Lyriost – Madentiraden

31.01.2011 um 20:43 Uhr

Duchamps langer Atem

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Duchamps langer Atem

Muß man nicht die Frage stellen, ob das Werkzeug der versuchten Destruktion in der Kunst denselben Charakter haben kann wie etwas, was Objekt dieser Destruktion ist, und ob das Destruktionsmittel nicht seinerseits Objekt von Destruktion sein kann, ja sein sollte? Andererseits ist es dann aber auch so, daß der Vorgang der Destruktion durch die Reibung der Objekte gleichsam Kunstcharakter entwickelt. Und so fort. Permanente Ästhetisierung der Destruktion des ästhetischen Scheins. Und ganz nebenbei eine Verschmelzung dieses Scheins mit massenpsychologischen Aspekten. Destrukunst.

Welt online

25.01.2011 um 11:05 Uhr

Epikurs Mahnung

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Epikurs Mahnung

Zählt Geld
lauft in Reihen
wer Trommler mag
nur zu
laßt die
Steine erbeben
wie im
siebentorigen Theben.
Das Ende ist Schrift
auf dem Sarkophag.

Im Blitzlicht beim
letzten Sekundenschlag
da werdet ihr
schaudernd verschweben
so narrt euch
der Tod mit
dem Leben.
Am Abend blinkt
in den Spiegeln
der Tag.

Und die ihre Sinne
mit Hämmern betäubt
die gaffen nun
stumpf in die
Leere der Nacht
mit zitternder Hand
und die Haare
gesträubt.

Und wehe
dem Wesen
das jetzt
erst erwacht
zu spät
sein Beginnen
die Hülle zerstäubt
sein Weg führt
zurück in die
ewige Schlacht.



Die Zeit

19.01.2011 um 10:20 Uhr

Zeitvertreib

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Zeitvertreib

Das Wichtige ist in Zeit und Raum unverborgen verborgen, und ans je nach Perspektive Verborgene oder Unverborgene im Inneren der Zeit gelangen wir nur, wenn wir sie nicht vertreiben. Leider ist gerade das Vertreiben der Zeit unser liebster Zeitvertreib.

18.01.2011 um 17:00 Uhr

Sprachlos

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Sprachlos

Wenn wir auch manchmal sprachlos sind, so sind wir doch nie wortlos.

18.01.2011 um 11:31 Uhr

Alternativlos

von: Lyriost   Kategorie: Statements

Alternativlos

Bei der diesjährigen Wahl zum "Unwort" des Jahres war man alternativlos.

18.01.2011 um 00:13 Uhr

Schlecht geschrieben?

von: Lyriost

Schlecht geschrieben?

Sind die Romane von Martin Suter schlecht geschrieben? Ich weiß es nicht, denn ich habe noch keinen von ihnen gelesen. Ulrich Greiner von der ZEIT meint ja und nennt Gründe, was von vielen Fans mehr oder weniger heftig zurückgewiesen wird. Meist jedoch, ohne Gegenargumente zu bemühen und ohne zu verstehen, daß sich Sprachkritik weder durch emotionale noch durch unterhaltungsliterarische Argumente widerlegen läßt.

Die Zeit

16.01.2011 um 23:50 Uhr

Populärer Reflex

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Populärer Reflex

Wenn wir mutig mutmaßend, ohne Indizien für das tatsächliche Vorhandensein solcher Gefühle vorweisen zu können, jemandem unterstellen, er sei neidisch auf einen andern, dann stilisieren wir unsere eigenen Neidgefühle zu universellen hoch. Das ist naiv und egozentrisch und eine veritable Selbstentlarvung.

16.01.2011 um 13:43 Uhr

Philographie

von: Lyriost

Philographie

Individuelles Fotografieren bedeutet, das wahrhaft gute Motiv zwischen oder neben den sich aufdrängenden Prachtmotiven zu finden, seine Bedeutung zu erkennen und es deshalb zu bevorzugen.

Dirk Reinartz

14.01.2011 um 10:43 Uhr

Wozu Wahlen?

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Wozu Wahlen?

In Hamburg ist bald Bürgerschaftswahl - die FDP ist bisher dort Apo, und nichts deutet darauf hin, daß der Partei in der Hansestadt demnächst die liebe gelbe Sonne scheint. Guido Westerwelle nun über eine sozialliberale Koalition in Hamburg: "Das entscheiden die Hamburger Liberalen." Soso, die Liberalen entscheiden. Nicht die Wähler, nicht die andern Parteien. Aber wozu dann noch die Wahl?

