Lyriost – Madentiraden

25.07.2014 um 10:04 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 6

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 6

Inzwischen hat die sogenannte Terrorkatze – wir erinnern uns, das ist jenes Tier, das „kläglich miauend hervorgeschlichen“ kam und vorwufsvoll guckte, also der reine Terror wie Garfield – ihr Kitekat weggeschlungen, und Chloe „verschlang einen Erotikthriller, da das Fernsehprogramm … mit einem unterirdischen Programm glänzte“. Also schlechtes Programm im Programm. Glanzvolle Formulierungskunst.

„Die sprachlich gebannten Lustspiele der Protagonistin nahmen Chloe gefangen.“ Sprachlich gebannte Lustspiele. Wie gesagt: Funkelnde Formulierungskunst. Folglich wird Cloe nun schnell warm: „Flüssige Hitze nistete“ sich zwischen ihren Schenkeln ein, „ihr Blut kochte“. Das geht immer ganz fix bei Chloe, wir werden es im weiteren Verlauf der Geschichte noch erleben. Sie hat einfach einen „sehnsüchtigen Unterleib“. Jetzt aber „verlor“ sich Chloe „in den äußerst grafisch beschriebenen Details des Liebesaktes“. Was meint die Autorin bloß mit „äußerst grafisch“? Ist es ein Erotikthriller für Heranwachsende, also bilderbuchartig und mit Schaubildern, schematischen Darstellungen angereichert? Oder meint Frau Hall die graphische Gestalt der Schriftzeichen? Aber die hat ja eigentlich selten so direkt erotisierende Wirkmächtigkeit. Egal. Der Ausdruck „äußerst grafisch“ ist jedenfalls äußerst blaß.

Wie auch immer, das Buch gleitet ihr aus den Händen, und sie „drehte sich mit einem erstickten Laut auf den Rücken“. Vielleicht würgt sie sich dabei selbst ein wenig, deshalb sicher der „erstickte Laut“. Anschließend streicht sie mit der Hand, kann sein entschuldigend, „über ihren Hals und ihre Kehle“. Ich dachte, die Kehle sei ein Teil des Halses. Ist das nicht so? Dann wird sie wohl mit der Hand und mit den Fingern darüberstreichen. Auf jeden Fall wird die Atmosphäre jetzt ganz schön lichtvoll: „Das warme Licht der Nachttischlampe tauchte ihr Schlafzimmer in goldenes Licht ...“

Nun wurden ihre Nippel „noch praller und reckten sich ihr bettelnd entgegen“. Die Autorin hat eine leise Ahnung, daß da etwas nicht so ganz stimmen könnte, deshalb heißt es im folgenden Satz: „Da es ihr leider anatomisch nicht möglich war“ [was?], „verwöhnte sie sich auf andere Weise.“ Zum Beispiel indem sie wieder mal den Kopf nach hinten wirft. Hemmungslos.

Morgen geht’s weiter mit Seite 7 und „seidigen Wänden“.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenBloomsbury schreibt am 25.07.2014 um 10:43 Uhr:Hhm, mit 'äußerst grafisch' meint die Autorin wahrscheinlich 'bildhaft'. Zumindest verstehe ich das so, wenn ich diesen kurzen Ausschnitt auf deinem Blog lese. Müsste ich das ganze Buch lesen, würde ich diese funkelnden Forumulierungen wahrscheinlich auch nicht mehr verstehen.

    'Nippel' - hah! Wenn schon Nippel, dann 'bettelnd nach erlösenden Händen'. Was anderes geht gar nicht.
    (Gut - man könnte es noch ausformulieren)

    Danke für die Ablenkung. Jetzt kann ich wieder Laub saugen. Sonst nichts.
  2. zitierenLyriost schreibt am 25.07.2014 um 11:29 Uhr:Liebe Bloomsbury, wenn du willst, kannst du das Buch in den nächsten acht Monaten hier kennenlernen: die schillerndsten Formulierungen, absurdesten Bilder und lustigsten logischen Absurditäten – jeden Tag eine Seite. Ich habe mich dazu entschlossen, weil dieser Schmarrn in beinahe allen Rezensionen mit emphatischem Pathos über den grünen Klee gelobt wird.
  3. zitierenLyriost schreibt am 25.07.2014 um 11:31 Uhr:Ach ja, ich wünsche noch erfolgreiches Saugen. Aber Laub?
  4. zitierenSweetFreedom schreibt am 25.07.2014 um 13:47 Uhr:Hey hey Lyriost,
    gerade wollt' ich's schreiben, daß ich über die Werke der Dame nur Lobesworte gefunden habe. Diese neuen Bilder, diese Spannung, was für eine Qual, auf das Erscheinen des nächsten Bandes warten zu müssen!
    Ganz kleinlaut wollte ich gestehen, daß ich die Kunst der zur Schriftstellerei Berufenen leider gar nicht zu schätzen weiß. :-( ;-)
    Ich bin gar untröstlich!!!
    ;-)
    Damit es Deine amüsante Geschreibselchirurgie geben kann, muß Frau Hall sich ja erstmal des Alphabetmißbrauchs schuldiggemacht haben. Weiter so, dann haben wir täglich was zu lachen!
    Lieben Gruß und danke!
    SweetFreedom
  5. zitierenAlcide schreibt am 25.07.2014 um 14:44 Uhr:Ach wirklich, das ist bekannt, sogar sehr erfolgreich...?*verblüfft*
    "Erotische Wirkmächtigkeit" ist sehr schön...
  6. zitierenFrau_VonUndZu schreibt am 25.07.2014 um 19:05 Uhr:Sprachlich erschreckend. Mein erster Gedanke war der einer grauenvollen Übersetzung. Dann sah ich aber, dass Frau Hall aufgrund ihrer Herkunft der deutschen Sprache mächtig sein sollte... Da vergeht einem trotz aller (vermeintlichen) Erotik der Spaß am Lesen.
  7. zitierenGrafKroete schreibt am 25.07.2014 um 22:57 Uhr:Ob mich da irgendetwas wundert? Nein, denn das Proetariat hat auf ganzer Linie gesiegt, man erkennt es an Literatur, Fersehn, Bildung und Kultur.....*g*

    Zurück zu den Wurzeln ist angesagt, Es bleibt die Frage wann das Buch mit dem Titel: "Fic... ey"" in den Bestsellerlisten erscheint, dänische KungFu-Filme ähnlicher Güte haben ja schon vor Jahrzehnten die Wohnzimmer des real exsitierenden mündigen Bürgertums hinter sich gebracht. Narürlich könnte ich diese grossartige Erscheinung durchaus verpasst haben, Reissäcke die in China umkippen find ich allemal spannender.

    Totsichere Tipps für Waren und Trends die es unbedingt zu meiden gilt gibt übrigens die Werbung.
  8. zitierenLyriost schreibt am 25.07.2014 um 23:33 Uhr:Vielen Dank euch allen; es beruhigt mich sehr, daß doch einige meinen schlechten Geschmack teilen und ähnlich ahnungslos sind wie ich, wenn es um innovative Literatur geht.

    Viele Grüße
    Ly

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