Lyriost – Madentiraden

29.05.2008 um 09:54 Uhr

Gysi und kein Ende

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Gysi und kein Ende

War es nicht schon immer so
daß die Stotterer dem Redner
sein Talent neideten
kommt er ins Straucheln
durch das gestellte Bein
tönt der Weckruf
und die Hinterbänke
beginnen zu knarren
auch in die dicksten Hintern
kommt Bewegung
und die müdesten Schenkel
röten sich vom Schlag
der schmutzigen Hände
mit den Schmauchspuren
gewaschen in Unschuld zwar
doch so sauber und rein
wie die gewendeten Herzen:

Ich bin klein
mein Herz ist rein
der andre aber
ist ein Schwein

ZEIT

27.05.2008 um 09:15 Uhr

Traum von der Liebe

von: Lyriost   Kategorie: Grafik

Traum von der Liebe

24.05.2008 um 11:11 Uhr

Zipfelmützenpoesie

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Zipfelmützenpoesie

Es möge nützen sagt
wer an sich glaubt
und andern seine
Rede schenkt

Sprechzipfelmützen
alt und denkverstaubt
vom welken Weltgeist
ferngelenkt

Es möge fruchten spricht
wer sich mal traut
im Schatten eines
Großgewähnten

Brackwasserbuchten
wo nur Abend graut
im Zwielicht seines
Totgegähnten

GEBE

22.05.2008 um 08:52 Uhr

Tirade 130 – Sisyphos' Ahnenerbe

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 130 – Sisyphos' Ahnenerbe

Gestern getüftelt
soeben das Rad erfunden
nutzloses Spielzeug

schwer zu schleppen wie alles
aber es rollt schön vom Berg

20.05.2008 um 14:55 Uhr

Kriminalromane

von: Lyriost

Kriminalromane

Das Überhandnehmen von Kriminalromanen in der zeitgenössischen Literatur spätestens seit Umberto Ecos "Der Name der Rose" ist nicht nur ein Zeichen für die zunehmende Erwartung der Leser, die durch Fernsehen und Kino geprägten Spannungsbögen auch in Büchern wiederzufinden, es ist auch eine Folge der allgemein wachsenden Einsicht, daß die Geschichte der Menschheit, allgemeines Hauen und Stechen, das schöpferisch-zerstörerische Wirbeln der Aggressionen, sich gut durch Mord und Totschlag exemplifizieren läßt: Menschheitsgeschichte als Kriminalgeschichte.

20.05.2008 um 14:24 Uhr

Konstruktivismus

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Konstruktivismus

Konstruktivismus ist Höhlenforschung ohne Höhle. 

20.05.2008 um 13:13 Uhr

Konsequente Wahrnehmungsverarbeitung

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Konsequente Wahrnehmungsverarbeitung

Es genügt nicht, ein Brett vor dem Kopf zu haben. Man muß auch nicht durchblicken können.

16.05.2008 um 11:41 Uhr

Geistige Verfettung

von: Lyriost

Geistige Verfettung

Genauso wie wir darauf achten sollten, unseren Körper nicht übermäßig mit Fastfood zu quälen, sollten wir nicht bedenkenlos geistige Nahrung in uns hineinschlingen, ohne uns bewußtzumachen, was wir in uns aufnehmen. Geistige Verfettung ist zwar nicht wie die körperliche auf den ersten Blick zu sehen, aber mindestens ebenso unheilvoll. 

16.05.2008 um 10:41 Uhr

Gedanken und Stil

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Gedanken und Stil

Die Gedanken sind frei. Das sagt sich so leicht. Aber was heißt das? Unsere Gedanken sind ein unentwirrbares chaotisches Gewusel, von dem wir nur einen kleinen Teil mitbekommen, denn wenn wir sie lassen, halten sie sich nicht an die Vorgaben irgendeiner Gedankenverkehrsordnung, sie sind wie eine Herde Wildpferde, die durch unseren Kopf galoppiert, sich trennt, mit anderen Herden vereinigt und wieder trennt ...

