Lyriost – Madentiraden

28.07.2007 um 10:53 Uhr

Auf dem Weg

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Auf dem Weg

Asphaltgedrängel
Rohre werfen Staub
Sonnenregen
die Blicke spiegeln Hast
es geht
voran

27.07.2007 um 10:19 Uhr

Egologik

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Egologik

Zum Wesen des Egozentrikers gehört, daß er "wir" sagt, wenn er "ich" meint, und daß er jeden der maßlosen Egozentrik verdächtigt, der "ich" sagt, wenn er "ich" meint. Dieses "Ich" des anderen schränkt den "Wir"-Spielraum, den Raum der beherrschenden Vereinnahmung, des Egozentrikers ein. Nichts ist dem Egozentriker so verhaßt wie das Ego des anderen.

27.07.2007 um 09:34 Uhr

Glaube und Genitalien

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Glaube und Genitalien

Ein Gespräch über den Charakter unseres innersten Glaubens bedarf eines weit intimeren Rahmens als eines über unsere Genitalien. In aller Regel wird das andersrum gesehen.

27.07.2007 um 08:25 Uhr

Nachsokratisches Denken

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Nachsokratisches Denken

Philosophisches Denken im nachsokratischen Sinne ist ein paradoxer Vorgang, bei dem der Fortschritt darin besteht, sich immer deutlicher seiner Unwissenheit und der Unmöglichkeit der Erkenntnis der letzten Dinge bewußtzuwerden.

Die Ironie dabei ist nicht wie bei Sokrates, daß sich einer dummstellt, um aus anderen die Wahrheit herauszukitzeln, die Ironie besteht vielmehr darin, daß man so redet und tut, als könnte es eine Wahrheit geben, der wir uns annähern, in Wirklichkeit aber weiß, daß wir uns mit jeder Annäherung an das, was wir für Wahrheit halten, von der Erkenntnis entfernen, daß es keine Wahrheit gibt.

Nur ein Spiel.

26.07.2007 um 14:24 Uhr

Schmiermittel

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Schmiermittel

Das einzige Schmiermittel, das bevorzugt mit bloßen Händen verwendet wird, ist das Schmiergeld.

26.07.2007 um 13:58 Uhr

Aphorismus

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Aphorismus

Jeder gelungene Aphorismus ist Ausdruck einer individuellen Erfahrung oder das Resultat eines subjektiven Denkprozesses. Nur unkritische Weisheitssammler werden ihn nicht als Aufforderung zum Selberdenken begreifen. Aphorismen fordern, nicht zuletzt wegen der fehlenden Begründungen, zum Widerspruch geradezu heraus.

26.07.2007 um 13:33 Uhr

Die Furcht vorm Apodiktischen

von: Lyriost

Die Furcht vorm Apodiktischen

Ein Dr. Steffen Graefe sagte in einem Vortrag mit dem Titel "Hermeneutik und Verstehen" so einiges, was ich nicht verstehe. Unter anderem zitiert er Emile Cioran, einen aphoristischen Philosophen und Schriftsteller:

Der Geschmack an der Einsamkeit erfährt nur in dem überwältigenden Todeswunsch vollkommene Erfüllung, der unseren Widerstand übersteigt.
Graefe: "Durch das Wörtchen nur wird der apodiktische, d.h. totalitäre, Charakter dieses Satzes, der eine bloße Behauptung zum Ausdruck bringt, offenkundig. Cioran stellt die folgende Behauptung auf:

Nur wenn ich vom Wunsch nach dem Tode überwältigt werde, soll mein Bedürfnis nach Einsamkeit vollkommene Erfüllung finden. Das ist eine totalitäre Setzung, die keinen Widerspruch mehr zuläßt."


