Lyriost – Madentiraden

06.08.2014 um 09:47 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 19/20

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 19/20

Das zweite Kapitelchen schließt mit Betrachtungen über „erforderliche“ männliche Erben, „um den Namen der Seymours [Ryans Familie] durch die nächsten Jahrzehnte zu tragen“. Da Ryan etwa dreißig Jahre alt ist, dürfte es wohl eher um die überübernächsten Jahrzehnte gehen. Es gibt noch einen älteren Bruder, der in puncto aktive Nachwuchsbeschaffung untätig ist und nicht über sein „Privatleben“ spricht. Ryan hat den Verdacht, etwas werde ihm gegenüber verheimlicht, „doch fehlende Beweise … ließen ihm keine Zeit“, sich mit diesem Verdacht zu befassen. Fehlende Beweise, also etwas, was nicht vorhanden ist, nimmt jemandem die Zeit, nach Beweisen zu suchen. Logisch.

Ebenso logisch wie: „… den ersten Punkt hatte er befolgt.“ Wie befolgt Ryan einen Punkt?

Der merkwürdige Bruder befolgt keine Punkte, er ist schließlich der Ältere und „fast so verknöchert wie die Gebeine ihrer verstorbenen Vorfahren, die in der Familiengruft vor sich hinstaubten“. Der meiste Staub in Gruften stammt wohl nicht von den Gebeinen, sondern dringt von außen durch die Ritzen. Wenn nicht konserviert, zerfallen aber auch Knochen mit der Zeit zu Staub, doch sie stauben nicht vor sich hin. „Verknöchert wie Gebeine“, die vor sich hin stauben, ist naturgemäß ein völlig abwegiges Bild, denn Verknöcherung bezeichnet nicht den Knochenzerfall, sondern im Gegenteil die Knochenbildung, die Umwandlung von Gewebe in Knochensubstanz, medizinisch Ossifikation.

Der andere Bruder betrachtet sein eigenes Spiegelbild, und der Ausdruck in seinen Augen gefällt ihm nicht: „In ihnen schimmerte sichtbare Frustration ...“ Solange sie nicht flimmert und funkelt, lodert und flackert, müssen wir uns wohl noch keine Sorgen machen.

Morgen geht's weiter mit Seite 21 und Langeweile.

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