Wir schauen dem, wenn wir mal zur Ruhe kommen, fasziniert oder auch beängstigt zu und staunen über die Vielfalt der Farben und Formen. Und wenn wir genauer hinsehen, stellen wir verwundert fest, daß sich ständig Eigenes mit Fremdem vermischt, ja, daß wir bei der Betrachtung gar nicht unterscheiden können zwischen Autochthonen und Eroberern: Verkleidete Kolonialisten und Missionare haben sich unter die Eingeborenen gemischt.

Da bleibt uns nichts übrig, als die Gedanken einzufangen, um sie genauer zu betrachten, sie in unsere eigene Ordnung zu bringen, notfalls auch zu zwingen. Nur wer die Gedanken in seinem Kopf einfängt und domestiziert, Fremdes vom Eigenen trennt, kann davon sprechen, daß seine Gedanken (wenigstens ein bißchen) frei sind.

Also fangen wir die Gedanken ein, versehen sie mit dem Brandzeichen unseres eigenen Stils und lassen sie wieder frei.

ZEIT 

14.05.2008 um 15:28 Uhr

Tirade 129 – Kunst

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 129 – Kunst

Die Sonne der Betrachtung
Strahlen des siebten Tages
wenn die Herrscher ruhn

formen sie Unformbares
befrein den Schöpfungswillen

 

ZEIT

12.05.2008 um 12:11 Uhr

Kleines Denken

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Kleines Denken

Das kleine Denken ist sparsam im Detail, aber nicht in der Totale: Es spart bei den Gedanken, aber nicht mit großen Worten. 

12.05.2008 um 12:05 Uhr

Oberflächlichkeit

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Oberflächlichkeit

Bei oberflächlicher Betrachtung scheint es manchmal so, als nehme Oberflächlichkeit zu, bei genauerer Betrachtung merkt man jedoch schnell, daß der Begriff "oberflächlich" ein sehr oberflächlicher ist und nicht viel mehr aussagt, als daß der Benutzer eines solchen Begriffs das Gefühl hat, er wäre weniger oberflächlich als der größte Teil seiner Mitmenschen. Die Klage über die Oberflächlichkeit der Kultur ist indessen so alt wie die Kultur selbst, und mit jedem, der in seiner Umgebung Oberflächlichkeit diagnostiziert (und das sind viele), scheint die Oberflächlichkeit abzunehmen. Da das jedoch nicht der Fall ist, wird sich wohl der ein oder andere bei der Selbstdiagnose ein wenig irren.

Dazu kommt noch die Relativität des Begriffs. So mancher, der seine Rosen mit der Lupe betrachtet, zetert über die oberflächlichen Ahnungslosen, die das nicht tun, während er selbst auf Anfrage nichts darüber berichten kann, welche Gewürze seine Soße schmackhaft machen.

Jedes genaue Hinsehen, Hinhören, Hinschmecken, Hinfühlen ist ein selektiver Akt, der durch Oberflächlichkeit in anderen Bereichen erkauft ist: Niemand kann seine Wahrnehmung so anlegen, daß er alles zu jeder Zeit gleichermaßen differenziert wahrnimmt. Das gilt in noch stärkerem Maße für die gedankliche Weiterverarbeitung des sinnlich Wahrgenommenen.

ZEIT

 

11.05.2008 um 09:55 Uhr

Wortball im Netz

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Wortball im Netz

Kommunikativer Austausch ist eine Art Spiel. Wie bei jedem Spiel, muß es auch bei der Kommunikation Regeln geben. Man stelle sich vor, wie etwa ein Fußballspiel verliefe, gäbe es keinen Schiedsrichter mit gelben und roten Karten. Und keine Absperrungen für das Publikum. Sosehr ich gegen Zensur bin, sosehr bin ich dafür, daß die körperliche Unversehrtheit aller Mitspieler gewährleistet ist. Deshalb muß jedes Hetzen gegen Personen oder Personengruppen, jeder Aufruf zur Gewalt unterbleiben oder unterbunden werden.

