Lyriost – Madentiraden

30.06.2010 um 00:08 Uhr

Selbstinszeniertes Unglück

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Selbstinszeniertes Unglück

Wer nicht mitbekommt, wie wenig ein Mensch braucht, um glücklich zu sein, der ist auf dem besten Weg ins Unglück, wenn er nicht bereits mittendrin steckt. Schwere persönliche Schicksalsschläge werden in derartigen Fällen selbst für extremstes Mißbehagen nicht benötigt, nicht mal leichte. Es reicht eine kleine, nicht als solche empfundene Wahrnehmungsstörung oder eine Gefühlsschwankung vor einem soliden Hintergrund unrealistischer Erwartungen. Wenn dann noch die ebenso tiefe wie falsche Überzeugung hinzukommt, jemand schulde uns was, komme seinen Verpflichtungen jedoch nicht nach, ist das Unglück perfekt. 

29.06.2010 um 08:08 Uhr

Kariert denken

von: Lyriost

Kariert denken

Man muß schon ziemlich klein und kariert denken, um glauben zu können, aus kleinen Karos könne wie durch Zauberei stilistisch Ansprechendes, gar großer Stil entstehen. Aus kleinem Karierten kann man allerbestenfalls große Karos kreieren.

Ohne einen Charakter, der ihn trägt, ist Stil sowieso nur eine alberne Attitüde und löst sich bei genauerer Betrachtung in kleine Karos auf.

10.06.2010 um 14:36 Uhr

Herz erfüllt

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Herz erfüllt

Die Ohren klingen
Herz erfüllt vom rauschenden
Tönen der Liebe

Des Sturmes Lippen so fern
wie die Augen der Sonne

03.06.2010 um 14:02 Uhr

Beige beigebogen

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Beige beigebogen

Wie soll ich mich zeigen
um zu gefallen
fragte mich die Schauspielerin
erfolglos tränenfeucht
schau in die Schaufenster
sagte ich
wie die Puppen
Farben tanzen
da wird dir der Erfolg
im Vorbeigehen
beigebogen

02.06.2010 um 20:25 Uhr

Jambisches Wörterschütteln

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Jambisches Wörterschütteln

Zieh blank den Vers als wär er kaltes Eisen
und schlag hinein in Reihen weißer Zähne
die durcheinanderpurzeln wie gekalkte Wörter
und Dichtermund spuckt leise weise Stummel

Aus unvertrauten Seelenkatakomben
drängt Ekles hoch und ungezügelt Übel
das knitternde Papier empfängt die Saat
im Mund erblühen ätzende Gestalten

Frisch wie der Morgen grau wie fahler Tag
am Abend folgt in Schwärmen rotes Bluten

02.06.2010 um 11:51 Uhr

Mitten im kleinen Leben

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Mitten im kleinen Leben

Als ich mich an den Rand
stellte stand ich
plötzlich mittendrin
so wie früher
da ich noch heimlich
wartete auf Späteres
– wenn ich mal groß bin –
in den Ohren kein Hallen
stampfender Maschinen
kein Schnellerschneller
nur der ruhige Puls
des kleinen Lebens
am Rand
im Wartestand

besser man bleibt
wo man ist
wenn man ist

besser man bliebe und
stürbe langsamer

02.06.2010 um 10:56 Uhr

Spurensuche

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Spurensuche

Dich verschwenden
dein Gewicht verschenken
dem Blinden dein Wort
ins graue Poesiealbum
und immer bescheiden

bleib einmal bei dir
erzähl die Traumgeschichten
von Spuren im Schnee

01.06.2010 um 15:38 Uhr

Nie oder morgen

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Nie oder morgen

Beständig opfern wir
dem Gotte Zukunft
unkenntlich wie alle
Götter doch unersättlich
wie die Katze
vor ihrer Schale
Gegenwart schleckend
gern geben wir sie hin
in unsichtbare Hände
die Schale heute
das Schalgewohnte
erwerben einen Wechsel auf
den Wechsel
für unbestimmte Zeit
vielleicht nie
oder morgen

01.06.2010 um 14:40 Uhr

Blicke, sommerfern

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Blicke, sommerfern

Kein Herz und eine Seele
vielleicht, aber keine Fliegen
an den fernen Fenstern
und an den nahen
sowieso nur auf beiden
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