Gedanken oder Fragen

14.03.2010 um 01:40 Uhr

Gedankenwelten bekommen Flügel

Nur ein Klick und Gedankenwelten bekommen Flügel. 

Zu dem früheren Eintrag
"Ich bin anders"

schrieb Paula als Gast heute folgenden Kommentar: 


So, hier ist Raum.
Hier kann ich es schreiben. Sagen. Endlich ausdrücken! Ihr wisst sicher, was ich euch mitteilen möchte: Ich bin anders. Genau genommen weiß ich noch gar nicht, wie ich bin. Nur, dass es irgendwie nicht zu den meisten Menschen, die in meiner Umgebung sind, passt. Ich bin unglaublich schüchtern, müsst ihr wissen. Bis jetzt habe ich mein Leben vorbildlich gelebt. Und das ist tatsächlich genau so langweilig, wie sich das gerade anhört. Strebsam, super Abitur, musikalisch, angepasst, bemüht, alles richtig zu machen. Und vor allem: Niemandem auf die Füße treten! Gefallen wollen, das ist das Gift, das man irgendwann einmal beschlossen hat, nicht mehr missen zu wollen. Das hat seinen Preis.
Was ich weiß, ist: Ich möchte nicht mehr so sein!! Lieb, handlich, talentiert, strebsam, bewundernswert perfekt. Aber dabei so farblos. Unverstanden.
Ich weiß noch nicht, wie ich es umsetzen kann, aber ich möchte mich so zeigen, wie ich bin! Ich. Das bedeutet: Noch keiner zuvor, an dem man sich einfach orientieren kann!
Ich bin anders. Danke für diesen Blog.

Wisst ihr, was ich liebe? Ich liebe es, Bäume zu umarmen. Ich trete gerne in einen inneren Dialog mit der Natur. Ich habe das Gefühl, ich kann eine Verbindung zu ihr aufbauen. Ja, so richtig hippie-mäßig. Nennt es weltfremd. Für mich ist es Wirklichkeit.
Ich liebe es, zu komponieren. Musik ist für mich wie eine Erweiterung meiner Selbst, um Emotionen auszudrücken.
Gewissermaßen bin ich eine Alltagslegasthenikerin.
Und ich philosophiere so unglaublich gerne. Gedanken-Welten. Früher wollte ich Schriftstellerin werden. Sogar die Barbie-Puppen mussten herhalten für meine Geschichten, die ich mir so leidenschaftlich gerne ausdachte. Was soll ich sagen? Im Rausch der Ideen bin ich richtig ich selbst. Ich bin lebendig.

Unsicher bin ich trotzdem. Ich glaube, keiner kennt mich so. Sogar ich selbst.

Ich habe Angst. Jetzt, in diesem Moment. Und gleichzeitig fühle ich diese freudige Erwartung...

Ein Klick. Und meine Gedankenwelten bekommen Flügel.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. sternenschein schreibt am 14.03.2010 um 02:43 Uhr:Liebe Paula,
    du schreibst, du möchtest nicht mehr so sein, fühlst dich bei allem "Gift" aberkannt werden zu wollen, scheinbar in deinem Inneren zutiefst unverstanden.

    Nein, ich nenne es nicht weltfremd, diese Dinge die du gerne magst, die du gerne leben würdest.

    Musik, musizieren und komponieren erweitert wirklich das ich, lässt diie Seele auf den Schwingungen der Melofie praktisch schweben. Höhen und Tiefen empfinden, die ohne die Musik kaum zu benennen wären.

    Wir hatten vor kurzem gerade eine Diskussion über die Werte die man im Schulleben beigebrscht bekommt. Das der Lehrstoff sehr einseitig auf die spätere Berufsausübung ausgerichtet ist, weniger darauf ein glückliches und breitgefächertes Leben führen zu können.
    Wissen und Handeln muss sich rentieren, etwas einbringen lautet heute die Devise, alles was daüber hinausgeht scheint heute verpönt und als überflüssig angesehen zu werden.

