Lyriost – Madentiraden

31.07.2006 um 11:13 Uhr

Krieg im Libanon

von: Lyriost

Krieg im Libanon

Krieg zu führen ist von jeher eine Sache der Dummköpfe, und das war es auch schon, als nur erwachsene Männer sich gegenseitig wegen Nichtigkeiten das Lebenslicht ausgeblasen haben.

Wenn jetzt wieder alle Seiten tote und verletzte Kinder in die Kameras halten und die Unmenschlichkeit des Gegners beklagen, sollten sie sich mal überlegen, was sie selbst dazu beitragen, daß es soweit kommt.

Wer Straßen nach Kindern benennt, denen man einen Sprengstoffgürtel umgebunden hat, damit sie sich und andere in den Tod schicken können, hat ebensowenig das Recht, die Unmenschlichkeit des Gegners zu beklagen, wie einer, der bei jeder Gelegenheit mit Kanonen auf Spatzen in fremden Gärten schießt und dabei in Kauf nimmt, daß sich die Gärten in Wüsten verwandeln.

Dummheit hat viele Gesichter, aber aus allen Nasen fließt der gleiche Rotz. 

31.07.2006 um 06:05 Uhr

Das Glück der Alltäglichkeit

von: Lyriost

Das Glück der Alltäglichkeit

Wenn ich morgens vor den Spiegel trete, schaut mich das ganze Elend dieser Welt an. Dabei habe ich mich mit der obersten Schicht im Laufe der Jahre recht ordentlich angefreundet. Und auch die Veränderungen der Oberfläche nehme ich so gelassen wie möglich hin, und manchmal begrüße ich sie sogar, für was auch immer sie Indikatoren sind.

Zum Glück scheint es nicht die einzige Bestimmung des Menschen zu sein, vor dem Spiegel zu stehn,  jedenfalls habe ich das für mich so bestimmt, als wüßte ich etwas anderes über die Bestimmung des Menschen als das, was ich an teleologischem Geschwätz in Büchern von Philosophen und und Religionsverkäufern kennengelernt habe.

Deshalb wende ich mich ohne Eile, aber doch zielstrebig vom Elend der Welt ab, um mich ins glückliche Elend der Alltäglichkeit zu stürzen und mein zufriedenes Leben zu leben.

30.07.2006 um 07:25 Uhr

Urteilskraft

von: Lyriost

Urteilskraft

Wer sich auf seine Erfahrung statt auf seine Urteilsfähigkeit beruft, zeigt damit, daß ihm beides fehlt.

29.07.2006 um 13:02 Uhr

Schilda

von: Lyriost

Schilda

Schilda ist ein Synonym für den Planeten Erde, und die Fähigkeit zu allerlei Schilda-Streichen steckt mehr oder weniger in uns allen, was wir daran sehen, daß wir einigen von den Dümmsten unter uns regelmäßig die Gelegenheit geben, ihre Neigung zu solcherlei Streichen auf unsere Kosten auszuleben, indem wir sie durch Wahlen dazu legitimieren. Auch das ist ein Schildbürgerstreich. Sitzen wir nicht alle mit großen Sägen auf Ästen, an denen herumgesägt wird? Nicht nur von anderen.

29.07.2006 um 10:26 Uhr

Tirade 71 – Diamanten schleifen

von: Lyriost

Tirade 71 – Diamanten schleifen

Vergebliche Müh
Schleifen der Diamanten
mit plumpem Metall

Diamanten kann man nur
mit Diamanten schleifen

29.07.2006 um 10:02 Uhr

Eigenständigkeit

von: Lyriost

Eigenständigkeit

Die Meinung, die in unserem Kopf entsteht, ist häufig der Ausdruck unserer Interessen. Nicht selten aber sind die Interessen, die wir vertreten, Ausdruck unserer Meinung. Das Ganze ist ein buntes Wechselspiel, das unsere Freiheit begrenzt und das jeder von Zeit zu Zeit unter die lupigen Linsen seines Urteilsvermögens legen sollte, wenn er eines hat, und dann mit Farbe, Pinsel und Palette ein wenig willkürlich eingreifen.

