Lyriost – Madentiraden

29.12.2010 um 12:20 Uhr

Rat für deutsche Rechtschreibung

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Rat für deutsche Rechtschreibung

"Der Rat ist die maßgebende Instanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung ..."

Der Rechtschreibrat, die "maßgebende Instanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung", hat unlängst einen Bericht über seine Arbeit von 2006 bis Oktober 2010 herausgegeben. Ich hab den mal kurz überflogen und festgestellt, daß sich der Rat mit der Erstellung von Texten nicht besonders gut auskennt – so sind Wortzwischenräume bei Überschriften uneinheitlich, bei Prozentangaben fehlen sie gänzlich (5%), statt Klammerhierarchien gibt es mehrere runde Klammern hintereinander, Punkte bei Aufzählungen mit römischen Ziffern stehen nicht untereinander, häufig werden Gedankenstriche und Bindestriche verwechselt usw.

Es gibt falsche Silbentrennung ("Zeile-nende" statt "Zeilen-ende", deutsch-er" statt "deut-scher"), Kommata, wo keine hingehören, aber auch schon mal einen Relativsatz ohne Komma, stilistische Merkwürdigkeiten:
 

"Diese Diskussion ging aus von der erneuten und vertieften Beschäftigung des Rats mit dem im Regelungsvorschlag von 2006 von den vom Rat initiierten Veränderungen nur am Rande berührten Bereich der Groß- und Kleinschreibung."

An diesem Satz kann man sehen, daß sich kein Sprachpraktiker – also Lektor, Korrektor, Schriftsteller – vor der Veröffentlichung mit ihm befaßt hat. Das Sagen im Rechtschreibrat haben in erster Linie beamtete Sprachverwalter und Theoretiker, "in Sonderheit" Pfleger der knisternden Nominalphraseologie.

Im Bericht findet man Redundanzen ("in diesem Bereich ... in diesem Bereich" – "in Sonderheit ... in Sonderheit"), umgangssprachliche Ausdrücke statt standardsprachliche ("von vorneherein" statt "von vornherein"), falsche Schreibung von Wörtern ("daran gegangen" getrennt statt richtig wie von jeher "darangegangen"), die Schreibweise "Orthographie" neben "Orthografie", grammatikalische Fehler (Beispiel: "... das sich auf bestimmten Bereichen bezog ...", "die gebildeten Wörtern", die "Darstellung wurden wiedergegeben", "Eidgenössisches Finanzdepartements" statt "Eidgenössisches Finanzdepartement"). Nichts gegen den Genitiv, aber nicht um jeden Preis(es).

Die Schreibung nach Doppelpunkten, groß oder klein, ist nicht immer regelkonform, und es gibt falsche Pluralbildung (etwa "Nominationsstereotypen" statt, wie es korrekt wäre, "Nominationsstereotype").

In summa: Der Rechtschreibrat wäre gut beraten, sich von einem schriftkundigen Menschen beraten zu lassen, bevor er Texte für die Öffentlichkeit freigibt.

24.12.2010 um 09:19 Uhr

Entscheiden

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Entscheiden

Der Mensch fühlt sich wohler, wenn er glaubt, seinen Handlungen lägen (eigene) Entscheidungen zugrunde, dabei wird er doch nur im Spinnennetz der Motive eingewickelt und schwimmt mit im Strom, weil er gelernt hat, wie mühsam und auf Dauer wenig erfolgreich es ist, sich der Strömung zu widersetzen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Man sieht sie bisweilen erschöpft an den Ufern sitzen und verschnaufen.

23.12.2010 um 10:53 Uhr

Kuttenwerg

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Kuttenwerg

Guttenbergs Kuttenwerg ist nicht nur hervorragender Stoff zur Erzeugung weißen Rauches, sondern auch eine schüttelreimende Alternative zum bösen Scherzwort Nuttenzwerg.

21.12.2010 um 20:36 Uhr

Tirade 156 – Gedanken entkleiden

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 156 – Gedanken entkleiden

Ins Volle schauen
der Sprache die Haut abziehn
Verhüllung entwirrn

die Gedanken entkleiden
ist wie Kartoffeln schälen

16.12.2010 um 10:07 Uhr

Schreien

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Schreien

"Wer schreit, hat unrecht."

