Lyriost – Madentiraden

31.01.2007 um 20:45 Uhr

Tirade 106 – Prall

von: Lyriost

Tirade 106 – Prall

Morgens nicht müde
Lust auf leben und lieben
abends kein Gähnen

nächtlich leben und lieben
manchmal schlafe ich beinah

31.01.2007 um 13:43 Uhr

Musik des Tages

von: Lyriost

Tom Waits

Tom Waits

31.01.2007 um 13:04 Uhr

Moralischer Pferdefuß

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Moralischer Pferdefuß

Wenn die Anständigen das Unanständige gewaltsam ausrotten wollen, wächst es, statt abzunehmen, nur mit der Anständigkeit ist es dann schnell vorbei.

30.01.2007 um 11:55 Uhr

Überschätzung

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Überschätzung

Kurzfristig nicht förderlich für unser Selbstbewußtsein ist es, andere zu überschätzen, trägt es doch dazu bei, uns kleiner zu dünken als andere. Aber gleichzeitig spornt es uns an, mehr aus uns zu machen, dem überschätzten Geschätzten zumindest ebenbürtig werden zu wollen.

Ohne Frage ist es aber besser, wir überschätzen andere, als daß wir uns selbst überschätzen, denn auf lange Sicht ist eine realistische Selbsteinschätzung ein gute Basis gesunden Selbstbewußtseins.

Indes, ein wenig schätzen sollten wir uns selber schon.

30.01.2007 um 10:57 Uhr

Über das Fragmentarische

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Fragment, fragmentarisch, Kunst, Literatur

Über das Fragmentarische

Das Fragmentarische in Literatur und Kunst ist so aufregend, weil es offener ist für den immer währenden Wandel der Realität – und weiter weg von illusionären Idealen. Aber es verstimmt uns oft sehr, denn Fragmentarisches haben wir in unserem Leben selbst alle reichlich. Wir erwarten deshalb von Kunst und Literatur, daß sie uns – wenigstens zeitweise – ablenken von der Erfahrung der eigenen Unvollkommenheit und Unabgeschlossenheit.

30.01.2007 um 08:38 Uhr

Über Eitelkeit

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Über Eitelkeit

Wer sich in der eigenen Brillanz spiegelt, verunreinigt sie.

30.01.2007 um 08:29 Uhr

Klugheit und Weisheit

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Klugheit und Weisheit

Unendlich sind nicht nur das Universum und die menschliche Dummheit, wie Einstein sagt – wenngleich er sich bei der Dummheit nicht ganz sicher ist –, unendlich sind auch die Sprüchesammlungen über ebendiese Dummheit.

Sehr beliebt ist der Spruch: "Nur der Dumme muß alle Erfahrungen selber machen." Gern Laotse zugeschrieben, obgleich so ein Diktum nicht zu der Weltsicht Laotses paßt. Oder, wie mein Vater sagte: "Der Kluge lernt aus den Fehlern der anderen."

Die weniger Dummen schicken also die ganz Dummen vor, damit diese für sie das Terrain erkunden. Durchaus klug gedacht, aber leider ist es so, daß es unsere schmerzlichsten Erfahrungen sind, die uns zur größten Klugheit führen, denn nur aus eigener Erfahrung wird man wirklich klug. Wir müssen alle erst einmal durch die Sümpfe der eigenen Dummheit waten, bevor wir ans rettende Ufer gelangen können. Bei vielen – und das sind nicht die Dümmsten – dauert das lebenslang, und die allermeisten versinken vorher im Morast.

Weise kann nur werden, wer seine eigene Dummheit erkennt – und nicht nur die der anderen. Und die eigene Klugheit nicht mit Weisheit verwechselt. Wie sagt Laotse: "Andere durchschauen ist Umsicht – sich selbst durchschauen ist Einsicht." Oder: "Wer die anderen Menschen gut kennt, ist klug, wer sich selbst aber kennt, ist weise."

Nur ein Dummer kann weise werden.

30.01.2007 um 00:18 Uhr

Richtig und falsch

von: Lyriost

Richtig und falsch

Nicht immer ist ganz richtig, was einer sagt, sondern manchmal nur halb falsch. Wenn er dann jedoch ohne weitere Begründung darauf beharrt, es sei ganz richtig, was er sagt, dann ist es ganz falsch.

