Lyriost – Madentiraden

31.05.2005 um 09:46 Uhr

Von Gesicht zu Gesicht

von: Lyriost

Von Gesicht zu Gesicht

Ein schauriges leises Begegnen
umbrandet vom Brüllen der Welt 
es ist dieses heimliche Segnen
das einen dem andern erhält.

Verstohlen schaust du hinüber
voll Scheu in das fremde Gesicht
und manchmal strömt milde herüber
der Klang, der die Masken zerbricht.

Dann fühlst du die Sprache der Engel
behutsam tastender Schimmer
ein weltenvernichtender Glanz.

Dies ist das Licht im Gedrängel
der reine Ton im Gewimmer
Musik für den heimlichen Tanz.

30.05.2005 um 10:22 Uhr

Das Echo der Äonen

von: Lyriost

Das Echo der Äonen

Im Dunkel ruhen
alle Wunden
und Schatten werden
scharf im Licht
wie Messer ritzen
helle Stunden
die Signatur
in das Gesicht.

Die Krallen der
verwesten Tage
spürt nur wer sich
ins Auge schaut
der Schrei der Zeit
ist Totenklage
das Echo ist
verwelkte Haut.

Verwittern ist das
Maß der Uhren
doch Wiederkehr
mißt Ewigkeit
die morschen Stimmen
der Lemuren
sind längst vom Glanz
der Zeit befreit.

30.05.2005 um 10:16 Uhr

Was Wissen schafft

von: Lyriost

Was Wissen schafft

Wo Eulen wachen
klirren noch
die kleinsten Scherben
beim Sprung der Haut
die dürstend bricht
wie trockne Erde.
Wenn taubefreite Jahre toben
furcht sich
gedankenschwer
der blinde Staub
in deine spröde Seele.

29.05.2005 um 15:22 Uhr

Abend in Berlin

von: Lyriost

Abend in Berlin

Die Kinder spielen und die Kerzen weinen
und weiche Schleier sinken auf die Stadt.
Die Sonne gähnt, ihr will es scheinen
als hätten alle ihre Wärme satt.

Am Parkrand summen die Laternen
und wunde Hände ruhn auf weichem Plüsch.
Die Motten jagen wild nach ihren Sternen
der letzte Vogel kriecht ins Schlafgebüsch.

Und Wolken ziehen still von fern zur Ferne
sie kehren niemals mehr zu uns zurück
und keiner weiß, ob sie nicht gerne
ein wenig Heimat hätten, nur ein Stück.

28.05.2005 um 09:28 Uhr

Mir ist so

von: Lyriost

Mir ist so

Als hätte ich etwas zu sagen
als wüßte ich ein klares Wort
als hätte ich nichts mehr zu klagen
als ginge ich für immer fort.

Doch finde ich nur alte Fragen
und weiß mich fern an diesem Ort
und habe nur mich selbst zu tragen
ich geh nicht fort und bleibe dort.

27.05.2005 um 12:39 Uhr

Kein Grund zur Aufregung

von: Lyriost

Kein Grund zur Aufregung

Worte sind Schatten
blinder Gedanken
tarnen der Seele
heimliche Qualen
hüllen in Nebel
gierige Ratten
saugend am zuckenden
Herzenermatten
glätten beflissen
das Leichentuch.
Lautlos erstarren
liebendes Sehnen leises
Begehren: Ohnmacht
glüht stummes
Verzehren.

26.05.2005 um 18:33 Uhr

Schattensprung

von: Lyriost

Schattensprung

Beim Üben des Schattensprungs zu beachten: Nicht häufiges Messen läßt uns weiter springen, sondern ausreichender Anlauf und sauberer Absprung. Und nicht nach unten blicken.

26.05.2005 um 13:58 Uhr

Verstehen

von: Lyriost

Verstehen

Wenn man nicht verstehen will, sollte man es sich nicht zu schwer machen mit dem Verstehenwollen. Man kann auch in Oberflächenstrukturen mikroskopisch tiefgründeln.

26.05.2005 um 12:52 Uhr

Beiläufig

von: Lyriost

Beiläufig

Wenn der Fisch
noch zuckt
halb tot
lebendiger
als die mordende
Hand
beiläufige Schläge
als hacke man Holz.
Unverstanden.
Ungefühlt.

