Lyriost – Madentiraden

28.02.2006 um 08:08 Uhr

Hochzeitstag

von: Lyriost

Hochzeitstag


Es gab die Tage
da die Welt sich häutet
das Herz erschauert
Blut springt wildes Kreisen
und Narben platzen
still wie bunte Blasen

verharschte Dämme
brechen unter schweren
Blicken grauen Worten
die schorfen Tränen blühen
blau wie Winterkälte
und alles stolpert
gegen wunde Rippen

Wie Flammenwände
rasen die Gedanken
die Zeit erlischt
zu allem Unglück
sterben Schmetterlinge
in den fernen Bergen

Nun sind es Tage
da die Haut sich findet
so herzdurchwärmt
wie unsre Blicke
und alles Falsche
wird nun fortgeblasen

27.02.2006 um 18:10 Uhr

Theatertheater

von: Lyriost

Theatertheater

Das Theatertheater interessiert viele Leute mittlerweile mehr als das Theater. Und das ist in allen kulturellen Bereichen festzustellen: Kultur als Event oder Entgleisung. Wenn beim kulturellen Event der wahre kulturarme oder -lose Charakter sichtbar wird, so hat das auch sein Gutes. Man merkt dann unmittelbar, auf welchen rostigen Gleisen gefahren wird.

25.02.2006 um 08:59 Uhr

Für dich statt Blumen

von: Lyriost

Für dich statt Blumen

Wenn Regentropfen
lärmend lachen
vermißt du
keinen Sonnenstrahl
du bist voll Leben
wie zwei Drachen
in einem kleinen Nebeltal
in deinen Tiefen
rauscht das Blut
tandaradei
Hohelied der Nachtigall

23.02.2006 um 17:26 Uhr

Hilde Domin

von: Lyriost

Hilde Domin

Wie ein Losungsruf
"die Maden der Ewigkeit"
kann sich nicht reimen
versteinerter Augenblick
kühner Sprung in die Worte

23.02.2006 um 16:53 Uhr

Klugheit

von: Lyriost

Klugheit

Ein kluger Mensch weiß, daß er bessere geistige Entwicklungsmöglichkeiten hat, wenn er davon ausgeht, daß er dumm ist – absolut gedacht und nicht im Vergleich zu anderen Mitdummen, seien sie nun klüger oder dümmer oder sogar relativ weise. Der Weise würde niemals auf die Idee kommen, sich für absolut weise zu halten. Auch nicht für absolut dumm. Bestenfalls kann sich der Weise für relativ dumm halten. Aber auch das wäre natürlich attitüdenverdächtig.

23.02.2006 um 14:36 Uhr

Thesen zur Dummheit

von: Lyriost

Thesen zur Dummheit

Dumm ist ein Mensch, der die Entfaltung seiner Intelligenz dadurch behindert, daß er sie überschätzt.

Dumm ist ein Mensch, der die Relativität seiner Bildungsinhalte nicht reflektiert.

Dumm ist ein Mensch, der glaubt, das Sein sei wissenschaftlich zu erfassen.

Intelligenz und Bildung erzeugen ebensoviel Dummheit, wie sie abbauen. Nur die Kleider werden prächtiger.

23.02.2006 um 10:18 Uhr

Dummheit

von: Lyriost

Dummheit

Dummheit ist weniger eine Folge mangelnden Wissens, sondern eher ein Symptom der mangelnden Fähigkeit oder Bereitschaft, diesen Mangel bei sich selbst zu diagnostizieren. Das sokratische Εν οίδα οτι ουδέν οίδα (Ich weiß, daß ich nichts weiß)
ist nach wie vor trotz seiner paradoxen Struktur wegweisend. Und im Kern ist die sokratische Ironie viel weniger ironisch, als man sich zu denken angewöhnt hat.

22.02.2006 um 23:13 Uhr

Experimentum crucis

von: Lyriost

Experimentum crucis

Man lernt wenn man fällt
daß man nicht fallen sollte
Aufstehen mühsam

Oder Liegen ist bequem
ein jeder nach seiner Art

21.02.2006 um 10:58 Uhr

Dogmatiker

von: Lyriost

Dogmatiker

Für einen Dogmatiker ist jeder halbwegs differenziert denkende Mensch eine multiple Persönlichkeit. Ein Nichtdogmatiker vermißt beim Dogmatiker ebendas: Persönlichkeit. Ein Dogmatiker ist eine Person ohne sichtbare Persönlichkeit. Nicht daß er keine hätte. Er versteckt sie nur, aus Angst, er könnte von anderen Dogmatikern als gespaltene Persönlichkeit betrachtet werden. Oder von sich selbst.

21.02.2006 um 08:30 Uhr

Vogelgrippe

von: Lyriost

Vogelgrippe

Immer wieder die gleiche Frage: Wer hat das Sagen in der Natur? Ihr werdet euch noch wundern, was die Natur sich alles einfallen lassen wird, um sich den lästigen Menschenschorf von der Haut zu kratzen.

20.02.2006 um 20:38 Uhr

Kein Hörsturz

von: Lyriost

Kein Hörsturz

Sie suchen Steine
rührst du an den Schlaf der Welt
rüttle sie nicht wach

wenn sie nur friedlich schlafen
die Ohren zwischen dem Kopf

19.02.2006 um 20:50 Uhr

Blogigo 3

von: Lyriost   Kategorie: Sonstiges

Blogigo 3

Blogigo geht wieder. Mal sehen, ob die neuen Schuhe passen.