Und natürlich muß man das Hausrecht eines jedes Forumsbetreibers respektieren. Niemand kann das Weblog etwa eines Vegetariers dazu verpflichten, alle Kommentare von begeisterten Fleischessern zu einem kritischen Beitrag über die Fleischerinnung unzensiert stehenzulassen, besonders dann, wenn der Tenor der Kommentare dahin geht, auch Vegetarier gäben einen ganz passablen Grundstoff für Bio-Wurst ab.

Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen ist eine gute Sache. Allerdings sollten die abweichenden Meinungen nicht vor Intoleranz strotzen. Toleranz gegenüber Intoleranz ist Dummheit. Interessanterweise sind es gerade die Intolerantesten, die für ihre Positionen am lautesten Toleranz einfordern. So geht das natürlich nicht.


ZEIT

09.05.2008 um 10:49 Uhr

Zensurkunst

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Zensurkunst

Die wahre Kunst der Zensur besteht darin, die Selbstzensur eines anderen so zu zensieren, daß sie unkenntlich gemacht wird, ohne sie dabei aufzuheben. 

09.05.2008 um 09:52 Uhr

In Solanum tuberosum liegt die Weisheit

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

In Solanum tuberosum liegt die Weisheit

Treffen sich zwei Bauern. Sagt der eine: "Was machen deine Kartoffeln"? – "Wachsen prächtig, sagt der andere. "Und deine?" Der erste überlegt kurz, lächelt dann überlegen und sagt: "Ich bin doch nicht blöd."

09.05.2008 um 07:43 Uhr

Homosexualität

von: Lyriost

Homosexualität

Homosexualität ist eine Spielart der Triebbefriedigung, die vor allem dazu dient, Heterosexuelle zu verunsichern und sie zu ärgern.

ZEIT

08.05.2008 um 16:41 Uhr

Verwechslung

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Verwechslung

Nur wer Tomaten auf den Augen hat, verwechselt Äpfel mit Birnen.

06.05.2008 um 13:28 Uhr

Die Phantasie der Natur

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Die Phantasie der Natur

Wenn die Natur Sinn für Artenschutz hätte, dann hätte sie sich nicht so eine aggressive Spezies wie den Menschen einfallen lassen. Und wenn der "Schöpfung" die Krone vom Kopf gefallen ist, der Mensch also Geschichte sein wird, dann wird das Prinzip Fressen und Gefressenwerden neue Arten hervorbringen, bis eines Tages ein anderer Artenplünderer seine Bahnen ziehen wird, und so weiter. Die Natur hat viel Phantasie.

ZEIT

06.05.2008 um 13:24 Uhr

Jünglinge und Greise

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Jünglinge und Greise

Nichts ekelt den alternden, angegreisten Jüngling so sehr wie ein junggebliebener Greis.  

06.05.2008 um 13:09 Uhr

Potenzprobleme

von: Lyriost

Potenzprobleme

Der Hang zu großen Autos ist vor allem bei kleinen und bei jüngeren Männern besonders ausgeprägt und hat tatsächlich häufig etwas mit Potenzproblemen und Identitätsfindungsstörungen zu tun, mit dem Alter aber nicht. Es gibt viele Jüngere mit erektilen und anderen Dysfunktionen, die den Älteren die Potenz neiden, die, wenn man sie einmal hat, in den meisten Fällen bis ins hohe Alter erhalten bleibt. Die meisten derer, die im Alter über Potenzprobleme klagen, haben auch in jüngeren Jahren eher Büsche ausgerissen als Bäume.

Dann versuchen diese Jüngeren, besonders wenn sie Viagra nicht vertragen, ihren Mangel durch intellektuelle Profilierung zu kompensieren, indem sie von Gerontokratie daherreden und mit hanebüchenen Artikeln und noch hanebücheneren Kommentaren auf sich aufmerksam zu machen versuchen.

ZEIT