Lyriost – Madentiraden

22.07.2014 um 10:18 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 3

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 3

(Die Geschichte von „F. A. Verbotenes Verlangen ist schnell erzählt: In der Londoner High Society macht Töchterchen Chloe, angehende Immobilienmaklerin (24) heftig rum mit dem Gigolo-Lover ihrer Mutter, er eine große Nummer in der Kunstszene, sprich Galerist und Kunstmanager, um die dreißig, sie eine berühmte Schauspielerin, passendes Alter, also etwa Ende vierzig, Anfang fünfzig, und spannt ihn ihr aus. Anfangs geschieht das aus Versehen, später mit verheimlichter Absicht. Das Ganze ist am Ende natürlich zum Besten aller. Außer den genannten Personen gibt es noch ein paar unbedeutende Nebenfiguren und einen nach langen Jahren plötzlich wiederaufgetauchten Ehemann der Mutter Schauspielerin, heimlicher Vater der Protagonistin. Und eine angeblich zickige Katze, die sich aber tatsächlich ganz normal verhält – im Gegensatz zu den meisten handelnden Personen.)

Das Ganze fängt (auf Seite 3) so an: Chloe, die Hauptperson, kommt spätabends nach Hause, „schlurfte … mit der Vitalität und Geschwindigkeit einer alten Frau“ in ihre Wohnung. „Bleierne Müdigkeit machte ihre Beine schwer ...“ Ein aufschlußreiches Bild der „alten Frau“; man stellt sich eine vom Leben gebeugte Achtzigjährige mit Küchenschürze und in Filzpatoffeln vor. Tatsächlich aber ist die Erschöpfte vierundzwanzig und kickt, urplötzlich wieder munter geworden, in einem „tröstlichen Anfall von rücksichtsloser Gewalt“ die Tür mit dem Absatz ihres Schuhs zu. Später werden wir dann erfahren, daß sie sehr hohe Absätze trägt, auf denen nicht gut schlurfen ist.

Cloe beklagt sich innermonologisch über die „nervtötenden Wiederholungen“ ihres Alltags und über das „sterbenslangweilige Fernsehprogramm“. Ein Leben ohne Inhalt. „Der Frust nagte an ihr wie eine hungrige Maus an einem würzigen Stück Käse.“ Man muß sich das so vorstellen: Frust ist etwas, das nicht etwa im Innern entsteht, sondern vielmehr von außen kommt. Cloe sieht sich als Stück Käse, wieso nur?, und irgend etwas Fremdes nagt an ihr rum, würzig, wie sie glaubt zu sein. Als fräßen nicht hungrige Mäuse jeden Käse.

Doch noch im selben Absatz dann die Überraschung: „Der Job machte ihr Spaß, und sie war gut darin.“ Sie kommt also am späten Abend von der Arbeit, die ihr Spaß macht, nach Hause und sinniert über den grauen Alltag mit seinen „nervtötenden Wiederholungen“. Ja, was denn nun?

Die merkwürdigen Reflexionen über „lasch gewordene“ Kerle „im allmorgendlichen Frotteebademantel“, „Öko-Hebammen“ und das Stillen lasse ich unkommentiert; das würde jetzt zu weit führen.

Die „zickige Katze“ wird auf Seite 3 zwar beiläufig erwähnt, läßt sich jedoch, ganz entgegen jeglicher Katzengewohnheit, noch nicht blicken.


Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSweetFreedom schreibt am 22.07.2014 um 10:28 Uhr:Guten Morgen Ly,
    ist es nicht leicht masochistisch, das zu lesen? ;-)
    Lieben Gruß
    SweetFreedom
  2. zitierenLyriost schreibt am 22.07.2014 um 10:46 Uhr:Wenn man es in seiner Freizeit tut, dann ja, liebe SweetFreedom.

    Liebe Grüße zurück.
  3. zitierenAlcide schreibt am 22.07.2014 um 16:38 Uhr:Das hat mich sehr amüsiert. Ach, Chloe, was wohl aus dir werden mag?
    Um den Handlungsstrang mit der "zickigen Katze" ist es wirklich sehr schade. Da sehe ich Potential ;o) (eingeschnappter Goldfisch, passiv-aggressive Schildkröte, Tourette-Hamster...)
  4. zitierenLyriost schreibt am 22.07.2014 um 17:11 Uhr:Moment ... die Katze ohne Namen und ohne eigene Identität wird schon auf Seite vier kurz auftauchen, wenn auch relativ lautlos, und sie hat eine wichtige Funktion: Sie ist die gelungene Projektionsfigur für die Auslagerung von Chloes eigenen Charaktermerkmalen, was Chloe Gelegenheit gibt, auf dem Umweg über die Projektion unter ihrem eigenen Mangel an sozialer Kompetenz zu leiden: "Diese Diva dachte gar nicht daran, sich wie ein Schmusetier zu verhalten." (Seite 5)
  5. zitierenLyriost schreibt am 24.07.2014 um 12:46 Uhr:Korrektur: Die Katze ohne glaubhafte Identität hat doch einen Namen, "Kassiopeia", aber der taucht, glaube ich, nur einmal im Buch auf.

Diesen Eintrag kommentieren