Solche Farbtupfer der Willkür sind Zeichen von Eigenständigkeit. Passende Malutensilien kann man sich überall ausleihen, scharfe Lupen leider nicht.

Da muß man es machen, wie einst Spinoza: Linsen schleifen.

29.07.2006 um 09:19 Uhr

Richtig und falsch

von: Lyriost

Richtig und falsch

Jeder hat das Recht, sich für sich selbst zum Papst zu ernennen. Auch hat jeder das Recht, aus dieser Selbsternennung für sich ebenso wie der römische Papst Unfehlbarkeit abzuleiten, mit welcher Begründung auch immer.

Aber niemand hat das Recht, diesen subjektiven Unfehlbarkeitsanspruch im Gespräch mit anderen geltend zu machen und den Geltungsbereich der Unfehlbarkeit auf diese anderen auszudehnen.

Ob etwas falsch oder richtig ist, was einer sagt, zeigt sich erst, wenn frei darüber geredet werden kann, was er sagt. Manchmal zeigt sich bei einem offenen Gespräch, was richtig ist und was falsch, manchmal aber auch nur, daß es kein Richtig oder Falsch gibt, sondern nur unterschiedliche Interessen und die zugehörigen Meinungen.

29.07.2006 um 08:47 Uhr

Schrift und Rede

von: Lyriost

Schrift und Rede

Bei "Schrift und Rede", dem sicherlich fachlich fundiertesten Forum der Gegner der Rechtschreibreform, wo die Unsinnigkeiten dieser unsäglichen Schriftverhunzung gnadenlos ans Licht gezerrt werden, ist es leider so
wie überall, wo Gesinnungssympathisanten unter sich bleiben wollen: Kritiker werden rausgedrängt und auf undemokratische Art und Weise ausgeschlossen, denn man möchte unter sich bleiben. Nicht die Leser sollen entscheiden, ob ein Diskussionsbeitrag erhellend ist oder nicht, die Redaktion tut das für sie und greift zensierend ein, indem sie mißliebige Diskussionsbeiträge mit fadenscheinigen Begründungen oder einfach so kurzerhand löscht.

Das ist undemokratisch und kurzsichtig und schadet dem Anliegen dieses wichtigen Forums. 

Wie jeder an meinen schriftlichen Äußerungen und an meinen Wortmeldungen sehen kann, gehöre ich nicht zu den Anhängern des Neuschriebs, bin also keiner von denen, die dort herausgedrängt werden. Aber man sollte auch dann auf undemokratische Verhaltensweisen hinweisen, wenn man nicht selbst betroffen ist.

Bei allem Einsatz für die richtige Schreibung von Wörtern darf eines nicht vergessen werden: Noch wichtiger als das rechte Schreiben ist das unzensierte Recht zu schreiben.

Schrift und Rede

28.07.2006 um 21:53 Uhr

Jemand

von: Lyriost

Jemand

Jemand schrieb im Anschluß an das, was er ein "Thema" nennt, (nicht an mich gerichtet): "... Manchmal denke ich, ich sollte mein eigenes Ding machen ... Und dann fällt mir ein, daß ich zwar mein eigenes Ding machen, aber nicht herauskommen kann aus diesem großen System der Unfähigkeit. ... Gib mir mal'n Tip, wo ich Leute finde, die was bezahlen für die Sachen, die ich so schreibe. Ich würde auch gern meine Lebensweisheit in Kursen kundtun." Sicher nicht zur Gänze ernstgemeint, aber doch auch nicht nur scherzhaft.

