Lyriost – Madentiraden

31.10.2012 um 19:21 Uhr

Auch ein Herbst

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Auch ein Herbst

Wenn die Wiesen sich
nach innen biegen
konkave Schatten
im Flackerlicht
das Hügel für Hügel
in die Wolken sticht
wo einst die Müden
in die Erde stiegen

verlorengingen es gab
nichts zu siegen
der Stumme sieht
der Blinde spricht
der Kläger schweigt
im Weltgericht
wo Flügellahme sich
im Gras verfliegen

fallen die Blätter
die Bäume nicht
sie sehen sprachlos
die Spiegel liegen
und schauen sich
staunend ins Angesicht

im Nachtwind knarrend
und unverschwiegen
drückt auf die Haut
das kühle Gewicht
kein Maß keine Zahl
den Atem zu wiegen

30.10.2012 um 13:29 Uhr

Tirade 191 – Stille Wanderung

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 191 – Stille Wanderung

Kriechende Laute
Rumoren im Unterholz
abseits der Wege

Sprechen wie Büscherascheln
Wörter biegen sich im Wind

28.10.2012 um 18:04 Uhr

Angst vor "Kitsch"

von: Lyriost

Angst vor "Kitsch"

So manchen Fotografen ereilt im Angesicht von Sonnenuntergängen eine Knipshemmung, weil er befürchten muß, in Kitschverdacht zu geraten.

Es gibt Kritiker (Künstler weniger), für die ist bereits die Verwendung von Farben ein Verdachtsmoment für Kitsch.

28.10.2012 um 10:47 Uhr

Kitsch und Kunst

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Kitsch und Kunst

Jene, die nur Quadrate und Rechtecke lieben, neigen von jeher dazu, solche, die nicht zuletzt aus ästhetischen Gründen die Darstellungsform des Kreises bevorzugen, als verkitschte Stümper zu betrachten. Allerdings sind alle Versuche, den Kreis zu quadrieren, seit Archimedes erfolglos geblieben.

DIE ZEIT

27.10.2012 um 11:24 Uhr

Korrektes Plagiieren

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Korrektes Plagiieren

Wo das Selber-Denken verpönt ist, wenn man es nicht in einen Haufen von Paraphrasen einbettet, wo Zitierkartelle das Sagen haben und Quisquilienonanie in Fußnotenprotzerei ausartet, da wundert es nicht, wenn zum Thema Plagiieren auf die "Selbstreinigungskräfte der Wissenschaft" verwiesen wird, denn man möchte das selbstherrliche System der akademischen Weihrauchschwenkerei nicht von Unberufenen in Frage stellen lassen, weiß man doch nicht genau, ob man in der frischen, entstickten Luft des Selber-Denkens nicht durch Hustenanfälle auffällig würde.

DIE ZEIT

20.10.2012 um 14:28 Uhr

Gaunertrick

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Gaunertrick

Bisher dachte ich, ein Dilettant sei zum Beispiel jemand, der nicht in der Lage ist, seine Dissertation ohne allzuviel Paraphrasiererei und Abkupfern eigenständig und im Einklang mit den allgemeinen Zitierregeln anzufertigen. Also einer, der keine eigenen Ideen hat und seine Ideenlosigkeit wissenschaftlich verbrämt vertuscht. Nun muß ich jedoch erfahren, daß dies nicht der Fall ist. Dilettanten sind vielmehr jene, die solcherlei Hirnschmalzanmaßung aufdecken und zu sanktionieren trachten.

Diese Methode der Tatsachenverdrehung wird  "Haltet den Dieb" genannt und ist ein alter Gaunertrick.

FOCUS Online

17.10.2012 um 13:31 Uhr

Statisterei

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Rente

Statisterei

Der Unterschied zwischen Hofberichterstattung und Journalismus ist leicht auszumachen. Der "Focus", bekannt für Oberflächlichkeit und Tendenziöses, schreibt, als wäre schon Wahlkampfzeit: "Regierungsbericht entlarvt Mär vom armen Rentner". Bei der "Rheinischen Post" klingt das schon weniger euphorisch: "Regierung hält Rentner für gut versorgt". Die "Frankfurter Rundschau" meint: "Vielen Rentnern geht es noch gut". In der "Süddeutschen lesen wir zum gleichen Thema: "Ohne Privatvorsorge droht Altersarmut". Was sagen die Zahlen? Zweidrittelgesellschaft auch bei den Renten. Der Durchschnitt nützt niemandem.