    Du sagst, du bist grenzenlos schüchtern, nur der Phantasie lässt du Flügel wachsen.
    Zudem kommt wohl auch noch das Gefühl hinzu, dass du, falls du mehr du bist, dein eigenes Ich lebst, andere Menschen in ihrem Glauben an dich verwirren und enttäuschen könntest?

    Liebe Grüsse an dich.
    sternenschein
  2. ameparia schreibt am 14.03.2010 um 11:19 Uhr:Das ist ein wunderschöner Kommentar, Paula... Ansatzweise kenne ich, was du beschreibst - das perfekte Mädchen -, nur dass ich nicht schüchtern bin und meine Wut, meine Rebellion gegen das Muster, in das ihc gepresst wurde, immer mal wieder ausbricht und ich dann vollkommen aus dem Rahmen falle ^^.

    Mir fiel aber zu deinen Worten vor Allem eine Liedzeile ein: "Wir haben nur dies eine Leben, ein zweites kann dir keiner geben..." (Farin Urlub)
    Brich aus und trau dich. Viele werden wohl irritiert sein und es nicht mögen, wenn du nicht mehr so "handlich" bist. Aber das ist dein Leben und am Ende solltest du sagen können: "Ja, ich bin zufrieden." Wage es, trau dich - und brich aus!
  3. Paula schreibt am 14.03.2010 um 15:40 Uhr:Danke. Vielen lieben Dank für eure Kommentare.

    Seit gestern nacht schwirrt mir unablässig Schillers Theorie von der schönen Seele im Kopf: Die vollendete Übereinstimmung von Pflicht und Neigung.

    Ich habe das Gefühl, ich habe so lange funktioniert, das getan, was "man" eben tut und das gefühlt, was angebracht erschien. Sodass ich jetzt zu einem seltsamen und traurigen Schluss komme: Ich weiß gar nicht, was ich fühle. Ich kenne mein Wesen nicht, denn ich habe es nie gewagt, mich wirklich kennenzulernen. Ob ich Angst habe? Ja. Angst, nicht gut zu sein. Nicht so zu sein, wie ich mich selbst auch gerne sehe.

    Seit einem halben Jahr studiere ich. Es ist ein sehr naturwissenschaftliches Studium. Ich weiß, dass ich diesen Weg gehe, um meinem Traumjob näher zu kommen. Aber es ist manchmal hart für mich. In der kühlen 24-Stunden-Welt des rationalen Entweder-Oder bleibt mir kaum künstlerischer Raum, mich zu entfalten und mein persönliches Sowohl-als-Auch zu kultivieren. Es ist manchmal nahe dran, dass ich mir meiner Luft zu atmen beraubt fühle. Ich kämpfe dagegen an, nicht zu ersticken. Ich will das nicht! Das ist genau das, was du angemerkt hast über das Bildungssystem, Sternenschein. Du hast so verdammt recht. Ich möchte meine Kreativität nicht aufgeben. Nur ich kann sie wieder zurückholen.

    Und wisst ihr was? Wenn ihr euch bis jetzt ein liebes, sanftes Mädchen vorgestellt habt, dann muss ich euch leider enttäuschen. Jetzt kommt nämlich die unangenehme Seite an mir. Durch meinem inneren Zwiespalt gehe ich bisweilen allen auf die Nerven, denen ich wirklich nahe stehe. Ich bin frustriert geworden in diesem halben Jahr, so furchtbar kühl und sarkastisch. Meine Beziehungen leiden darunter. Ich weiß nicht, was ich den Leuten noch alles erzählen soll von mir, von meinem Leben. Weil ich Angst vor mir selbst habe, mich auch irgendwie nicht leiden kann mit meinen Launen, so wie ich jetzt bin. Ich fühle mich wie erstickt in diesem Ozean von Schein und Pflicht.

    Nach außen hin bin ich immer stummer geworden. Nur nicht zu sehr auffallen. Könnte sein, dass ich mich daneben benehme und mich richtig dumm verhalte. Und meine Seele schreit unablässig.