Ist es nicht tatsächlich so, daß apodiktische Aussagen viel stärker zum Widerspruch herausfordern als trickreich begründete? Der Vorwurf des Apodiktischen ist so gesehen nichts weiter als das Lieblingsverdikt von Argumentationsschwächlingen. Cioran apodiktisch? Offensichtlich nicht, denn wie wir sehen, wird Ciorans These hier widersprochen. Allerdings nur formal. Auf die inhaltliche Aussage des Cioranschen Diktums geht der Autor nämlich im weiteren gar nicht ein. Die Chance, Ciorans Aussage eventuell zu widerlegen, nutzt er nicht. Nur zum Schluß die ebenso falsche wie überflüssige Bemerkung:

"Die bloßen Worte mögen wir aus unseren eigenen diffusen Erlebnissen mit unseren eigenen einsamen Seelenzuständen ein Stück weit nachvollziehen können. Ob sie wahr sind oder nicht – und ob sie in jedem Fall gelten müssen – ist allerdings längst noch nicht erwiesen."

Als könnten bloße Worte wahr sein. Wie wir alle wissen, gelten selbst naturwissenschaftliche Theorien nur so lange, bis sie widerlegt werden. Und nun sollen Philosophen und Schriftsteller nur noch etwas behaupten, was "erwiesen" ist? Oder sollen sie in Klammern hinter jeden Ausspruch setzen: persönliche Meinung, noch nicht statistisch gesichert, eigene Erfahrung usw.?

Das ist eine merkwürdige Vorstellung von Philosophie.


www.philosophieren.de

26.07.2007 um 04:04 Uhr

Traumgestade

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Traumgestade

Gehirne waschen
im brackigen Wasser
mit rostigem Brett
im Mondschein
wenn die Fische dösen
die Farben verblassen
werden flach
wie der Atem
und die Töne
gefriern wie der Tau
auf der Haut

alles wird rein
wie der Schnee
im August

26.07.2007 um 01:02 Uhr

Schwingungen

von: Lyriost   Kategorie: Grafik

Schwingungen

26.07.2007 um 00:00 Uhr

Porträt

von: Lyriost

Jen

25.07.2007 um 12:21 Uhr

Von diesem und jenem Tum

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Von diesem und jenem Tum

Spätestens dann, wenn sie genötigt sind, die Hosen herunterzulassen, wird deutlich, daß das Übermenschentum der Übermenschtheoretiker nichts anderes ist als Überkompensation eines Wachstumsmangels. Und wenn die Herren dann nackt ins kalte Wasser springen müssen, um Heldentum zu beweisen, verflüchtigt sich meist auch noch das wenige sichtbare Wachstum zur Unkenntlichkeit.

25.07.2007 um 09:28 Uhr

Übermenschphantasie

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Übermenschphantasie

Jede ausgelebte Übermenschphantasie führt in ihrer Konsequenz zur Vernichtung von Untermenschen.

24.07.2007 um 08:58 Uhr

Von Menschen und Mäusen

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Von Menschen und Mäusen

"Es gibt sehr wenige Menschen in der Welt." Das schrieb einer, der sich für einen "erwachten" Menschen hält. Eine Leuchte, die anderen, lebend "in dunklen Löchern", den Weg zum ewigen Licht weisen will und Tag für Tag mit wortreichem Pathos, das sich in die grandiosesten Verzückungen steigert, über die Notwendigkeit des Schweigens parliert.

Er befindet: "Es gibt sehr wenige Menschen in der Welt." Was sagt das? Das heißt nichts anderes, als daß der, der solches schreibt, der Mehrheit, der übergroßen Mehrheit, das Recht abspricht, sich als Menschen zu bezeichnen. Sie sind minderwertig. Nur ein paar, vermutlich er und seine sektiererischen Freunde, haben demnach das Recht, sich als Menschen zu bezeichnen.

Die anderen sind: Mäuse. ("Es gibt Millionen von Mäusen, aber keine Menschen.")
Lassen wir die Logik beiseite, die es nicht erlaubt, gleichzeitig zu behaupten, es gäbe "sehr wenige" und "keine" Menschen, kommt uns eine derartige Tiermetaphorik nicht bekannt vor? Gab es da nicht mal eine arische Ratte (um bei der vorgegebenen Metaphorik zu bleiben), die in solchen Bildern schwelgte, was zur Folge hatte, daß Millionen von Menschen in wertes und unwertes Leben kategorisiert, an Rampen selektiert und anschließend wie Ungeziefer vernichtet wurden?

