Aussicht
Aussicht
Die Berge von zuckendem Fleisch
in den Katakomben
des wütend blühenden
Zeitwahns
die Platzwunde
des Seins
nur der blutige
Vorhang vor dem
Raum der gemarterten
Seelen.
Stimmlos
blicklos
stummes
Geschrei.
Aussicht
Die Berge von zuckendem Fleisch
in den Katakomben
des wütend blühenden
Zeitwahns
die Platzwunde
des Seins
nur der blutige
Vorhang vor dem
Raum der gemarterten
Seelen.
Stimmlos
blicklos
stummes
Geschrei.
Wachstum
Die Frühlingsblumen
zwischen den Leichenhallen
oder umgekehrt.
Wohin du die Augen lenkst:
Irgend etwas sprießt immer.
Furcht und Erleichterung
Wenn du spürst, wie die Jalousien der Verdrängung herunterrauschen, und du noch einen Zipfel des Schrecklichen siehst. Große Erleichterung, aber immer auch die Furcht, die Jalousien könnten sich beim nächsten Mal irgendwo verhaken.
Blicke
Wenn du deinen Fingerabdruck auf dem Spiegel der Selbsterkenntnis leicht wieder abwischen kannst, dann hast du noch nicht tief genug in ihn hineingeschaut.
Immer dasselbe
"Wartet mal ab, ich hab noch gar nicht richtig angefangen."
Das Gefährlichste am Menschen ist sein Wille zur Macht, sein Ehrgeiz, vollständig er selbst zu werden. Oder was er dafür hält. Und am Ende liegt die ganze Welt in Trümmern. Und er steht mittendrin. Oder sitzt. Dann schüttelt er sich dreimal. Und immer wieder den Kopf, als wenn das etwas nützte. Und bald geht alles wieder von vorne los: Aufbauen, Zerstören, Kopfschütteln.
Augen und Ohren und anderes
Wer hat sich nicht schon einmal verhört oder verguckt? Klar, jeder. Aber was für die Ohren und die Augen gilt, gilt auch für unser Gefühl: Es besteht immer die Gefahr der Täuschung. So real und niemals kritisierbar Liebesgefühle auch sein mögen, sie sind nicht immer verständlich und häufig "unangemessen", weil wir etwas in den andern hineinzuinterpretieren versuchen, was nicht vorhanden ist. Liebe macht bekanntlich schlechte Augen. Und dann, wenn wir eine Brille zur Hand nehmen, wundern wir uns über das, was wir sehen, und über uns selbst, auch wenn das an unseren Gefühlen manchmal nichts ändert.
Zukunft
Die meisten von uns neigen dazu, ihr Leben in die Zukunft zu verschieben. Bei diesem ständigen öffentlichen Nachdenken und dem Gerede über gesellschaftliche Zukunftsperspektiven und auch bei unserem inneren Palaver über unsere eigene Zukunft wird häufig das vergessen, was viel wichtiger ist: unsere Gegenwart. Wenn wir ganz in unserer Gegenwart aufgehen und unsere Möglichkeiten heute nutzen, brauchen wir uns um die Zukunft keine Sorgen zu machen. Und uns morgen nicht damit zu quälen, was wir gestern versäumt haben.
Was tun?
Ich kann dich hören,
deine Stimme schmecken:
Brennt helle
Risse in die
rauhen Mauern.
Ich seh dich
deine Lippen recken.
Du
siehst mich an.
Dein Blick ist still, fast stumm.
Aus Angst, aus
Furcht?
Ja, Zweifel, klar.
Bedauern.
Ob du im Augenblick zu sehen bist oder nicht, gesehen wirst oder nicht – du fummelst ständig am Sein herum. Existenz oder Nichtexistenz sind Kategorien für Blinde.
Und wieder läuten die Glocken.
Lehrer sagen und schreiben gern etwas mit Ausrufezeichen. Aber oft ist das Gesagte das Ausrufezeichen nicht wert. Wo du keine Ausrufezeichen findest, da lasse dich ruhig nieder, und suche nach den versteckten Zeichen im Text, und – noch besser – setze die Ausrufezeichen selbst, und zwar an den richtigen Stellen, wenn es solche für dich gibt: Aber darüber mußt du selbst entscheiden.
Fremdbestimmt
Das darfst du doch nicht
rostige Stimmen im Kopf
das
kannst du doch nicht
immer derselbe Gestank
aus fernen Kinderzeiten.
Gewissen
Es ist so, als wären wir in unserer Kindheit mit einer Art retardierendem Breitband-Antibiotikum gegen uns selbst geimpft worden, das uns einerseits unsere Wege asphaltiert und diese deshalb leichter begehbar gemacht hat, aber uns heute immer wieder behindert, weil es erdrutschartig von Zeit zu Zeit Geröll auf unserem Weg zu uns selber auftürmt. Jedes Medikament hat eben unerwünschte Nebenwirkungen.
Oder sind es erwünschte? Wir sollten darüber nachdenken, wem die Wirkungen und Nebenwirkungen nützen. Und dann die von uns nicht erwünschten Nebenwirkungen mit einer anderen Medikation bekämpfen: zum Beispiel Eigensinn.
Das Dumme ist nur, daß gewissenfernes Nachdenken schon wieder Eigensinn voraussetzt und Eigensinn meistens gewissenfernes Nachdenken: ethischer circulus vitiosus.
Wahrnehmung und Bewußtsein
Wir alle leben im Dunkeln. Das Sonnenlicht als Quelle der Offenbarung ist nichts als eine Widerspiegelung unseres Bewußtseins, gewissermaßen eine optische Täuschung. Was uns den Weg erhellt, ist einzig und allein das von den Sinnen gefütterte Bewußtsein, das sich durch die sinnliche Wahrnehmung seiner selbst bewußt wird. So was wie ein kosmischer Zerrspiegel des Überkosmischen.