Gerechtigkeit
Wir gehörten zu den Braven. Wir waren die, die lieber Fussball spielten als Böller in Hundehaufen zu stecken; unsere schlimmsten Vergehen waren eine zerdepperte Scheibe und ein geklautes Ei. Wir bolzten allerdings auf allem, was irgendwie als Wiese durchging, trotz Verbotsbeschilderung, oha.
Oh, wir machten tolle Sachen, keine Frage: Wir bauten regelmässig Staudämme an den Sieben Quellen, wir setzten schlicht den ganzen Rastplatzbereich unter Wasser, im Wald.
Wir spielten Roll-Hockey in der Fussgänger-Unterführung, bis die Nasen blutig waren - auch unsere.
Einmal, einmal da haben wir uns sogar geprügelt..also, ich kriegte Eins auf die Nase, um genau zu sein. Das Schlimmste daran war nicht das Nasenbluten, das ging vorbei. Das Schlimmste war das Unverständnis und das Gefühl, eine ungeheure Ungerechtigkeit sei mir widerfahren.
Aber das Aller-, Allerschlimmste Erlebnis meiner bewegten Kindheit und Jugend war doch das im Sandkasten, damals:
Ich muss so 5 oder 6 gewesen sein, wir waren neu in dem Viertel und es gab diesen herrlichen, feinkörnigen Sand in den Sandkästen, der liess sich ganz hervorragend modellieren, das war was anderes als dieser Bausand aus meiner alten Heimat. Jedenfalls bauten wir ungeheure Burgen, Strassen, Tunnel und Steilwände, mit Rampen so glatt wie ein Babypopo. Und da flitzten dann unsere Matchbox-Autos drüber. Aber ich schweife ab.
Ich lass mich also an einer Stelle nieder, wir waren schon einen halben Meter tief oder so, in diesem Sandkasten, und sitze "PRATSCH!" in einem Hundehaufen! Mitten in der Scheisse, mitten im Sandkasten, mitten auf dem Kinderspielplatz! Ich war entsetzt. Ich wusste mit einem Mal, was Ungerechtigkeit war.
Habe ich erwähnt, dass ich eher ein Katzentyp bin?
cuZooN.



cuZooN.