Lyriost – Madentiraden

31.03.2006 um 13:52 Uhr

Schrott

von: Lyriost

Schrott

Eine Recyclingfirma meldete trotz stark gestiegener Umsätze spürbare Gewinneinbußen beim Handel mit "Qualitätsschrott". Offensichtlich wird zuviel davon produziert.

31.03.2006 um 09:28 Uhr

Tirade 13 – My Lai

von: Lyriost

Tirade 13 – My Lai

Blutige Streifen
und unschuldsweiße Sterne
das Banner der Schuld

vom Weltapostel lernen:
drei Tage lebenslänglich

31.03.2006 um 00:19 Uhr

Tirade 12 - Paläontologie

von: Lyriost

Tirade 12 - Paläontologie

Unter der Kruste
versteinert Urgewimmel
ein Krümelflüstern

fällt spitz darauf unser Licht
ein Geistern trüber Schatten

30.03.2006 um 07:45 Uhr

Tirade 11 – Verstehen

von: Lyriost

Tirade 11 – Verstehen

Wäge die Wörter
mit deinen grünen Händen
wie Rosenblüten

sie schaun dir in die Augen
wenn du die Blicke erkennst

29.03.2006 um 06:49 Uhr

Tirade 10 – Wachstum

von: Lyriost

Tirade 10 – Wachstum

Was wächst nicht alles
die Zahl gelebter Jahre
die Wirtschaft der Krebs

auch ein zarter Gedanke
und für dich meine Liebe

28.03.2006 um 13:19 Uhr

Wilde Erdbeeren

von: Lyriost

Wilde Erdbeeren

Umflutet vom Mißverstand
sich selber verstehn
wie verschwundene Väter
ohne Gesichter
begrabene Zeigefinger
die Zeichen zeitloser Uhren
kein Blick aus
vernagelten Fenstern
das Sarggeflüster
wenn die Pferde scheuen
nicht hängenbleiben
an leuchtenden Laternen
als wolltest du dir selbst etwas sagen
wenn die Hand dich ergreift
die knochigen Finger
die Heimwärtszeiger
heim zu den verschmorten Hölzern
wo die Erdbeeren blühen
die nie gereiften
wo die Träume schäumten
und erstarrten
im Eis der marmornen Mütter
begraben im Ungefähr
verschollener Väter
die zeigerlose Uhr
zeigt den Weg
durch die Gänge
durch die Türen
in den Ohren Schlüsselklirren
wo der Prozeß beginnt
mit dem Ende
nichts ist zu sehen
aber niemand ist tot
nur die Augen
sind lahm und müde
müde wie alte Gesichter
aber die Erdbeeren
sind reif

28.03.2006 um 11:23 Uhr

Tirade 9 – Von Amseln und Eulen

von: Lyriost

Tirade 9 – Von Amseln und Eulen

Sei eine Amsel
spring aus dem Nest und singe
dann wird es Frühling

aber lerne das Fliegen
bei den schweigsamen Eulen

28.03.2006 um 07:13 Uhr

Tirade 8 - Chiffren

von: Lyriost

Tirade 8 – Chiffren

Verblaßt oder kühn
Primeln und Schlüsselwörter
auf den Metaphernwiesen

ist auch im Winter Frühling
unter den Wolkenpferden

27.03.2006 um 08:09 Uhr

Tirade 7 – Verlorene Zeit

von: Lyriost

Tirade 7 – Verlorene Zeit

Zerren an Deckeln
als könnten wir sie suchen
in morschen Särgen

Wir sprengen Sarkophage
als wären wir unsterblich

27.03.2006 um 07:32 Uhr

Schlechte Erfahrungen

von: Lyriost

Schlechte Erfahrungen

So mancher trägt stolz seine schlechten Erfahrungen vor sich her, als wären es Verdienste. Ein schwächlicher Trost des Alters für die Trostlosesten.

26.03.2006 um 16:43 Uhr

Von Uhren und Menschen und Hähnen

von: Lyriost

Von Uhren und Menschen und Hähnen

Heute morgen haben meine Uhren mir erneut ihre Krallen gezeigt. Doch es hat ihnen nichts genützt. Sie mußten sich fügen, so wie auch ich mich fügen mußte. Uns allen überlegen aber sind die Hähne. Sie fügen sich nicht. Sie krallen sich in den Mist und krähen weiter die richtige Zeit. Die Genmodifizierer raufen sich mit ihren Krallen die Haare. Und arbeiten weiter an der schönen neuen Welt.

