Lyriost – Madentiraden

31.05.2006 um 08:52 Uhr

Von der Wahrheit und den alten Hüten

von: Lyriost

Von der Wahrheit und den alten Hüten

Das Problem mit der Wahrheit ist nicht so sehr, daß es sie nicht gibt, sondern daß so viele, die vorgeben, sie zu suchen, immer einen alten Hut dabeihaben, den sie für einen Zauberzylinder halten und aus dem sie die Wahrheit bei passender Gelegenheit mit großem Brimborium hervorzuholen gedenken.

30.05.2006 um 19:11 Uhr

Paradigmenresistenz

von: Lyriost

Paradigmenresistenz

Die Hauptvorteile des unsystematischen, paradigmenresistenten Denkens liegen auf der Hand: Man bleibt lebendig, muß sich nicht den neuesten Denkmodesystemen anpassen oder den alten wider besseres Wissen verhaftet bleiben, und man braucht nicht von Paradigmenwechsel zu schwafeln, wenn man sich einmal geirrt hat. Wer auf dem Boden der sich verändernden Tatsachen denkt, braucht kein systematisch geknüpftes Netz. Einzig vor Erdbeben muß er sich in in acht nehmen und dem damit möglicherweise verbundenen Entzug der Denkerlaubnis.

30.05.2006 um 08:33 Uhr

Über den Umgang mit Kakadus

von: Lyriost

Über den Umgang mit Kakadus

Wenn der Kakadu eine Kalaschnikow geschultert hat, sollte man ihn besser nicht Kakadu nennen, wenn man weiß, daß er sich nicht für einen Kakadu hält.

29.05.2006 um 15:10 Uhr

Narren

von: Lyriost

Narren

Wir alle sind Narren in der Komödie des Lebens: die, die es wissen, sind Narren, weil sie es wissen und so tun, als wären sie keine. Und die, die es nicht wissen, sind Narren, weil sie nicht wissen, daß sie Narren sind.

Und dann gibt es noch die, die schreiben "Wir alle sind Narren" und hoffen, sich so von ihrem Narrenhut befreien zu können: Narren.

 

29.05.2006 um 09:31 Uhr

Tirade 41 – Kopflos

von: Lyriost

Tirade 41 – Kopflos

Mit trüben Augen
rennen auf den höchsten Berg
Lichter erlöschen

mal ohne Arm ohne Bein
und immer ohne den Kopf

28.05.2006 um 11:05 Uhr

Tirade 40 – Freiheit

von: Lyriost

Tirade 40 – Freiheit

Stifte auf Papier
klickende Tastaturen
Gedankenfänger

wirbelnde Elektronen
ziehn den Kopf aus der Schlinge

26.05.2006 um 16:34 Uhr

Tirade 39 – Berliner Hauptbahnhof

von: Lyriost

Tirade 39 – Berliner Hauptbahnhof

Sollte mal werden
Kathedrale des Verkehrs
nichts draus geworden

doch immer noch ein großes
Bürokratengewächshaus

26.05.2006 um 09:44 Uhr

Tirade 38 – Ausblicke

von: Lyriost

Tirade 38 – Ausblicke

Wahrscheinlichkeiten
welche Farbe hat die Milch
am nächsten Morgen

in der Frühe sieht man gut
wie die Schwärze sich weitet

24.05.2006 um 11:21 Uhr

Vorsicht, Falle!

von: Lyriost

Vorsicht, Falle!

Der eitelste Mensch ist der, der von sich behauptet, im Gegensatz zu anderen liege ihm Eitelkeit fern. Wie eitel gesagt! Wenn man nicht in die Eitelkeitsfalle tappen will, ist es nicht möglich, andere als eitel zu bezeichnen und sich selbst auszunehmen.

Was also tun? Der Uneitle schweigt über die Eitelkeit, könnte man sagen. Als läge nicht im Schweigen soviel Eitelkeit ...

24.05.2006 um 11:09 Uhr

Eitelkeit

von: Lyriost

Eitelkeit

Wenn wir unsere Eitelkeit eingestehen, so tun wir das aus Eitelkeit. Sind wir nicht bewunderungswürdig ob unserer Ehrlichkeit? Triebkraft unserer Eitelkeit ist der Wunsch, andere von etwas zu überzeugen, an das wir selbst nicht so recht glauben. Dahinter steht die Hoffnung, die andern könnten uns durch ihren Glauben an uns helfen zu lernen, an uns selbst zu glauben. Verborgener oder manchmal auch erkannter Selbstzweifel ist der Kern aller Eitelkeit und aller Bedürfnisse nach Bestätigung und Anerkennung. Wenn wir nun bereit sind, unsere Selbstzweifel offen auszusprechen, ist auch dieses Bekenntnis wieder Quelle neuer Eitelkeit. Und so geht das ad infinitum weiter.