Von der Charakterisierung der Mitmenschen als Mäuse ist es nur ein kurzer Weg zum "Mausgift kaufen", wie es Bernhard Minetti in einem Theaterstück von Thomas Bernhard so unvergleichlich sagt.

22.07.2007 um 11:07 Uhr

Von Bäumen und Gräsern

von: Lyriost   Kategorie: Jemand schrieb

Von Bäumen und Gräsern

Jemand schrieb:

"Es gibt ... gewöhnliches Gras -
wenn der Sturm kommt, gibt das Gras nach,
und der Sturm kann ihm keinerlei Schaden zufügen.
... der Sturm wurde besiegt.
...
Der große Baum war sehr logisch,
er versuchte, Widerstand zu leisten, er versuchte, seine Stärke zu zeigen.
Wenn du versuchst, deine Stärke zu zeigen, wirst du besiegt werden.
Alle Hitler, alle Napoleons, alle Alexanders
sind große Bäume, starke Bäume. Sie werden alle besiegt werden.
Lao-tses sind genau wie kleine Pflanzen,
niemand kann sie besiegen, weil sie immer bereit sind, nachzugeben."



Schauen wir uns das Bild doch mal genauer an. Zuerst die Intention des Autors. Da scheint einer das Gefühl zu haben, er stünde im Sturm, und überlegt sich, was er tun, wie er damit umgehen soll. Wie die kleinwüchsigen Hitler und Napoleon wäre er vielleicht gern ein Baum, aber deren Schicksal ist ihm überliefert, und deshalb verzichtet er, logisch, darauf, den Helden zu spielen, und duckt sich weg, spielt lieber das Gräschen, solange die Luft zu unruhig ist, um Baum zu spielen.

Irgendwann wird der Sturm ja mal vorbei sein, und dann kann das Gräschen stolz auf die entwurzelten Bäume blicken, jedenfalls dann, wenn sie zufällig in eine Mulde gefallen sind.

Wenn unser Gräschen nun mal genauer hinschaut, wird es sehen, daß es nur ganz vereinzelt einem Baum nicht gelungen ist, dem Sturm zu trotzen, die meisten stehn unverändert still und fest auf dem Boden. Hier und da ist ein Ast abgeknickt, aber das sind nur solche, deren die Bäume ohnehin längst überdrüssig waren: morsche Äste. Und auch die Bäume, die gefallen sind, hatten ihren Zenit längst überschritten. Sie waren alt und müde und hatten Hunderte von Grasgenerationen gesehen. Vielleicht auch deshalb hatten sie sich nicht mehr gewehrt. Sie fühlten sich nicht besiegt, denn sie dachten nicht in Kategorien von Sieg und Niederlage. Sie fühlten sich erlöst.

Die anderen Bäume aber schauten gleichgültig auf die Gräser herab, die die Hälse reckten, damit die große Schafherde, die jetzt das Bild betrat, es leichter mit ihnen hatte. Und bald war der größte Teil der Halme ausgerupft. Die Schäferhunde und der Schäfer bepinkelten die Bäume und zogen gemeinsam mit ihrer Herde davon. Ob im Anschluß daran die große Trockenheit kam oder der Bauer mit dem Pflug, wir wissen es nicht. Wir wissen nur, daß die Gräser aus unserem Bild verschwunden sind, aber die großen Bäume mit ihren langen Wurzeln stehn immer noch da und wippen im Wind. Und die kleinen, frischen Bäume, die auch den größten Stürmen trotzen, sowieso.

Aber irgendwann, in absehbarer Zeit, werden sich auch die Bäume Gräser und Bäume von unten anschauen. Da sind dann alle wieder gleich.

