Gedanken oder Fragen

16.11.2009 um 18:25 Uhr

Goethe zur Toleranz

Toleranz sollte eigentlich
nur eine vorübergehende Gesinnung sein:
sie muss zur Anerkennung führen.
Dulden heisst beleidigen.

Zitat: Johann Wolfgang v. Goethe ( Nachlass )

Eine interessante Beurteilung, die Goethe uns da zum Thema Toleranz mitgibt.
Nicht alles können oder sollten wir tolerieren. Toleranz hat auch ihre Grenzen.

Wenn wir aber etwas tolerieren, können wir dann ein Leben lang tolerieren?
Nur tolerieren?
Sagen wir nicht damit, ich finde es nicht gut, ich will es nicht, aber nunja, ich toleriere es.
Dieses " es" kann natürlich auch durch ein ich will "dich" nicht ersetzt werden.

Ist es wirklich tolerant, wenn es bei der Toleranz des anderen, der Andersdartigkeit bleibt?
Für immer.

Wenn dieses andere nur geduldet wird.
Ausgegrenzt als nicht dazugehörig, nicht wirklich berechtigt angesehen wird.
Sagen wir damit nicht, es ist falsch, aber ich toleriere es.
Beleidigen wir damit wirklich, wenn wir Ausländer, Einwanderer, Homosexuelle, etc. "nur" toelerieren?
Irgendwie schon, glaube ich.

Denn wir sagen damit gleichzeitig, es ist falsch, nicht vollwertig, anders. Aber wir sind ja tolerant, so tolerieren wir es.

Vollwertig und "ebenbürtig würde es erst werden, wenn wir es nicht nur tolerieren, sondern auch anerkennen.

Da wird Goethe wohl recht haben.
Denn welcher Mensch will schon sein Leben lang nur oder allerhöchstens toleriert werden? Ohne jemals als dazugehörig, als Teil, als Ganzes anerkannt zu werden.
Für immer und ewig, auf Dauer nur der tolerierte Aussenseiter zu sein.
Ein bisschen mehr Toleranz.;-)

Irgendwie recht unausgegoren Gedanken von mir, zu diesem wohl schwierigen Thema, mit der Bitte um Nachsicht und Toleranz.
.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Paulinchen schreibt am 16.11.2009 um 22:10 Uhr:Für mich hat Toleranz gar nichts mit Duldung zu tun. Goethe hat das vllt. so gesehen, aber seit dem sind wir in vielen Dingen anderer Meinung. Toleranz hat etwas damit zu tun, Menschen so zu nehmen wie sie sind. Nicht ständig über Beweggründe, Abgründe, Hintergründe nachzudenken. Menschen mit anderer Meinung, anderen Lebensprofilen zu aktzeptieren, zu respektieren.
    Ausländer - was sind Ausländer? Ausländer sind wir alle, irgendwo auf der Welt. Ausländer im "eigenen Land" zu tolerieren? Was ist denn hier ein Ausländer, einer mit deutschen Pass, dessen Vorfahren irgendwo anders auf der Welt gelebt haben? Vllt. sollten wir unsere Stammbäume kontrollieren, wo wir unsere Wurzeln haben, um dann festzustellen, dass wir gar nicht so deutsch (arisch) sind, wie wir meinen.
    Insofern finde ich Toleranz als eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein Mensch haben sollte. Leider fehlt sie bei den meisten, obwohl sie das niemals zugeben würden. Wir sind alle tolerant, nur hört die Toleranz auf, wenn wir irgendwas nicht verstehen (wollen).
    LG
  2. NeosWelt schreibt am 16.11.2009 um 22:14 Uhr:toleranz ist subjetiv...
    deshalb finde ich kannst du nicht schreiben "wir" - wer ist "wir"? die personen, die deine meinung teilen? gehört "wir" immer zur mehrheit?
    ist es für diejenigen normal, die nicht mehr darüber reden müssen? sie haben es einfach anerkannt und fertig - weitere worte sind darüber nicht mehr notwendig...
    schwierig... auch ich bitte um nachsicht und toleranz :o)
  3. sternenschein schreibt am 17.11.2009 um 02:43 Uhr:Liebe Paulinchen,
    ich glaube deine Sicht geht schon etwas über die Toleranz hinweg, im Sinne Goethes zur Anerkennung hin.
    Es ist wohl so, Toleranz hat viel mit Verstehen zu tun und wohl auch mit sich die Mühe zu machen, verstehen zu wollen.
    Alles muss man ja auch garnicht verstehen, und doch kann man es tolerieren, sofern es niemandem schadet.
    Ich finde es sowieso merkwürdig, dass ein Land, wie das unsere, welches den Mauerfall so feiert, die Reise und Bewegungsfreiheit so hochhebt, dann sich nach aussen einmauert und viele nicht hereinlassen will oder sogar dafür sorgt, dass sie zwangsausreisen müssen.
    Da sagt die Regierung nicht die Mauer muss weg, auch die in unseren Köpfen. Im Gegenteil, sie wird oftmals noch höher gezogen.