Da dieser Jemand, obschon wesentlich jünger als ich, mir und anderen bereits vorher des öfteren, statt argumentativ auf kritische Nachfragen einzugehen, von Lebenserfahrung gesprochen hatte, schrieb ich als Kommentar: "Bevor man sich einen neuen großen Kopf aufsetzt, sollte man daran denken, daß dann der alte Hut nicht mehr paßt. Sonst denken die Umstehenden, man ginge zum Fasching." Antwort: "Ich wage mir gar nicht vorzustellen, wie leer dein Blog wäre, wenn du mich nicht hättest." Und ... erstaunlich, daß du die meisten deiner Themen von mir beziehst und nicht andersrum ..."

Da man, wenn man die Kommentarfunktion einschränkt, unwidersprochen jede beliebige unsinnige Aussage machen kann, hier ein paar grundsätzliche Bemerkungen:

Abgesehen davon, daß es aus gutem Grund kein Copyright auf Themen gibt, kann ich mich nicht erinnern, jemals ein "Thema ... bezogen" zu haben. Seit meinem Erscheinen bei Blogigo habe ich über 800 Beiträge verfaßt. Davon kann man vielleicht zwei Prozent auf diese Art Jemand beziehen: seine Haltung, seine Überheblichkeit, seine Vorurteile, seine Art zu argumentieren, seine Oberflächlichkeit, seine Unfairneß im Gespräch. Diese Charakteristika sind für mich jedoch nicht als individuelle Haltungen interessant, sondern repräsentieren einen Typus: den Typus des mager informierten Besserwissers, der glaubt, er wüßte was und könnte andern was beibringen. So eine Art Sozialmessias mit hypertrophiertem Selbstbewußtsein.

Mit solchen Menschen habe ich Erfahrung, auch hier bei blogigo. Es gab mal einen, der sich in Kommentaren gewohnheitsmäßig über andere und deren Schreibfehler lustig machte. Motto: Dummschreiber, lernt Deutsch. Dummerweise wimmelte es in seinen eigenen Kommentaren nur so von Fehlern, worauf ich ihn freundlich und dezent per E-Mail hinwies. Als er daraufhin aber mit Beschimpfungen und dergleichen anfing, aber munter weiter andere als Dummschreiber beschimpfte, begann ich diese Beiträge mit detaillierter Beschreibung seiner eigenen Fehlleistungen zu kommentieren, was ihn begreiflicherweise dazu brachte, seine Kommentarfunktion zu beschränken und meine Kommentare zu löschen. Es gab auch noch andere, ähnliche Fälle, und man kann das zum größten Teil nachlesen, wenn man will, ich möchte das hier jetzt nicht weiter ausführen.

Natürlich habe ich mich auch damals auf meinem Blog mit der Beschreibung solcher Charaktere befaßt, aus aktuellem Anlaß, aber doch prinzipiell und nicht individuell: prototypische Betrachtung. Und grundsätzlich ohne Nennung von Namen. Es ging und geht immer um die problematische Haltung von sich selbst überschätzenden Jemanden.

In diesem Fall überschätzt sich ein Jemand so sehr, daß er mir unterstellt, ich würde Themen von ihm beziehen. Als hätte einer wie ich das nötig.

Es gibt nur einen einzigen Fall, daß ich als Reaktion auf einen unausgegorenen Beitrag über das gleiche Thema, nämlich Genetik, geschrieben habe. Allerdings weniger oberflächlich als dieser Jemand. Und ohne dessen Denkfehler. Und besser informiert. Vielleicht sollte ich noch bemerken, daß ich zum gleichen Thema bereits Monate vorher ein Gedicht geschrieben hatte.

Ich hoffe, dieser Jemand findet zu einer realistischen Einschätzung seiner Fähigkeiten. Und vielleicht ein wenig Einsicht in seine unfaire Art, zu argumentieren und zu diskutieren. So, wie er sich jetzt verhält, kann ich diesen Menschen nicht respektieren. Bei den meisten anderen fällt mir das leicht, obwohl es manchmal konträre Meinungen gibt, die keine intellektuelle oder moralische Annäherung erlauben.

