Lyriost – Madentiraden

31.08.2014 um 12:28 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 42

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 42

Betäubt vor Entsetzen sah sie der Konfrontation mit ihm entgegen, während er seinen Blick langsam in ihre Richtung schickte.“

Da fragt man sich, weshalb bei Operationen solch ein kostspieliger anästhesistischer Aufwand betrieben wird, wo anscheinend doch allein das Entsetzen ausreicht, um die Patienten zu betäuben: „Hier, schau mal, mit diesem Skalpell werde ich dir den Bauch aufschneiden.“ Bum, der Patient fiele sicher um, wenn er noch stünde. Also, Entsetzen als das neue, praktische Betäubungsmittel, das nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt? Wird wohl nicht funktionieren, weil der Patient vielleicht „starr“ oder „gelähmt“ wäre vor Entsetzen, aber keineswegs „betäubt“.

Wie schickt man einen Blick langsam? Mit DHL oder besser mit Hermes? Oder einfach so? Normalerweise sind Blicke ja ziemlich fix, jedenfalls fixer als DHL-Express, und man muß sie auch gar nicht schicken, man blickt einfach – und fertig. Aber eventuell leidet der Blickende hier an einer Lidrandentzündung mit Verkleben; da kann es schon mal etwas länger dauern.

Dann aber, als er die Augen mühsam aufgesperrt hat, blickt er richtig schnell und gut und dauerhaft und in Farbe: „Sein stahlblauer Blick saugte sich an ihr fest.“ Warum nicht gleich: Ihr Körper wurde überzogen mit Abertausenden stahlblauen Saugtentakeln seiner Blicke. Das wäre mal innovative Bildsprache. Was wir nicht erfahren, aber gerne wüßten: Wo genau, an welcher Stelle wird der stürmische blaue Blicksauger („ozeanblaue Sturmaugen“) besonders aktiv?

Nun „teilte sich sein Mund ein wenig“, weil er etwas sagen will, aber es kommt nur „Hallo, Chloe“. Dafür extra den Mund teilen? Denkt man, aber der Erfolg ist riesig: „Diese harmlosen Worte flossen wie süßer Honig über seine Lippen“, die geteilten, „und linderten ein wenig die heiße Wut, die schwelend in ihr brodelte ...“ Chloe denkt jetzt wieder mehr an den „feuchten Tau ihres Unterleibs“.

Was mir noch aufgefallen ist: In meiner Vorstellung wollen schwelen und brodeln so gar nicht zueinander passen. Während schwelen etwas Dauerhaftes, aber eher Zurückhaltendes, eher Sanftes ist mit ungewissem Ausgang, muß beim Brodeln, das einen ziemlich rüden Charakter hat, mit einer Eruption gerechnet werden, und es brodelt vor einem Ausbruch meist nicht allzu lange. Schwelendes Brodeln ist daher, wie man solche widersprüchlichen attributiven Aussagen gern nennt, ein „hölzernes Eisen“. Solcherart semantische Schnitzer gibt es in diesem Buch viele.

Bald geht’s weiter mit Seite 43 und „gefräßiger Wut“.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenginablum schreibt am 26.09.2014 um 21:09 Uhr:Wann gehts Denkmal weiter mit Seite 43?
  2. zitierenginablum schreibt am 26.09.2014 um 21:10 Uhr:Denkmal, phhhh. "denn mal" sollte es heißen.
  3. zitierenLyriost schreibt am 26.09.2014 um 21:16 Uhr:Liebe Gina, leider habe ich im Augenblick zu viel mit richtiger Literatur zu tun; deshalb kann ich nur versprechen, daß es weitergehen wird.
  4. zitierenginablum schreibt am 26.09.2014 um 21:40 Uhr:Na gut :-(

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