Gedanken oder Fragen

12.12.2012 um 21:27 Uhr

Schiller und die mitfühlende Seele

Es ist schrecklich, ohne Menschen,
ohne eine mitfühlende Seele zu leben;
aber es ist auch ebenso schrecklich, sich an irgendein Herz zu hängen, wo man, weil doch nichts in der Welt Bestand hat, notwendig einmal sich losreissen und verbluten muss.

Zitat:Friedrich Schiller
( In einem Brief an Henriette v. Wolzogen, 4.1.1783 )

Wie mag Friedrich Schiller sich wohl beim schreiben dieser, Zeilen, damals, gerade gefühlt haben?
Es hört sich nach einer ausweglosen "Kreisdenkdepression" an.
Denn wenn es schrecklich ist, ohne einen Menschen, aber ebenso schrecklich, sein Herz an einen Menschen zu hängen, da dieses niemals von Bestand sein kann, dann gibt es keinen Ausweg aus dieser spiralförmigen Gedankenwelt, die so oder so schrecklich ist oder schrecklich im seelischen verbluten endet.
Wo ist da das Licht, welches ein Ausgang aus diesem Gedankenkonstrukt zeigt?
Schiller konnte es damals, an diesem Tage, wohl nicht sehen oder finden und ergab sich seinen Gedanken.
Äusserst schrecklich.

Alle Probleme der Menschen haben ihren Grund in der Unfähigkeit still und allein in einem Raum zu sitzen.

Zitat: Blaise Pascal

Wer nicht versteht sein Alleinsein zu bevölkern,
der versteht auch nicht, in einer geschäftigen Menge allein zu sein.

Zitat: Charles Baudelaire
..

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Alcide schreibt am 12.12.2012 um 21:54 Uhr:Der Ausweg vielleicht: Formen intransitiver Liebe... und Schiller war da gar nicht so weit entfernt... "Seid umschlungen Millionen, diesen Kuss der ganzen Welt..."
  2. Muffin schreibt am 15.12.2012 um 03:49 Uhr:Es wäre wohl ganz interessant, zu wissen, was die gute Henriette wohl explizit darauf geantwortet hat^^
  3. sternenschein schreibt am 15.12.2012 um 10:13 Uhr:Die Frage ist ja auch, wie Schiller zu der Witwe Henriette stand.
    Behauptet wird ja, sie war seine mütterliche Gönnerin und Förderin, die ihn in einem ihrem Anwesen wohnen liess.
    Angeblich war Schiller ja in ihre 16 jährige Tochter verliebt.
    Andere sind der Meinung, Henriette und Friedrich Schiller hätte damals durchaus mehr verbunden als vorgegeben wird.
    Wenn man die Bilder von Henriette sieht, sie war ja eine hübsche Frau, ist dieses durchaus vorstellbar, selbst wenn sie ein Stück weit älter als Schiller war.
    Vielleicht war sie ja auch seine Muse.
    Nur ältere Frau, dazu noch Witwe und ein jüngerer Mann, das ging damals einfach nicht.
    Vielleicht verblutete ja sein Herz, wie er sagt, weil er sich von Henriette losreissen musste, da es nicht "schicklich" wäre zu der damaligen Zeit.
    Zudem war zum Zeitpunkt des Briefes Winter, es war kalt, Zentralheizung gab es ja noch nicht und Schiller laborierte an einer langanhaltenden schweren Erkältugskrankheit herum, glaube ich.
    Da kann man dann schon mal depressiv werden, wie es dem Brief nach den Anschein hat.
  4. MariaHilf schreibt am 17.12.2012 um 19:50 Uhr:Pascal und Baudelair vergessen dabei doch, dass der Mensch ein Herdentier ist. Wir sind allein allein und damit traurig, alle Gedankenakrobatik kann unser natürliches Gefühl nicht auslöschen.

    Liebe Grüße
  5. sternenschein schreibt am 18.12.2012 um 23:07 Uhr:Liebe Maria.
    allein allein muss nicht unbedingt per se schrecklich und unaushaltbar sein.
    Die Sehnsucht nach einem Menschen mit dem man sich austauschen kann, oder eben wie Schiller es sagt, nach einer mitfühlenden liebenden Seele, macht es dann wohl quälend, wennman weit und breit keine weiss, die zumindest in Gedanken ab und an bei einem ist.
    Oder eben wenn man sich mit den täglichen Dingen überfordert und hilflos fühlt, die nährere Umgebung es aber nicht bemerkt oder abtut.
    Dann ist man zwar nicht allein allein, fühlt sich aber alleingelassen und noch mehr allein allein, als wenn man wirklich für sich allein allein wäre.
    Die grösste Einsamkeit kann fühlbar sein, inmitten von Menschen, deren Herz für uns schlagen sollte, es aus unserer Sicht aber nicht tut.
    Liebe Grüsse
  6. MariaHilf schreibt am 19.12.2012 um 19:44 Uhr:DAS stimmt und hast du schön gesagt.
    Wenn ich über den Mensch als Herdentier schreibe, denke ich wohl z.B. an die Inuit, allein ist dort gleichbedeutend mit sterben, jeder ist auf den anderen angewiesen - wir in der westlichen Welt haben das nur vergessen....vielleicht ist dort nicht SOOO wichtig, dass das Herz eines bestimmten Menschen für einen schlägt, denn die Gemeinschaft gibt den Halt, den wir hier vermissen und den unser Partner dann geben sollmuss, letztendlich stelle ich mir vor, das man dort besser mit sich allein sein kann ......wer weiß ab das stimmt

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