Gedanken oder Fragen

16.12.2009 um 13:36 Uhr

Tokaier und Küsse als Gottbeweis

Ich wundere mich,
dass man unter so vielen übrstiegenen Beweisen für das Dasein Gottes noch nicht darauf verfallen ist, das Vergnügen als Beweis anzuführen;
das Vergnügen ist etwas Göttliches, und ich bin der Meinung, dass jedermann, der einen guten Tokaier trinkt, der eine schöne Frau küsst, mit einem Wort, der angenehme Empfindungen hat, ein wohltätiges höchstes Wesen anerkennen muss.

Zitat: Voltaire

Ich trinke zwar keinen Tokaier, aber Küsse sind schon etwas Göttliches. Sind sie allein nicht schon Beweis genug?
Wer küsst, ist Gott in dem Moment des Kusses näher.

Voltaire sagte auch:
Gott hat uns in die Welt gesetzt, damit wir uns amüsieren. Alles übrige ist platt und scheusslich und erbärmlich.

Von ihm stammt auch der Ausspruch:
Man muss lügen wie der Teufel.

Was sich wohl eher nicht auf seine Sätze zum amüsieren bezieht, sondern wohl mehr seiner Zeit geschuldet ist, denn
"Ich will gerne Bekenner sein; Märtyrer werden will ich nicht"
Wer will auch schon gerne Märtyrer sein?
Voltaire wollte es nicht werden.

Im Alter sah es für ihn alles anders aus.
"Das Glück ist nur ein Traum, und der Schmerz allein ist real; seit 80 Jahren empfinde ich das und weiss nichts anderes, als mich darein zu ergeben und mir zu sagen, dass die Mücken da sind, um von den Spinnen gefressen zu werden, wie die Menschen vom Kummer.
Diese Welt ist ein Jammertal."

"Wäre das Nichts nicht besser als diese Masse Wesen, die geschaffen werden, um sich unaufhörlich wieder aufzulösen, diese Menge Tiere, geboren und wiedererzeugt, nur um andere zu verschlingen und selbst verschlungen zu werden, diese Menge gefühlsbegabter Wesen, die zu so vielen schmerzlichen Gefühlen bestimmt sind, und dann wieder diese Menge vernünftiger Wesen, die doch so selten Vernunft annehmen? Was hat das alles für einen Sinn?"

Ja, was hat das alles für einen Sinn? Im Moment eines Kusses fragt man sich dieses sicherlich nicht. Da scheint alles einen Sinn zu haben.

Im Alter meinte Voltaire:
"Ich habe mich an die Unordnung des Leibes und der Seele gewöhnt."

Daran werden wir uns wohl alle mehr oder weniger gewöhnen müssen. Klarheit ist, so glaube ich, nur ein Produkt des Moments. Eines Momentes, der kurz aufblitzt um wieder zu vergehen.
.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Lyriost schreibt am 16.12.2009 um 14:17 Uhr:Im Gegensatz zu Voltaire, denke ich, Gott hat uns zu seinem eigenen Vergnügen in die Welt gesetzt, und er amüsiert sich köstlich über unsere göttlichen Anwandlungen. ;-)
  2. AngelInChains schreibt am 16.12.2009 um 18:59 Uhr:Ich mag Küsse nicht, vielleicht glaube ich deswegen an keinen Christengott ;)

    Interessant finde ich aber Voltaires Bejahung von Vergnügen, die sehr im Gegensatz zu den strengen christlichen Vorstellungen von Enthaltsamkeit, Selbstbeschränkung, etc, steht (heute ist es im Christentum vielleicht nicht mehr ganz so streng, aber früher war es das). Ja, seine Bejahung von Sinnlichkeit erinnert schon sehr an die Glaubensvorstellungen bei einigen Arten von Satanismus. Der 1. Grundsatz der 9 Gebote des philosophischen Satanismus nach LaVey ist übrigens "Sinnesfreude statt Abstinenz." ;) Nix Katzenschlachten und Kinderessen. Wobei ich mit Satanismus trotzdem wenig anfangen kann, für mich selbst. Zu viel magischer Schnickschnack, an den ich nicht glaube.

