tu~nón zeigen lassen. Von Trubia nach Tu~nón führt der malerische "Senda Verde", der gleich die Wanderlust in mir geweckt hat. Ich wanderte die 6 km durch ein Tal voller gesunder asturianischer Kühe, Esel und sonstigem Getier. Überall blühten schon die Bäume, von den Blumen am Wegesrand ganz zu schweigen. Ein Opa rief mir im Vorbeilaufen zu, dass die wärmende Sonne doch eine "Gloria" sei. Vereinzelt waren ein paar Bauernhäuser mit Hórreos auf meinem Weg, aber sonst nur Felswände.

Die Wärme der lieben Sonne machte mir jedoch bald zu schaffen, ich war sowieso nur mit T-Shirt unterwegs, aber es hatte bestimmt 30 Grad in der Sonne. Und da ich die meiste Zeit in der prallen Sonne gelaufen bin, könnt ihr euch ungefähr vorstellen wie ich jetzt aussehe!

Es war jedenfalls wunderschön auf dem Senda Verde. In Tu~nón ging der Senda dann übergangslos in den Senda del Oso über.
Nach meinem Kenntnisstand zu diesem Zeitpunkt waren es 24 km von Tu~nón nach Entrago, wo die Busse wieder nach Oviedo fahren sollten. Das versetzte mich doch einigermaßen in Unruhe, da ich durch die 6 km Abstand zwischen Unterjesingen und Tübingen weiß, dass ich dafür ungefähr eine Stunde brauche, aber eher mehr. Ich war natürlich eifrig am rechnen und ausgehend von 5 km pro Stunde (die ich dann auch wirklich gelaufen bin), hätte ich noch 5 Stunden, ohne Pause und ohne Fotos machen gebraucht. Dann wäre ich um 6 in Entrago gewesen und ich war natürlich auch so spontan aufgebrochen, dass ich vergessen hatte nachzuschauen wann der letzte Bus fährt.
Trotz allem hab ich mich neugierig auf den Weg gemacht, nur eben häufiger mal mit einem Plan B beschäftigt.
Was ich gesehen habe, war wirklich wunderschön. Nebenan als Reisebegleiter der Río Trubia, ein breiter rauschender Fluss, der Weg gesäumt von Veilchen, Schlüsselblumen und Gänseblümchen und immer wieder neue sich in den Himmel erhebende Felsformationen.

Die meiste Zeit war ich auf dem Weg dann auch noch alleine, so konnte ich ruhig vor mich hindenken. Ich dachte ja, ich brauche die Zeit in der Fremde auch, um über mich nachzudenken, was auf mich zukommt und was hinter mir liegt. Komischerweise habe ich beim Wandern keine Probleme mehr gefunden, über die ich nachdenken kann. Meine größte Sorge war in letzter Zeit das Staatsexamen, ich hatte einfach Angst, dass ich es nicht bestehe und dann wie damals mit Französisch mich psychisch so hineinsteigere, dass ich es ein für alle mal versau. Das hat mir vor der Reise einige schlaflose Nächte bereitet.
Mit den neuen Erfahrungen merkte ich aber beim Wandern, dass ich, was das Spanische angeht, viel Selbstsicherer geworden bin. Meine Antwort auf die Angst vor dem Staatsexamen war einfach ein deutliches "das schaffst du schon". Ich glaube, dass so eine Luftveränderung wirklich die Persönlichkeit erweitern kann und mehr Kraft gibt. Ich hoffe ich kann das noch lange bewahren. Ich habe hier zwar schon vor Verzweiflung geweint, aber trotzdem habe ich soviele Ängste überwunden, dass die großen Dämonen immer leiser werden.

Der Weg führte mich dann auch durch ein paar Tunnel, in denen Wasser vom Tunnelbogen tropfte. Bestens ausgerüstet, hab ich mir dann die Tunnelwand mal mit meiner Maglite angeschaut. Sie war voller kleiner Kalkablagerungen, und sogar schon einige kleinen Tropfsteinen. Sah wirklich toll aus, außerdem konnte man das herabtropfende Wasser gut als natürliche Dusche benutzen! Schließlich war ich schon nach wenigen Stunden ziemlich vollgeschwitzt. Ich hab bestimmt gestunken wie ein Bär (=Oso).

Zum Essen hatte ich mir 3 Saboas mitgenommen, kleine Schaumteigteilchen, die nicht zu süß sind, aber schön lecker. Das hat dann auch bis 6 gereicht, aber das Wasser wäre knapp geworden, wären nicht aus den Felswänden ab und an kleine Wasserfontanen herausgeschossen.

Nach 4 Stunden taten mir aber dann schon langsam die Schultern und noch mehr die Füße weh und so beschloss ich mich doch mal nach einer Rückfahrmöglichkeit umzusehen und nachdem ich mich noch eine halbe Stunde weiter durch die Felsenpfade geschleppt habe, sah ich dann auch in der Ferne an der Straße auf der anderen Flußseite etwas, das aussah wie eine Bushaltestelle. Nachdem ich über eine etwas wackelige Brücke auf die andere Seite gelangt war, konnte ich endlich erleichtert aufatmen. Um 5 sollte von dort wieder ein Bus nach Oviedo fahren. Die halbe Stunde die bis dahin noch blieb, trocknete ich meine Füße, betrachtete meinen Sonnenbrand und löschte meinen Durst.