21.07.2007 um 14:45 Uhr

Identität

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Identität

Identität wird realisiert in der Wahrnehmung der Verschiedenheit des Identischen.

21.07.2007 um 11:19 Uhr

Quantenphänomene und Bewußtsein

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Quantenphänomene und Bewußtsein

"Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus." Diese Maxime im Umgang der Menschen miteinander gilt nicht nur für menschliche Beziehungen, sondern gleichermaßen für die Erforschung dessen, was wir Realität nennen. Diese Realität ist keine Ansammlung von Konstanten, sondern konstituiert sich abhängig von unseren Fragen an sie. Wir müssen uns gute und richtige Fragen ausdenken, wenn wir erfahren wollen, wo wir sind. Und eines Tages werden wir vielleicht in der Lage sein, die Grundbedingungen unserer Existenz genauso zu verändern wie die Einrichtung unseres Wohnzimmers.

Dann allerdings werden wir unsre Urururururururururururururururururururenkel hoch x sein. Aber da unser Bewußtsein, wie es aussieht, unzerstörbar ist, hat es damit keine Eile.


Wenn das Quantenbit sich seiner selbst gewahr wird


20.07.2007 um 10:46 Uhr

Sprengstoffgürtel

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Sprengstoffgürtel

Er interessiert sich zwar für Ästhetik, aber nicht übermäßig für modische Accessoires. Dennoch verirrt er sich schon mal in die Welt der Modemacher. Da er den alten Jim-Morrison-Gürtel leid war und sich gern ein aktuelleres Modell zugelegt hätte, hielt er Ausschau nach einem Kamikaze-Gürtel, wie sie gerade besonders im Irak zum täglichen Straßenbild gehören. Natürlich eine miniaturisierte Nachbildung, leichter und farbenfroher. Aber seine Suche blieb ohne Erfolg. Die Couturiers sind nicht auf der Höhe der Zeit, dachte er sich. Er würde wohl noch ein paar Jahre warten oder sich eines von diesen ästhetisch unbefriedigenden irakischen Originalen anschaffen müssen. Wenn er nur wüßte, wie man solch ein Ding entschärft.

20.07.2007 um 08:50 Uhr

Kartoffeln

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Kartoffeln

Alle Bauern wissen
was dicke Kartoffeln sind
und wie man sie ißt
die Dicksten am besten
jeder weiß was dick ist
auch die Dünnsten
und manche wissen
Solanum tuberosum
aber nur wenige wissen
daß sie nicht wissen
was eine Kartoffel
tatsächlich
IST

19.07.2007 um 11:00 Uhr

Perlen, Gold und Edelsteine

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Perlen, Gold und Edelsteine

Normalerweise neigen Besitzer von Perlen, Gold und Edelsteinen nicht gerade dazu, ihren Reichtum verschwenderisch unter die Leute zu streuen. Übergroßer Besitz wächst am besten auf dem Mist des Geizes.

Anders verhält es sich dagegen mit den Wahrheitsbesitzern. Sie stehen oft morgens bereits früh auf, damit ihnen keiner der Unwissenden entgeht, und mit vollen Händen verteilen diese Aletheia-Kapitalisten ihr Hab und Gut an die Bedürftigen. Und wenn einer der so Beschenkten den Verdacht äußert, es könne beim Geber möglicherweise der ein oder andere Hintergedanke die fromme Tat motivieren, hört man den übergroßzügigen Wahrheitswirt schon mal "Perlen vor die Säue" zischeln oder Schlimmeres.

Daß diese Perlen der Weisheit sich, wie früher bei den Missionaren, allzuhäufig, wenn nicht immer, bei genauerer Betrachtung als Glasmurmeln entpuppen, sei nur am Rande erwähnt.

18.07.2007 um 12:09 Uhr

Tirade 121 – Lichtgestalten

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 121 – Lichtgestalten

Zum Licht hin streben
die Dunkelheit soll weichen
dem himmlischen Licht

nicht daß wir besser sehen
wir werden dort schön glänzen