Lyriost – Madentiraden

31.03.2009 um 12:38 Uhr

Umgekehrt

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Umgekehrt

Bei Männern gibt es acht Arten von Intelligenz und acht Arten von Dummheit, bei Frauen ist es umgekehrt.

31.03.2009 um 09:55 Uhr

Tirade 137 – Feuer und Holz

von: Lyriost

Tirade 137 – Feuer und Holz

Beim Feuerwirken
wenn das Holz Holz entzündet
bedenke es wohl

Spieler mit Schwefelhölzchen
Holz verbrennt nicht das Feuer

27.03.2009 um 09:31 Uhr

Neid und Schadenfreude

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Neid und Schadenfreude

Geboren aus dem Neid, mit dem sich die Menschen der wichtigsten ihrer Freiheiten berauben, nämlich der, sich nicht mit andern vergleichen zu müssen, ist die Schadenfreude die kleine Schwester der Grausamkeit. Schadenfreude ist so etwas wie eine Spielzeugpistole der Zahnlosen und Ohnmächtigen. Genau das richtige Spielzeug für die Guten, Lieben und Netten, um ihrer auch ihnen selbst häufig verborgenen, aus Neid erwachsenen grausamen Neigungen Herr zu werden. Sicherlich ein brauchbares Spielzeug, um Schlimmeres zu verhüten. Mini-Katharsis.

26.03.2009 um 19:19 Uhr

Tirade 136 – Heimliche Abdankung

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 136 – Heimliche Abdankung

Beizeiten lerne
die Kunst des Handtuchwerfens
dein heimlicher Sieg

in der Fülle der Worte
die bescheidene Geste

26.03.2009 um 13:15 Uhr

Körnersuche

von: Lyriost

Körnersuche

Ein Kurzsichtiger mit einer Brille für Weitsichtige ist wie ein blindes Huhn. Und läuft oft gegen die Wand. Ein verborgenes Korn aber finden beide nur selten.

26.03.2009 um 10:02 Uhr

Hinter die Pentimenti schauen

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Hinter die Pentimenti schauen

Die Menschheit hat im Laufe vieler Jahrtausende ihre häßliche Realität bis zur Unkenntlichkeit zu übermalen versucht mit dem, was wir Kultur oder auch Zivilisation nennen, und mehr und mehr haben die Maler vergessen, was sie da tun, wenn sie den Pinsel in die Farbe tauchen und Schicht um Schicht auf die bereits vorhandenen Schichten auftragen. Vergessen haben die Kolorateure auch, daß unter all den Krakelüren, auf denen sie herumklecksen, und unter den diversen weißen Neugrundierungen allerlei Lasuren und die ursprüngliche Grundierung verborgen sind. Und unter der ersten Grundierung befindet sich eine Leinwand. Manchmal reicht es schon, das Bild mal umzudrehen und von hinten anzuschauen.

25.03.2009 um 17:00 Uhr

Geschwätziges Schweigen

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Geschwätziges Schweigen

Allerorten Geschwätzigkeit: Das geschwätzige Schweigen immerhin sagt auf kunstvolle Art, daß es nichts zu sagen gibt, während die schweigende Geschwätzigkeit darüber Stillschweigen übt und statt dessen sich selbst zum Gegenstand macht, als wäre diese Art von Geschwätzigkeit etwas, über das es sich zu sprechen lohnte. Geschwätziges Schweigen ist mir lieber als schweigende Geschwätzigkeit.

24.03.2009 um 13:19 Uhr

Der autoritäre Charakter

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Der autoritäre Charakter

Der autoritäre Charakter platzt in eine Diskussion zum Thema Singvögel und ihre Stimmen. Da ihn dieses Thema jedoch so gar nicht interessiert und er bestenfalls laienhafte Kenntnisse auf dem Gebiet der Ornithologie vorzuweisen hat, erhebt er das Wort, um darauf hinzuweisen, daß Vogelfreunde fälschlich behaupteten, Vögel würden häufig Opfer von umherstreunenden Katzen, was jedoch unzutreffend sei. Nun beginnt er (es ist sein Steckenpferd), Belege für die Vogelfreundlichkeit der Katzen auszubreiten, und fährt jedem über den Mund, der Einwände erhebt.

Einer, der verwundert schaut ob der Themenverlagerung, aber ansonsten schweigt, wird von unserem autoritären Katzenfreund auf barsche und beleidigende Weise genötigt, endlich etwas zu seinen Thesen zu sagen, und man sieht dem Katzenfreund an, der sich mehr und mehr erregt und außer sich gerät, daß er dem Wortverweigerer am liebsten Daumenschrauben anlegen würde, um dessen Aussage zu erzwingen.

Der Wortverweigerer aber lächelt nur und sagt: Es steht nirgendwo geschrieben und ist auch nicht üblich, daß jemand gezwungen werden kann, über Themen anderer zu reden, seien es nun fixe Ideen, Zwangsvorstellungen oder auch nur Belanglosigkeiten.

Dummerweise ist Folter zur Zeit verboten, denkt sich der autoritäre Charakter. Und schleicht grummelnd davon.

24.03.2009 um 08:59 Uhr

Lynchen light

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Lynchen light

Mobbing ist Lynchen light.