Resultat meiner Wanderung: 4,5 h fast ununterbrochenes Wandern, heruntergespulte Kilometer: 20 von Trubia bis zur Hälfte zwischen Caranga und Entrago. Krebsroter Teint, leuchtendrote Nase. Heute Nacht werde ich bestimmt schlafen wie ein Baby.

24.03.2009 um 12:13 Uhr

Oviedo 15.03.09

von: evil

Euch schreibt gerade eine müde, vollgefressene, aber glückliche Evi!

Gestern bin ich wie immer um 9 aufgestanden, ich habs hier trotz Ferien noch nicht geschafft länger zu schlafen. Aber vllt ist das auch ein Segen, weil gerade das mein natürlicher Rhythmus wäre. Der sich natürlich nicht im normalen Leben durchhalten ließe.
Nach einem kurzen Besuch im La Muneka bin ich dann mit Lucie und Juan nach Luanco gefahren. Hier ist es nebenbei ganz normal, dass man ein Auto hat und man wollte es mir kaum glauben, dass weder Andreas noch ich ein Auto besitzen.

In Luanco fiel mir als erstes auf, dass die vielen Ferienwohnungen den zum Meer hin abfallenden Hang nicht gerade schöner machen. Durch den wolkenverhangene Regen sah das ehemalige Fischerdorf dann noch vergewaltigter aus. Bei unserem Paseo (Spaziergang) sind wir dann auch noch auf ein Baugebiet am Meer gestoßen, das später ein Sporthafen werden soll. Erst als wir dann in das Dorf eingedrungen sind gefiels mir besser.
Es war Mittagszeit und die zahlreichen Restaurants waren von Einheimischen und Wochenend-Ausflüglern belagert. Viele Tische standen schon draußen und die ohne Platz gebliebenen setzten sich einfach auf eine Mauer an der Mole. Auf den Tellern lagen Berge von abgelutschten Garnelen und leergeschlürften Muscheln. Überall lag der leicht säuerliche vergorene Geruch des Sidras in der Luft, der in den Straßen und den Bars schon um 2 in hohem Bogen eingeschenkt wurde.
Ich selbst hab mich wieder nicht gewagt, Sidra zu bestellen, da ich mich für meinen ersten Kontakt in der Nähe meines Klos wissen möchte.
Irgendwo haben wir dann auch mal ein Plätzchen gefunden und gegessen. In meinem Fall war das das Tagesmenü bestehend aus einer Caldo de Cocido (Brühe mit Eintopffleisch), Garbanzos con patatas y carne (Kichererbsen, Kartoffeln und Geflügel), Lomo (panierte Schweinelende) und zum Nachtisch Arroz con leche. Mit Getränk hat das ganze 12 Euro gekostet.
Danach haben wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang gemacht und sind dann zur Siesta nach Hause gefahren. Nach dem Essen hier braucht man aber auch immer einen Spaziergang und eine Siesta, da Kichererbsen, Bohnen und co im Magen ja scheinbar noch mal um das doppelte aufgehen.
Als Lucie und ich uns dann wieder einigermaßen fit fühlten haben wir uns auf Kneipentour gemacht. Von einer Bar zur nächsten zu wandern und dabei meist nur schnell im Stehen ein Bier zu trinken ist hier Habitus. Und wir waren auch noch relativ früh unterwegs, da wir um halb 10 in der ersten Bar waren. Die Spanier essen da gerade erst zu Abend und glühen vor.
Zuerst hats uns in eine dunkle holzverkleidete Bar verschlagen, in der Bierspezialitäten aus verschiedenen Ländern angepriesen wurden. Ich hab natürlich nicht das Paulaner getrunken, sondern ein Cruzcampo. Das spanische Bier ist durch die Bank eine dicke Hure, weich, willig und wenig widerspenstig. Außerdem wirds dann auch noch in aberwitzigen Mengen ausgeschenkt, für die ein Franke nicht mal aufstehen würde. Bei Biergläsern von 0,2 l Fassungsvermögen trieb es mir die Tränen in die Augen, tapfer um mein Seelenheil bedacht hab ich das winzige Elend dann möglichst schnell dem Irdischen entrissen.
Noch zwei weitere ereilte dieses Schicksal, in jeder weiteren Bar eines. Wobei wir in 3 wirklich unterschiedlichen Bars waren. In der ersten dunkeln Bierbar machte uns ein Jediritter an und sagte uns zum Abschied wie schön wir doch sind. In der zweiten aßen wir den Nüsschenteller leer, nachdem die ganze Zeit Micheal Bublé gespielt wurde, in dem Teufelskreis aus Bier und salzigen Erdnüssen änderte der Kellner dann endlich seine musikalische Richtung. Nur was ist erträglicher, ein Madonna-Rihanna-Kate Perry-Medley oder ein Schmalz-Barde?
Geflüchtet sind wir dann ins Flamin, einer Hippie-Kneipe, die von oben bis unten mit Woodstock-Ikonen dekoriert war. Da fühlten wir uns dann so richtig wohl, schließlich wird man hier in Spanien mit einer Penetranz mit Charts bombadiert, dass wir endlich mal aufatmen konnten. Lucie und ich haben uns die ganze Zeit gut unterhalten und mit dem Bier war es dann auch gar nicht mehr so anstrengend Spanisch zu sprechen :> Da sie aus Tschechien ist, konnten wir ein bisschen über gemeinsame Geschichte, ähnliche Gewohnheiten und Unterschiede zu den Spaniern plaudern.
Danach sind wir noch in der Stadt herumspaziert um die unzähligen Ansammlungen saufender Jugendlicher auf den Plätzen und in den Straßen zu betrachten. Da die meisten Jugendlichen ja bis fast Ende 30 bei ihren Eltern wohnen, treffen sie sich meist auf der Straße um zu feieren, da die Bars zu teuer sind. Das dabei einfach aller Müll liegen gelassen wird ist klar. So läuft das hier, auch in den Bars werden die Schalen der geknackten Erdnüsse einfach auf den Boden geschmissen. Juan meinte, dass man so ja am besten Putzen kann.
Auf flickr hab ich ein paar Ansammlungen fotografiert. Lucie sagt in der Innenstadt sind die Wohnungen besonders billig, weil man von Donnerstag bis Sonntag einfach nicht schlafen kann, weil es durch die Botellones so laut ist. Um den Müll muss man sich weniger Sorgen machen, die Stadt putzt die ganze Zeit mit ihren Wasserstrahlern die Straßen sauber. Die Mädels die da herumstöckeln und sich kaum auf ihren hohen Absätzen halten können haben das Gesicht voller Pickel, können vor lauter Pony nichts sehen, bedecken nur das Nötigste und das natürlich auch nicht so, dass es eine Unterkühlung verhindern könnte. Wie bei uns eben :> Oma würde verrückt werden und irgendwann geifernd auf dem Boden liegen und unter nervösem Kichern ab und an mal "Nieren" herausschreien.
Entgeistert sind Lucie und ich dann um 2, was hier definitiv zu früh ist, nach Hause gegangen.

