Gedanken oder Fragen

03.05.2010 um 17:45 Uhr

Meine Birke

Als Junge pflanzte ich eine Birke und eine Kastanie.
Im Garten meiner Eltern.
Sie wuchsen beide reasch heran.

Ich wohnte schon nicht mehr bei meinen Eltern, als sie umziehen mussten.
Umziehen da die gefrässige Industrie den Platz meiner Kindheit brauchte. Den Platz der Spiele, des Lachens und der Abenteuer.

Abrissbirnen und Bulldozer ebneten alles ein. Wo vorher der Flieder blühte, die leckersten Stachelbeeren der Welt wuchsen, die Bäume voller dicker saftiger roter Kirschen hingen, wo die ganzen Gärten waren, standen fast über Nacht Fabrikgebäude.
Nichts sah mehr so aus wie es einstmal war.

Die Kastanie die ich einst pflanzte war schon zu gross, aber die Birke, ja die Birke grub ich aus. Lud sie auf den Laster und setzte sie in den neuen Garten meiner Eltern.
Es wurde ein stattlicher Baum, voller Grün mit Birkenblättern die leise im Wind rauschten.
Sie steht immer noch dort mit ihrer weissen Rinde, die meine Mutter sehen konnte, über die sie sich freute wenn sie aus dem Fenster sah.
Meine Eltern sind schon lange nicht mehr, doch die Birke sie steht noch dort und singt ihr Lied wenn der Abendwind durch ihre Blätter streicht.

Ich weiss es, auch wenn ich sie, die Birke, meine Birke, schon lange nicht mehr sah.
Die Stätte meiner Kindheit gibt es nur noch in meiner Erinnerung.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. rose_of_pain schreibt am 03.05.2010 um 18:33 Uhr:Und ich kann es noch immer nicht...mit Vergänglichkeit umgehen. Nicht einmal aus zweiter Hand.
  2. Sandsturm schreibt am 03.05.2010 um 19:42 Uhr:Bei deiner berührenden Geschichte kommen einem schon fast die Tränen...

    Auf jeden fall wird man irgendwie melancholisch! Ist aber gut so...

    Toll dass du die Birke gerettet hast!
  3. JOblogt schreibt am 04.05.2010 um 09:36 Uhr:..schön deine erinnerungen und wie du sie pflegst.
    ich hab dabei fast vergessen, dass ich gegen birkenpollen allergisch bin.
  4. MariaHilf schreibt am 05.05.2010 um 08:09 Uhr:Das zarte Zittern, wenn der Wind durch das helle Grün zieht, ich kann es hören - das feine Rascheln der Bätter....
  5. aloneone schreibt am 06.05.2010 um 06:56 Uhr:Oh, das kenne ich gut *smile* - ich habe sogar "meine" drei Birken.

    Als meine Eltern damals ihr Haus gebaut haben, standen auf dem - sonst ziemlich kahlen - Grundstück drei kleine zarte Birkenpflänzchen, die mein Papa stehen ließ. Zu der Zeit war ich knapp 3 Jahre alt.

    Jetzt wohne ich selbst in dem Haus, und die drei Birken gibt es immer noch. Sie sind zu drei stattlichen Bäumen herangewachsen, die uns auf der Terrasse wunderbaren Schatten spenden und einer Menge Vögel und Krabbelviechern Nahrung und Wohnung bieten. Ich habe diese Bäume immer verteidigt, wenn meine Eltern sie loswerden wollten (sie machen soviel Dreck... was ist, wenn sie mal aufs Haus fallen...). GSD denkt mein Freund genauso wie ich - so lange wir hier wohnen, sind "meine" drei Birken also sicher. :-)
  6. sternenschein schreibt am 06.05.2010 um 20:12 Uhr:@rose_of_pain,
    es ist wohl auch schwer mit der Vergänglichkeit umzugehen.
    Leben ist zwar Wandel, begrùssen und verabschieden, aber dennoch.

    @sandsturm,
    melancholisch wollte ich dich aber nicht machen.;-)

    @Joblogt,
    ist natùrlich unschön, solch eine Allergie.
    Zum Glùck habe ich wohl keine, habe mich aber auch noch nicht testen lassen.

    @MariaHilf,
    dankeschön, ich höre es auch.

    @aloneone,
    da sind die Birken ja mit dir zusammen gross geworden und bieten Lebensraum fùr allerlei Getier.
    Dieses Argument, sie könnten Schaden anrichten, ist aber nicht ganz von der Hand zu weisen.
    Zwei Birken, die direkt vor meinem Fenster standen musste ich auch fällen. Denn wären sie umgestùrzt, wäre es fùr das Haus fatal.
    Ein Auge sollte man schon darauf haben.
    Gerade vor kurzem fiel ein sechs Meter langer armdicker Ast genau auf dem Weg, auf dem ich immer gehe. Hätte er mich getroffen, wäre es das bei dem Gewicht gewesen. ;-)
    Zum Glùck ist mein Schutzengel ein besonders guter.*=*

    Liebe Grùsse an euch alle.

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