ZDF

13.01.2011 um 19:59 Uhr

Woody Wenders

von: Lyriost

Woody Wenders

Jetzt, da er die Haare kürzer trägt, sieht Wim Wenders aus wie ein junger Woody Allen mit langen Haaren, der sich als alter Wenders verkleidet hat. Sonderbar.

Wenders
Allen

10.01.2011 um 21:38 Uhr

Philosophischer Adel

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Philosophischer Adel

In Deutschland gilt einer nur dann als Philosoph, wenn er Griechisch rückwärts lesen kann, nicht in der Lage ist, einen Fernseher von einem Radiogerät zu unterscheiden, mindestens zwei Warzen im Gesicht hat und darauf achtet, daß bei keinem seiner Bücher die Fünf-Anmerkungen-pro-Seite-Marke unterschritten wird.

DIE ZEIT

10.01.2011 um 12:45 Uhr

Unromantisch gesagt

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Unromantisch gesagt

Dem nüchternen Menschen ist bereits romantische Emphase Kitsch, und dem trunkenen ist die Unterscheidung zwischen Romantik und Kitsch unnötige Geschmäcklerei.

07.01.2011 um 13:15 Uhr

Esoteria

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Esoteria

DIE LINKE ohne Kommunismus, das wäre so wie der Oshoist ohne Erleuchtung.

07.01.2011 um 11:35 Uhr

Auf der Suche

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Auf der Suche

Gesine Lötzsch ist auf der Suche nach dem Weg zum Kommunismus, so wie viele Esoteriker auf dem Weg zur Erleuchtung sind oder wie einstmals Edison, ganz banal, auf der Suche nach der Glühlampe war. Wie die meisten, die nach Wegen zum Licht und zur Glückseligkeit suchen, geht auch Frau L. davon aus, daß der "Pfad zum Kommunismus" ein "sehr langer und steiniger" sein wird, also eher eine Art Höllenweg ist. Ich weiß ja nicht, woher sie ihre Kenntnisse hat, denn wer einen Weg nicht kennt, kann dessen Begehbarkeit nicht recht einschätzen, glaube aber, das mit der Steinigkeit wird so falsch nicht sein. Wenn es also stimmt, wieso sollten wir uns dann die Mühe machen, diesen Weg zu beschreiten? Ich für mein Teil bleibe lieber zu Hause, wünsche jedoch denen, die steinige Wege lieben, eine gute Reise. Und sollten sie noch zu meinen Lebzeiten im Paradies des Kommunismus ankommen, bitte ich schon jetzt um eine Ansichtskarte, falls das Schreiben ins nichtkommunistische Ausland dort erlaubt sein sollte.    


Junge Welt

06.01.2011 um 11:50 Uhr

Moralische Sicht

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Moralische Sicht

Moralisch gesehen ist das Beurteilen anderer mit Hilfe unserer moralischen Kriterien unmoralisch.

06.01.2011 um 10:06 Uhr

Westerwelle-Rede

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Westerwelle-Rede

Mit Spannung erwartet, gefordert, erhofft: die Rede. Als wäre wichtig, was Ghostwriter und Referenten zusammenschmieren. Entscheidend ist doch vielmehr, wie man politisch handelt. Ich glaube nicht, daß es Überraschungen geben wird. Aber wer weiß, vielleicht hält der Herr W. seine Rede auf englisch.

05.01.2011 um 08:59 Uhr

Kein Blödsinn

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Kein Blödsinn

Hätten wir gestern weniger Blödsinn gemacht, brauchten wir heute nicht so große Angst vor dem Morgen zu haben.

05.01.2011 um 00:55 Uhr

...drom gedreht

von: Lyriost

...drom gedreht

Unterm Gras, in das man beißt
durch sprachlichen Mord
liegt schon der dromische Sarg

 

05.01.2011 um 00:31 Uhr

Weihwassertherapie

von: Lyriost

Weihwassertherapie

Hinterlistig wolle die UNESCO die Menschheit homosexualisieren, sagt Ennio Antonelli, Verschwörungstheoretiker, Kardinal und Familienpolitiker im Vatikan.

Es soll ja neuerdings zum Homosexuell-Machen äußerst wirksame Umpolungsmedikamente geben. Der Nachteil ist allerdings, daß sie nur wirken, wenn sie mit verunreinigtem Weihwasser eingenommen werden. Dabei auftretende mögliche Nebenwirkungen sind schwere Infektionen im Hirnbereich.


welt.de

04.01.2011 um 22:50 Uhr

Tirade 157 – Das Atmen des Lichts

von: Lyriost

Tirade 157 – Das Atmen des Lichts

Das Leben blinkt auf
und zerfließt in der Sonne
wie ein Tropfen Tau

auch du erglitzerst im Licht
und Sonne atmet dich ein