Am nächsten Morgen sind wir dann ins La Muneka frühstücken gegangen. Da musste schon ein Riesen-Café herhalten um uns wach zu machen. Schließlich waren wir mal wieder viel zu früh wach. Das Croissant war "a la plancha" also vergleichbar mit dem deutschen anrösten und richtig lecker. Hat traumhafte 2,20 gekostet und dann gabs auch noch ein Schnapsgläschen frisch gepressten Orangensaft. Ein bisschen gestärkter haben wir uns dann mental schon mal aufs Mittagessen vorbereitet, bis wir dann um 2 in den Bus zu Juans Eltern gestiegen sind.
Dort habe ich endlich meine erste Fabada gegessen. Und es war eine Offenbarung. Auch wenn die Eltern Angst hatten, dass es mir zu "fuerte" ist, hatte ich keine Probleme. Ich glaube die Asturianer haben viel mit den Franken gemein. Jedenfalls was die Liebe zu Speck mit ordentlicher Schwarte und deftiger Wurst angeht. Davon gibts nämlich ordentlich zum "Saubohneneintopf" dazu. Ich war dann auch diejenige, die nochmal einen Teller gegessen hat. Und als Nachtisch gabs dann noch eine Art Käsekuchen. Das Rezept werde ich mir bei Lucie holen und mal nachmachen :>

Vollgegessen sind Lucie und ich dann zu Fuß nach Hause und haben uns noch zu einem Nickerchen in den Parque San Francisco gesetzt.

14.03.2009 um 12:07 Uhr

Oviedo 14.03.09

von: evil   Stichwörter: Oviedo, Monte, Naranco

Stimmung: schläfrig
Musik: La oreja de Van Gogh - Inmortal

gestern hatte ich noch einen wunderschön entspannenden Tag. Das Wetter war gigantisch, ich bin mit T-Shirt herumgelaufen und hab trotzdem geschwitzt.
Der Weg zu den beiden präromanischen Kirchen Santa María del Naranco y San Miguel del Lillo war in 45 Minuten gemeistert. Von einem Wanderweg darf aber nicht gesprochen werden. Der Aufstieg erfolgt auf dem Seitenstreifen der Autostraße. Direkt gefährlich wars nicht, aber es zeigt wieder wie die Spanier denken. Dafür gabs dann nahe der Kirchen einen riesigen Parkplatz. Das mit dem Parkplatz war auch ein bisschen seltsam. Es standen nur ein paar Autos herum und auf den Grünstreifen lagen die Spanier zum Sonnen...ich meine auch ein paar unbekleidete ältere Herren gesehen zu haben.
Den Parkplatz hab ich im Sturmschritt überquert und mich schon geärgert, mein Taschenmesser zur Verteidigung vergessen zu haben.

An der Kirche war ich natürlich viel zu früh, da ich 2 Stunden für den Aufstieg eingeplant hatte. Bis die Führung beginnen sollte blieben mir noch 30 Minuten, die ich mit lesen in der Sonne totgeschlagen habe. Was für eine Qual :>
Die Führung an sich dauerte nicht einmal eine halbe Stunde, aber sie ist die einzige Möglichkeit die beiden Kirchen von innen zu sehen. Fotos befinden sich wieder auf flickr.de/evi_emmert. Aber leider nur Santa María durfte man von innen fotografieren. Leider ist das auch diejenige die im Innenraum recht uninteressant ist.

