Gedanken oder Fragen

30.11.2012 um 07:59 Uhr

1966 Eltern die ihre Kinder erschlagen wollen

Im Grunde kann man sich nur schämen.
Schämen für eine derartige Elterngeneration, wie es sie 1968 gab.
Eltern die offen in die Kamera sagen, sie würden am liebsten ihren Sohn oder Tochter erschlagen.
Väter und Mütter, wie es sie damals leider viel zu oft gab.
Väter und Mütter, die stolz darauf waren Deutsche zu sein, denen Zucht und Ordnung über alles ging.
Kann man auf solche Deutsche stolz sein?
Ich würde mich eher für sie schämen.
Heute sagt man ja "fremdschämen" und hier passt dieser begriff.


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30.11.2012 um 06:35 Uhr

Schaufenster des Westens

"Freundschaft", sagten wir manchmal so aus Spass, lachten dabei, aber auch "Bau auf", wenn wir eine Extraschicht fuhren.
Für uns hier im Westen war es Spass, im anderen Teil Deutschlands, in der DDR, vielleicht eine übliche Redewendung.

Es schien mir jedenfalls so,denn so wurde ich begrüsst, wenn ich mal an Bord eines DDR Frachters ging, der im Hafen lag, oder auch von den Deutrans LKW Fahrern.
Für sie schien dieses "Freundschaft" normal zu sein.
Hatte ja auch etwas. Nur schöner wäre es gewesen, wenn wirkliche Freundschaft beiderseits der Grenze möglich gewesen wäre.

Wunderte mich manchmal, da hier immer gesagt wurde, "Drüben" dürfen sie ja nicht frei reden.
Wenn ich auf der Warnow Werft mit den Wertfarbeitern in der Kantine ein DDR Würstchen mit Salat aß, dazu einen gewöhnungsbedürftigen scheinabr ungefilterten Bohnenkaffee trank, dann waren sie in ihren Gesprächen immer recht offen. Erzählten von den Vorzügen des Sozialismus, von den billigen Mieten, den Lebensmitteln die subventioniert waren, von dem Zusammenhalt der Menschen , aber auch von den teuren Fernsehgeräten und den bestellten Autos, auf die sie manchmal Jahrelang warten mussten.

Selbst die nichtgegebene Reisefreiheit kritisierten sie.

Ich war immer eher vorsichtig mit meinen Äusserungen, denn ich wollte niemanden dort in Schwierigkeiten bringen, zumal man ja auch nie wissen konnte, ob diese Gespräche Provokationen sein sollten.
Ebenso erging es mir in Leipzig, wenn ich dort auf der Messe war. Dort wurde ich sogar im wunderschönen Stadtzentrum von Bürgern gefragt, ob ich Westzeitungen für sie dabei habe. Hatte ich nicht und zwei Vopos gingen einige Meter weiter vorbei.
Nach Westzeitungen fragte der grosse Vorsitzende mich nicht, der mit seinem Tross die Messestände abging und seinen 1 MB Chip vorstellen wollte.
Er sagte nur im vorbeigehen Freundschaft.
Im Dresdener Textilkombinat, erzählte mir der zugeteilte Begleiter, von Bespitzelungen unter seinen Hausmitmietern, fragte mich ob ich Westgeld zum schwarz tauschen hätte. Hatte ich nicht. Wenn, dann hätte man mich dafür wohl verhaften können.
Ebenso fragte mich an der Grenze ein DDR Grenzer aus, ob ich ab und an Amateurfunk höre und ob ich DDR Amateurfunker kennen würde. Er war sehr interessiert.;-)
Müsste vielleicht mal schauen, ob es eine Stasi Akte über mich gibt. Vorstellen könnte ich es mir.

Aber noch wahrscheinlicher wird es auch eine BND Akte über mich geben, schon weil ich gegen den Natodoppelrüstungsbeschluss, die wunderbaren Notstandsgesetze und die Volkszählung demonstriert habe, nur an die kommt man ja absolut nicht ran.
Das knacken in der Telefonleitung war auch immer sehr merkwürdig, wenn man mal wieder abgehört wurde.

Freundschaft oder auch eine Geschichte über die erste Liebe zu Zeiten der DDR. Davon handelt Elke Haucks Spielfilm "Der Preis".

In einigen Medien wird der Film hochgelobt, in anderen fürchterlich zerrissen.
Gar "als qüälend langweilig" beschrieben.
Als schlechtester Film aller Zeiten benannt.
Und doch würde ich mir den Film anschauen, der in Rückblenden die erste Liebe eines späteren Architekten zeigt, der nach Jahren, nach der Wende auf seine Insel zurückkommt, als Fremder, und dort seine Jugendliebe wiedertrifft. Nur der Dritte im Bunde fehlt, er lebt nicht mehr.

Und ich frage mich, wieviele Partnerschaften, wieviele Jugendlieben sind nach der Wende in der Ex DDR zerbrochen? Da das Leben danach, mit der Maueröffnung, ganz andere Wege ging.

Diese Probleme hatten wir hier im Westen ja nicht, auch wenn vieles mit dem Mauerfall schlechter hier wurde.
Wir waren eben nicht mehr das "Schaufenster des Westens". Jetzt konnte man die Obdachlosen auf der Strasse liegen lassen, Hartz IV und Dumpinglöhne einführen, die Mieten erhöhen, denn es gab ja keinen "Schwarzen Kanal" mehr, der dieses anprangern konnte. Der "Goldene Westen" hatte sich ausgedehnt und das obere 1 % bekam blühende Landschaften als Teppich ausgerollt. Für dieses 1% sah alles noch goldiger aus, sie mussten wie Dagobert Duck neue Geldspeicher in Frankfurt bauen, damit sie in ihrem Geld baden konnten.
Für die, die in Billigjobs und Zeitarbeitsfirmen arbeiten mussten, wurde aus dem "Goldenen Westen" nicht einmal ein "Silberner", es war Katzengold was sie ernteten. "Geh doch nach drüben, wenn es dir hier nicht passt" gibt es auch nicht mehr. Heute soll man schon nach Nordkorea gehen. Soweit sind wir gekommen
Bisschen weit, Nordkorea, oder?

Bleibt die Frage, hat sich bei euch persönlich oder in eurer Familie und Freundeskreis etwas in den Beziehungen zueinander, nach der Wende verändert? Sind Beziehungen daran zerbrochen oder haben sich verändert?
"Freundschaft";-)

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