17.10.2012 um 09:08 Uhr

Dumm nur

von: Lyriost   Kategorie: Statements   Stichwörter: Fußball, Nationalmannschaft

Dumm nur

Manchmal läuft etwas nicht so, wie es sollte, weil jemand am Ruder steht, der nicht bei der Sache ist. Dann kommt einer und sagt, die Dinge seien "aus dem Ufer gelaufen". Warum nicht gleich aus dem Schiff – oder dem Hemd?

Dumm nur, daß diejenigen, die sonst für solche Schwächen verantwortlich gemacht werden, diesmal gar nicht dabei waren. Was nun? Wird man einen Unschuldigen finden, dem man die Schuld aufbürden kann – oder gar einen Unbeteiligten –, oder wird es eine Kollektivstrafe ohne Ansehen der tatsächlichen Leistung geben? Eines von den dreien sicherlich.

16.10.2012 um 14:31 Uhr

Tirade 190 – Titelei in der Krise

von: Lyriost

Tirade 190 – Titelei in der Krise

Feder für Feder
Professor Doktor Hirnschmuck
zusammengekratzt

mit Grausen wendet sich ab
der ehrliche Schwarzfahrer

15.10.2012 um 18:10 Uhr

"Das Kachelmanöver" einer Jütt(enred)ner(in)

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

"Das Kachelmanöver" einer Jütt(enred)ner(in)

Daß jemand einer Leidenschaft, einem Laster oder auch nur einem Hobby "frönt" und dabei manchmal aus der Sicht Außenstehender ein wenig übertreibt, wer hätte das nicht schon mal erlebt? Aber einer "erklärten Mission frönen". Nun, die Zuschreibung des Frönens findet sich meist dort, wo man Leidenschaft von vornherein argwöhnisch beäugt. So argwöhnisch wie die eine Frau die andere: "tief dekolletiert", die "dichten dunklen Locken ... drapiert". Kann man das noch als Neid auf die wohl Attraktivere entschuldigen, so bleiben die teils abwertenden, teils beleidigenden Beschreibungen von möglicherweise mühsam aus der Realität abgeleiteten Äußerlichkeiten: "Erdkundelehrer-Brille und Stoppelbart", der Verleger "mit Segelohren und Intellektuellenbrille" ebenso unverständlich wie die aus der Phantasie der Frau Jüttner entsprungenen "identischen, atmungsaktiven Funktionsjacken". Woher sie die holt, kann wohl nur ein fähiger Psychotherapeut mit Schwerpunkt Traumdeutung aufklären. Und daß die Kachelmanns "aufs Podium stolpern", ist das, wie das meiste übrige, nicht vor allem bitterer Ausdruck eines tiefempfundenen Ressentiments, dessen man sich nicht schämen zu müssen glaubt? Ganz schlechter Journalismus.

SPIEGEL ONLINE

15.10.2012 um 10:54 Uhr

"Der Sprung um sein Leben"

von: Lyriost

"Der Sprung um sein Leben"

Wenn einer aus dem vierten Stockwerk eines brennenden Hauses in ein Polyestertuch springt, weil das Treppenhaus in Flammen steht und die Drehleiter der Feuerwehr sich verklemmt hat, dann kann man mit Fug und Recht von einem "Sprung um sein Leben" reden. Auch dann, wenn sich einer auf der Straße vor einem besoffenen Schwachkopf in Sicherheit bringen muß, der meint, mit zwei Promille im Blut wäre er der King. Aber wenn sich ein Lebensmüder aus großer Höhe Richtung Erdoberfläche fallen läßt, dann ist es kein "Sprung um sein Leben", sondern allenfalls ein kindisches Ringen um Ruhm. Und die blödsinnige Überschrift ist Ausdruck tiefer Gedankenlosigkeit.



Hamburger Abendblatt 

PS: Inzwischen hat einer die Überschrift durch das Adjektiv "durchgeknallt" ergänzt, was der Dummheit aber auch nicht richtig abhilft.

05.10.2012 um 22:19 Uhr

Tirade 189 – So wie wir

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 189 – So wie wir

So zornig wie wir
nach unserm Bild geschaffen
am frühen Morgen

bei der Götterdämmerung
am Abend müd und milde

05.10.2012 um 19:05 Uhr

Kluge Köpfe

von: Lyriost   Kategorie: Sonstiges

Kluge Köpfe

 

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