24.05.2006 um 10:15 Uhr

Der Circulus vitiosus der Eitelkeit

von: Lyriost

Der Circulus vitiosus der Eitelkeit

Der Gipfel der Selbsttäuschung ist erreicht, wenn wir glauben, es gäbe Mittel und Wege, aus eigener Kraft dieser Täuschung unserer selbst zu entrinnen. Die "Confessions" von Rousseau sind ein prachtvolles Beispiel dafür, wieviel lustvolle Schöntuerei noch in der scheinbar schonungslosen Aufdeckung der Schöntuerei steckt.

23.05.2006 um 09:08 Uhr

Tirade 37– Monokulti Graukultur

von: Lyriost

Tirade 37 – Monokulti

Man stelle sich vor
allweil Käsegesichter
Inzuchtgestalten

alle wälzen sich im Kalk
und werden immer weißer

22.05.2006 um 05:36 Uhr

Sonniger Staub

von: Lyriost

Sonniger Staub

Wenn die Sonne
den Staub bricht
glitzern die Gedanken
erwärmen im Murmeln
die staunenden Münder
und die Worte
taumeln aus dunklen
Katakomben
wie betrunkene Gäste
im Morgengraun

22.05.2006 um 02:17 Uhr

Tirade 88-8 – Mein Star

von: Lyriost   Kategorie: Fotos

Tirade 88-8 – Mein Star

So schüchtern sinnlich
strahlst du im heimlichen Licht
mehr als Marilyn

bist wie sie und bist es nicht
mein Stern am dunklen Himmel

21.05.2006 um 09:46 Uhr

Fingerspitzengefühl

von: Lyriost

Fingerspitzengefühl

Beim Fahren einer Planierraupe braucht man mehr Fingerspitzengefühl als beim Lenken einer Hochzeitskutsche.

21.05.2006 um 09:44 Uhr

Freundlichkeit und Charme

von: Lyriost

Freundlichkeit und Charme

Manchmal ist eine Verletzung heilsam, nur darf sie nicht um der Verletzung willen geschehen. Ehrliche Freundlichkeit beim Kritisieren ist so etwas wie Verletzung mit Narkose. Der Charmeur aber gibt dem andern das Gefühl, der bemerkenswerteste und interessanteste Mensch zu sein, obwohl er weiß, daß es einiges zu kritisieren gäbe, und der Charmeur tut das, um für sich selbst Vorteile zu erlangen. Sosehr das Vorgehen des Charmeurs im Augenblick angenehm für mich ist, ist es doch verletzender als die ehrliche Haltung des Kritikers, denn der Charmeur bestärkt mich in meiner Selbsttäuschung und verzögert das schmerzhafte Erwachen. Und das wird um so schmerzhafter, je länger es hinausgezögert wird. Das jedoch kümmert den Charmeur nicht, denn er ist jemand, der nur sein eigenes Wohlergehen im Auge hat.

20.05.2006 um 11:36 Uhr

Spekulationen über JK

von: Lyriost

Spekulationen über JK

Josef, Jakob, Julian. Kornberg, Kornberge, Kornberger.

Wenn der Berg nicht zum Korn kommt, muß das Korn zum Berg kommen. Wen haben wir denn da?

Mäuserich

19.05.2006 um 15:45 Uhr

Der indiskrete Charme der Ehrlichkeit

von: Lyriost

Der indiskrete Charme der Ehrlichkeit

Mitunter erleichtert es die Kommunikation, wenn man uncharmant sagt, was man denkt. Daß in Einzelfällen damit das Gespräch beendet ist, sollte billigend in Kauf genommen werden. Charmante Menschen sind meistens Lügner.

19.05.2006 um 15:18 Uhr

Ein bißchen Spaß muß sein

von: Lyriost

Ein bißchen Spaß muß sein

Lyriost gibt es jetzt auch in englischer Sprache.

Do you speek Englisch?

Und auch auf französisch.

Parlez-vous français?

19.05.2006 um 07:59 Uhr

Google und geheime Daten

von: Lyriost

Google und geheime Daten

Verstärkt wird beklagt, daß man mit Google geheime Daten von Firmen und Behörden finden könne. Böses, böses Google. Wenn ich nicht möchte, daß mein Auto geklaut wird, dann schließe ich es ab. Wenn aber Systemadministratoren den Unterschied zwischen Web und Intranet nicht kennen und zu bequem oder zu unwissend sind, um beides getrennt zu halten, dann haben sie ihren Beruf verfehlt.