Wer um Hilfe schreit, weil er von Dummköpfen umzingelt ist, ist zwar nicht gut beraten und auch nur eingeschränkt klug zu nennen, aber unrecht hat er nicht. Überhaupt hat die Neigung zum Schreien mehr mit Emotionalität zu tun als mit Recht oder Unrecht im argumentativ-logischen Sinn, ist also nicht ohne weiteres ein kognitives Fehlverhalten, sondern eine Charakterfrage. Mag sein, daß sich möglicherweise ins Unrecht setzt, wer schreit, aber von vornherein im Unrecht ist er nicht. Zu behaupten, wer schreie, sei im Unrecht, ist zu einfach und: unrecht. Wer schreit, der stört.

15.12.2010 um 09:48 Uhr

Dringend nötig

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Dringend nötig

fehlerhafte sprache

Was wäre nicht alles dringend nötig? So zum Beispiel eine Weiterbildung für ZEIT-Redakteure, bei der ihnen der Unterschied zwischen Konjunktion und Relativpronomen nahegebracht würde – oder zwischen Partikel und Artikel. Doch nicht alles, was nötig wäre, wird, wie man sehen kann, gemacht. In diesem Falle könnte ja auch Grundschulwissen genügen. Sollte man meinen. 

 

14.12.2010 um 12:49 Uhr

Titania

von: Lyriost

Titania

Titanen

 

Wenn ein Titan zwar hart, aber nicht aus Metall ist, ist er ebenso sterblich wie jeder andere, und dann muß leider irgendwann vom Tod des "Titanen" geredet werden. Der Tod des Titans (noch dazu eines) ist jedoch aus mancherlei Gründen eine abwegige Sache.

10.12.2010 um 11:19 Uhr

Thymotische Energie

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte   Stichwörter: thymotisch, Sloterdijk

Thymotische Energie

Ein Spaß ist's mein Kind
das thymotische Brausen
im Beutel viel Wind

allweil kleines Geflügel  
und das Flattern von Flausen


09.12.2010 um 15:15 Uhr

Traumbild

von: Lyriost   Kategorie: Grafik

Nachts

09.12.2010 um 10:44 Uhr

Krummholz

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte   Stichwörter: Sloterdijk

Krummholz

Beim roten Weine
kamen dem Philosophen
Gedanken kleine

faßt er in Worte große
Krummholz in Wörtersoße

Die ZEIT

04.12.2010 um 16:39 Uhr

Von China lernen

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Von China lernen

Wie China es vormacht, direkte Zensur, so nun auch die USA: Man verabschiedet sich langsam, aber auffällig, wie es scheint, von der Idee der Meinungsfreiheit. War ja ohnehin nur so lange ernstgemeint, wie es genügend journalistische Filter gab, die Unerwünschtes aussortierten.

Indirekte Zensur

Meinungsfreiheit

04.12.2010 um 11:35 Uhr

Jugendschutz

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Jugendschutz

Wie man hört, wird in Deutschland für Internetseiten der Jugendschutz neu geregelt. Deshalb weise ich – fürsorglich, wie ich bin – bereits jetzt darauf hin, daß mein Blog für Jugendliche aller Altersklassen nicht geeignet ist. Ausgenommen sind lediglich erfahrene Komasäufer, deren Zahl bekanntlich so dramatisch steigt, daß sich in absehbarer Zeit kaum noch Jugendliche im Internet aufhalten werden, weil sie anderweitig beschäftigt sind: mit Berauschung oder Entrauschung.

Spiegel
FAZ

01.12.2010 um 10:53 Uhr

Tirade 155 – Niederkunft

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 155 – Niederkunft

Gesicht berieselt
Kavalkaden von Schemen
Schwarzes Wehn im Schnee

wie krummgebogne Drähte
kringeln sich Wörter ums Wort

01.12.2010 um 10:18 Uhr

Tirade 154 – Apokalypsis

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 154 – Apokalypsis

Maskierung durchschaun
Schicht für Schicht und Wort für Wort
Archäologie

ist nicht nur Hüllenforschung
zeigend suchst du nach Winken