Mehr beeindruckt hat mich San Miguel. An der Decke konnte man noch Malereien erahnen, die aber leider durch die ungünstige Witterung schon schwer mitgenommen war. Insgesamt kann man aber über die Kirchen nicht so viel erzählen. Sie sehen vor allem nett aus und sind alt (842 n.Chr.). Und gehören zum Unesco-Weltkulturerbe.

Da mir danach meine Füße so wehtaten hab ich mir daheim erst mal meinen aufgenommenen Tatort "Herz aus Eis" und Traumschiff Surprise angesehen. Anschließend hab ich mit Lucie noch einen Abstecher in den Hipercor gemacht. Da ists immer wieder faszinierend. Die haben echt alles! Die haben glaub ich jede Sorte von Tomaten (auch in allen Farben) im Angebot, Käse in Massen und von jedem Tier kann man alles kaufen. Brr...

14.03.2009 um 11:36 Uhr

Oviedo 13.03.09

von: evil

also für heute kann ich erst mal eine Entwahrung geben. Keine Conchita, keine Dämpfe, gute Nacht.
Und heut solls dann auch noch 21 Grad geben, also auch noch super Wetter für meine Wanderung auf den Monte Naranco.
Gestern bin ich nach einem Stärkungs-Café mit Lucie in die Catedral gepilgert. Dort bin ich dann gleich mal auf ein Paar Pilger aus Österreich und GB gestoßen. Ich konnte ihnen gleich helfend zur Seite stehen mit meinem unglaublichen Wissen über Oviedo. Naja ich hab sie eben mal zum Tourismusbüro geschickt.

Gestern war ja gratis Eintritt, aber leider keine Führung, die gibts nur im Sommer. Aber nach all den Widrigkeiten der letzten Nächte hatte ich dann nochmal unglaubliches Glück. Als ich in die erste Kammer, die "Camara Santa" eintrat, erklärte ein kleines Männchen gerade einer großen verständnislos hereinblickenden Frau die Reliquien. Ich habs gewagt ihn etwas dazu zu fragen und er hat mir sofort den ganzen Raum erklärt. Wie sich herausstellt war jene Frau aus Königswinter und auf 3-wöchiger Sprachkursreise in Oviedo. Ihr Lehrer, das kleine Männchen, hat ihr alles auf Spanisch erklärt, wovon sie wohl ab und mal was verstanden hat. Ich hab die Gelegenheit beim Schopf gepackt und als Simultanübersetzerin das Wissen das Spanisch in mein Hirn eindrang auf Deutsch jener Königswinterin weitergegeben. So hab ich mir das Ganze wahrscheinlich noch besser merken können...und ich hatte meine gratis Führung. Von 2,5 Stunden! Dem Männchen hat es nämlich sehr gefallen einer interessierten Studentin seine wertvolle Catedral zu zeigen. Ich bin jetzt also absolute Expertin und biete mich gerne als Führerin an :>
Fotos durfte man leider keine machen, im Internet gibts leider auch nicht so viele...aber ich hab eine Broschüre.

Die Catedral ist wirklich beeindruckend, vor allem wenn man die Mythen kennenlernt, die sich mit vielen Reliquien verbinden.
Die Kathedrale betritt man über einen luftigen Vorbau, der konstruiert wurde, um die Pilger, die im Mittelalter vorbeikamen, vor dem Regen zu schützen. Der erste Jakobsweg war der Camino Primitivo, der von San Salvador de Oviedo nach Santiago de Compostela führte. Die Bedeutung der Catedral für die Pilgerreise wird durch den Spruch "Quien va a Santiago y no al Salvador, visita al criado y deja al Se~nor." Das bedeutet soviel wie: "Wer nach Santiago und nicht nach Salvador geht, besucht den Diener und übergeht den Herrn". Santiago war wohl Schüler des heiligen Salvador und daher ist es unabdingbar, die Reliquien in der Catedrale zu ehren. Die meisten Pilger kamen damals aus Frankreich und ließen sich vor allem in der Calle Gascona nieder, in der viele Hotels gebaut wurden und die ja jetzt der Boulevard des Sidra ist.

