Lyriost – Madentiraden

22.08.2005 um 07:51 Uhr

Über das schwere Los der Menschen

von: Lyriost

Über das schwere Los der Menschen

Nur wenige Wege gibt es, die ins Glück führen, und fast alle sind sie lang und beschwerlich. Daher entscheiden sich die meisten Menschen, dort zu bleiben, wo sie sind, oder einen der vielen bequemen Wege zu gehen, die im Unglück enden. Die einfältigsten Menschenwürfe springen einfach in das nächste Loch, das sich vor ihnen auftut. Und wenn es nicht zu tief ist, machen sie es sich dort bequem und singen das Hohelied der Zufriedenheit oder beklagen bitter ihr Unglück, je nach Temperament. Und einige durch Zufall vom Glück verfolgte Pilzmenschen tappen blind durch die Gegend und versuchen mit aller Kraft, das Glück abzuschütteln, als wären sie in ein Klettenfeld geraten.

Selbst die wenigen, die ihr Glück erkennen, vergessen niemals ganz, ihr Unglück von Zeit zu Zeit wortreich zu beklagen. Denn das schwerste Los scheint es, schwerelos zu sein, Schwere los zu sein.

22.08.2005 um 03:01 Uhr

Von der Asche und ihren Geheimnissen

von: Lyriost

Von der Asche und ihren Geheimnissen

Manchmal flammt aus der Asche die Liebe noch einmal auf, bevor sie für immer erlischt, aber es kommt auch vor, daß die Liebe beinahe erlischt, bevor sie dauerhaft erglüht.

Das ist für mich das größte denkbare Glück.

21.08.2005 um 09:47 Uhr

Wie ein Baum

von: Lyriost

Wie ein Baum

Wenn der Sturm verebbt
jubilieren die Bäume
und richten sich auf.

Sie zählen ihre Äste
wiegen sich wohlig im Wind.

Und lauschen: klopfendes Herz
summendes Wurzelgeflecht.

20.08.2005 um 15:42 Uhr

Über Konzepte und Lebensentwürfe

von: Lyriost

Über Konzepte und Lebensentwürfe

Daß etwas nicht so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, liegt oft nicht an unseren Vorstellungen, sondern meistens ist die Ursache ein falsches Konzept oder ein fehlerhafter bzw. inkonsistenter Entwurf. Wir neigen dazu, unterschiedliche Vorstellungen mit immer demselben Konzept verwirklichen zu wollen. Wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir die Konzepte mit unseren Vorstellungen und mit der Realität in Einklang bringen. Dazu müssen wir jedoch genau wissen, was wir wollen.

14.08.2005 um 16:55 Uhr

Staunen

von: Lyriost

Staunen

Liebe erklären
Schneiden mit stumpfen Messern
Fangen des Windes.

Staunen mit großen Augen
Kinder blicken in die Welt.

12.08.2005 um 15:10 Uhr

Hoffnung

von: Lyriost

Hoffnung

Ihr sitzt noch immer
vor der Bühne
voll Hoffnung
daß es weitergeht:
das Spiel der Kunst
Wahn, Schuld
und Sühne.
Geht doch nach
Haus. Es ist
schon spät.

11.08.2005 um 14:15 Uhr

Einklang

von: Lyriost

Einklang

Wenn die Glocke und die Uhr zusammen schlagen, dann öffnet sich die Tür zum Herzen – und vielleicht, wenn Glocke, Uhr und Herz in Einklang kommen, das Tor zur Ewigkeit.

10.08.2005 um 07:58 Uhr

Freundschaft

von: Lyriost

Freundschaft

Es ist oft nicht leicht, uns für einen langjährigen engen Freund zu freuen, daß er die große Liebe gefunden hat, weil wir notwendigerweise in Kauf nehmen müssen, daß wir von dem nahen Menschen zukünftig nicht mehr so viel Zuwendung bekommen können wie gewohnt. Wir müssen akzeptieren, daß ein anderer ihm nun wichtiger ist als wir. Das ist nicht immer einfach. Und es kann weh tun, in der Gunst des Freundes hinter einen anderen und noch dazu fremden Menschen zurücktreten zu müssen.

Aber wenn wir uns von Herzen für den Freund freuen und die Veränderung unserer Stellung verstehend akzeptieren, dann ist das ein Zeichen echter Freundschaft.

Wenn wir jedoch beleidigt von dannen ziehen oder auf der Beibehaltung unseres Status bestehen, dann ist das eher ein Zeichen von Infantilität und Egoismus. Und von mangelndem Einfühlungsvermögen.

09.08.2005 um 08:12 Uhr

Verlieben

von: Lyriost

Verlieben

Es gibt kaum Unterschiedlicheres als verbitterte und verliebte Menschen, aber eines haben beide gemeinsam: Sie sind nicht offen genug, um sich neu zu verlieben.