    @NeosWelt,
    Toleranz ist je nach persönlichem Standpunkt schon subjektiv, da stimme ich dir zu.
    Das wir war nicht auf die bezogen, die meine Meinung teilen, sondern auf alle. Gerade weil es subjektiv ist, würden andere eventuell aber etwas anderes tolerieren, was ich damit meinte, wir sollten nicht alles tolerieren und verstehen wollen.
    Damit meinte ich Gewalt, Ungerechtigkeiten, Kriege, Folter, das bewusste Schädigen und diskriminieren von anderen Menschen etc., da hört meine Toleranz und Verständnis auf.
    Auch bin ich gegen Brutalität, Ehrenmorde und Zwangsverheiratungen oder sonstige Zwänge die auf Menschen ausgeübt werden.
    Selbst wenn man dieses aus Sicht derer, die es machen vielleicht auch sogar verstehen könnte.
    Ich weiss nicht wie es bei dir ist? Glaube allerdings auch nicht, dass du dieses einfach so akzeptierst und als gegeben hinnimmst.

    Liebe Grüsse
    sternenschein
  4. NeosWelt schreibt am 17.11.2009 um 07:57 Uhr:de facto sollte bei "sowas toleriere ich nicht" dann doch auch sein, das "man" etwas dagegen unternimmt. oder was ist die (deine) konsequenz, wenn du etwas nicht tolerierst? vroallem diese großen themen, die du ansprichst...
    manchmal umsetzbar, meistens aber nicht.
    alternativ: die eigene meinung, welche man (z Bsp schriftliche oder mündlich) vertreten kann.
    aber das ist natürlich die einfachste (und bequemste) möglichkeit im gegensatz zu tatsächlichen handlungen...
    natürlich sollte der eigenen lebenstil das widerspiegeln, was ich auch bei anderen toleriere bzw anerkenne.
    und um deine frage zu beantworten, selbstverständlich finde ich deine angesprochenen menschenverachtenden handlungen ebenso ********
  5. AngelInChains schreibt am 17.11.2009 um 20:02 Uhr:Ich denke, Goethe beschreibt einfach nur den in linguistischer Sicht immernoch vorhandenen Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz. Im Allgemeingebrauch heute unterscheiden die meisten Menschen nicht mehr, wobei man, wenn man genau darueber nachdenkt, doch eigentlich noch einen Unterschied sehen muesste:

    Toleranz - "Mag ich nicht, aber seh ich drueber hinweg, so lange es mich nicht betrifft, ist es mir egal"
    Akzeptanz - "Es ist nicht meine Sache, aber ich sehe es als voellig gleichwertig an und schaetze Menschen mit dieser Meinung/Lebenseinstellung genau so, wie alle anderen auch"

    Eben dieser Unterschied zwischen "ist mir einfach egal" oder "kann ich voellig annehmen". Der ist auch im Wortursprung zu finden, aber das ginge jetzt zu weit.
  6. NeosWelt schreibt am 17.11.2009 um 22:15 Uhr:bei wiki zu "akzeptanz":
    "Es wird deutlich, dass Akzeptanz auf Freiwilligkeit beruht. Darüber hinaus besteht eine aktive Komponente, im Gegensatz zur passiven, durch das Wort Toleranz beschriebener Duldung. Akzeptanz drückt ein zustimmendes Werturteil aus und bildet demnach einen Gegensatz zur Ablehnung."


    ....mhmm, *grübel*...

    was ist nun die konsequenz, wenn ich was nicht toleriere. ist es eine andere, als wenn ich nicht akzeptiere? spricht man von toleranz, wenns einen gar nicht direkt betrifft und von akzeptanz, wenn's einen direkt/persönlich betrifft?

    puuuuhhh, schwere kost um diese uhrzeit ;-) aber ich hab ja gemeint, meinen senf dazugeben zu müssen... ;-)
    gute nacht :o)

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