    Danke für diese Seite. Sie gibt mir irgendwie Raum, Weite, den Mut, meine Gefühle zu kanalisieren und auszudrücken. Nicht immer gelingt mir das, denn es ist so schwierig in Worte zu fassen, das zu erfassen, was in mir vorgeht. Was ich soeben geschrieben habe, ist das Ergebnis einer Schnippselarbeit. Wie beim Basteln. Ich habe Teile wieder geändert oder etwas hinzugefügt. Es könnte sein, dass manches deshalb nicht so verständlich ist oder anders rüberkommt, als ich es möchte.
    Was ich sagen kann, ist: Es sind die Gedanken, die mir heute durch den Kopf gegangen sind. So etwas wie Moment-Aufnahmen meiner Seele. Nur zusammengemischt. Seelen-Salat.

    Ich weiß, dass nur ich dafür sorgen kann, dass meine Gedankenwelten wieder Flügel bekommen. Dies ist ein erster Schritt auf meinem Weg zu mir selbst. Ich möchte nicht mehr versuchen, so wie die anderen zu sein.

    Für eure Gedanken, Anregungen, Ideen bin ich sehr dankbar. Danke, dass ihr an meinem Weg ein Stück teilhaben wollt.

    Und: Es ist wunderschön, wenn sich Gedankenwelten gegenseitig berühren... ;-)

    Alles Gute und viele Grüße

    Paula
  4. Rabenmutter schreibt am 14.03.2010 um 16:54 Uhr:Hallo Paula,

    ich finde, den ersten Schritt hast du schon gemacht, du schreibst deine "Seelenschnipsel" nieder, um das Gedankenwirrwarr zu entfintzen.
    ich kann mir sehr gut vorstellen, dass deien Umwelt gerade irritiert ist - denn du selber kommst ja mit dir gerade nicht so zurecht, bist unzufrieden, unentschlossen.. .auf der Suche. Wie sollen andere damit klar kommen? Wenn du dann endlich weißt, was udn wie, wenn du deinen Weg fgefunden hast, dann kommt auch das wieder ins Lot. Vieleicht hast du dann ein paar "Freunde" weniger aber auf die kannst du dann sicher auch getrost verzichten.
    Ichfinde das ganz toll mit dem Geschichten schreiben und der Musik udn wünsche dir, dass du das trotz anstrengender Ausbildung zum Traumjob nicht ganz aus den Augen verlierst, dir immer wieder auch dafür zeit nimmst - das bringt dann auch einen gewissen Ausgleich und du bist keine Nervensäge mehr ;-)
    Ich wünsch dir alles Gute!!! Und bin gespannt.... Du hältst uns doch auf dem Laufenden?
    Viele Grüße
    Rabenmutter
  5. Yaimm schreibt am 14.03.2010 um 20:31 Uhr:Bäume umarmen, mit Blumen reden, Songtexte schreiben. Und kaum einer kennt mich so.
    Ach ich erkenne viel wieder.
    Schön!
  6. Paula schreibt am 14.03.2010 um 21:09 Uhr:Rabenmutter, du hast vollkommen recht. Danke für deinen Beitrag. Und ich find es echt schön, dass du dich damit auseinandergesetzt hast. Es ist tatsächlich im Moment nicht einfach mit mir - und anstatt mir immer neue Vorwürfe zu machen und mich klein zu fühlen, was in immer neuen Unzufriedenheiten resultiert, möchte ich jetzt aus diesem Kreis ausbrechen. Ich bin mir wohl bewusst, dass nur ich das bewerkstelligen kann.
    Das bedeutet, jahrelang eingesessene Wege zu verlassen und neue, vielleicht unwegsame, auszuprobieren... ich bin gerade erstaunt, dass ich das alles selbst schreibe. =)

    Danke an euch alle, die ihr euch Zeit nehmt, das zu lesen und vielleicht eure Gedanken mitzuteilen - besonders an Dich, Sternenschein.

    Yaimm: Schön. Ich find es toll, dass es Leute gibt, denen es ähnlich geht... Danke für deinen Kommentar!