Anmerkung: Ich habe in diesen Beitrag keinen Tippfehler, sondern bewußt nur eine kleine stilistische Unregelmäßigkeit eingebaut. Für den Fall, daß der Jemand wieder nach Fehlern sucht. Aber ich glaube nicht, daß er diesen "Fehler" findet, denn dem eignet eine gewisse Subtilität, die sich nicht jedem und nicht mal jeder so ohne weiteres erschließt. Und dem "Jeden" schon gar nicht.

28.07.2006 um 16:12 Uhr

Über die Unfähigkeit des Systems

von: Lyriost

Über die Unfähigkeit des Systems

Es gibt keinen Weg, um aus einem großen System der Unfähigkeit herauszukommen, deshalb ist es am besten, zu erkennen, daß man selbst ein kleines System der Unfähigkeit ist, und diese Unfähigkeit durch beständige Bereitschaft zum Lernen und zur Selbstüberprüfung nach und nach abzubauen.

Der zweite Schritt, sich dem großen System als fähig zu verkaufen, darf nicht zu früh kommen, sonst wird man von dem großen System ausgespuckt, denn an weiteren Unfähigen ist kein Bedarf, es gibt bereits genug von ihnen.

Gebraucht werden lediglich fähige Infragesteller des Systems, denn ohne sie kann das System nicht funktionieren, weil ihm die energetisch notwendige Polarität fehlte.

Nichtsdestotrotz glaube ich nicht, daß es das System ist, daß die Unfähigkeit generiert, sondern es ist eher so, daß das System Ausdruck einer elementaren Unfähigkeit der Menschen ist, auch außerhalb theoretischer Blaupausen dauerhaft vernünftige Systeme zu schaffen.

Dafür sorgt schon der Teil unseres Gehirns, den ich als den wesentlichen ansehe, der aber von allen Gesellschaftsoptimisten und Moralisten als entbehrlich betrachtet und von den meisten bei der Theoriebildung nur als animalischer Appendix berücksichtigt wird, das Stammhirn.

Die Unfähigkeit eines gesellschaftlichen Systems ist meist nichts anderes als eine Reflexion der Unfähigkeiten der Betrachter.

28.07.2006 um 15:01 Uhr

Über Spiegel und Narrenkappen

von: Lyriost

Über Spiegel und Narrenkappen

Nichts reizt meinen Widerspruch und meine spöttische Kreativität so sehr wie Leute, die glauben, sie wären klüger als andere, nur weil sie einen zu kurzen Spiegel haben, um die Narrenkappe auf ihrem eigenen Kopf zu sehen. Wenn sie dann, wenn man ihnen einen etwas längeren Spiegel vorhält, auch noch meinen, das sei eigentlich ihr Spiegel, denn wie jeder sehe, sei schließlich ihr Bild doch darin, dann fühle ich mich an gewisse Blondinenwitze erinnert und lache nachträglich, aber um so heftiger, weil ich erst jetzt den wahren Kern dieser Witze erkenne. Manchmal ist auch bei Leuten, die sich nicht für klüger halten als andere Kluge, der Spiegel zu kurz, um alles zu sehen. 

Deshalb gehört Selbstironie zur Selbstbetrachtung wie das tägliche Zähneputzen zur Körperpflege.  

Nur wenn wir uns nicht selbst überschätzen, können wir einigermaßen sicher sein, daß wir nicht von anderen unter die kalte Spottdusche gestellt werden.

Bei realistischer Selbstbetrachtung dagegen kann uns noch so unberechtigter Spott nur wenig anhaben.

