Lyriost – Madentiraden

05.08.2014 um 10:48 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 18

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 18

Auf Seite 18 wird es laut: „Wollüstiges Stöhnen und Keuchen sowie schmatzendes Fleisch waren die einzigen Geräusche, die durch die Wohnung hallten.“ Später wird die Behausung dann beschrieben als „Wohnlandschaft mit italienischen Designermöbeln“, die Wände voller Bilder, ein luxuriöser Wohntempel, wo schon der „helle“ Teppich im Flur die „Geräusche ihrer Absätze dämpfte“. Nun aber „hallt“ – unter anderem – das „schmatzende Fleisch“ durch die Wohnung, als wäre sie eine leere Baustelle. Tatsächlich „hallt“ in gut ausgestatteten, bewohnten Wohnungen wenig. Und schmatzendes Fleisch „hallt“ nirgendwo.

Wie man sich denken kann nach allem Geschmatze, dauerte es nicht lang, bis er „explodierte“, bis ihre – natürlich – „heiße Höhle … seinen zuckenden Schwanz molk, bis ihre engen Wände ihm alles abgezapft hatten, was er so großzügig aus seinem Körper strömen ließ“.

Schauen wir uns dieses Bild mal genauer an. Normalerweise sind es die Finger eines Melkers, mit denen gemolken wird, oder man macht es mit einem elektrischen Gerät. Hier aber haben wir eine Höhle, einen Hohlraum, in dem sich etwas oder jemand (zum Beispiel ein kleiner Virus oder Pilz) verstecken kann, eine Leere, die gefüllt wird mit etwas. Doch Raum ist stets passiv, er selbst kann nichts tun, sondern „erleidet“ fremdes Tun, in ihm kann etwas geschehen. Der Raum selbst kann nicht aktiv „melken“.

Unbewußt ist der Autorin das sicher klar; deshalb kommt sie uns nun mit „engen Wänden“, die zapfen. Eine Wand aber ist eine Wand, und noch eine Wand ist noch eine Wand, und selbst wenn sie eng beieinanderstehen, bleiben sie eng beieinanderstehende Wände und werden nicht zu engen Wänden, denn enge Wände gibt es nicht. Auch wenn die Autorin es gerne hätte: Auch Wände können nicht melken, nicht zapfen. Sie können nur umfallen oder zusammenbrechen oder etwas umschließen. Womit wir bei einer möglichen Ursache des Zapfvorgangs wären, wenn es hier ein Zapfen gäbe. Doch die Zapfmetapher ist in hohem Maße unpassend: Tatsächlich wird hier gar nicht gezapft, denn das ist nicht nötig. Alles fließt von selbst, weil der Herr es, wie die Autorin lautmalerisch schreibt, „großzügig aus seinem Körper strömen ließ“.

Morgen geht’s weiter mit Seite 19 und vor sich hin staubenden Vorfahren.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenGrafKroete schreibt am 06.08.2014 um 09:35 Uhr:Hall wurde in obigem Fall in übertragenen Sinne verwandt, es ist wohl so zu verstehen das schmatzendes Fleisch fleissig Salz in der Designerwohnung mittels Schweiss verströhmte........ also im vergessenen keltischen Sinne, die Körper schwingen miteinander in schweisstreibender Weise....*g*
  2. zitierenLyriost schreibt am 06.08.2014 um 09:43 Uhr:Schwitzen ist aber nicht designermäßig, nicht stylish ... ;-)

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