    Ich werde mir ein bisschen Denkpause lassen, bis ich meine Gedanken wieder zu Papier bringe. Danke an euch alle =)

    x
    Paula
  7. ameparia schreibt am 15.03.2010 um 00:13 Uhr:wie wäre es mit einem Blog, liebe Paula, oder hast du schon einen..? Ich würde deinen Weg sehr gerne verfolgen. In dir hat sich nämlich schon viel getan und es interessiert mich sehr, wie sich das weiter entwickelt. Wagst du es, die bekannten Wege zu verlassen, wie ergeht es dir wohl dabei? Welche kleinen Siege erreichst du, und wo musst du vielleicht nochmal ein Stück zurück gehen..?

    Ich hab gerade das Bild von einem Vogel in einem goldenen Käfig, dessen Türchen weit auf steht und der Vogel sitzt auf der Schwelle und überlegt, ob er es wagen soll oder nicht... Ich würde gerne helfen, das Türchen weeeeeeeeeeeeeeit offen zu halten *lächel*.
  8. Paula schreibt am 26.05.2010 um 23:07 Uhr:Paula meldet sich wieder zu Wort. Vielen lieben Dank für eure Antworten - für eure An-teilnahme an meinem Leben =)
    Ich wollte viel eher schreiben. Mehrmals angesetzt, mich doch nicht so richtig getraut. Es ist komisch, man selbst zu sein. :)
    Seit dem letzten Mal hat sich viel verändert. Ich glaube, ich habe schon manches erkannt, was mir beim letzten Mal noch so rätselhaft war.
    Höhen und Tiefen, die gibt es immer bei mir und sie haben mich auch die letzten zwei Monate begleitet.

    Ich weiß nicht, wo diese Reise hinführt. Ob sie Sinn hat, letztendlich. Aber ich weiß etwas in meinen Augen wichtiges: Ich bin jetzt gewillt zu lernen. Nicht mehr weglaufen vor dem "bösen Leben". Mich letztendlich meiner Vergangenheit, meiner Fehlbarkeit stellen und einsehen, dass ich auch in dieser Hinsicht nicht anders bin als andere Menschen. Wie lange habe ich mich wie ein Alien gefühlt - ich habe beschlossen, dieses Gefühl zugunsten der Beziehungsfähigkeit, Gemeinschaftsfähigkeit aufzugeben, loszulassen.

    Danke an Dich, der du das hier gerade liest. Seid gesegnet, ihr alle da draußen! God bless =)
    Vielleicht werde ich einen eigenen Blog erstellen. Ich werde ihn SommerRegen nennen... weil der Duft von Regen im Sommer so schön und gleichzeitig so melancholisch sein kann...

    Eure Paula
  9. Maya schreibt am 12.10.2011 um 21:34 Uhr:... nur eine kleine Anmerkung ... da ich gerade nicht die Nerven habe, auf alles einzugehen ... (bitte verzeiht mir, wenn es jetzt ein bisschen vom Thema abweicht)
    Das Schulsystem ... meine Ausbildung ... ich frage mich auch gerade, ob da ich falsch bin, oder das so oft zitierte "System".
    Soll ich mich die nächsten Jahre wirklich dermaßen aufopfern? Mein Bedürfnis nach Natur, Philosophie, Wissen, Einsamkeit, Sport, Engagement ... ist das alles zu viel verlangt? Ich will das nicht aufgeben - nicht in diesem Maße. Ich will so nicht leben.
    Aber ... ich habe das Gefühl, wenn ich mir nehme, was ich brauche, werde ich unter die Räder kommen, weil es anders nicht geht: du muss leisten. Dich ausbluten lassen.
    Strukturiere dich! Setze Prioritäten! Arbeite zeitorientiert!
    Aber ... ich ... möchte ... einfach ... ein bisschen spontan leben. Na und?
    Ich möchte nicht jeden Handgriff auf Effektivität durchdenken.
    Bin ich falsch, wenn mir das alles zu viel ist?
    Oder ist diese Welt die falsche für mich?
    Geht es denn nur mir so?

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