Die bedeutensten Reliquien, die sich alle in der Camara Santa unter der Kirche befinden, sind 2 Kreuze, ein Schweißtuch und eine Truhe.
Das erste Kreuz "La Cruz de la Victoria" ist ein lateinisches Kreuz, ist also in der Vertikalen länger als in der Horizontalen. Es handelt sich dabei um das Wahrzeichen Asturiens und ist in gelb auf blauem Grund auf der Flagge der Comunidad zu sehen. Das Kreuz ist ein GEschenk von Alfonso III.
Um das zweite Kreuz "La Cruz de los Angeles", einem griechischen Kreuz, bei dem alle Arme gleichlang sind, rankt sich eine Legende um die Entstehung. Zwei Pilger sollen nach Oviedo gekommen sein, um dem König Alfonso II ein Geschenk zu machen. Sie behaupteten Künstler zu sein und wollten ihm zu Ehren ein Kreuz anfertigen unter Bedingung, bei ihrer Arbeit allein gelassen zu werden. Ein Neugieriger schaute doch durchs Schlüsselloch und sah, dass die beiden Pilger Flügel hatten. Das Kreuz ist nun das Wahrzeichen Oviedos und wird von zwei Engeln flankiert auf dem Wappen gezeigt.
Bei dem Schweißtuch handelt es sich natürlich um das von Christi. Und es soll sogar nachgewiesen worden sein, dass das Tuch zeiltich und geografisch aus seiner Schaffenszeit stammt. Aber da unser lieber Jesus keine DNA hinterlassen hat, kann man nicht sagen, dass es wirklich von ihm stammt.
Die Truhe ist ein Reliquienschrein, dessen Inhalt auf Vitrinen verteilt wurde. Bei der ersten Öffnung der Truhe soll ein Bischof blind geworden sein, da es so hell daraus hervorschien.
An die Kammer schließt sich ein Museum mit etlichen Geschenken an die Catedrale an, die von unschätzbarem Wert sind. Viele Holzarbeiten sind dabei von flämischen Künstlern. Flämisch heißt auf spanisch "flamenco" :>
Als nächstes zeigte mir das Männchen einen Raum mit altem Chorgestühl, das das erste Parlament Asturiens war. Von dort wurde damals Napoleon der Krieg erklärt. Anschließend haben wir uns den Pilgerfriedhof angesehen, der leider von einem riesigen Nachbargebäude überschattet wurde, das dem geologischen Museum gehört. Wahrscheinlich wird diese Schande wieder abgerissen, da das einigen gar nicht passt und das Gebäude zur Catedral passt, wie Pistolen zu einem Heiligen (so das Sprichwort).
Der Friedhof ist wirklich klein, überall stolpert man über im Boden eingelassene Grabsteinplatten. Wahrscheinlich wurde nicht jeder Pilger in einem eigenen Grab beerdigt.
Daneben ist die Kapelle der heiligen Eulalia. Sie ist die Schutzpatronin der Diozöse Oviedos und wurde durch die Straßen getragen, wenn es eine Pestepedemie gab, oder es mal wieder die ganze Zeit regnete. Die Arme hatte wahrscheinlich wirklich viel zu tun.
Der Kreuzgang, der sich daran anschließt ist auch wirklich beeindruckend mit hohen Säulen, die durch Kapitelle mit Jagdszenen, mythologischen Wesen und anderen Szenen abgeschlossen werden. Durch die Harmonie von Licht und Schatten, durch die Veränderung des Lichteinfalls mit jedem Schritt hat der Hof eine ungemein befriedigende Wirkung.
An einer Mauer führt dann die Puerta de las Limosnas nach draußen. Durch sie wurden früher in den Hungerzeiten Suppen ausgegeben und man kann sich wenn man durchschreitet  sehr gut vorstellen, wie die Armen ihre dünnen Extremitäten durch die Gitter pressen, um Essen zu erbeten.
Wieder außerhalb der Kathedrale mussten wir wieder zum Eingang laufen. Die Öffnungszeiten-gebundenen Kammern werden von vorne nach hinten geschlossen und so kann man nicht einfach wieder zurücklaufen.
In der Kathedrale habe ich dann noch am Schlüssel des hlg. Salvator gedreht, da sich dadurch Wünsche erfüllen sollen.
Anschließend hat mir mein Führer noch ein bisschen was über Asturien erzählt. Zum Beispiel, dass die Asturier vor allem von den Kelten und Franzosen abstammen und damit mehr mit den Irländern gemein haben, als mit dem Süden Spaniens. Er sprach dazu von einer "künstlichen Union".
Vielleicht schreib ich meine Zulassungsarbeit doch übers Asturianische...

Danach bin ich noch zur Kirche von San Julián de los Prados. Mittlerweile wars schon fast 7 aber trotzdem noch hell und warm. Die Kirche ist auch wunderschön anzusehen, liegt aber direkt neben der Autostraße, was sehr deplaziert wirkt.

Zum Abschluss des Tages hab ich mit Lucie und Juan noch ein Bierchen im Clandestino getrunken. Die Bar ist wohl eine der wenigen, in der europäische Musik gespielt wird und nicht die spanischen Charts hoch und runter.
Gegangen sind wir schon um 12 und Juan hat mir gedroht, dass wir mal "Ausgehen" müssen. Meine verdutzte Frage, ob wir das nicht gerade täten beantwortete er mit einem Kopfschütteln und erklärte mir, dass Ausgehen auf Spanisch heißt, dass man eben bis in die Puppen weg geht. Ich glaub ich bin zu alt für sowas...

