Gedanken oder Fragen

26.06.2013 um 23:42 Uhr

Kleinigkeiten zu schätzen wissen

Immer war ich ein Mensch, der auch die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen wusste.
Die vielen weissen Blüten des Schneballstrauches, die Katze die schnurrend um meine Füsse streicht

Und doch merke ich, wie undankbar ich war, wenn es um das ganz "normale" ging. Um die Kraft, die mir geschenkt war, um die Ausdauer, das klare sehen können. Alles Dinge die ich als selbstverständlich hinnahm. Den Wert dieser Dinge erst jetzt wirklich erkannte, wo sie aufgrund der Erkrankung nicht mehr selbstverständlich sind.
Es ist im Leben wohl oft so, dass man den Wert von Dingen erst erkennt, wenn sie nicht mehr so selbstverständlich vorhanden sind.

Einfach aufzugeben erscheint manchmal so leicht.
Besonders wenn die Schmerzen fast unerträglich sind.
Dann fühle ich mich wie in einem Ringkampf im Würgegriff des Krebses.
Der Ringer schlägt dann mit der Hand auf den Boden, der Würgegriff lässt nach, er kann sich erholen, bevor der Kampf dann weitergeht.
Doch mein klammernder Gegner ist kein fairer Sportpartner, da kann man klopfen so viel man will, er lässt nicht locker.
Ich werde ihm irgendwann einen Tritt geben müssen, damit er sich verabschiedet.;-)

Nein, ich werde nicht aufgeben, nicht mich aufgeben.
Ich werde weitermachen, dafür ist das Leben einfach zu schön.

Meine Träume zeigen es mir immer wieder.
Träume, in denen ich gesund bin, wieder alles machen kann, eben so wie vorher als alles noch normal war.
Es sind wunderschöne Träume, die mir helfen, diesen Zustand zumindest in Teilen zu erreichen und anzustreben.
Diese Träume, sie füttern meine Seele und helfen zu heilen.

PS.: Und macht euch bitte keine Sorgen um mich.
Ich will und möchte euch mit meinen Gedanken nicht herunterziehen. Es wird schon alles wieder werden.;-)

05.06.2013 um 17:20 Uhr

Save the last Dance for me

Weinend und schreiend kommen wir wohl alle auf die Welt.
Hinausgeworfen in das Leben welches uns mit Kälte empfängt.
Jedenfalls bei mir war es so, im eisigen Nachkriegswinter, 1946.
Ich war eine Hausgeburt. Alles war schwierig, Fensterscheiben kaputt von den Bombenangriffen, notdürftig abgedichtet mit Sperrholz und dem Lila Pergamentpapier aus der Verdunkelungszeit der Bomenangriffe.
Heizstoff wie Briketts gab es so gut wie nicht, Essen auch kaum, nur sehr wenig auf Lebensmittelmarken.
Eine Petroleumlampe mit ihrem Spiegel erhellte die Dunkelheit leicht flackernd und rußte etwas vor sich hin. Die Elbe bei Hamburg, sie for in diesem Winter zu. Zu Fuss konnte man sie überqueren.

Jetzt mal ehrlich, ein kurzer Blick in diese kalte Welt, ist doch wirklich Grund genug als neuer Erdenbürger zu schreien und zu weinen, aus allen Leibeskräften.

Ich lebte - immerhin. Und ich wollte leben, und wie.
In den Jahren danach wurde es langsam wärmer und besser.
Schöne Kindersommer folgten, voller Kinderspiele, Kindergedanken und Sonnenschein.

Vielleicht rührt mein grenzenloser Optimismus auch daher, egal wie schlecht etwas ist, es kann besser werden-;-)

Ja, weinend und schreiend kam ich auf die Welt.

Heute dachte ich, so möchte ich nicht gehen, wenn es denn einmal so weit sein sollte. Jedenfalls nicht weinend und schreiend.
Dann, wenn es soweit ist, dann möchte ich tanzen, lachen und singen, zumindest in Gedanken, ich hoffe, dass es mir möglich ist, auf diese Art zu gehen, wenn ich diese Welt einmal verlassen muss. Zufrieden und mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Aber wie gesagt, noch ist es lange nicht soweit.
Noch wird mir Zeit geschenkt, noch darf ich den Sonnenschein und die Temperatur von 25 Grad Celsius geniessen, den Vögeln und dem Kuckuck zuhören und mich von den Libellen neugierig beäugen lassen. Es ist ein wunderschöner Tag, dem noch etliche folgen werden.

Und zum Schluss werde ich lächelnd sagen:
"Save the last Dance for me"

Und immer wieder:"Ist das Leben nicht schön".