28.07.2006 um 12:46 Uhr

Haare auf den Zähnen

von: Lyriost

Haare auf den Zähnen

Diejenigen, die sich auf ihre Lebensweisheit berufen und uns weismachen wollen, sie hätten Haare auf den Zähnen, weil sie mehr Erfahrung hätten als andere, sollte man zum Zahnfriseur schicken oder, falls der nichts mehr für sie tun kann, ihnen empfehlend berichten, daß man angeblich Kukident nimmt, wenn man es kennt. Denn Haare auf den Zähnen sind kein Zeichen von Durchsetzungsfähigkeit oder gar Weisheit, sondern von mangelhafter Mundhygiene. Ich kenne Kukident, ziehe aber, weil ich meiner Urteilskraft mehr Glauben schenke als der Werbung, Kurikur vor.

28.07.2006 um 11:40 Uhr

Von Köpfen und Hüten

von: Lyriost

Von Köpfen und Hüten

Wenn man sich einen neuen großen Kopf aufsetzt, sollte man daran denken, daß der alte Hut nicht dazu paßt. Sonst glauben die Umstehenden, man ginge zum Fasching.

 

Anmerkung: Bei manchen kann man damit zwar Eindruck machen, aber bei denjenigen, die sich an das Horazische "Nil admirari prope res est una, Numici, solaque, quae possit facere et servare beatum" halten, erntet man mitleidiges Kopfschütteln oder Gelächter.

28.07.2006 um 07:02 Uhr

Anecken

von: Lyriost

Anecken

Wer als erwachsener Mensch anecken will, der hat seine Jugend ins Alter gerettet - oder vielmehr pubertäre Allmachtsphantasien. Vielleicht will er die Welt verändern, andere zum Nachdenken bringen. Als wäre es nicht sinnvoller, erst mal sich selbst zum Nachdenken zu bringen! Wer eigenständig denkt, muß sich keine Gedanken darüber machen, ob und wo er aneckt, er eckt garantiert an, denn eigenständiges Denken scheint mir mittlerweile so ungewöhnlich wie
Turnschuhe in einem Ballsaal oder ein Flaneur an einer Straßenecke.

Mir reicht es, darauf zu lauschen, was ich denke, und das nach ethischer und logischer Selbstzensur zu sagen (am interessantesten ist es, wenn der Zensor noch schläft oder einfach müde vor sich hin grummelt), damit ich mich und meine Sicht der Dinge kennenlerne - und die, die sich in mir versteckt haben, um mir in mein Denken hineinzureden.

Das absichtsvolle Anecken überlasse ich denen, die sich beim intellektuellen Häßlichkeitschirurgen künstliche Ecken verpassen lassen. Und natürlich den Spät- oder Dauerpubertierenden.

27.07.2006 um 05:17 Uhr

Mundgeruch

von: Lyriost

Mundgeruch

Wenn ein Mensch Mundgeruch hat, stinken auch die Worte, die ihm aus dem Gesicht rollen.

26.07.2006 um 19:17 Uhr

Über Einstiegsdrogen

von: Lyriost

Über Einstiegsdrogen

Nachdem unlängst nachgewiesen wurde, daß Cannabis-Dauerkonsum die Hirnstrukturen verändert, was vermutlich viel stärker ausgeprägt beim gewohnheitsmäßigen Lesen der Bildzeitung oder bei Fernsehdauerberieselung der Fall ist, wird jetzt mit Hilfe einer schwedischen Studie, bei der man Ratten das Zigfache der normalen THC-Dosis injiziert hat, um sie dahin zu bekommen, wo man sie hinhaben wollte, wieder mal glauben gemacht, Cannabis sei eine Einstiegsdroge für Heroin.

Einen Vergleichstest mit Alkohol gibt es meines Wissens nicht. Was es aber gibt, ist die Flut von Werbung für alkoholische Getränke und Millionen aktive Alkoholiker mit ihren Familien und ungeheurem negativen Output für sich selbst, ihre Umgebung und die Gesundheitssysteme.

