Lyriost – Madentiraden

08.12.2006 um 16:35 Uhr

Wecker

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen   Stichwörter: Bewußtheit

Wecker

Was man auch tut, man sollte stets einen Wecker dabeihaben, der in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen klingelt.

Außer wenn man schläft.

08.12.2006 um 14:35 Uhr

Intrinsische Familienaufstellung

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Ich, Subjekt, Motive

Intrinsische Familienaufstellung

Systemische Familienaufstellung kann dazu dienen, herauszufinden, welche "äußeren" Familienkonstellationen (also extrinsische Beziehungen) wir verinnerlicht haben oder uns aufgeprägt wurden, die wir nun musterhaft reproduzieren, womit sie Intrinsizität erlangen und als unsere ureigenen Motive mißverstanden werden können.

Noch viel spannender als das (und der nächste Schritt) scheint mir jedoch so etwas zu sein wie eine intrinsische, eine innere Familienaufstellung, bei der die divergierenden Teile unseres Ichs systemisch abgebildet werden, was in der Folge dazu führen kann, daß wir uns ganz bewußt und mit der nötigen Autorität zum Spiritus rector unseres eigenen Ichs ernennen können.

Zumindest dann, wenn wir die Truppe in den Griff kriegen.

08.12.2006 um 12:09 Uhr

Tirade 89 – Vom Schleifen

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte   Stichwörter: Leben

Tirade 89 – Vom Schleifen

Leben heißt Schleifen
ererbte Diamanten
göttliches Gestein

mit teuflischen Facetten
kosmisches Glitzerzeug

08.12.2006 um 12:08 Uhr

Tirade 88 – Unendlich

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte   Stichwörter: Liebe

Tirade 88 – Unendlich

Ein schöner Gedanke
für immer unsre Liebe
in Unendlichkeit

glüht durch die Weiten des Alls
im Strudel der Gestirne

08.12.2006 um 11:08 Uhr

Esoterische Avantgarde

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Esoterik, Tao, Ego, Osho, Ich

Esoterische Avantgarde

Versuchen kann man's ja.

Immer wieder diese kläglichen Bemühungen, aus dem hypertrophierten, ichzentrierten, individualistischen westlichen Konzept der Persönlichkeit auszubrechen durch die Verteufelung des Egos mit Hilfe von buddhistisch oder taoistisch gefärbten Heilsversprechen kosmischer Transzendenz.

Daß auch diese nur zu temporären Verschiebungen des Egos in periphäre Gefilde führen, sieht man am besten am Totalitarismus und elitären Scheinavantgardismus vieler esoterischer Vereinigungen.

Das lächerliche Bild des eingebildeten Weltgeistes im Rolls-Royce zeigt unübersehbar, daß die Egozertrümmerung, trotz aller sophistisch-dialektischen Erklärungsversuche, nichts anderes ist als Verschiebung und Aufblähung des Egos an anderer Stelle.

Unser Ego läßt sich nicht wegmeditieren oder wegdiskutieren, wir "verlieren" es erst, wenn wir sterben.

Und ob das ein Verlust oder ein Gewinn ist, werden wir vermutlich niemals erfahren.

Ich neige allerdings dazu, Verlust und Gewinn gleichzusetzen.

08.12.2006 um 10:09 Uhr

Wunder

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen   Stichwörter: Erleuchtung, Licht, Brille, Bewußtsein

Wunder

Erleuchtung ist kein Zustand. Erleuchtung ist ein Augenblick der Einsicht ins eigene Bewußtsein. Voraussetzungen dafür sind gutes Licht von allen Seiten, ein Vergrößerungsglas und ein Überbewußtsein mit guten Augen und ohne rosa Brille.

Eine Art Wunder.

08.12.2006 um 08:47 Uhr

Amok

Amok

Die Androhung von Amokläufen ist nicht die Folge von Computerspielen, sondern Zeichen der Unfähigkeit, angemessen mit den alltäglichen Demütigungen umzugehen, denn
in einer Gesellschaft, die den (bisweilen mühelosen) materiellen Erfolg apotheosiert und als alleinseligmachend feiert und ihn bis zum Überdruß medial vorführt, ohne darauf hinzuweisen, daß nicht jeder gleichermaßen daran teilhaben kann, wächst die Frustrationsintoleranz und damit die Neigung zu Allmachtsphantasien.

Erlebte Demütigung und Ohnmacht sind der Boden, auf dem Allmachtsphantasien wie Unkraut wachsen.

Doch nicht jede Allmachtsphantasie führt zwangsläufig zum Amok-Crash, weil pädagogische Regulative und damit verbundene Persönlichkeitsentwicklung solche Phantasien relativieren und domestizieren.

Pädagogischer Zynismus aber und Drehen an der Leistungsschraube sind ebenso ungeeignet zur Entschärfung der adoleszenten Phantasiebomben wie ein Verbot von Computerspielen, denn in den meisten Fällen sind derlei Spiele eher dazu geeignet, reale Eruptionen von Gewalt zu verhindern, als sie zu fördern.

Am wichtigsten ist es jedoch, daß Eltern gefährdeter Jugendlicher ihre Waffenschränke gut verschließen. Auch die emotionalen.

Und daß sie mit ihren Kindern reden.

07.12.2006 um 03:19 Uhr

Millionäre

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Armut, Euro, Geld

Millionäre

Man kann gegen die Einführung der europäischen Währung in Deutschland sagen, was man will, und das geschieht, wie wir wissen, allerorten. Es heißt, dem sogenannten kleinen Mann werde mehr denn je das Geld aus der Tasche gezogen. Die Beispiele dafür sind legendär.

Bei alldem sollte jedoch der antikapitalistische Effekt des Euro nicht übersehen werden: Gab es zu D-Mark-Zeiten hierzulande noch über eine Million Millionäre, so sind es jetzt gerade noch 767 000. Auch eine Verarmungsstatistik, wenn auch keine Armutsstatistik.

06.12.2006 um 12:46 Uhr

Cicero-Karikaturen

von: Lyriost   Kategorie: Sonstiges

parfum

Aus Cicero  

05.12.2006 um 10:37 Uhr

Ewigkeit

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Ewigkeit, Zeit, Chronos

Ewigkeit

Weil die Menschen, auf den Flügeln des Chronos sitzend, Angst hatten herunterzufallen ins Chaos, aus dem Chronos emporflog, schufen sie das Konzept der Unendlichkeit, und Chronos wurde ein alter Mann mit Stundenglas.

Die Annahme des Ewigen ist Ausdruck des Bewußtseins der Vergänglichkeit.

05.12.2006 um 10:11 Uhr

Religiöse Gefühle

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Papst, macht, Gefühl

Religiöse Gefühle

Religiöse Gefühle sind etwas Merkwürdiges: Moslems fühlen sich angeblich von Reden oder Bildern verletzt, die sie nie gehört oder gesehen haben, und Katholiken durch Bischofsweihen im fernen China. Glaubt man dem Vatikan, dann "verletzt die illegale Bischofsweihe die religiösen Gefühle eines jeden Katholiken in China und auf der Welt" (Radio Vatikan).

Als wäre der Machtanspruch des Papstes ein Gefühl wert.