Gedanken oder Fragen

21.04.2011 um 18:42 Uhr

Elisa

Ich werde sie niemals wiedersehen , Elisa,
und die Trauer darüber wird mich ein Leben lang begleiten.

Zitat aus der it. Fernsehserie "Elisa"

Ein Serienjunkie bin ich nicht. Zu mühsam, immer und immer wieder schauen zu "müssen", um ja nichts zu verpassen.

Doch an "Elisa" bin ich hängengeblieben.
Eine Serie zu Zeiten der Adeligen und der Könige in Italien. Eine Serie die von dem Leid des einfachen Volkes und der Bediensteten spricht, von Hochmut, Intrigantentum, Bosheit, Missgunst und den Kampf um das Gerechte.

Und hängengeblieben bin ich an dem obigen Zitat, welches ein Käpt'n zu Elisa sagt, bevor sie nach der gemeinsamen Schiffsüberfahrt nach Genua, das Schiff verlässt.

Welch grosse Worte von einem Mann einer Frau gesagt:
"Und die Trauer darüber wird mich ein Leben lang begleiten".

Ein Leben lang. Lebenslänglich. Trauer.

Wohin mit der Trauer?
Kann man die Trauer verstauen, anhäufen irgendwo auf einer Art Trauerkonto?
Gibt es im Leben eines Menschen ein Trauer- und ein Glückskonto?
Ja, und worauf bekommen wir einen Vorschuss mit, bei Einrichtung dieser Konten?

Soll und Haben. Wie in der Buchhaltung.
Sie haben ihr Trauerkonto überzogen, wir bitten um baldigen Ausgleich.
Wie kann man sein Trauerkonto leeren.
Oder hat es ein Limit, über das hinaus man es nicht mehr auffüllen kann, egal was passiert?
Trauer hat wohl eine Grenze. Sie kann nicht grenzenlos sein, denke ich. Irgendwann ist ein Level erreicht, der Bodensatz der Trauer sichtbar geworden. Von da an wird es dann besser.
Meistens jedenfalls.

Dabei wollte ich doch eher über Glück und Glückskonten sprechen, nicht über die Trauer.
Und über das "Wunder" der ewigen Liebe, wie sie aus dem Zitat
"Und die Trauer darüber wird mich ein Leben lang begleiten" spricht.

Die ewige Liebe. Glauben wollen wir irgendwie alle an diese ewige Liebe. Suchen danach, wie nach einem Edelstein. Nein, sie wird wohl wertvoller sein, als ein banaler Edelstein, egal wieviel Karat dieser besitzen mag.

Kann es so etwas wie die ewige Liebe überhaupt im Leben geben? Ich glaube ja, oder besser gesagt, ich will es glauben. Geschworen wird sie oft, auch wenn sie oftmals die Jahre nicht übersteht.
Und doch, irgendetwas in mir will an dieses mystische des allumfassenden und über alle Zeiten hinweg bestehende der Liebe glauben.
Vielleicht ist sie auch nur so selten anzutreffen, da der Mensch Angst hat.
Angst vor diesem "ewigen" in dem Wort, welches in seiner Endgültigkeit vielen wohl wie eine Bedrohung erscheinen mag.

Im Film "Elisa" brauchte der Käpt'n übrigens nicht sein Leben lang zu trauern. Er gab sich als der mitreisende Archäologe aus, verliess das Schiff und folgte Elisa nach Genua.

In Anlehnung an Anna (Klecks im Hemd ), sage ich
"Ach, würden die Menschen doch nur noch Freudentränen weinen müssen und keine Tränen des Leides und der Trauer mehr, würde die Welt um einiges anders aussehen".
.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. TheNicciPain schreibt am 21.04.2011 um 19:14 Uhr:Trauer hat verschiedene Stufen .. Niemand (oder nur die Ausnahme) trauert ein Leben lang so intensiv wie kurz nach dem Verlust. Irgendwann tritt von ganz allein eine Art 'Distanz' zum Geschehnis ein. Und das ist auch gut so. Dem Einen gelingt das von allein, der Andere braucht Unterstützung bei der Trauerbewältigung. Und Jeder benötigt auch eine andere Zeitspanne dafür. Aber einen Satz wie "Die Trauer darüber wird mich ein Leben lang begleiten" würde ich nicht von mir geben. Das hieße, nur noch in Trauer zu leben und wäre kein Leben für mich. Mein Leben wäre an dieser Stelle dann auch zu Ende. Die Wehmut bleibt, ja. Aber nicht die intensive Trauer. Denk ich.
  2. Hidee schreibt am 22.04.2011 um 00:07 Uhr:Ich finde es wundervoll, wie Du die ewige Liebe betrachtest. Wir wollen an sie glauben, und wie Du schreibst, suchen wir nach ihrem Wert. Ist sie mal mehr und mal weniger wert?
    Vielleicht ist sie am wertvollsten, wenn wir sie geben. Wenn wir nichts zurückfordern. Gerne geben, ohne den Gedanken, etwas von dem anderen zu brauchen, das unser Glück ausmachen solle. Dann fließt sie, hin und her.