Gegenüber diesem legalen Elend wirkt die Kriminalisierung des Haschischkonsums lächerlich und ist für mich nicht nachvollziehbar, und man fragt sich, welche Hirnstruktur bei der Bewertung der Cannabis-Folgeerscheinung als die normale Referenzstruktur betrachtet und zum Vergleich herangezogen wurde: etwa die eines durchschnittlichen, bebilderte Zeitung lesenden Alkoholikers? Oder vielleicht die von Otto Waalkes?

Und noch was: Haben wir nicht gerade erst gehört, daß sich der Gebrauch von Handys verändernd auf die Struktur der Hirnströme auswirkt? Von einem Verbotsantrag habe ich jedoch nichts gehört.

Anmerkung: Nichts gegen Otto Waalkes, sein Sid gehört neben Monty Python zum Ulkig-Genialsten, was ich kenne, aber ist sicherlich nicht Ausdruck dessen, was allgemein als normale Hirnstruktur angesehen wird. Überhaupt sollte man erst mal klären, was eine normale Hirnstruktur ist. Wenn man sich die Aussagen so mancher Politiker anhört ...

Die Zeit

 

26.07.2006 um 07:21 Uhr

Szenische Monodialoge 2

von: Lyriost

Szenische Monodialoge 2

 

Erdmann, verschwitzt, verläßt das Schlafzimmer, geht zum PC und startet ihn, dann begibt er sich ins Bad.

 

Diese Hitze. In Kopenhagen haben

die Weihnachtsmänner getagt. Ob die

In Zivil waren?

Erdmann pult sich im Ohr.

Wenn man an Weihnachten denkt

wird es auch nicht kühler.

Eher im Gegenteil.

Dann wird manchen warm

ums Herz.

Lieber an die fernere

Zukunft denken.

Im Sarg ist es schön kühl.

Dummerweise kriegt man

das nicht mehr mit.

Apropos Zukunft

gestern sagte einer

oder war es eine? Egal.

Er sagte, wenn er sich ansehe

was für eine Zukunft

uns erwartet, dann käme

es nicht mehr drauf an.

Meinte der nun den Sarg?

Glaub ich nicht

denn es ging um

die Spielchen mit den Genen.

Wieder son verhinderter Nostradamus.

Weiß nichts von Genetik

aber von der Zukunft.

Als könnten wir wissen

welche Zukunft uns erwartet.

Wenn die Leute 33 gewußt

hätten welche Zukunft

sie erwartet

hätten sie wohl anders gewählt.

Jedenfalls manche.

Und ich wär heute

besser nicht aufgestanden

denke ich

vielleicht morgen.

Verläßt das Bad, hört ein Summen

Diese blöde Kiste

Hat sich beim Runterfahren

gestern abend wieder aufgehängt

die ganze Nacht gelaufen

bei der Hitze

oder hab ich Trottel im Vorschlaf

nur wieder vergessen

das Ding auszuschalten?

Setzt sich kopfschüttelnd

an seinen Arbeitsplatz

25.07.2006 um 14:14 Uhr

Neid

von: Lyriost

Neid

Neid kann höllisch weh tun, aber der Schmerz ist leicht zu vermeiden, denn Neid ist wie ein Messer, mit dem wir uns selbst in den Bauch stechen.

25.07.2006 um 13:15 Uhr

Über die Entschlüsselung des menschlichen Genoms

von: Lyriost

Über die Entschlüsselung des menschlichen Genoms

Was man wissen sollte, wenn man sich mit der angeblichen Entschlüsselung des menschlichen Genoms beschäftigt und deren mögliche Auswirkungen auf unser persönliches Leben und die menschliche Gesellschaft, kann man bequem in einer halben Stunde bei google herausfinden.

