Lyriost – Madentiraden

24.07.2014 um 12:28 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 5

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 5

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, die Katze Kassiopeia, die „kläglich miauend hervorgeschlichen“ kam und vorwufsvoll guckte. Hungrig, na klar. Trotzdem hatte sie still im dunklen Wohnzimmer abgewartet, bis Frauchen das Licht anmachte. Das ist aber so gar nicht Katzenart, denn hungrige Katzen machen Rabatz und sind bekanntlich gern nachts im Dunkeln unterwegs und brauchen dabei kein künstliches Licht. Chloe „strich der launischen Katzendame über den fellbedeckten Rücken“. Aha, Chloes Katze hat also Fell auf dem Rücken, keinen Schuppenpanzer, kein Gefieder, keine Schlangenhaut. Wahrscheinlich hat sie sogar einen Schwanz wie andere Katzen; doch darüber erfahren wir nichts, nur daß das Tier „launisch“ ist, denn es wendet sich dem Körbchen zu und leckt sich die Pfoten. Das tun hungrige Katzen natürlich nicht, und deshalb ist die Szene ganz schlecht erfunden.

Da Chloe die Katze „einzig und allein“ zum Kuscheln angeschafft hatte, wendet sie sich nun „eingeschnappt“ ab und „marschiert in ihr Schlafzimmer“. Also Chloe, nicht die Katze. Dort hängen, erfährt man, Hosenanzüge „wie Soldaten beim Appell in Reih und Glied“ auf ihren Bügeln. Das muß ein lustiges Soldatenleben sein, wenn man so rumhängen kann. Ist das so? Ich weiß nicht, denn ich war noch nie Soldat. Aber ich habe doch einige Zweifel.

„Nur noch mit einem … nicht sonderlich aufreizenden Baumwolltanga bekleidet, schlüpfte sie in bequeme Freizeitkleidung.“ Die wird im folgenden genauer beschrieben, was ich nicht erwähnenswert finde. Daß Chloe jedoch die Arbeitskleidung vorher abstreift, sollte man voraussetzen können, ohne daß es der Erwähnung bedarf, es wäre sonst unpraktisch und sähe doof aus – aber die Autorin wollte ja den Baumwolltanga hervorheben, obgleich der sicher ebenfalls keiner Erwähnung bedarf.

Madame „lief“ jetzt „tiefer in den Raum hinein“, was Größe suggerieren soll, und „spähte“ aus dem Fenster, das nun in allen Einzelheiten mit Gardinen und so beschrieben wird. Sie schaut nicht, sie „späht“, hält also Ausschau. Doch wonach? Nach den „Lichtern der Stadt“, die sie „ungehindert durch die Verglasung“ (sie kann sich also richtiges Fensterglas leisten) sehen kann – und im Hintergrund „erkennt“ sie die verschwommenen Umrisse der London Bridge“. Da frage ich mich: Sind diese Umrisse immer verschwommen, wie die Wortwahl es nahelegt, oder meint die Autorin vielmehr, sie erkenne verschwommen die Umrisse der tatsächlich akkurat dastehenden Brücke. Das ist nicht dasselbe.

Morgen geht’s weiter mit Seite 6 und der „Terrorkatze“.



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