Kinder wurden bis in die 70 er Jahre auch in niedersächsischen Kinderheimen aufs schwerste misshandelt.
Das gab der Leiter der Diakonie Niedersachsen zu. Die katholische Caritas hält sich bedeckt und spricht von Einzelfällen.
Es wirft ein schlechtes Licht auf die Kirche, ein sehr schlechtes, wie die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen in ihren Heimen, bis in die siebziger Jahre misshandelt und traktiert wurden.
In einem Bericht, den ich vor einigen Tagen sah, sprachen zwei Männer und zwei Frauen über das Leid und Elend, welches sie in diesen Einrichtungen der Jugendhilfe und Jugendfürsorge über sich ergehen lassen mussten.
Kinder und Jugendliche kamen zu den Zeiten schnell ins Jugendheim. Schule schwänzen, etwas klauen, bei Mädchen schon sexuelle Verwahrlosung, wenn sie einen Freund hatten. Das alles war Grund genug sie den Eltern wegzunehmen.
In den Heimen wurden sie drangsaliert, gequält, geschlagen, gedemütigt. Für Arbeitseinsätze wie Skaven gehalten.
Liebe und Zuwendung bekamen sie von den Nonnen und Diakonen dort nicht. Mussten schweigend arbeiten, es herrschte die Devise, ihr Wille muss gebrochen werden.
Für kleinste Verfehlungen wurden sie tagelang in Kellerverliesse eingesperrt oder bekamen Prügelstrafen, die alle in sogenannte Strafbücher eingeragen wurden.
Dort ist dann fein säuberlich notiert,
3 Ohrfeigen,
5 Stockschläge,
5 Peitschenschläge,
3 Tage Arrest
etc. mit dem jeweiligen Grund dahinter vermerkt.
Prügel war an der Tagesordnung. Prügel im Namen des Herrn, von Prügel Nonnen und Diakonen verabreicht.
Von denen man anehmen könnte sie seien sadistisch veranlagt.
Alles im Namen des Herren, unter dem Vorwand aus ihnen bessere Menschen machen zu wollen.
Alles unter den Augen der damaligen Jugendämter und der Jugendhilfe. Da die Mündigkeit damals erst mit 21 Jahren erreicht war, gab es bis zu diesem Alter kein Entkommen aus diesen schlimmen Zuständen.
Der Staat und die Kirchen, sowie auch die staatlichen Jugendheime machten sich schuldig an diesen Menschen.
Erst jetzt fangen die zuständigen Stellen an, diese Zustände einzuräumen und aufzuarbeiten.
Aber Gerechigkeit wird es wohl für die Betroffenen nicht mehr geben. Zu schwer sind die Schäden, die sie davontrugen.
Davontrugen durch Verfehlungen von Nonnen. Nonnen denen normalerweise doch Sanftmut und ein Gerechtigkeitssinn unterstellt wird. Nonnen, die zu Prügel-Nonnen wurden.
In einem Bericht vor einigen Tagen zeigten sie zwei Männer und Frauen, die eine solche Erziehung genossen hatten.
Es war bedrückend. Sie besuchten die Heime in denen sie aufwuchsen, zeigten die Kellerverliesse.
Fingen auch nach diesen ganzen Jahren noch an zu zittern, als sie hineingingen. Man sah ihnen an, dass sie immer noch unter diesen Misshandlungen von damals litten.
Misshandlungen die auch manchmal, unter Duldung der Aufsicht, von älteren Jugendlichen Heiminsassen Gruppen kamen, die sie im Auftrag der Leitung zusammenschlugen.
Ein dunkles Kapitel, der Jugendfürsorge, der Jugendämter, der Jugendheime sowohl staatlicher als auch kirchlicher. Ein sehr dunkles Kapitel der Kirchen, die sich daran beteiligten und bereicherten.
Auch wenn man diese Traumata, die diese betroffenen Menschen erlitten, nie wieder gutmachen kann, so sollte die Kirche und der Staat ihnen wenigstens eine Entschädigung für das erlittene Unrecht zahlen.
Ein grausames Kapitel Zeitgeschichte. Das Zeugnis ablegt, wie hier, mitten in Deutschland von Staat und Kirche mit den Kindern umgegangen wurde.
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