Gedanken oder Fragen

24.10.2011 um 23:40 Uhr

Kein menschliches Leben ?

Wo gibt es noch einen Menschen der Natur,
der ein wahrhaft menschliches Leben führt, der die Meinungen der anderen für nichts achtet und der sich nur von seinen Neigungen und von seiner Vernunft leiten lässt, ohne Rücksicht darauf, was die Gesellschaft, was das Publikum billigt oder tadelt? Man sucht ihn vergebens unter uns.
Überall nur ein Firnis von Worten; überall nur das Haschen nach einem Glück, das lediglich dem Anschein nach besteht.
Niemand kümmert sich mehr um die Wirklichkeit; alle setzen ihr Wesen in den Schein.
Als Sklaven und Narren ihrer Eigenliebe leben sie dahin, nicht um zu leben, sondern um andere glauben zu machen, sie hätten gelebt.

Zitat: Jean Jacques Rousseau ( geb. 1712 Genf, gest. 1778 bei Paris )

Harte und bittere Worte von Rousseau.
Besteht unser Leben wirklich nur darin, andere glauben zu machen, wir hätten gelebt? Wer will definieren, was wirkliches Leben ist? Letztendlich können wir es doch immer nur für uns selbst entscheiden, was wir unter Leben verstehen wollen und wie wir unser Leben gestalten.

Rousseau war auch sonst nicht ohne.
Da beendet er schon mal eine Brief an Voltaire mit den Worten: "Ich hasse Sie,"

Voltaire ging mit Rousseau auch nicht gerade zimperlich um. Bezeichnete Rousseau als Krebsgeschwür der Literatur, ja sogar als Exkrement des Jahrhunderts.
So hat jedes Jahrhundert seine Exkremente und Hinterlassenschaften.;-)

Rousseau sagte auch:

"Ich lese in meinem Herzen, und ich kenne die Menschen. Ich bin nicht wie einer von denen geschaffen, die ich gesehen habe; ich wage sogar zu glauben, das ich nicht wie einer der Lebenden gebildet bin. Wenn ich nicht besser bin, so bin ich wenigstens anders...."
Anders, als viele seiner Zeitgenossen, war Rousseau wohl mit Sicherheit.
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