Musik: Voltaire: Das letzte bisschen Etikette
Seltsame Band, seltsame Musik, seltsame Texte. Passt zu mir.
Ich habe die Jungs das erste Mal live auf der Bonner R(h)einkultur vor drei, vier Jahren gesehen. Es war ein sonniger Samstagnachmittag, ich kannte die Band nicht, ich habe früher 12 Stunden bis zum Exitus auf diesem Festival verbracht, diesmal war ich ganz gesitteteter Familienvater, gönnte mir ein Bier und lehnte mich ganz lässig an irgendein Absperrgitter, das so nutzlos in der Gegend rumstand wie die FDP.
Und war ziemlich beeindruckt. Wahrscheinlich ist das genau das, was jedem zu Voltaire spontan einfällt; weil; unbeeindruckt kann man nicht sein! Sie singen Deutsch, sie sind jung, ihre Texte sind wichtig, sie erzählen von Rolands Schmerz, dem Schmerz und der Wut des intelligenten Außenseiters, der sich erst wundert, dann ärgert und zum Schluss wütend wird.
Dazu kommt der Liebesschmerz. Herrjeh. Alles ist so elementar, mit fünfundzwanzig. Der Kollege textet stilsicher, häufig lyrisch, immer stimmig, manchmal zu pathetisch. Aber egal! So schön!
Sie können rocken, wenn sie wollen. Sie sind großartige Musiker. Muss man noch erwähnen, dass der Sänger/Songwriter Roland Meyer de Voltair mal locker drei Oktaven beherrscht?
Auf besagtem Festival gesellte sich ein älterer Herr zu mir, ich hielt würdig mein Bier in der einen und die Kippe in der anderen Hand (wie es sich gehört); mein Respekt und meine Wertschätzung der Band schien ihm aufgefallen zu sein. Er sprach mich an und ich erzählte ihm von meinen Eindrücken, meiner Begeisterung. Er nickte und grinste und meinte: "Der da vorne, der Sänger, das ist mein Enkel!".
cuZooN.