Lyriost – Madentiraden

08.07.2006 um 09:13 Uhr

Strohdreschen

von: Lyriost

Strohdreschen

Wenn der Nutzen in Nutzlosigkeit besteht, ist Nutzlosigkeit Nutzen. Strohdreschen im Nebel.

08.07.2006 um 08:56 Uhr

Tirade 61 – Sie bilden dir ne Meinung

von: Lyriost

Tirade 61 – Sie bilden dir ne Meinung

Der Schnee von heute
gescannt aus bunten Blättern
zum Hirnerweichen

Blut und kalter Kaffeesatz
aus den Gedärmen der Macht

07.07.2006 um 15:40 Uhr

Wort halten

von: Lyriost

Wort halten

Wer sein Wort halten will, der muß seinen Mund halten können.

06.07.2006 um 13:18 Uhr

Ich

von: Lyriost

Ich

Wenn wir unser Ich definieren, geschieht das in Abhängigkeit von Erziehung, Denktraditionen und mehr oder weniger wissenschaftlichen Moden. Was ich als mein Ich betrachte, ist, abgesehen von meiner Körperlichkeit, nichts als eine Glaubensfrage. Ich weiß nicht, wer ich bin, ich weiß nur, was ich zu sein scheine. Und du?

06.07.2006 um 12:58 Uhr

Erfahrungswissen

von: Lyriost

Erfahrungswissen

Wenn wir nichts wissen über unsere Erfahrungen, wenn die Reflexion fehlt, werden sie zur Gewohnheit und halten uns von anderen Erfahrungen ab. Wissen ohne Erfahrung wäre wie ein ausgeklügeltes Gefäßsystem ohne Blut und kann unsere Wahrnehmung nicht schärfen, Erfahrung ohne Wissen aber wäre wie Blut, das uns nicht nähren kann, weil es sich planlos verströmt.

Erfahrung und Wissen sind untrennbar miteinander und mit unseren Sinnesorganen verbunden. Sie analytisch zu trennen und gegeneinander auszuspielen ist ein rationalistischer Taschenspielertrick, der nur von Ungeübten nicht als solcher erkannt wird.

Freilich ist die Ausprägung der Apperzeptionsverbindungen von ebenso unterschiedlicher Qualität wie die Ausformung der Sinnesorgane.

Es kommt immer darauf an, wer wie Erfahrungen macht. Und wie und aus welcher Perspektive er sie beurteilt. Für einen Arzt ist ein Schnitt in den eigenen Finger eine andere Erfahrung als für ein Kleinkind.

05.07.2006 um 11:14 Uhr

Fußball – Bronzemedaille

von: Lyriost

Fußball – Bronzemedaille

Wenn man bedenkt, daß die favorisierten Brasilianer und Argentinier bei dieser Fußballweltmeisterschaft bereits nicht mehr mitspielen, bekommt die Bronzemedaille, die für die deutsche Mannschaft jetzt noch erreichbar ist, einen ungewöhnlichen Glanz. Es gibt diesmal nicht nur ein Endspiel und ein Spiel um den dritten Platz, sondern gewissermaßen zwei Endspiele. Nicht nur, daß jeder noch mal zeigen darf, was er kann, es ist auch möglich, durch mitreißendes Spiel das als belanglos geltende Spiel um den dritten Platz dauerhaft aufzuwerten und die allgemeine Goldfixierung ein wenig aufzuweichen.

05.07.2006 um 09:33 Uhr

Nicht nur im Fußball – Siegreiche Verlierer

von: Lyriost

Nicht nur im  Fußball – Siegreiche Verlierer

Wenn gut jemand gut ist in dem, was er tut, wenn er Klasse hat, dann ist er frei von Neid und Mißgunst, sollte er auf einen treffen, der in seinem Bereich noch besser ist als er selbst.

Wenn wir auf jemanden treffen, der uns überlegen ist, so sollte uns das Ansporn sein, unsere Fähigkeiten zu verbessern, und wir sollten die Leistung des andern neidlos anerkennen. Nur die wirklich Guten können das Bessere akzeptieren, und sei es auch nur für den Moment, weil nur sie das Bessere als Besseres erkennen können.

Die weniger Guten üben sich im neidvollen und leidvollen Lamentieren. Vielleicht weil sie spüren, daß sie weniger tauglich sind, als sie glauben.

In Würde anzuerkennen, daß wir verloren haben, ist auch ein Sieg: ein Sieg über uns selbst.

04.07.2006 um 13:11 Uhr

Über den Unterschied zwischen Kritik und Krümelkackerei

von: Lyriost

Über den Unterschied zwischen Kritik und Krümelkackerei

Beim Keksebacken liegen meistens neben den Keksen auch Krümel auf dem Tisch. Beim Krümelkacken aber nichts als Krümel.