23.03.2009 um 21:20 Uhr

Negative Kongruenz

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Negative Kongruenz

Ein sinnloses Unterfangen: mit schwachen, unfairen Menschen offen, geduldig und rücksichtsvoll zu verkehren. Weit entfernt davon, sich ein Beispiel zu nehmen, legen sie es dir als Schwäche aus und warten auf eine günstige Gelegenheit, dir deine Fairneß durch Bosheit zu vergelten. Statt Annäherung und den Versuch, kommunikative Deckungsgleichheit zu erreichen, erzeugt faires Verhalten des einen eher das Gegenteil: negative Kongruenz.

22.03.2009 um 11:44 Uhr

Wort mit Beinchen

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Wort mit Beinchen

Wahrheit ist ein großes Wort mit kurzen Beinchen.

21.03.2009 um 09:11 Uhr

Verstand und Vernunft

von: Lyriost

Verstand und Vernunft

Mich amüsiert es immer wieder, wie die Vernunft, ich meine die reine, sich im Gebirge versteigt, aber noch mehr belustigt es mich, wieviel Vernunft der Verstand aufzubringen vermag, um der sich versteigenden Vernunft Unvernunft zu unterstellen. Das ist wahrhaft köstlich.

20.03.2009 um 13:26 Uhr

Gewaltig vielgestaltig

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Gewaltig vielgestaltig

Die Gewalt ist zu vielgestaltig, als daß sich die sublimeren Formen im Spiegel als Gewalt zu erkennen vermögen.

19.03.2009 um 00:14 Uhr

Apodiktisches

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Apodiktisches

Ganz erstaunlich, was passiert, wenn ich mich in einem Beitrag über den Vorwurf des Apodiktischen äußere. Einer findet meine Infragestellung der Relevanz des Apodiktischen apodiktisch und bietet mir eine andere Herangehensweise und ein anderes Denken an, will mir einen anderen Denkort, nämlich seinen, zuweisen, natürlich ohne sich der Mühe einer Begründung zu unterziehen, und ist beleidigt, wenn ich nicht darauf eingehe. Ein anderer wiederum hält meine Sprache für elaboriert und gibt mir in stilistisch und lexikalisch ungehobelter Sprache, gewürzt mit mannigfaltigen Beleidigungen und Unterstellungen, gute Ratschläge, wie ich meinen Stil – und damit mein Denken – ändern könne. Und sie merken nicht, wie unverschämt, intolerant und rücksichtslos sie sich verhalten, wenn sie ihr eigenes Denken oder Sprechen zur kognitiven oder sprachlichen Norm erklären, an der ich mich zu orientieren hätte.

Die ZEIT

15.03.2009 um 10:07 Uhr

Das Alphabet der Gefühle

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Das Alphabet der Gefühle

Zertretene Schuhe sprechen
von der Schuld des Wandernden
warum ging er auf Stein
nicht auf Gras
war nicht auf Rosen gebettet
der Fuß

warum trat der
der trat
nicht heraus
aus der Reihe

weshalb kann nicht spüren
wer nicht lesen kann
die Gefühle

wieso kann nicht hören
wer nicht spüren kann
die Gedanken

und

wer ist schuld an
der Schuld
und der Scham
ohne Reue

14.03.2009 um 01:11 Uhr

Kritik und Kreativität

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Kritik und Kreativität

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, wird auch der Unkreativste kreativ. Vor allem dann, wenn er etwas nicht verstehen will, weil es gegen seine eingeschliffenen Überzeugungen gerichtet ist. Dann ist kein Mittel zu billig, keine Unterstellung zu abwegig, um nicht mit viel Brimborium geäußert zu werden. Der Stillose entdeckt plötzlich seinen Sinn für den Stil (des zu Kritisierenden), und der grobschlächtig Argumentierende reagiert hypersensibel auf rhetorische Wackeligkeit (beim anderen), wenn er schon keine offensichtlichen Rechtschreib- oder Grammatikfehler findet. Und am Ende glaubt der Kritiker des Kreativen tatsächlich, er selbst wäre der eigentlich Kreative. Dagegen hilft nur eines: die Kritik des Kreativen, die kreative Kritik der Kritik. 

13.03.2009 um 13:36 Uhr

Amok 2009

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Amok 2009

Jetzt stürzen sich Politiker und Medien wieder auf das Thema und kochen ihre Süppchen. Man mag es kaum noch hören. Drei etwas andere Beiträge und Diskussionen zum Thema: 

Wir sind Amok.

Wertlose Werte überall

Warum tut einer so was

13.03.2009 um 13:13 Uhr

Recht haben

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Recht haben

Wenn ein Rechthaber nicht das letzte Wort bekommt, bezeichnet er die anderen als Rechthaber. Recht hat er.

10.03.2009 um 20:19 Uhr

Gedichte veralten nicht

von: Lyriost

Gedichte veralten nicht

Was ist das Besondere an Gedichten – im Vergleich zu anderen Textformen? Gedichte veralten nicht. Und selbst dann, wenn sie ein wenig Patina oder auch nur Staub angesetzt haben, kann man sie branderneuern, indem man ihnen einen anderen Titel gibt.

Die Zeit

07.03.2009 um 11:10 Uhr

So manche Dinge

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

So manche Dinge

So manche Dinge
die einfach aussehen
sind einfach
etwas schwieriger
als sie aussehen
manch andere aber
auch nicht