14.03.2009 um 11:36 Uhr

Oviedo 12.03.09

von: evil

Gestern nach dem Cafébesuch bin ich gemütlich nach Hause geschlendert und habe mich schon gefreut mich bei einem Bierchen noch mit Lucia und Ana unterhalten zu können. Aber was mich erwartete war der Beginn eines Schnellkurses in Streiten auf Spanisch.
An der Tür klebte ein Zettel auf dem stand, dass ich Ana anrufen soll, wenn ich heimkomme. Ich habe angstvoll ihre Nummer gewählt und schon in Gedanken mit mir ausgemacht, dass ich meine Mobiltelefonrechnung diesen Monat lieber nicht ansehe. Ana informierte mich hektisch und aufgeregt, dass ich diese Nacht nicht in der Wohnung schlafen kann, da das Lösungsmittel innerhalb kürzester Zeit Augenbrennen und Husten auslöst. Sie meinte auch, dass sie mit Conchita und Susana geredet hat und dass ich wohl in ein anderes Zimmer könne.
Ich habe für mich dann beim Eintreten in mein Zimmer befunden, dass ichs mit geöffnetem Fenster durchaus überstehen könne und mich gedanklich mit einer etwas kälteren Nacht abgefunden.
Als nächstes kamen dann Lucia und ihr Freund heim. Juan meinte auch, dass ich nicht in der Wohnung schlafen kann und hat gleich angeboten, dass ich im Haus seiner Eltern schlafen kann, wie er und Lucia. Damit alles gut. Wäre nicht noch Conchita aufgetaucht, die sich tausendmal entschuldigte, dass es so gelaufen ist, dass wir nicht in der Wohnung schlafen können und so weiter wäre es wahrscheinlich recht entspannt verlaufen.
Sie hat mich aber dann so bedrängt, dass ich in ihrer Wohnung schlafen soll und so penetrant wiederholt, dass sie sich solche Schuldgefühle einredet, dass sie einfach die Stimmung in eine gereizte, aufgebrachte umschlagen hat lassen. Lucia und mir hat dies den letzten Nerv gekostet, da wir beide in diesem Moment sowieso mit den Nerven am Ende waren (sie wegen ihrer Arbeit, ich wegen der schlechten Nachrichten aus D). Ich hab einfach mal angefangen zu heulen, weil ich mich an der Grenze des in einer anderen Sprache ausdrückbaren befand. Als wir ihr dann tausendmal versichert haben, dass ich gut aufgehoben bin hat sie endlich Leine gezogen. Juan wollte uns dann zuerst ins Sommerhaus seiner Eltern in Luarca fahren, weil er fürsorglich meinte, dass jetzt fremde Leute wirklich zu viel für mich wären. Aber ich hatte mich schnell wieder beruhigt, als die Hexe das Haus verlassen hatte und so sind wir dann nach einem kurzen Bier in die Wohnung gegangen. Juan hat an diesem Abend wirklich mit seiner Unkompliziertheit geholfen. Sonst hätten Lucia und ich uns wohl sehr verloren gefühlt, da wir ja doch irgendwie das gleiche Schicksal teilen, da wir an andere (bessere) Umstände gewohnt sind. Ana war währenddessen übrigens bei ihrem Freund. Später um zwei kommt sie hier in der Wohnung vorbei und dann wird erst mal Krisensitzung gehalten.
Juans Eltern haben mich einer so überbordenden Freundlichkeit empfangen, dass ich alle Klöße im Hals schnell runtergeschluckt und alle Beklemmung, fast ohne es zu merken, von mir geschüttelt hatte. Sie haben mir gleich das Gästezimmer zugewiesen, mir das Bad gezeigt, mich für Sonntag zum Essen eingeladen und waren sehr verständnisvoll. Juan war ja 3 Jahre in England und seine Mutter meinte, dass sie für sich in dieser Zeit beschlossen hat sich gut um Fremde in Spanien kümmern wird. Da sie sich das für ihren Sohn auch so erhofft hat.
Ich glaube Conchita ist wirklich eine Ausnahme unter den spanischen Frauen. Anfangs war es ja noch ganz lustig, aber in dieser Nacht hat der Spaß wirklich aufgehört.
Ich habe sehr gut geschlafen und nach dieser Nacht sind Lucia und ich dann gespannt aufgebrochen um zu sehen ob die Wohnung wieder bewohnbar ist. Wir freuten uns schon auf einen gemütlichen Morgentee. Aber das Ganze war natürlich noch nicht vorbei. Die Wohnung war natürlich nicht leer, sondern es huschte wieder Conchita durch die Gänge und im stinkenden Zimmer bearbeitete ein Handwerker das Parkett. Lucia und ich haben wohl gleichzeitig die Hoffnungslosigkeit in uns aufsteigen gespürt, denn sie sah mich so an, wie ich mich fühlte. Hilflos, weil wir schon wieder keine Ruhe in unseren vier Wänden hatten und genervt, da nun wieder eine Diskussion mit Conchita anstand.
Conchita erklärte mir gleich nochmal, wie leid ihr alles tat und bot mir an mich zum Essen einzuladen.
Ich bin aber in solchen Dingen sehr langsam. Wenn ich mit jemandem böse bin, kann ich nicht einfach so tun, als wäre nichts gewesen. Ich war wirklich wütend und aufgewühlt. Sowas kann ich nicht einfach überspielen und wieder freundlich sein. Ich brauche Zeit um dieses Gefühl wieder abzubauen, es kommt ja auch nicht sprunghaft sondern nährt sich durch mehrere Ereignisse. Ich habe ihr als Antwort verständlich gemacht, dass ich keine Zeit habe mit ihr zu essen. Ich konnte ja nicht sagen, dass ich so wütend auf sie bin, dass ich keine Minute länger mit ihr verbringen will. Anschließend hab ich noch versucht, ihr zu erklären, dass man nicht einfach in ein Zimmer eintritt, wenn die Bewohnerin nicht da ist (sie war eben in meinem Zimmer, als ich noch nicht da war, die Fenster waren geschlossen...), und wenn man klopft, dann wartet man, bis die Person den Eintritt gewährt. Und so weiter. Lauter Sachen, die für uns im Mindestmaß an Höflichkeit enthalten sind.
Wie kann es denn sein, dass man solch einfache Verhaltensregeln nicht kennt, oder nicht befolgt. Jedesmal wenn sie in der Wohnung ist, fühle ich mich unwohl und nicht zu Hause.
Meine Erklärungen zu den Grundregeln hat sie aber glaube ich nicht ernstgenommen. Jedenfalls schien es nicht so. Sie beharrte nur darauf, dass ihr die Umstände leid täten und hatte auch noch die Frechheit zu sagen, dass die Mädchen vor uns sich nicht so viel beschwert haben. Sie meinte denen wäre klar gewesen, dass man ab und zu ein paar Sachen erneuern muss. Welche Ironie, diese Mädels hinterließen die Wohnung ja als Dreckloch, das Lucia dann erst mal beseitigen musste.
Sie meinte dann auch noch um eins drauf zu setzen, dass sie jederzeit in die Wohnung könne, weil das leere Zimmer ja ihr gehöre. Versteh das einer, denn die Wohnung gehört ja ihrer Nichte. Diese ist aber zur Zeit unpässlich, da sie starke Rückenschmerzen hat und durch starke Medikamente dauernd kotzen muss.
Jetzt gehts mir langsam wieder besser, jetzt wo Conchita endlich wieder weg ist. Ein bisschen fehlt mir zwar die Unternehmungslust, aber ich werde mir heute auf jeden Fall die Catedral anschauen gehen, schließlich ist der Eintritt heute gratis.
Zum Thema gratis: Für spanische Männer ist es wohl normal, die Frauen einzuladen. Juan hat gestern schon wieder für mich bezahlt. Da fühlt man sich gleich irgendwie mehr respektiert, mehr Frau. Ich weiß nicht...nicht des Geldes wegen, aber es ist eine nette Geste der Höflichkeit. Bei uns in Deutschland ist das ja nicht Habitus, wenigstens ein paar Höflichkeitsformen sind uns die Spanier voraus :>
Macht euch aber bitte keine Sorgen um mich. Mir gehts jetzt wieder gut, wir haben mit Conchita ausgehandelt, dass sie uns erst mal mit Baumaßnahmen in Ruhe lässt. Ich wollte euch bloß schildern, wies in anderen Ländern zugeht.
Aber langsam freu ich mich immer mehr nach Hause zu kommen. Das Neue kann doch spannend aber auch ziemlich verwirrend und deprimierend sein. Vor allem wenn man sich innerlich sträubt die neue Mentalität anzunehmen, weil ja man weiß, dass es woanders besser läuft. Ich bin für diese Erfahrung dankbar, da ich jetzt weiß, dass es nicht einfach ist woanders zu leben und dass Unterschiede existieren und man nicht anders kann als sie zu akzeptieren.
So jetzt geh ich endlich mal unter die Dusche, ich wollte nicht drunter solange Conchita vor dem unabschließbaren Bad herumschleicht.
Drückt mir einfach die Daumen, dass es das jetzt war!