    Übrigens finde ich Martyrer gar nicht so schlecht. Nicht im christlichen Sinn, aber für ein gutes Ziel zu sterben, das verurteile ich nicht automatisch. Man denke zB an die Widerstandskämpfer gegen Hitler. Streiten kann man sich immer nur darüber, ob das Ziel, für das man sterben will, gut genug ist ;)
  3. rougenoir schreibt am 16.12.2009 um 20:29 Uhr:Klarheit fände ich jetzt klasse, aber leider hatte ich diesen Moment heute noch nicht.
  4. jedderuesch schreibt am 17.12.2009 um 01:34 Uhr:Ich fänd Küssen gerade klasse :o)...noch neun Tage warten...
  5. sternenschein schreibt am 18.12.2009 um 21:50 Uhr:@Lyriost,
    ähnliches dachte ich auch. Vielleicht nicht unbedingt zu seinem Vergnügen, aber doch, damit sein Dasein einen Sinn hat. Denn irgendwie müsste es langweilig sein, als Gott in einem luftleeren Raum.
    Um sinnstiftend zu sein und keine Langeweile in der Ewigkeit zu bekommen, erschafft man schnell mal das Weltall samt Lebewesen.
    Vielleicht sind wir aber auch nur ein Testlauf um zu sehen was daraus wird?
    Ist ein Gott ohne alles andere überhaupt vorstellbar und welchen Sinn hätte er dann?

    @AngelInChains,
    Unglauben an den Christengott aufgrund nicht küssen wollen, ist ein interessanter Ansatz.
    Wenn das die katholische Kirche erfährt, werden sie zum küssen auffordern.;-)
    Die Selbstbestrafungen, Selbstgeisselungen der Christen in früheren Zeiten waren schon sehr seltsam, wie ich finde. Auch diese ewige Vorstellung von einem strafenden Gott, was der Vorstellung widerspricht, Gott ist die Liebe.
    Die Sinnlichkeit wurde uns gegeben. Sie ist eine gabe, die das Leben doch irgendwie erst lebenswert macht.
    Was wäre das leben ohne sinnliche Empfindungen? Ich glaube nicht sehr lebenswert.

    An einen Satan und an eine Hölle glaube ich nicht, selbst wenn beides in der Bibel erwähnt wird.

    @Rougenoir,
    Klarheit hält wohl wirklich nur bis zur nächsten Unsicherheit oder bis zum auf diesen Klarheitsmoment aufbauenden weiteren denken.
    Oftmals glauben wir, wir hätten jetzt alles erkannt, und dann tuen sich doch wieder neue Sachen auf, die uns wieder im Nebel des Lebens herumstochern lassen.
    Für die Klarheit ist dieses Leben wohl zu kurz, Klarheit ist für die Ewigkeit gemacht, nicht für unser kurzes Leben.

    @Jedde,
    noch acht Tage, dann darf wieder geküsst werden. ;-)
    Schade, wenn man nicht küssen kann, wann man es möchte, sondern erst warten muss.

    Liebe Grüsse
    sternenschein
  6. AngelInChains schreibt am 19.12.2009 um 13:12 Uhr:Keiner glaubt an Satan, abgesehen von Esoterikern und strikten Christen. Nicht einmal Satanisten glauben an Satan (im christlichen Sinn, ein dämonisches Wesen, das irgendwo Leute verführt, etc), das ist ja das absurde!

    Satan ist doch im Grunde nur die Erfindung von Christen, um Leute zu erschrecken und sie durch Angst auf den gewuenschten Weg zu bringen. Christliche Missionare haben noch vor 100 Jahren offen geschrieben, nicht-christliche Menschen seien in jedem Fall geistig Kinder (auch, wenn es Erwachsene sind, zB Angehoerige anderer Religionen), und die muesse man mit den notwendigen Mitteln zum christlichen Weg erziehen. Und das seien nun einmal Belohnung ("Wenn du dieses und jenes tust, dann wird Gott dich belohnen!") oder durch Angst/Bestrafung ("Wenn du dieses und jenes nicht tust, kommst du zum Satan in die Hoelle und wirst dort ewig leiden!").

    Also so einer Religion, die ihre Leute ganz einfach erpresst und ihnen Angst macht, wuerde ich niemals angehoeren wuerden. Leuten zu schaden, ist fuer mich nicht der Sinn einer Religion, im Gegenteil!

    Ich glaube weder an Gott, noch an Satan, sondern sehe in der Natur selbst etwas Hohes, Schoepferisches. Da ist fuer mich keinerlei Personalisierung, es ist einfach irgendwie da, eben all diese Kohlenstoffverbindungen um uns herum, Menschen, Tiere, Gestein, etc ;)
  7. Rabenmutter schreibt am 19.12.2009 um 13:50 Uhr:Also Got t muss es ja nu nicht unbedignt sein zum küssen ;)
    ich stelle mri gerade die Orgien in den Kirchen vor, wenn das propagiert wird ;-)))
    Ansonsten sehe ich das so ähnlich wie Lyriost, wenn ess denn den einen Gott gäbe, dann hätte er usn zu seinem Vergnügen erschaffen, säße jetzt irgendwo uns beobachtete uns...

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