18.02.2006 um 10:45 Uhr

Über das Gehen

von: Lyriost

Über das Gehen

Gar nicht so leicht, für sich selber Schuhe in der richtigen Größe zu finden, aber doch so wichtig. Es sieht zum Herzerweichen aus, wenn sich einer mit zu kleinen Schuhen durch die Gegend müht, und der Stolpervogel mit der Übergröße ist peinlich bis zum Schreien komisch. Aber vor allem sind passende Schuhe wichtig für unser eigenes Wohlgefühl, ganz unabhängig vom Prestigedenken. Die besten Schuhe sind die, die wir nicht bemerken. Das hat zwar zur Folge, daß wir bisweilen barfuß unterwegs sind, ohne es zu wissen, aber neben dem Nachteil schmutziger oder kalter Füße erleben wir in diesem Fall richtigen Bodenkontakt. Und auf Dauer ist der Kontakt zum Boden neben entspannten und gesunden Füßen die wichtigste Voraussetzung des Gehens. Schon wegen dem Vorankommen.

Ein Genitivierer (meist steckt er in zu großen Schuhen) würde jetzt sagen: "Wegen des. Wegen des Vorankommens, muß es richtig heißen." Aber da irrt er sich genauso wie bei der Auswahl seines Schuhwerks: wegen dem falschen Blick, hinter dem nur halbes Wissen steckt. Eben Genitiviererwissen.

17.02.2006 um 09:19 Uhr

Löffel

von: Lyriost

Löffel

Man kann ruhig denken, man hätte die Weisheit mit dem Löffel gefressen, aber man sollte den Löffel nie aus der Hand legen, bevor man ihn abgibt.

16.02.2006 um 23:32 Uhr

MIT zu beDENKEN

von: Lyriost

MIT zu beDENKEN

Bedenken sollte
wer seine Zunge scharfschleift
das Zahnfleisch ist weich

und liegt näher als gedacht
besonders das eigene

16.02.2006 um 16:35 Uhr

Exoterische Betrachtung esoterischer Selbstsucht

von: Lyriost   Kategorie: Mini-Essays   Stichwörter: Esoterik, Selbstsucht, Erleuchtung

Exoterische Betrachtung esoterischer Selbstsucht

Ein Esoteriker sprach: "Die Suche nach Erleuchtung ist eine selbstsüchtige Suche ..." und: "Je mehr wir versuchen, nicht selbstsüchtig zu sein, desto exzentrischer werden wir."

Dazu möchte ich als Exoteriker sagen: Wenn man keine Leuchte ist, kann man nach Erleuchtung suchen. Aber ausgerechnet in sich selbst und für sich selbst? Wäre man eine Leuchte, dann wäre man doch schon erleuchtet und brauchte nicht nach Erleuchtung zu suchen. Wenn man aber keine Leuchte ist, warum dann, wenn man erleuchtet sein will, immer weiter ins Dunkel gehend im Dunkeln suchen? Das leuchtet mir nicht ein.

Ich selbst ziehe es vor, statt selbstsüchtig zu sein, mich mir selbst zuzuwenden, also selbstzugewandt zu sein. Das hat erstens den Vorteil, daß ich die negative semantische Konnotation, die Selbstsucht traditionellerweise hat und die lexikalisch verbürgt ist, vermeide und darüber hinaus in wesentlich entspannterer Atmosphäre leben kann, denn "Sucht" hat per definitionem Zwangscharakter und ist nicht gerade ein Zeichen von Souveränität. Außerdem sollte sich inzwischen herumgesprochen haben, daß Lockerheit und Loslassenkönnen Grundvoraussetzungen meditativer Fortschritte sind. Wie aber sollte ein Süchtiger, der doch beherrscht ist von seiner Sucht, loslassen können?

In der Tat ist gesteigerte Exzentrizität ein Zeichen für die Entfernung von uns selbst, aber selbstsüchtige Egozentrizität ist nichts anderes, und vielfach ist die eine nichts weiter als die phänotypische Erscheinung der anderen, ohne sie jedoch gänzlich ersetzen zu können.

Für mich ist Selbstsucht genauso exzentrisch wie der Verzicht auf Selbstzugewandtheit. Und selbstsüchtige Sehnsucht nach Erleuchtung führt nur immer weiter in die Dunkelheit.

15.02.2006 um 22:35 Uhr

Schnelle Finger

von: Lyriost

Schnelle Finger

Manche Leute glauben, ihre Gedanken seien schneller als ihre Finger, und deshalb könnten sie ihre Meinung bisweilen nicht adäquat zu Papier oder auf den Monitor bringen. Aber bereits bei flüchtigem Hinsehen wird deutlich, daß ihre Finger schneller als ihre Gedanken sind.

15.02.2006 um 15:41 Uhr

Information

von: Lyriost

Information

Information ändert so leicht nichts an unseren Vorlieben und Abneigungen, aber sie gibt uns die Möglichkeit, unsere Vorlieben und Abneigungen als idiographische zu erkennen und sie auf höherem Niveau zu kultivieren.

15.02.2006 um 10:56 Uhr

Blinde Suche

von: Lyriost

Blinde Suche

Wer blind sich
auf die
Suche macht
findet niemals
was er sucht
aber manchmal
sein Augenlicht.
Doch manchmal
auch nichts.

14.02.2006 um 20:21 Uhr

Blogigo 2

von: Lyriost

Blogigo 2

Vielleicht sollten sie bei Blogigo hin und wieder mal ein paar Eimer Wasser über die Hardware gießen.