29.01.2007 um 23:22 Uhr

Über den Körper

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Über den Körper

Sie sind im Irrtum, all diese selbsternannten Erweckten und Erwachten, Erleuchtungsgierigen, die sich mühen, das als Verschmutzung ihres spirituellen Kerns empfundene körperliche Sein mit seinen Gelüsten und Ausdünstungen, mit seinen Verschleimungen und Abwässern, seinem Darmgeruch abzustreifen wie eine Larve, und versuchen, das, was sie unter Reinheit verstehen, durch Meditation herzustellen, herbeizutranszendieren.

Transzendieren ist keine ganzheitliche Metamorphose, sondern nur eine spezifische Art suggestiver Selbstinszenierung des Gehirns. Ganz so wie auch andere Versuche, den Körper unter Kontrolle zu bringen, ob nun durch religiöse Riten mit Selbstkasteiung oder Extrembergsteigerei, die moderne Medizin oder militärischen Drill.

Wir sind phylogenetisch weit entwickelt und seit langem über das Amphibienstadium hinaus und auch keine parasitären Würmer (jedenfalls nicht alle), und wir haben keine larvalen Organe, die abgestoßen oder resorbiert werden und durch funktionsfähige adulte Organe ersetzt werden können, die irgendwo im verborgenen angelegt sind.

Unser Körper läßt sich zu Höchstleistungen anregen oder zwingen, wir können auf meditativem Wege oder mit Hilfe der Pharmakologie oder der Chirurgie in seine Funktionen eingreifen oder uns so weit versenken, daß wir unsere Leiblichkeit zeitweise nicht mehr spüren. Aber wir können sie nicht abstreifen wie Falter ihr Verpuppungsmaterial.

Wir haben nur diesen einen Körper, und es bleibt dem Tod überlassen, was er damit metamorphisierend anstellt, wenn er uns holt. Was dann geschieht und ob dann mit uns etwas anderes geschieht als mit den Blättern im Herbst, wissen wir nicht, und es liegt weder in unserer Hand, darauf einzuwirken, noch es zu verhindern.

29.01.2007 um 11:48 Uhr

Musik des Tages

von: Lyriost

Burning

Black Sabbath

29.01.2007 um 08:19 Uhr

Straßenverkehr

von: Lyriost   Kategorie: Sonstiges

Straßenverkehr

Wer ernsthaft glaubt, der Straßenverkehr bei uns wäre gefährlicher für Leib und Leben als der Geschlechtsverkehr, der schaue sich mal dieses Video an.

28.01.2007 um 22:19 Uhr

Musik des Tages

von: Lyriost

Home

Johnny Cash

28.01.2007 um 12:11 Uhr

Wer andere vor Löchern warnt ...

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Wer andere vor Löchern warnt ...

Eine Gruppe von Menschen stolperte einen Weg entlang, in dessen Mitte ein tiefes Loch klaffte. Sie sahen es, wichen achtsam aus und gingen schweigend daran vorbei. Nur von hinten rief einer ohne Unterlaß: "Paßt auf, da vorne ist ein Loch im Weg. Ich fühle es."

Einige Zeit später fragte einer: "Sagt mal, wo ist denn unser Rufer?" Sie schauten sich um, aber der Rufer war nicht da. So gingen sie zurück, denn sie hatten es nicht eilig, und kamen zu dem Loch im Weg. Als sie an den Rand traten und vorsichtig hinunterschauten, sahen sie den Rufer zerschmettert in der Tiefe liegen.

"Wie konnte denn das passieren", fragte einer und schüttelte den Kopf. "Er hat doch so laut gerufen und uns vor dem Loch gewarnt."

"Wahrscheinlich war er blind. Wir hätten besser auf ihn aufpassen sollen. Aber wie konnten wir das ahnen, wo er doch so laut gerufen hat 'Da vorne ist ein Loch'."

Und taub wird er wohl auch gewesen sein", sagte ein anderer mokant, "sonst hätte er seine eigenen Rufe gehört." Aber der Spötter erntete nur mißbilligende Blicke.

Von diesem Tage an waren alle noch schweigsamer als vorher.

