Lyriost – Madentiraden

06.12.2011 um 16:41 Uhr

Spät im Jahre

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Spät im Jahre

Die Lüfte schnauben
weiße Winde überall
Wintergespenster

sie haben sich verspätet
hinter Flocken früher Mond


05.12.2011 um 15:36 Uhr

Fleißige Menschen

von: Lyriost   Kategorie: Sonstiges

Fleißige Menschen

Die Welt erklärt, weshalb Besserverdienende zigmal besser verdienen als Geringverdiener: weil sie zigmal (oder mindestens zehnmal) mehr arbeiten ... Mit allzu geringen Stundenlöhnen hat das natürlich nichts zu tun. 

Einkommen 2011

04.12.2011 um 18:44 Uhr

Pseudo

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Pseudo

"... Schlossbesitzer Bemering ..., der mit dem Kommissar bei erlesenem Rotwein pseudophilosophische Gespräche über den Wert des Menschen an sich führt ..."

Ein "Gespräch über den Menschen an sich" ist nicht schon deshalb ein pseudophilosophisches Gespräch, weil derjenige, der den Begriff "pseudo" benutzt, nicht daran beteiligt ist. Ein Gespräch über den Menschen an sich ist immer ein philosophisches Gespräch, selbst dann, wenn die Gesprächsbeiträge so banal sind wie manche Kritiken. Das Wort "pseudophilosophisch" soll hier seinen Verwender adeln, der wahrhaft philosophisch zu sprechen sich selbst und einigen wenigen andern vorzubehalten versucht.

FAZ

04.12.2011 um 11:30 Uhr

Vorsätzliche Absicht

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Vorsätzliche Absicht

Die Strg-c-Komödie nimmt inzwischen groteske Züge an:

"Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes hieß es, die Staatsanwaltschaft Hof sei nicht von einem Täuschungsvorsatz ausgegangen. Richtig ist jedoch, dass die Staatsanwaltschaft nicht von einer Täuschungsabsicht ausging. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen."  So der "Spiegel" im Nachtrag eines Artikels.

Welchen Fehler? Was soll das bedeuten? Per definitionem ist doch ein "Vorsatz" die "feste Absicht". Der Fehler liegt wohl eher darin, daß die Staatsanwaltschaft sich, im Gegensatz zu den Gutachtern der Universität, täuscht. Ob mit Vorsatz oder mit Absicht oder ohne irgendwas, diese Frage kann hier nicht beantwortet werden. Allerdings muß darauf hingewisen werden, daß noch 1793 Ernst Ferdinand Klein, geheimer Justiz- und Kammergerichtsrat, in den "Annalen der Gesetzgebung ..." von "vorsätzlicher Absicht" spricht.

Daß Juristen heutzutage selbstverständlich bessere Sprachwissenschaftler sind als Linguisten, ist mir als Nichtjurist immerhin ein wenig klar.

Die Uni Bayreuth hat, obgleich auch Juristen zugegen waren, Täuschungsvorsatz festgestellt, die Staatsanwaltschaft bestreitet, laut "Spiegel", die Täuschungsabsicht, wie betont wird, den Vorsatz, wer weiß, möglicherweise nicht so ohne weiteres. In der Presseerklärung zur Einstellung des Verfahrens findet sich weder das Wort "Absicht" noch das Wort "Vorsatz", also darf spekuliert werden. Folglich, so schließe ich daraus, muß es sich um einen unabsichtlichen Vorsatz gehandelt haben, keineswegs jedoch um vorsätzliche Absicht.

Der Spiegel

02.12.2011 um 11:09 Uhr

Selbst-Enttäuschung

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Selbst-Enttäuschung

In den meisten Fällen sind wir selbst verantwortlich für unsere Enttäuschungen: weil wir zugelassen haben, daß wir vorgeführt, getäuscht wurden – entweder von anderen, aber immer auch von uns selbst. Wenn wir das bemerken, sind wir sauer auf uns, und diese Selbst-Enttäuschung ist der schmerzhafteste Teil der Enttäuschung.