    Alles Liebe
    Hidee
  3. buchzeiger schreibt am 22.04.2011 um 00:09 Uhr:Dieses Zitat kannte ich nicht und ich finde es irgendwie "kitschig". Fast jede Trauer vergeht irgendwann, auch wenn man es zuerst nicht glauben mag. Übrig bleibt vielleicht ein wehmütiges "Ziehen" im Herzen, aber auch das ist irgendwann vorbei. Wir sind leider alle "Gewohnheitstiere" und arrangieren uns.
  4. Findus schreibt am 22.04.2011 um 01:12 Uhr:Ewige Liebe, es gibt sie durchaus. Man muss sie ja nicht nur auf Partnerschaften reduzieren. Ich werde mein Kind ewiglich Lieben und die Trauer über seinen Verlust , wird mich mein Leben lang begleiten.....
  5. Wari schreibt am 22.04.2011 um 10:20 Uhr:Mir geht es wie Findus und als ich deinen Eintrag las, dachte ich sofort: Natürlich gibt es ewige Liebe - die zu meinen Kindern wird nie, nie enden, egal was sie tun, egal wie ihr Leben mal aussehen wird.
    Vielleicht werde ich manche ihrer Schritte nicht verstehen und manches nicht gutheißen können - aber die Liebe bleibt!

    Die ewige Liebe, das beschränkt sich in den Köpfen wohl auch zu sehr auf den Partner, aber was ist mit all der anderen Liebe ringsherum? Die Liebe zum Leben, die Liebe zu meinen Freunden und vorallem die Liebe zu mir selbst?

    Letzteres erachte ich als die wichtigste im Leben, denn wie Konfuzius schon sagte, kann nur derjenige andere lieben, der sich selbst liebt.
    Als Jugendliche hab ich das nicht so richtig fassen können. Heute, da ich seit der Trennung stetig daran gearbeitet habe, mich schätzen und somit lieben zu lernen, wird mir bewusst, was er damit meinte. Nur sehen viele darin eher abwertend den Egoismus.

    Ich denke auch, das Thema Liebe ist so komplex, dass man es nicht verallgemeinernd beantworten kann.
  6. ameamagao schreibt am 22.04.2011 um 10:31 Uhr:Warum denn die Trauer ausschließen? Warum überhaupt?
    Eckhart von Hirschhausen hat in seinem Programm "Glück kommt selten allein" gesagt, dass das Unglücklichsein doch genau so zum Leben dazu gehört, wie das Glücklichsein und dass nur Narren sich darüber ärgern würden, dass sie nicht immer glücklich sein können.
    Manchmal glaube ich, Trauer wird erst dadurch unerträglich, weil sie nicht sein darf. Trauer, das gehört sich nicht, das ist was Böse, das muss ganz ganz schnell wieder weg. W i e s o ?

    Ohne meine Trauer, meinen Schmerz, meinen "Wahnsinn" wäre mein Leben reichlich langweilig. Wieso sollte ich das wollen? Und könnte man das Glück überhaupt schätzen, wenn es nicht auch das Unglück gäbe? Beziehungsweise: gäbe es das Glück dann überhaupt noch?

    Nein nein, lass mir mal meine Trauer und mein Unglück - ich mag sie. Sie schenken mir so wunderbare Kontraste, Erfahrungen und Farbenvielfalt im Leben.
  7. Puppy111 schreibt am 17.05.2011 um 09:30 Uhr:Das Zitat lautet ja "Die Trauer wird mich ein Leben lang b e g l e i t e n "
    Begleiten - das heißt ja nicht, dass man nur die Trauer im Kopf hat und an nicht anderes denken kann. Begleiten heißt n u r - nicht vergessen ! Manchmal wehmütig daran denken ! Mit der Zeit zu lernen, mit der traurigen Erinnerung zu leben und eventuell aus der Erinnerung auch Glücksmomente herausfiltern.

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