Lyriost – Madentiraden

30.09.2005 um 10:59 Uhr

Stereotype

von: Lyriost

Stereotype

Wenn sich in deinem Leben Langeweile und Mißmut breitmachen und du glaubst, das läge an der stereotypen Wiederholung von Immergleichem, dann solltest du, bevor du dein Leben durch Abwechslung veränderst, die Qualität deiner Stereotype prüfen. Es nützt auf Dauer nichts, die Stereotype bunt anzustreichen oder blind vom einen zum anderen zu rennen. Oft ist es nicht der stereotype Charakter des Lebens, der uns unzufrieden macht, sondern die mindere Qualität der Stereotype, mit denen wir umgehen.

26.09.2005 um 13:19 Uhr

Über das Glück

von: Lyriost

Über das Glück

Je weiter wir uns von unserem Unglück entfernen, um so weniger wird uns unser Glück bewußt, und am Ende wird unser Glück, wenn wir nicht achtgeben, zur Quelle der Unzufriedenheit, die dafür sorgt, daß wir ins Unglück zurückfallen. Wahres Glück ist immer ganz in der Nähe des Unglücks.

25.09.2005 um 09:15 Uhr

Lost Highway

von: Lyriost

Lost Highway

Du siehst dich halb
wenn du dich doppelt siehst
in den Augen
blutiger Begierde
zerteilter Zungen
Fieberwahn

Gegen den gespaltenen Schädel
hilft dir kein Aspirin
und wenn du am Ende der Treppe stehst
im dunklen Licht
beginnt alles von vorn
bevor es endet

Solange du dich
nicht selbst anrufst
bist du gesund
solange du atmest
fallen die Türen
nicht ins Schloß.

Du bist unterwegs
zu ihr
und zu dir selbst.

23.09.2005 um 07:45 Uhr

Wahlen

von: Lyriost

Wahlen

Vielleicht sollte Deutschland von Berlin-Kreuzberg aus regiert werden. Dann gäbe es zumindest klare Mehrheiten. Für Schwarz-Gelb hätte es auch hier nicht gereicht. Die CDU hat zwar mit über 11 Prozent trotz Verlusten die Fünf-Prozent-Hürde souverän übersprungen, für die FPD jedoch hat es trotz starker Gewinne mit 4,6 Prozent nicht gereicht.

Ich jedenfalls habe richtig gewählt: bei der Wahl meines Wohnortes. Schöne Grüße nach Freiburg. Ihr seid auf einem guten Weg.

Aber Ströbele als Bundeskanzler?

Wahlergebnisse Kreuzberg-Friedrichshain

22.09.2005 um 01:38 Uhr

Kinderweisheit

von: Lyriost

Kinderweisheit

Das Glück ist in mir
nichts als Pfeifen im Keller.
Das Glück ist bei dir.

Tastend zwischen den Asseln
weiß ich das wenn ich es will.

21.09.2005 um 20:02 Uhr

Blicke

von: Lyriost

Blicke

Manchmal wirft man einen Blick in die Vergangenheit, ohne zu ahnen, daß es ein Blick in die Zukunft ist.

18.09.2005 um 12:16 Uhr

Demokratische Psychiatrie

von: Lyriost

Demokratische Psychiatrie

Heute wählen sich die Irren aus ihren Reihen neue Aufseher. Eigentlich sollten nur die wählen, die das wissen.

16.09.2005 um 08:37 Uhr

Sonntagsantwort

von: Lyriost

Sonntagsantwort

Du hast eine Wahl
wenn die Selbstlosen rufen:
Trinken aus bunten Flaschen.

Da hüpfen deine Augen
so schöne Etiketten.

Du hast keine Wahl
wenn die Ruchlosen rufen:
Trinken aus leeren Flaschen.

Da hilft dir keine Zunge
und sei sie auch noch so lang.

15.09.2005 um 16:01 Uhr

Memento vivere

von: Lyriost

Memento vivere

Das Memento mori zur rechten Zeit intensiviert das Leben, aber wenn dieser Bewußtseinsschub ins Lamento mori abgleitet, führt er leicht zu lebensfeindlichen und ängstigenden Zwangsvorstellungen. Memento vivere.

13.09.2005 um 23:17 Uhr

Musik und Architektur

von: Lyriost

Musik und Architektur

Schopenhauer hat gesagt, Architektur sei gefrorene Musik. Vielleicht sollten unsere Architekten öfter mal Konzerte besuchen, bevor sie sich an die Arbeit machen. Vor allem, wenn man bedenkt, daß Musik zum größten Teil in Räumen entsteht, die von Architekten konzipiert wurden. Wenn man sich diese Räume allerdings anschaut, kommt man nur selten auf die Idee, Musik sei aufgetaute Architektur. Nur gut, daß der Schmelzpunkt von architektonischen Schöpfungen so hoch ist, sonst könnte die Musik Schaden nehmen. Aber der Ehrlichkeit halber sollte man auch erwähnen, daß zum Glück nicht jeder musikalische Geniestreich in Blaupausen transponiert wird.

09.09.2005 um 07:18 Uhr

Arcanum vitae

von: Lyriost

Arcanum vitae

Rollender Mohn
unter Wärmegewittern
wenn der Bannstrahl
die Uhr verhehrt

08.09.2005 um 07:44 Uhr

Prall

von: Lyriost

Prall

Das ist das Leben
wenn es in den Adern tobt
wenn der Mond die Sonne lobt

wenn es in Gehirnen kracht
wenn es Glieder zucken macht

06.09.2005 um 15:03 Uhr

Ansichtssache

von: Lyriost

Ansichtssache

Von tief unten betrachtet
macht Leben Rückenschmerzen
und steife Hälse.

Von hoch oben gesehen
ist es verlöschende Glut.

Mittendrin und ganz innen
Fließen von Ebbe und Flut.

06.09.2005 um 12:32 Uhr

Augenblick

von: Lyriost

Augenblick

Wenn man in Worten
den Herzschlag sieht
wenn man in Blicken
die Seele spürt
dann ist es Zeit
die Augen zu schließen
und ein wenig
zu schweigen.

06.09.2005 um 07:53 Uhr

Sublimierung

von: Lyriost

Sublimierung

Wer spitz ist und nichts findet, wird spitzfindig.

03.09.2005 um 09:56 Uhr

Gelichtete Zeit

von: Lyriost

Gelichtete Zeit

Das Gehen so leicht
die schweren Wörter stolpern
und fallen ins Nichts.

Am Himmel Wolkensonne.
In den Nächten spricht das Licht.