Gedanken oder Fragen

06.02.2011 um 03:23 Uhr

Merkels und Westerwelles ägyptische Eiertänze

Wie ein Eiertanz hört es sich an,
wenn unsere Kanzlerin Merkel und ihr Aussenminister Westerwelle davon sprechen, das Volk Ägyptens in seinen Bemühungen um Freiheit und Demokratie unterstützen zu wollen.

Es darf nicht zu schnell gehen, warnen sie. Und schon garnicht ohne den Diktator Mubarak. Den sie immer noch als grossen und zuverlässigen Freund des Westens bezeichnen.
Mubarak, der seine Untertanen aufs übelste foltern und bespitzeln liess. Ihnen die Würde und die Freiheit nahm.
Mubarak, ein Freund Deutschland und der USA, wie sie sagen. Ein Folterfeund, egal, er sorgte für Stabilität, so sagen sie. Was kann da dieses ganze Gefolter schon schaden, so scheint Merkel und Westerwelle zu meinen.
Seinen Rücktritt fordern beide jedenfalls nicht, so wie die vielen Demonstranten auf Kairos Strassen es fordern. Diese Demonstranten, die etliche Tote zu verzeichnen haben. Tote durch Angriffe die durch von dem Regime gedungene Schlägertrupps und Geheimpoliisten in Zivil verursacht wurden.
Mubaraks Regime klebt das Blut dieser getöteten Demonstranten an den Händen.

Und dennoch..
Frau Merkel stellt sich selbst als Revolutionserfahren dar. Sie hätte selbst eine erlebt, wie sie sagt. Weiss daher wie vorsichtig man mit einem Wandel umgehen muss, sagt sie.
Aus diesem Grunde fordert sie, wie auch die USA, Mubarak müsse im Amt bleiben, damit er den Wandel einleiten kann und die Macht nach und nach an seinen Stellvertreter, dem ehemaligen Geheindienstchef Suleiman übergeben kann. Mit dem dann die Demonstranten verhandeln sollten.
Frau Merkel warnt vor einer zu schnellen Demokratisierung Ägyptens und zu plötzliche Neuwahlen. Der "Übergang" müsste geordnet ablaufen.

Da hätte man damals ja auch SED Chef Honecker den Wandel zur Demokratie vollführen lassen können. Natürlich gaaanz langsam und geordnet. Als neuen Staatschef der DDR hätte man dann den Stasi Chef Mielke einsetzen können, der den sanften Übergang der DDR in eine Demokratie gewährleistet hätte.
Und Honecker hätte man dann für seine Verdienste Asyl in einem Heidelberger Krankenhaus anbieten können.

Komisch, dass damals der Westen forderte, Honecker muss weg, während er jetzt an seinem "Freund", dem Folterer Mubarak und dem ägyptischen Stasichef Suleimann festhält, sie für gute Verhandlungspartner und Garanten der Sicherheit hält.

Muss dieses herumgeeiere der westlichen Regierungen sich für die Demonstranten auf Ägyptens Strassen nicht wie eine Ohrfeige des Westens anfühlen?
Des Westens, der immer die Demokratie hochhält, aber dennoch Diktatoren, Verbrecher, Menschenrechtsverletzer und Folterer unterstützt und sie dazu noch als "Freunde" bezeichnet.

Berührt hatte mich die Aussage eines älteren Mannes, der zu den jugendlichen Demonstranten in Kairo ging.
Er sagte:

"Ich bin so stolz auf unsere Jugend, dass sie hier für ihre und unsere Freiheit demonstriert, dass sie den Mut dazu aufbringt, dieses zu machen und sich gegen das Regime aufzulehnen.
Und ich schäme mich so sehr, dass wir damals vor 30 Jahren nicht den Mut hatten, dieses damals schon zu tun. Dass wir still waren und es uns alles gefallen liessen.
Hätten wir damals schon aufbegehrt, unsere Kinder und Enkel hätten in Freiheit und Würde aufwachsen können. Wir haben es versäumt und uns nicht getraut, dieses zu tun, was unsere Kinder heute hier machen. Ihre Freiheit und Demokratie einzufordern."


Irgendwie ist unsere Politik und sind unsere Politker doch recht verlogen, wenn man es genau betrachtet.
Sie nennen es Realpolitik, manchmal gleicht dieser Eiertanz, wenn es um universelle Menschenrechte geht, eher einer Realsatire.
Aber vielleicht wäre es zu Wendezeiten Frau Merkel ja wirklich lieber gewesen, wenn SED Chef Honecker und Mielke damit beauftragt worden wären den Wandel von "oben" zu vollziehen, so wie sie es jetzt in Ägypten fordert.
..

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. JOblogt schreibt am 06.02.2011 um 12:08 Uhr:Ein Diktator, der seine Schergen beauftragt, mit Eisenstangen auf sein Volk einzuschlagen, gehört vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und sonst nirgendwohin!
    Die merkelschen Eiertänze sind zum kotzen....

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