Ein Bild
aus einer anderen
Welt.

Wünschte ich mir.

26.05.2005 um 11:06 Uhr

Vom Perlensticken

von: Lyriost

Vom Perlensticken

Allein auf dem Feld
ohne sich allein
mit sich und den
wortlosen Wolken
das Gefühl
in den Kohl gewühlt
als wäre alles
nicht wahr.

Wären da nicht
die Spuren
auf den Wangen.

Bis sich die
Tränen kreuzen
im Schweigen
tickt schwer
so manche
Nachtsekunde
Stunde um Stunde
gemeinsam allein.

Wären da nicht
die Spuren
auf den Wangen.

Wenn sich die
Tränen kreuzen
über den Perlen
ist der Fisch
vom Haken frei
und schwimmt davon
in die Nacht.
In den Tag.

Wären da nicht
die Spuren
auf den Wangen.

Und in den
Herzen.

26.05.2005 um 10:07 Uhr

Warten unforciert

von: Lyriost

Warten unforciert

Träge Stundengestalt
Sekundengeklimper
wie kleine Tröpfchen
im flachen Atem der Zeit
im Rückblick
schwankende Ruinen
der Staub hüllt alles ein.
Ginge nicht fort.

25.05.2005 um 10:18 Uhr

Voran

von: Lyriost

Voran

Durch Zwischengezeiten
geschritten
die atmende Wunde
im Blick
nach vorn auf
eigenes Bitten
der Druck
meiner Hand
im Genick.

25.05.2005 um 10:08 Uhr

Rosen

von: Lyriost

24.05.2005 um 14:18 Uhr

Reife

von: Lyriost

Reife

Bin fortgeschritten.
In den Löchern graues Haar
Weisheit der Nase.

Das erfahrene Riechen.
Immer derselbe Geruch.

24.05.2005 um 10:30 Uhr

Schäume

von: Lyriost

Schäume

Die schleimigen Spuren
der Purpurschnecken
rutschige Wege
die Fährten der Nacht
im Asphalt
vertrocknen
wie ranzige Häute.
Der Wind weht sie fort
und die Lüfte sind schwer
vom Nächtegeruch
der Atem einer
sprachlosen Welt.
Und mit ihm
verdunsten wie Tau
die Gedanken.

Nichts bleibt
nichts entsteht
kein Gewinn
kein Verlust
nur traumloses
Starren.

23.05.2005 um 14:07 Uhr

Perlensuche

von: Lyriost

Perlensuche

Mit ernsten Mienen
an den Pfützen die Taucher
schütten Salz hinein

um das Meer zu erzeugen.
Noch den Tang an den Hacken.

23.05.2005 um 13:41 Uhr

Inhalt und Form

von: Lyriost

Inhalt und Form

Der Inhalt versteht sich erst durch die Form. Aber nur dann, wenn er über Fremdsprachenkenntnisse verfügt. Die treffendsten Erläuterungen sind nach meiner Erfahrung in Braille zu finden.

23.05.2005 um 12:54 Uhr

Freiheit

von: Lyriost

Freiheit

Auf trockenem Land
der Fisch befreit vom Wasser
welche Erlösung

endlich die große Klarheit
das Wasser befreit vom Fisch.

23.05.2005 um 12:17 Uhr

Auch eine Perspektive

von: Lyriost

Auch eine Perspektive

Zuckende Augen
wenn der Kopf den Hals verläßt
erzwungene Hast

beim Rollen stotternder Blick
in Fratzen belebten Lichts.

Oben unten verschoben
und an den Rändern das Nichts.

22.05.2005 um 15:00 Uhr

Whisky

von: Lyriost

Whisky

Guten Morgen
Tristesse
so Gott will
stehende
Bewegung
auf alten Socken
nur die Glut
der Zigarette
Hoffnungsschimmer.

Begegnungsloses Begegnen
wortloses Nichtverstehn
verschobener Fluch.

Wie ein Zahnrad
im Getriebe
der Vergangenheit
der ruhige Puls
Schatten des Vulkans.

Die letzte Glut zertreten.
Kein Weg hinaus
in die Zukunft.
Nur das rückwärts
gesprochene Wort.
Sag mal Leben:
Nebel.