14.03.2009 um 11:35 Uhr

Oviedo 11.03.09

von: evil

jetzt ist es passiert. Es hätte nicht anders kommen können. Es ist jetzt halb 7 abends, ich habe mir gerade noch einen Platz im La Muneka mit Steckdose sichern können und bin noch am überlegen, was ich denn bestellen soll, da kommt schon der Kellner grinsend an und bringt mir meinen Café. Dabei habe ich doch eine eiserne Regel nach 4 keinen Café mehr zu trinken, weil ich sonst nicht schlafen kann. So hat sich mein Ausruhen im Gewohnten nun gerächt. Ich werde jetzt beim Schreiben tapfer meinen Café con Leche trinken und morgen wieder um die gewohnte Zeit hier antanzen :> Es war übrigens mein Lieblingskellner, der mir sogar schon in meinem Stammsupermarkt hier begegnet ist. Er ist auch der einzige Spanier, der mir hier gefällt. Aber lieber Andreas, du lernst bestimmt auch noch mir Herzen auf den Café zu gießen und dann kannst du wieder konkurrieren. No te preocupes!

Mein Gang ins Café kam heute einer Flucht gleich. Ich habe mich aus der Wohnung gestürzt, obwohl ich dort eigentlich gemütlich einen Nachmittagssnack zu mir nehmen wollte. Den Grund kann man sich schon denken, Conchita hat uns mal wieder Grüße in die Wohnung geschickt. Diesmal bestanden sie aus einem Handwerker, der in dem leerstehenden Zimmer das Parkett neu gebohnert hat. Ich hab den beißenden Gestank immer noch in der Nase, auch wenn hier der Cafégeruch gemischt mit Zigarettenqualm durchs Café wabert. Wir werden morgen wahrscheinlich alle mit Kopfweh aufwachen so sehr durchdringt der ätzende Mief die Zimmer. Danke Conchita, du schaffst es immer mehr, dass wir uns rundum glücklich fühlen!