Vorausgesetzt, ich habe wirkliches Interesse an der Sache, bin mit einer gehörigen Portion Wissenschaftsskepsis ausgestattet, also nicht mediengerecht leichtgläubig, komme ich sehr schnell zu einem relativ klaren Bild. Dabei ist es natürlich von Vorteil, wenn Molekulargenetik einer meiner Schwerpunkte im Fach Biologie bei der Abiturprüfung war und ich mich seitdem, obgleich ich beruflich damit nichts zu tun habe, weiterhin autodidaktisch mit der Entwicklung des Fachs beschäftigt habe. Das ist von Vorteil, aber zwingend notwendig ist es nicht.

Da erfährt man dann, daß alle Jahre wieder behauptet wird, das menschliche Genom sei entschlüsselt, zu 99 Prozent jedenfalls. Dabei geht es selbstverständlich nicht um unsere individuellen Erbanlagen, sondern die genetischen Informationen, die alle Menschen gemeinsam haben.

Aber selbst wenn es so wäre, selbst wenn die 100 Prozent voll wären, was hieße das wirklich? Es hieße nichts weiter, als daß ein gerade lesefähig Gewordener ein Buch mit drei Milliarden Buchstaben vorliegen hat, geschrieben in einer ihm unbekannten Sprache, von der er nichts als die Buchstaben kennt.

Das wäre allerdings eine etwas zu optimistische Beschreibung der tatsächlichen Situation, denn inzwischen gibt es neue Forschungen in den USA, bei denen festgestellt wurde, daß die bisher von den Wissenschaftlern außer acht gelassenen und als "Junk-DNA" bezeichneten 97 Prozent der DNA-Sequenzen mit den anderen drei Prozent auf bisher nicht geklärte Art und Weise interagieren, das heißt, es gibt Beispiele dafür, daß bei fast allen "entschlüsselten" Genen unerklärliche bzw. bisher nicht geklärte Zusammenhänge mit nichtentschlüsselten DNA-Sequenzen festgestellt wurden. Wer's nicht glaubt, der kann das in der renommierten "PNAS" der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften nachlesen. Tenor: "Short blocks from the noncoding parts of the human genome have instances within nearly all known genes and relate to biological processes." Niemand pinkelt sich selbst ans Bein, wenn er nicht unbedingt muß.

Die Mär von der "Junk-DNA", mit der man sich nicht zu beschäftigen brauche, weil es sich um Datenmüll handle, ist damit, wie zu erwarten, eindeutig als Mär enttarnt.

Und nun weiß man, wenn man wieder mal hört, HUGO habe das menschliche Genom endgültig entschlüsselt, was man davon zu halten hat.

Wie will man auch ein Genom entschlüsseln, ohne wirklich zu wissen, was ein Genom ist? Es ist ähnlich wie mit der Gravitation. Alle reden davon, und wir wissen viel darüber, wie sie wirkt, sie läßt sich quantenfeldtheoretisch beschreiben (wenn auch nur unter Einbeziehung bisher nicht nachgewiesener hypothetischer Teilchen), aber was Gravitation tatsächlich ist, weiß niemand. Genausowenig weiß irgendein Biologe, was Leben ist. Von Entschlüsselung ist hier wie dort ständig die Rede, aber man schaut in Wirklichkeit tatsächlich bestenfalls durchs Schlüsselloch. Und das vielleicht auch nur, weil man den Schlüssel aus dem Loch genommen hat.

25.07.2006 um 09:10 Uhr

Verfall einer Institution

von: Lyriost

Verfall einer Institution

Wenn man mit der Rechtschreibung mal per du ist und mal per Du, das heißt, wenn man mal die eine und mal die andere Schreibweise empfiehlt, also mal Großschreibung und mal Kleinschreibung, wie der Duden neuerdings, ist die Reputation perdu.

Anmerkung: Wer nun glaubt, der Wahrig könnte eine Entscheidungshilfe sein, der irrt, denn sowohl beim Stichwort "per" wie auch bei "du" suchen Lehrer und Schüler vergeblich. Wenn man hier klein schreibt, liegt man damit immer richtig.

Goldeselei