28.01.2007 um 11:13 Uhr

Kein Winter

von: Lyriost   Kategorie: Grafik

Turm

28.01.2007 um 01:20 Uhr

Winter

von: Lyriost   Kategorie: Grafik

Winter 2007 Aquarell

27.01.2007 um 13:23 Uhr

Papillarer Orgasmus

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Papillarer Orgasmus

Ab einer gewissen Körperfülle wird der papillare Orgasmus, also der Orgasmus lingua bzw. glossa, zum Beispiel der Schokoladenorgasmus, dem genitalen vorgezogen, und meistens ist es so, daß ein übermäßiges Körpergewicht Ausdruck dieser Präferenz ist. Manche Männer, die Papillen nicht nur auf der Zunge, sondern in Perlenform auch auf dem Eichelrand haben, können dennoch kein Schokoladenbad nehmen, um zum Höhepunkt zu kommen und gleichzeitig das Wachstum ihrer Schwarte zu begrenzen, weil die Penispapillen geschmacklich indifferent sind.

Ohnehin ist die oral-papillare Form der orgasmischen Substitution eher femininer Natur. Um mögliche Verwechslungen auszuschließen: Cunnilingus und Fellatio haben zwar auch mit der Zunge zu tun, aber der papillare Aspekt dieser Praktiken ist im allgemeinen – leider – zu vernachlässigen.

27.01.2007 um 00:13 Uhr

Wahr

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Wahr

Wahr ist, daß auch die absolute Wahrheit relativ ist und weniger wert als Wahrhaftigkeit. Absolute Wahrheit kann es nur aus der Sicht eines Absoluten geben, aber ein Absolutes kann keine Sicht haben, weil Sicht Perspektive zur Voraussetzung hat. Perspektive jedoch ist nur denkbar in Relation zu etwas, und Relation ist Ausdruck von Relativität und nicht als absolut denkbar. Eine absolute Perspektive ist ein Widerspruch in sich.

Deus sive natura ist blind und kann nur mit unsern Augen sehen. Wir aber sind unzuverlässige apperzipierende Sinnesorgane, die mehr in die Dinge hineininterpretieren, als sie aus ihnen herauslesen. Und das führt zur Relativierung des Absoluten, denn wir wollen unser eigenes Süppchen kochen und reichern deshalb unsere weltanschauliche Kartoffelsuppe ganz nach unserem persönlichen Geschmack mit religiösen Gewürzen der Region an. Oder mit denen, die wir gerade zur Hand haben.

26.01.2007 um 08:44 Uhr

Hierarchisches Denken

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Hierarchisches Denken

Ob im gesellschaftlichen Leben oder bei der Herausbildung einer philosophisch-religiösen, spirituellen Weltanschauung in einem Kopf: Nichts erzeugt im Menschen so zuverlässig Ohnmacht wie der Glaube an die Natürlichkeit hierarchischer Strukturen. Dabei ist dieser Glaube nichts anderes als ein epiphänomenales Konstrukt der Naturbetrachtung und entspringt einem tiefverwurzelten Bedürfnis nach Sicherheit durch Unterordnung.

Es ist ebenso wie in einem Wolfsrudel: Wer nicht die Kraft und den Mut hat, einem Alpha-Tier, und sei es auch ein imaginierter Gott, Paroli zu bieten, der versucht durch Unterordnung zu vermeiden, in die Rolle des Omega-Tieres gedrängt zu werden. Und genau das geschieht häufig gerade durch diese Willfährigkeit.

25.01.2007 um 10:38 Uhr

Verbeugen

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Verbeugen

Wahrhaft große Menschen haben nicht den Wunsch, daß sich kleinere vor ihnen verbeugen. Und im Wachstum zurückgebliebene Menschen sollten sich nicht vor größeren verbeugen, denn sie sind bereits klein genug. Sich auf die Zehenspitzen zu stellen ist jedoch auch keine dauerhaft befriedigende Haltung und wirkt zudem ebenso lächerlich wie eine tiefe Verbeugung.

24.01.2007 um 14:30 Uhr

Licht am Ende des Tunnels

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Licht am Ende des Tunnels

Wenn man Licht am Ende des Tunnels sieht, sollte man vorsichtshalber erst einmal ein Schlupfloch suchen oder sich dicht an die Wand pressen und abwarten. Vor allem dann, wenn der Tunnel ein Eisenbahntunnel ist. Ganz Mutige (in Filmen) legen sich sogar auf den Boden.