Lyriost – Madentiraden

28.02.2005 um 09:00 Uhr

Scherbenhaufen

von: Lyriost

Scherbenhaufen

Wer sich und andern nicht eingesteht, daß er Hilfe braucht, sucht sie dort, wo er sie nicht findet, nicht finden kann, was ihm paradoxerweise beweist, daß er sie nicht braucht. Das geht eine ganze Weile gut, aber auf Dauer vermehrt man damit nur die Anzahl der Scherbenhaufen. Und am Ende steht man Auge in Auge mit dem Nichts.

27.02.2005 um 12:49 Uhr

Sprachchirurgie

von: Lyriost

Sprachchirurgie gelingt nur ohne Narkose.

27.02.2005 um 12:39 Uhr

Warum das Ungenügende auf Dauer besser ist als das Gute

von: Lyriost

Fatalität

Das Sehr-Gute ist so selten wie ein schwarzer Diamant. Und wird leicht übersehen. Gutes ist immer zuwenig, denn das Bessere ist besser als das Gute. Aber das Bessere, wenn man es tatsächlich findet, nutzt sich meistens schnell wieder zu gut ab. Dann schaut der Mensch erneut nach Besserem und findet meist nur Mangelhaftes. Irgendwann meint er dann, das Mangelhafte sei ausreichend, findet es befriedigend und richtet sich im Ungenügenden ein.

27.02.2005 um 10:30 Uhr

Bewußtwerdung

von: Lyriost

Musik: Tom Waits

Bewußtwerdung

Manchmal wird uns erst dann richtig bewußt, was wir wissen, wenn uns jemand anderes mit anderen Worten als den eigenen darauf hinweist. Dadurch, daß er uns versteht, verstehen wir uns selber besser.

26.02.2005 um 16:10 Uhr

Risiko

von: Lyriost

Stimmung: risikobereit
Musik: Pink Floyd, Ummagumma

Risiko

Ein kalkuliertes Risiko ist kein Risiko; es erscheint nur denen als solches, die nicht kalkulieren können oder ihren eigenen kalkulatorischen Fähigkeiten nicht trauen. Zum Mißerfolg führt der Fehler in der Kalkulation, nicht aber das kalkulierte Tun.

24.02.2005 um 16:06 Uhr

Platos Ringe

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Platos Ringe

Am meinem Hals wie Eisenringe
hängt das Gewicht, der Fluch
des warmen Blutes, denkgedacht,
Lebenserlebens, aufgewacht,
wie eine Marmorvogelschwinge
auf einem offnen Weisheitsbuch.

Zu tragen hilft die kleine Liebe
die große ist nur Wahn und Schein
symbolisch nur und nicht zu spüren
nur da, zum Unglück zu verführen
nur Maskenspiel verkappter Diebe
ein Hirngespinst im falschen Sein.

24.02.2005 um 13:50 Uhr

Warten II

von: Lyriost

Warten II

Gedanken wälzen
Gedanken
und Liebe tröpfelt
ins Leere.
Auf der Zunge
verklebte Hilferufe.

Nichts fließt
nur das Blut tuckert
träge dahin.

24.02.2005 um 11:25 Uhr

Am Abend

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Stimmung: unklar
Musik: Tangerine Dream

Tagesschau

Milchglasiges
Wundengebrüll
zerfließt an
schreckenverkrusteten
Seelen.
Sekundenstarker
Trauerbruch
wieselt vorbei.
Unterm Mantel
erstarrter Tränen
trommeln Herzen.
Vergessen.