26.03.2006 um 11:07 Uhr

Tirade 6 – The Straight Story

von: Lyriost

Tirade 6 – The Straight Story

Wie Schmetterlinge
als wären sie nicht einsam
taumeln die Sterne

wie die Funken des Feuers
kein Bild aus dem Krückenblick

26.03.2006 um 09:57 Uhr

Wenn die Sprache nicht stimmt

von: Lyriost

Wenn die Sprache nicht stimmt

Konfuzius sagt: "Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist ..."

Ist es wirklich so? Oder sollte man nicht richtiger sagen:

Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, das, was gemeint ist. Denn das Nicht-Stimmen der Sprache zeigt, daß das Gemeinte nicht stimmt. Nicht stimmige Sprache ist nur der stimmige, passende Ausdruck nicht stimmigen Denkens.

Oder kürzer: Die Sprache bringt es an den Tag.

25.03.2006 um 07:14 Uhr

Tirade 5 – Reifenwechsel

von: Lyriost

Tirade 5 – Reifenwechsel

Ein Reifenwechsel
blitzgeschwind vom Hier zum Nicht
rasendes Fahren

als erster angekommen
und den Wettlauf verloren

24.03.2006 um 11:34 Uhr

Tirade 4 – Augenbilder

von: Lyriost

Tirade 4 – Augenbilder

Die Bilder täuschen
so schillernd wie die Menschen
die sie malen

schamfernes Augenlügen
verlogenes Betrachten

24.03.2006 um 09:47 Uhr

Versfuß

von: Lyriost

Versfuß

Auch ein Versfuß läuft am besten in guten Schuhen.

24.03.2006 um 08:57 Uhr

Klinsmann und das GIFT

von: Lyriost

Klinsmann und das GIFT

Erstaunlich ruhig und sachlich (aber mit einem Hauch von gesunder Arroganz) hat Bundestrainer Jürgen Klinsmann den selbsternannten Hobbyexperten in den Redaktionstuben die Leviten gelesen. Alle Achtung. Die Retourkutsche kam prompt: Er habe "gegiftet", hört man allerorten. Nun bedeutet aber "giften", seinem Ärger heftig schimpfend, mit boshaften, gehässigen Worten Ausdruck zu geben. So oder ähnlich kann man es in Büchern nachlesen, in denen Aussagen über Wortbedeutung gemacht werden.

Wirklich aufschlußreich, wie  überaus empfindsam die gewohnheitsmäßigen Giftspritzer sind, wie sie bei andern das Gift feinfühlig wahrnehmen, auch wenn es nur in homöopathischen Dosen in die Umgebung entweicht.

Daß so viele talentarme Möchtegerne Einfluß auf die Meinungsbildung in diesem Land haben, ist schlimm genug, aber wohl so leicht nicht zu ändern, doch daß sie auch die Fußball-Nationalmannschaft kreieren, das wird Jürgen Klinsmann hoffentlich verhindern.

Wenn er jetzt noch Jens Lehmann den Vorzug vor Oliver Kahn gäbe, dann wäre das ein weiteres Zeichen seiner Professionalität.

Weiter so mit einem wachsenden Hauch von gesunder Arroganz im fröhlichen Lächeln.

23.03.2006 um 16:18 Uhr

Tirade 3 – Melancholie

von: Lyriost

Tirade 3 – Melancholie

Bei guter Fernsicht
das Abendkulturprogramm
Sonnenuntergang

Vexierspiel der Farbenschrift
fröhliche Melancholie

23.03.2006 um 11:11 Uhr

Tiradentiraden

von: Lyriost

Tiradentiraden

Herzschlag auf Herzschlag
Zwischen Tönen Tiraden
im Sehen Blicke

wie Gedankensekunden
an den Rändern der Zeiten

23.03.2006 um 09:20 Uhr

Tirade 2 – Gewicht

von: Lyriost

Tirade 2 – Gewicht

Die Morgenzunge
malmendes Knabbern der Zähne
im Rauhreif Knacken

Wortgewicht an den Schnüren
die Striemen glühen im Fleisch