04.07.2006 um 08:29 Uhr

Vom Umgang mit Traditionen

von: Lyriost

Vom Umgang mit Traditionen

In manche Traditionen hüllen sich die Menschen wie in Gewänder, und die bizarrsten von ihnen haben lange Schleppen.

Wenn nun einer mit solch einem Gewand durch die Gegend stolziert, haben es die Nachfolgenden schwer, nicht auf die hinterhergeschleifte Schleppe zu treten. Tun sie trotz aller Vorsicht dennoch, so kommen sie bisweilen zu Fall, aber häufig steht auch der Träger plötzlich mit einem derangierten Gewand da und sieht aus wie eine elegante Vogelscheuche.

Manche Nachfolgenden aber haben es gerade darauf abgesehen, die Schleppe zu zerreißen, und stürzen sich darauf. Dabei geschieht es manchmal, daß nicht nur die Schleppe zerreißt, sondern das ganze Gewand. Und oft ist nichts darunter als pure Nacktheit. Dann steht der Träger da wie ein gerupftes Huhn.

03.07.2006 um 11:51 Uhr

Gute Stimmung

von: Lyriost

Gute Stimmung

Wer dauerhaft guter Stimmung ist, obgleich weder alkoholisiert noch naiv und dümmlich, und bei aller guten Stimmung sich selbst und andere kritisch betrachtet und beurteilt, der hat es schwer. Da man ihn nicht als naiv und gedankenlos abtun kann, weiß keiner so recht, was man mit ihm anfangen soll.

Als Heitergeist abqualifizieren kann man ihn nicht so leicht, obwohl er doch abqualifiziert gehört, denn die gute Laune wird von denen, die eher trübselig und beladen blickend durchs Leben gehen, obschon sich ihre Lebenssituation auf den ersten Blick nicht gravierend von der des Gutgelaunten unterscheidet, als Angriff auf die eigene Person empfunden. Miesepeter haben von jeher die Furcht, Gutgelaunte könnten ihnen die schlechte Laune verderben.

Damit müssen sie leben, und auch das ist eine verläßlich sprudelnde Quelle ihrer schlechten Laune. Deshalb sollten die Schlechtgelaunten den Gutgelaunten dankbar sein, denn so werden sie und andere davon abgelenkt, das die Hauptquelle ihrer schlechten Stimmung in ihnen selbst zu finden ist. Genauso wie die Hauptquelle der guten Stimmung.

Der Mensch ist wie ein Instrument, das sich hauptsächlich selbst stimmt. Und die meisten Dissonanzen sind auf mangelhafte Stimmung zurückzuführen.

03.07.2006 um 11:03 Uhr

Fußball – Merkwürdigkeiten

von: Lyriost

Fußball – Merkwürdigkeiten

Ausgerechnet italienische Medien verlangen, wie zu hören ist, die Bestrafung, das heißt die Sperre des zuletzt wohl besten deutschen Feldspielers, die Ahndung eines angeblichen Faustschlages ohne italienische Samthandschuhe von Torsten Frings im Getümmel, das durch den unverständlichen gezielten Tritt eines verständlicherweise enttäuschten Argentiniers in die Tabuzone von Per Mertesacker ausgelöst wurde. Der von Frings geschlagene Argentinier Julio Cruz hat aber nach eigener Aussage trotz des Fehlens der Handschuhe nichts von dem Faustschlag bemerkt. Vielleicht gab es gar keinen Faustschlag, oder Frings war nach dem langen Spiel zu sehr geschwächt. Kann auch sein, daß Cruz Wahrnehmungsstörungen oder Erinnerungsmängel hat ...

Faustschlag

02.07.2006 um 10:28 Uhr

Über das Verstehen des anderen Geschlechts

von: Lyriost

Über das Verstehen des anderen Geschlechts

Die Behauptung, Männer könnten Männer besser verstehen und Frauen Frauen, ist psychologisch gesehen Angst vor dem anderen Geschlecht und aus philosophischer Sicht mangelnde Einsicht in die ontologische Differenz, Verwechslung von Sein und Seiendem, denn Sein ist als coincidentia oppositorum konstituiert, nicht als Gegensatz seiner Erscheinungen. Die Gegensätze sind nicht das Wesentliche, sondern nur seine sinnlich wahrnehmbaren Hervorbringungen.

01.07.2006 um 09:09 Uhr

Fußball – Nervosität

von: Lyriost

Fußball – Nervosität

Fußball-Staatsmann Günter Netzer läßt sich so leicht nichts anmerken. Aber wenn bei ihm das Wort Nervosität ungescheitelt über die Zunge purzelt, dann merkt man, daß er nervös ist.