Lyriost – Madentiraden

02.01.2006 um 14:02 Uhr

Der Gang der Dinge

von: Lyriost

Der Gang der Dinge
 
Wer trägt noch Ohren
hinter Lärmschutzfenstern?

Die Dachbedecker winden sich in Seilen
Und an den Küsten lärmt seit je das Meer. 

Der Sturm verzischt in Wassergläsern
Die Seelendämme drückt kein Mensch je ein.

Die meisten Menschen essen Gummibärchen.
Die Sterne lachen heiter und gemein.

Jakob van Hoddis zu Ehren

02.01.2006 um 13:38 Uhr

Lesen

von: Lyriost

Lesen

Der einsame Ton
Eulenschreie Zauberspruch
schau wie sie fliegen

magische Kartographie
verfolge die Linien

02.01.2006 um 13:28 Uhr

Fitneß

von: Lyriost

Fitneß

Welche Mühen
den alternden
Körper rennend
biegsam zu halten
welches Streben
nach Geschmeidigkeit
des Geistes
sitzend vor dem
Fernseher

02.01.2006 um 13:06 Uhr

Das tägliche Gebet

von: Lyriost

Das tägliche Gebet

Tastengebete
wenn du den Göttern opferst
Laren aus Plastikmetall

optimiert Zehn-Finger-Takt
du hörst wie das Echo klickt

02.01.2006 um 12:27 Uhr

Altruistische Wahrnehmungsbeschränkung

von: Lyriost

Altruistische Wahrnehmungsbeschränkung

Besser ist es, im Nebel zu wandern, als mit einem Brett vorm Kopf herumzulaufen, denn je nach Dichte des Nebels und Perspektive des Betrachtenden bietet Nebel zwar keine sonderliche Farbigkeit, aber immerhin ein gewisses Maß an Transparenz. Bretter hingegen leuchten hin und wieder in schönen Farben, aber das ist nur für den Betrachter von außen sichtbar, woraus folgt, daß jedwede Erheiterung in diesem Falle eine einseitige ist. Das Brett vorm eigenen Kopf nützt also höchstens den andern. Nur unverbesserlichen Altruisten kann das Legitimierung und Trost bedeuten. Sie lieben ihre Bretter so sehr, weil sie den andern etwas Gutes tun wollen, völlig uneigennützig. Völlig uneigennützig? Oder ist am Ende nicht gar so falsch, was Heinrich von Kleist dermaleinst schrieb, nämlich daß der Altruismus die versteckteste Form des Egoismus sei?