FAZ Reading Room
Solange es auf derartigen Spielwiesen nicht möglich ist, ohne den
Zensorstift auszukommen, halte ich nicht viel davon. Eine wirkliche
Debatte kann sich nicht entwickeln, wenn ich einen Beitrag schreibe und
dann lange, lange darauf warten muß, daß irgendein Volontär sich
erbarmt (oder auch nicht), ihn freizugeben. Es ist so wie Fernschach
per Post.
Ich empfinde den Littell-Raum als ein statisches, lebloses Gebilde.
Nehmen Sie sich ein Beispiel an ZEIT online. Dort gibt es tatsächlich
lebendigen Meinungsaustausch. Und daß dort Regelverletzern durch
NACHTRÄGLICHE redaktionelle Eingriffe entgegengetreten wird, empfinde
ich nicht als Zensur. Bei der FAZ ist das leider anders, und ich kann
mich des Eindrucks nicht erwehren, daß so mancher mißliebige Kommentar
der Schere zum Opfer fällt. Auch die Begrenzung auf 1000 Zeichen finde
ich problematisch. Oder ist man der Meinung, den sogenannten Experten
könne man bei der graphischen Repräsentation ihrer gedanklichen Welt
eine Raffung nicht zumuten, dem gemeinen Fußvolk jedoch ohne weiteres?
Grundsätzlich bin ich sehr dafür, wichtige oder wichtig
erscheinende Publikationen an solch einem Ort wie dem Reading Room
umfassend zu diskutieren, auf ein Scheinforum, das nur dazu dient, das Leseverhalten zu steuern, kann ich allerdings gut verzichten. Expertengestützte Lesartenvorgabe mit ausgewählten Kommentaren ist eine Verhöhnung der Leser.
Daß dieser Kommentar auch nach Tagen ebensowenig akzeptiert und freigeschaltet wurde wie meine wiederholte Frage, wer der Hilter sei, den man mit Stalin vergleicht, paßt bestens ins Bild. Seit über einer Woche sieht man im Reeding Room eine große, breite Überschrift, in der von einem Herrn Hilter (statt Hitler) die Rede ist. Nun frage ich mich: Was kann ich von einer Redaktion erwarten, die noch nicht einmal in der Lage ist, den Namen des Repräsentanten eines Systems richtig zu schreiben, über das sie sich wortreich äußert? Der Name des Redakteurs, Lorenz Jäger, immerhin, scheint richtig geschrieben zu sein.