Lyriost – Madentiraden

03.06.2006 um 00:04 Uhr

Tirade 44 – Einladung

von: Lyriost

Tirade 44 – Einladung

Alles ist bereit
der Tormann hat keine Angst
ihr könnt jetzt kommen

nur die Tore sind noch schief
kurzer und langer Pfosten

02.06.2006 um 15:21 Uhr

Tirade 43 – Handke

von: Lyriost

Tirade 43 – Handke

Politisch blindtaub
schon mal die großen Dichter
heute auch kleine

kein Grund zum Emigrieren
muß man sich selbst ausbürgern

02.06.2006 um 07:07 Uhr

Tirade 42 – Ruhepuls

von: Lyriost

Tirade 42 – Ruhepuls

Ein Blick auf die Welt
Wogen blinder Gewalten
ohne Empörung

Sonnenstrahlen gefrieren
im Spiegel toter Augen

01.06.2006 um 15:15 Uhr

Pro Geisteswissenschaften

von: Lyriost

Pro Geisteswissenschaften

Immer mal wieder eine Initiative. Diesmal die Initiative "Pro Geisteswissenschaften". Die ein wenig ins Hintertreffen geratenen Geisteswissenschaften sollen verstärkt (natürlich finanziell) gefördert werden. Besser wäre es, die wenigen Geisteswissenschaftler zu fördern, die sich nicht in den Institutionen hinter ihren Begriffssäulen verstecken.

Pro Geisteswissenschaften

01.06.2006 um 10:06 Uhr

Der je eigene Sprachgebrauch

von: Lyriost

Der je eigene Sprachgebrauch

In der Wissenschaftssprache, besonders in psychologischen und soziologischen Texten, findet man neben vielen anderen floskelhaften Konventionalismen sehr häufig einen übermäßigen, unreflektierten Gebrauch der Präposition "je", wenn es darum geht, bei der Betrachtung von Gruppen darauf hinzuweisen, daß jedes Mitglied dieser Gruppe sich in mancher Hinsicht von den andern unterscheidet.
So hat jeder eine "je eigene Sozialisation", einen "je eigenen Erfahrungsschatz", einen "je eigenen Sprachduktus", einen "je eigenen Stil". Als wäre das nicht eine Selbstverständlichkeit (oder sollte doch zumindest eine sein), wird mit penetranter Überpräzisierung an jeder möglichen und unmöglichen Stelle auf das "je eigene" Individuelle im Überindividuellen hingewiesen. Warum tun so viele Autoren das und negieren so ihre "je eigenen" stilistischen Möglichkeiten? Vielleicht deshalb, weil es die "je eigenen" stilistischen Möglichkeiten in Wirklichkeit gar nicht gibt?

Häufiger präpositionaler Gebrauch dieses "je eigenen" scheint mir neben anderem prägnanter Ausdruck der "je eigenen" Nichtindividualität und eines "je eigenen" mangelndenden Reflexionsvermögens dieser Schreiber zu sein.

Wer vom "je eigenen" der anderen schreibt, sollte sich auch um das eigene "je eigene" kümmern. Aber vielleicht ist gerade das fehlende Bewußtsein des  Mangels an "je eigenem" der unbewußte Antrieb, das "je eigene" als theoretisches Postulat so aufdringlich herauszustellen.

01.06.2006 um 07:20 Uhr

Tirade 41 – Weltwissen

von: Lyriost

Tirade 41 – Weltwissen

Alles schon gedacht
reflektierende Sonne
in der Beleuchtung

die Maserung des Holzes
geheime Schrift der Bäume