Gedanken oder Fragen

17.09.2009 um 18:43 Uhr

Amoklauf in Ansbach ohne Schusswaffe

Wie ich gerade bei
Hedera lese
Polizei stellt Amokläufer in Schule


fand in einer Schule in Ansbach ein Amoklauf eines 18 jährigen statt.
Er war bewaffnet mit einer Axt und Brandsätzen.
Etliche Schüler der 8. Jahrgangsstufe wurden zum Teil schwer verletzt.

Viele sagten nach Winnenden, Amokläufe lassen sich durch ein Schusswaffenverbot nicht verhindern.
Man kann Menschen auch mit anderen Waffen töten und verletzen.

Nüchtern betrachtet kann man sagen, zum Glück hatte dieser Amokläufer keine Schusswaffen, so wie der Täter von Winnenden, dem nach Spon Meldungen der Vater sogar die Munition zu dem Amoklauf gekauft haben soll. Nachdem der Händler sich weigerte dem Jungen, wegen dessen Alters, diese zu verkaufen.

Nein, dieser Täter in Ansbach hatte "nur" eine Axt und Brandsätze. Schlimm genug.
Aber dennoch gab es hier in Ansbach , im Gegensatz zu Winnenden, keine Todesopfer unter den Kindern. Auch wenn etliche mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden mussten.
Mit einer Schusswaffe des Täters, hätte wohl auch dieser Amoklauf Tote gefordert.

Weiter festzuhalten bleibt auch die Verunsicherung, das erlebte Trauma der Opfer und derer die dabei gewesen waren, diese Tat miterleben mussten.
Die tiefe Verunsicherung in ihnen durch dieses Geschehen.

Wie sollen sie, wenn sie wieder gesund sind, ihre Schullaufbahn zu Ende bringen, ohne immer wieder diese Verunsicherung zu spüren?

Wie sollen sie später ihre Kinder zur Schule gehen lassen, ohne diese Ängste zu spüren, die sie selbst erleben mussten?

Und dieses nicht nur bei den direkten Opfern und Beteiligten des Geschehen.
Nein, auch in der Gesellschaft allgemein, bei den Müttern und Vätern sowie Schülern macht sich Verunsicherung breit, entstehen Ängste durch solche Vorfälle.

Misstrauen und Verunsicherung durchdringt unsere Gesellschaft bei Meldungen wie dieser oder der von dem Münchener S Bahn Toten, der von Jugendlichen erschalgen wurde.

Verunsicherung anstelle von einem Gefühl der Sicherheit und des Grundvertrauens.

So etwas kann eine Gesellschaft auflösen.

Das ist der wahre Terrorismus, der Terrorismus von innen. Er ist viel schlimmer und nachhaltiger als der Terror durch Al Kaida und den Talibans. Es ist ein Terrorismus der von innen kommt, der jeden treffen könnte.

Gegen diesen Terror sollte der Kampf geführt werden, viel mehr, als gegen den Terror von aussen.

Näheres über den Amoklauf von Ansbach findet ihr, wenn ihr den Link oben zu Hedera anklickt.
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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Fool schreibt am 17.09.2009 um 18:55 Uhr:solange die Gesellschaft (also wir alle) nicht zurück geht zu dem Punkt, das es eine moralische Pflicht gibt seinen Mitmenschen gegenüber, solange wird sich nichts ändern.Ich weiß nicht,seit wann das Wort Zivilcourage des öfteren zu hören ist, doch früher ( zu Oma´s Zeiten) hörte man es weniger glaube ich.Da gab es kein "extra Wort" für etwas,das selbstverständlich war.
  2. AngelInChains schreibt am 17.09.2009 um 19:52 Uhr:So schön es wäre, hätten Menschen immer zusammen gehalten: ich glaube, früher war es nicht anders, als heute. Leider haben viele Menschen bei Verbrechen schon immer weggesehen. (Das Paradebeispiel ist wohl, dass niemand gewusst haben will, was in KZs passiert ist, und das, obwohl manchmal direkt in der Nachbarschaft Menschen lebten, die auch über die Lagerzäune sehen konnten).

    Gerade daher, dass es schon immer mehr oder weniger so war, frage ich mich, ob sich daran je etwas ändern kann. Versuchen sollte man es aber natürlich dennoch.
  3. lluvia schreibt am 19.09.2009 um 22:08 Uhr:Ich muss Fool zustimmen. Irgendwie ist den Menschen das menschlich sein, das wir-sind-doch-alle-Menschen-Gefühl abhanden gekommen- nicht, das früher jeder fraglos seine "Zivilcourage" bewiesen hat oder so, aber ich denke ihr wisst, was ich meine. Es ist nichts selbstverständliches mehr, sein Gegenüber als gleichwertiges Leben anzuerkennen. Deshalb passieren diese Dinge, irgendwas im Kopf der Menschen verändert sich, dreht vollkommen ab, stellt das Menschsein ab.
    @ AngelInChains: Natürlich war es noch nie die perfekte heile Welt, die Nazizeit und die KZs sind da natürlich das beste Beispiel für das Gegenteil. Aber dafür, dass sich die Menschen nach dem Krieg so erschrocken gegeben haben, so "Sowas unmenschliches werden wir nie wieder tun"-mäßig, finde ich ist es eine Lüge zu sagen es wäre besser. Ich meine, welcher Jugendliche ist damals schon ausgerastet und hat sinnlos gemordet; welche Mutter hat sinnlos ihre Kinder umgebracht?
    Und bei jeder neuen Nachricht wie dieser, dass schon wieder ein Amoklauf passiert ist, dass schon wieder ein 2-jähriges Kind im Kühlschrank gefunden wurde, frage ich mich ob man den Terror in den Köpfen der Leute überhaupt stoppen kann.
  4. AngelInChains schreibt am 19.09.2009 um 23:31 Uhr:Selbst kurz nach dem Krieg gab es Jugendliche, die andere getötet haben und Kindsmord gab es vor unserem Jahrhundert auch schon recht häufig. Es war nur nicht medienpräsent, in den meisten Fällen jedenfalls. (Ausnahme sind vielleicht die ersten Zeitungen der Frühen Neuzeit, gerade nach Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern; da waren blutruenstige "Sensationsmeldungen" der Hauptbestandteil der Presse, jedenfalls, wenn man nach den heute noch erhaltenen Quellen urteilt).

    Am Sinnvollsten wäre es wohl, weder über heute zu jammern, noch dem gestern hinterher zu weinen, sondern einfach selbst mal anzufangen, etwas zu ändern. Debattiert wird ständig, aber wer fängt dann an, selbst etwas zu ändern, indem er beispielsweise selbst einfach mehr Zivilcourage zeigt? Wenn man das allerdings bereits im größten Maß tat, dann fällt mir natürlich auch nichts ein, was man an sich selbst noch verbessern könnte, in dieser Hinsicht.

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