Tirade 44 – Einladung
Tirade 44 – Einladung
Alles ist bereit
der Tormann hat keine Angst
ihr könnt jetzt kommen
nur die Tore sind noch schief
kurzer und langer Pfosten
Tirade 44 – Einladung
Alles ist bereit
der Tormann hat keine Angst
ihr könnt jetzt kommen
nur die Tore sind noch schief
kurzer und langer Pfosten
Tirade 43 – Handke
Politisch blindtaub
schon mal die großen Dichter
heute auch kleine
kein Grund zum Emigrieren
muß man sich selbst ausbürgern
Tirade 42 – Ruhepuls
Ein Blick auf die Welt
Wogen blinder Gewalten
ohne Empörung
Sonnenstrahlen gefrieren
im Spiegel toter Augen
Pro Geisteswissenschaften
Immer mal wieder eine Initiative. Diesmal die Initiative "Pro Geisteswissenschaften". Die ein wenig ins Hintertreffen geratenen Geisteswissenschaften sollen verstärkt (natürlich finanziell) gefördert werden. Besser wäre es, die wenigen Geisteswissenschaftler zu fördern, die sich nicht in den Institutionen hinter ihren Begriffssäulen verstecken.
Der je eigene Sprachgebrauch
In der Wissenschaftssprache, besonders in psychologischen und soziologischen Texten, findet man neben vielen anderen floskelhaften Konventionalismen sehr häufig einen übermäßigen, unreflektierten Gebrauch der Präposition "je", wenn es darum geht, bei der Betrachtung von Gruppen darauf hinzuweisen, daß jedes Mitglied dieser Gruppe sich in mancher Hinsicht von den andern unterscheidet.
So hat jeder eine "je eigene Sozialisation", einen "je eigenen Erfahrungsschatz", einen "je eigenen Sprachduktus", einen "je eigenen Stil". Als wäre das nicht eine Selbstverständlichkeit (oder sollte doch zumindest eine sein), wird mit penetranter Überpräzisierung an jeder möglichen und unmöglichen Stelle auf das "je eigene" Individuelle im Überindividuellen hingewiesen. Warum tun so viele Autoren das und negieren so ihre "je eigenen" stilistischen Möglichkeiten? Vielleicht deshalb, weil es die "je eigenen" stilistischen Möglichkeiten in Wirklichkeit gar nicht gibt?
Häufiger präpositionaler Gebrauch dieses "je eigenen" scheint mir neben anderem prägnanter Ausdruck der "je eigenen" Nichtindividualität und eines "je eigenen" mangelndenden Reflexionsvermögens dieser Schreiber zu sein.
Wer vom "je eigenen" der anderen schreibt, sollte sich auch um das eigene "je eigene" kümmern. Aber vielleicht ist gerade das fehlende Bewußtsein des Mangels an "je eigenem" der unbewußte Antrieb, das "je eigene" als theoretisches Postulat so aufdringlich herauszustellen.
Tirade 41 – Weltwissen
Alles schon gedacht
reflektierende Sonne
in der Beleuchtung
die Maserung des Holzes
geheime Schrift der Bäume