Überall und nirgends

09.11.2011 um 13:34 Uhr

Schlechter Geschmack?! Oder wo finde ich auf der Stelle ein tiefes Loch

von: Findus

Bei uns in der Gegend kann man durchaus noch auf Nonnen treffen, wenn auch deutlich seltener als zu meiner Kindheit.

Alleine bei ihrem Anblick waren die Fragen regelrecht vorprogrammiert. Auf jeden Fall wenn man eine wissbegierige Tochter hat, die einem mit Fragen löchern kann. Meistens zu Zeiten in denen man in Eile oder es gerade ungünstig ist.

Ich gab auf ihre Frage, was denn das für eine Frau wäre und was sie da anhabe, die einfache schnelle, wenn auch eine unüberlegte Antwort.

Das sie dort eine Nonne sehe, die auf Grund ihres Glaubens keinen Ehemann haben dürfe. Man erkenne dies an ihren Habit so heißt die Tracht die sie trägt.

Eigentlich müsste ich aus der Erfahrung heraus wissen, dass es besser ist, gut zu überlegen was ich ihr antworte, denn dieses Wesen hat die Angewohnheit mich in peinliche Situationen zu bringen.

Aber nehmen wir besser nichts vorweg, denn zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch gar nicht,  dass ich mir wünschen könnte der Boden würde sich vor mir auftun.

 

Schüchtern ist auch so ein Adjektiv was auf  meinen Naseweis nie zutreffen wird. Schließlich hatte Fräulein Naseweis noch Fragen und nach ihrer Meinung stellt man diese am besten direkt an der Quelle. Meine Antwort war anscheinend  nicht befriedigend genug.

Sie ging auf die Nonne zu und  ohne Hemmungen wurde gefragt:“ Tragen sie diese Kleidung immer?“

Die Nonne antwortete auch recht nett vor allem arglos ohne zu zögern

: „ Dass dies ihre Tracht wäre, die sie Morgens anziehen und Abends ausziehen würde.“

Ich dachte Fräulein Naseweis hätte damit ihre Neugierde nun endlich befriedigt und der Kelch jeglicher Peinlichkeit wäre schon an mir vorüber gewandert.

Falsch gedacht, denn bevor ich überhaupt etwas sagen konnte

„: Meine Mama hat gesagt du hast keinen Mann. Meine Mama hat auch keinen, aber so was trägt meine Mama aber trotzdem nicht.“

Man sah der Nonne nun regelrecht an wie sie grübelte wie sie Fräulein Naseweis dies erklären sollte.

Sie habe eine Art Versprechen abgelegt, nur dem Herrn zu dienen und mit dieser Kleidung würde Jeder das sofort erkennen.

Und nun passierte es und ich wünschte mir das gerade erwähnte Loch sofort und Augenblicklich herbei.

": Der Herr hat aber einen schlechten Geschmack, wenn er das schön findet, was sie da tragen." , sprachs und ging weiter.


Ich habe selten einen so verdattert sprachlosen Menschen gesehen wie diese Nonne.

Spätestens jetzt hatte sie einen Hauch einer Ahnung wie man sich fühlen kann, wenn man Kinder hat.

 

Und ich, ja ich werde ab sofort bei dem Anblick jeder Nonne aufpassen müssen, das ich  nicht laut  lache, denn diese Weisheit werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen.  

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensternenschein schreibt am 16.11.2011 um 03:35 Uhr:Irgendwie kannst du stolz sein, auf dein Naseweis und ihre Schlussfolgerungen. Da braucht sich der Erdboden nicht auftun. Hast eine wissbegierige Tochter, die selbst denkt. Was kann es schöneres geben?
    Liebe Grüsse
  2. zitierenFindus schreibt am 18.11.2011 um 00:50 Uhr:Oh ich bin sehr stolz auf sie, auch wenn sie noch lernen muss, dass man nicht unbedingt alles ausspricht was andere verletzen könnte. Es ist doch erstaunlich wie schnell Kinder sich verändern und das Kleinkindhafte verlieren, wenn aus einem Kindergarten Kind ein Schulkind wird. Ja sie hat mich schon recht verblüfft.

    ich wünsche dir eine wundervolle Nacht
  3. zitiereneineReisende schreibt am 08.09.2013 um 15:21 Uhr:Hallo Findus,
    ich finde selbstbewusste Kinder total klasse. Wenn sie als Kind nicht so mutig und geradeaus sind, was soll aus ihnen werden wenn das Leben ihre Hörner stutzen will/stutzt?
    Und ich finde Deine Tochter hat Recht. Der liebe Gott hat uns ein tolles Leben mit vielen Wundern und bunten Farben gegeben. Dieses Geschenk sollten wir feiern. Geistliche mit möglichst spatanischer Lebensweise und Äußerem verschmähen dieses Geschenk in meinen Augen, würdigen es nicht.

    Ein Gegenentwurf dazu sind für mich u.a. afrikanische Gottesdienste. Die Menschen werfen sich in ihre farbenprächtigsten Gewänder, frisieren ihre Haare kunstvoll und feiern.
    Im benachtbarten Stadtteil wird am Sonntag afrikanischer Gottesdienst abgehalten. Wenn man an dem Tag so gegen 9/9.30 Uhr mit der S-Bahn fährt begegnen einem Menschen auf dem Weg zum Gottesdienst. Eigentlich sollte ich mich mal meinen afrikanischen Nachbarn anschließen.
  4. zitiereneineReisende schreibt am 08.09.2013 um 15:30 Uhr:P.S. Wenn ich mir die Farben- und Formenpracht der Natur angucke kann ich mir zudem nicht vorstellen, dass der Habit nach Gottes Geschmack ist. Na ja, die Frage sollte ich für "den Tag welchen" mit auf meine Liste setzen.
    Apropos Fragen: Auch die Grundhaltung Deiner Tochter, mit Fragen direkt zu der/dem Betroffenen zu gehen finde ich sehr richtig.
  5. zitierenFindus schreibt am 10.09.2013 um 23:50 Uhr:Für mich ist sie der mutigste Mensch den ich kenne und sie hat Recht nur wer Fragen stellt erhält auch Antworten.
    Und die Zeit die wir haben mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und die Schönheit der Natur zu finden ist eine Gabe die Kinder meistens bedeutend besser wahrnehmen als wir Erwachsenen die oft verlernt haben diese Schönheit in den kleinsten Dingen zu finden.
  6. zitiereneineReisende schreibt am 11.09.2013 um 00:29 Uhr:
    Findus:...und sie hat Recht nur wer Fragen stellt erhält auch Antworten.
    Eine alte Sesamstraßenweisheit, stimmt's? ;-) :lol


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