Heimgekommen bin ich so spät, weil ich den Tag über bei Laura in Gijón war. Um 11:30 hab ich mich in den Autobus gesetzt, nachdem ich für Hin- und Rückfahrt 3,95 gezahlt habe. Nach einer halben Stunde war ich dann wieder auf neuem Boden. Laura hab ich dann gleich mal instruiert, dass sie möglichst schnell das nächste Café finden soll, da ich um 11:30 normalerweise meinen Café trinke und so den Tag nicht ohne hätte überstehen können. Im Café Sol, und es schien auch wirklich die Sonne mit aller Kraft, haben wir dann erst mal Energie getankt und sind dann anschließend durchs Straßengewirr Gijóns zum Strand vorgedrungen. Mir ist sofort das Herz aufgegangen anlässlich den brausenden Wellen, den Möwenschwärmen über dem Meer und dem Wind, der uns fast mit in die Luft gehoben hätte. Und natürlich roch es auch nach Meer, nach Salz und ein bisschen nach Algen. Wir sind dann erst mal ein bisschen am Sandstrand entlangspaziert und haben eifrig Fotos geschossen. Richtig klassisch mit dem Schriftzug Gijón-Tübingen im Sand, mussten uns aber ziemlich beeilen, da das Meer immer weiter vorrückte und uns auch einmal unsere Gravur überwemmte. Fotos wie immer unter flickr.de/evi_emmert
Dann haben wir uns noch den Rathausvorplatz und den Hafen angesehen. Überall war es erheblich windstiller als am Strand und dadurch auch richtig warm. Anschließend sind wir zur "Elogio del Horizonte" aufgestiegen. Eine Skulptur die auf einem Hügel in Gijón steht und den Horizont dadurch lobt, dass man in ihrer Mitte anstatt des stetigen Windes das Meer rauschen hören kann. Die Skulptur ist von berühmten Chillida und erinnert sehr abstrahiert an eine Figur, die etwas umarmt oder vllt sich dem Wind zum Fliegen lernen hingibt. Sie steht da oben jetzt schon 18 Jahre und ist finde ich ein wunderbares Spiel mit geografischer Lage und Kunst.
Danach zeigte mir Laura noch ihre Wohnung im Barrion La Arena. Die Wohnung ist wirklich nah im Zentrum der Stadt, aber für uns ist es unvorstellbar, dass auf so wenig Raum 4 Personen leben können. Lauras Bett war in einem Wandschrank versteckt und auf ihren 14 qm teilt sie sich, wenn sie nicht in Deutschland ist, das Zimmer mit ihrer Schwester. Ich habe ihre Mutter und ihren Vater kennengelernt, die beide sehr sympathisch wirken. Ihr Vater bestürmte mich gleich mit einem Vortrag über das gute asturianische Essen, der mich doch sehr angestrengt hat, weil ich mich so darauf konzentrieren musste die wörter voneinander zu trennen. Hier gibt man sich untereinander zudem auch noch zur Begrüßung dauernd Küssen, links, rechts, fertig. Daran muss ich mich als "kalte" Deutsche wohl noch gewöhnen.
Zum Abschluss sind wir noch ein bisschen durch die Straßen geschweift und dann hab ich mich wieder auf den Heimweg gemacht. Heute taten mir ein bisschen die Füße weh vom vielen Laufen.

Auf der Heimfahrt habe ich viele Horreos gesehen. Als ich auf Wikipedia das erste Mal einen Artikel über Asturien gelesen habe, dachte ich, dass diese Horreos ein Überbleibsel vergangener Zeiten sind. Nun habe ich gesehen, dass im Umland Oviedos viele Häuser einen dieser typischen Speicher auf vier Säulen haben. Ich konnte noch kein Foto machen, aber wens interessiert, der kann unter Wikipedia.de mal "Horreo" eingeben, dort gibt es ein Bild von einem asturischen Lebensmittelspeicher. Sie sind wieder einmal ein Mittel der Bewohner im Norden, den hohen Niederschlagsmengen ein Schnippchen zu schlagen.

Gestern war Laura übrigens noch für ein paar Stunden bei mir. Wir waren Tapas essen in der Altstadt. Cabrales (Blauschimmelkäse) mit Nüssen und Apfelpaté, Calamares und Kroketten mit Schinken gefüllt. Danach hat Laura dann noch Lucia und Ana kennengelernt.

Ehrlichgesagt hab ich nach meinem Exkurs über die Horreos mal kurz bei Spiegel-Online geschaut, was es Neues gibt. Und seitdem kann ich mich nicht mehr wirklich konzentrieren. Mir ist furchtbar schlecht und zudem hab ich, wie immer wenn etwas Schlimmes passiert, Angst, dass irgendjemand, den ich kenne, involviert war. Schließlich ist Winnenden ja fast um die Ecke, außerdem habe ich gerade auch noch wenig Lust später mal als Lehrerin zu arbeiten. Mir ist richtig schlecht...Ich hoffe euch geht es allen gut. Es macht mich gerade verrückt, dass ich noch nichts von Andreas gehört habe. Aber es ist trotz allem sehr unwahrscheinlich, dass er gerade heute in der Realschule war. Aber so sind wir Frauen, oder jedenfalls ich. Ich gerate bei sowas leicht in Panik! In Deutschland herrscht bestimmt bedrückte Stimmung und die Politiker wachen mal wieder auf aus ihrem Schulsystem-Dornröschenschlaf und sehen sich mit ihrer eigenen Hilflosigkeit konfrontiert. Hoffentlich geht nicht wieder die Videospieldebatte los. Solche Nachrichten und nach-4-Uhr-Café sind keine gute Mischung.
Und die Berichterstattung ist dabei auch noch so detailverliebt und beschreibt jede kleine grausame Einzelheit.