Lyriost – Madentiraden

29.01.2013 um 15:56 Uhr

Erdmann – Szenische Monodialoge 13

von: Lyriost   Kategorie: Sonstiges   Stichwörter: Opfer, Abo, stern, Brüderle

Erdmann – Szenische Monodialoge 13
 
ERDMANN verknittert, verläßt das Schlafzimmer, geht zum PC und startet ihn, dann begibt er sich ins Bad.

Probleme, Probleme keine
Deutschland hat kein Problem
kann man hören: schlimmer Sexismus
ja den armen Frauen wird
dauernd auf den Busen geguckt
und sogar ins Gesicht
deshalb sind so viele
gezwungen zu Schönheitsoperationen
ungefähr fünfhunderttausend
hierzulande allein letztes Jahr
allüberall wird gepusht und getunt
damit kein Er glaubt Frau könne
ein Dirndl nicht ausfüllen
als wäre nicht gerade ein
enges Dirndl mit passender
Push-up-Hebe-Füllvorrichtung
besonders leicht auszufüllen
der Brüderle hat wohl nicht viel Ahnung
von Füllungen und überhaupt
was redet der denn
noch in seinem Alter
wäre er marktgerecht
jung und smart ja dann
alles kein Problem dann
nur ein bißchen übertrieben
den abendlichen Flirt
mit junger Journalistin
charmanter Schlingel
aber er ist schon etwas älter
dazu verheiratet
und Womenizer sieht anders aus
obwohl auch ein Herr Kohl ...
Münte und viele andre
nicht nur in Hollywood
pflücken sie die Rosen gewissermaßen
im Praktikantinnengarten
manche Frauen mögen das
wenn einer mit dem
Pensionsbescheid wedelt
aber offiziell geht es
natürlich um innere Werte ...
doch ich komme vom Thema ab
das Thema ist Sexismus
was ist das eigentlich?
wenn ein Mann sich wie
ein Mann verhält
und eine Frau nicht oder
so ähnlich ich weiß nicht genau
im Fernsehen gab's Bilder dazu
anläßlich der schlimmen
Entgleisungen des Brüderle
regelmäßig wurde ein Bild
eingeblendet bei dem eine Hand
eine männliche auf einem
weiblichen Bein ...
wohl nur so zur Illustration
aber ist das nicht ein anderes Thema
wirkt alles ohne daß es bewußt wird
an der Grenze zur üblen Nachrede
wie auch immer
der "stern" soll bei Lagerfeld
Burkas in Auftrag gegeben haben
hört man

Verläßt das Bad, hört ein Summen
Diese blöde Kiste.
Hat sich beim Runterfahren
gestern abend wieder aufgehängt
die ganze Nacht gelaufen
bei den Strompreisen
oder hab ich Trottel im Vorschlaf
nur wieder vergessen
das Ding auszuschalten?
 
Setzt sich kopfschüttelnd
an seinen Arbeitsplatz.

29.01.2013 um 11:12 Uhr

Sicher ist sicher

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Sicher ist sicher

Zur Zeit ist ein merkwürdiges Phänomen zu beobachten: Jede Menge FDP-Mit-Glieder und auch andere versammeln sich hinter dem Schwätzer Rainer Brüderle, auf den gerade aus nichtigem Anlaß mit Schmutz geworfen wird. Wenn diese Leute mutiger wären, würden sie sich nicht hinter, sondern vor ihn stellen. Aber dann könnten die Dreckklumpen sie selber treffen: Wäre doch schade um die schönen Anzüge.  

24.01.2013 um 10:37 Uhr

Kapitalismus bekloppt

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Apple, Aktien, Börse

Kapitalismus bekloppt

Die Apple-Aktie ist trotz eines Rekordergebnisses um zehn Prozent eingebrochen. Zwar hat Apple noch nie so viel verkauft wie im letzten Quartal 2012, aber die "Analysten hatten mehr erwartet". Der Gewinn "stagnierte" bei 13 Milliarden Dollar, über eine Milliarde Dollar pro Woche. Die Entwicklung im Kopf so mancher Leute stagniert schon seit längerem.

Tagesschau

24.01.2013 um 10:01 Uhr

Sprachschule mit System

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Sprachschule mit System

Man findet das öfter, Anzeigen, in denen auf Sprachschulen aufmerksam gemacht wird oder Kurse "mit hohem Qualitätsstandard" angeboten werden, aber leider: Mir fehlt der Glaube, wenn ich so was sehe:



Bei der Einschätzung meiner "erworbenen(en) Sprachkenntnisse(n)" in bezug auf diese Anzeige von Eurocentres komme ich zu der Überzeugung, daß ich in dieser Schule sicherlich eher weniger dazulernen könnte – außer, wie man es besser nicht macht. Ich empfehle eine Überprüfung "des System".

Eurocentres Berlin

16.01.2013 um 12:19 Uhr

Sinn-Wahn

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Sinn-Wahn

Der schlimmste Wahnsinn ist der Sinn-Wahn.

16.01.2013 um 11:39 Uhr

Fertigmachen

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Fertigmachen

Man darf gespannt sein, was sich die Presse, allen voran der FOCUS, noch einfallen lassen wird, um den SPD-Kanzlerkandidaten fertigzumachen. Mit redlicher Berichterstattung und freier Meinungsäußerung hat das schon lange nichts mehr zu tun. Fragt sich, ob die Kampagne eher in den Bereich Journalistenhobby fällt oder von außen mit viel schwarzem Geld gesteuert wird.

FOCUS online

15.01.2013 um 23:49 Uhr

Dummdreisterei

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Unwort

Dummdreisterei

Die Jury in Darmstadt hat diesmal wieder eine Wortverbindung gefunden, die in den Katalog der unanständigen, politisch inkorrekten Komposita aufgenommen werden soll: "Opfer-Abo". Kannte bislang so gut wie keiner, wird jedoch durch die Wahl zum "Unwort des Jahres" nun bekannt werden und dann auch öfter zu hören sein. Tatsächlich hatte es vorher bereits jemand verwendet: einmal, glaube ich. Für mich ist die Entscheidung der Jury ein einzigartiger Fehlgriff und eine grandiose Dummdreisterei. Mit Sprachkritik hat das nichts zu tun. Genaugenommen ist die Wahl nichts weiter als eine politideologische Stellungnahme. Wer weiß, vielleicht erfindet man im nächsten Jahr selbst ein Wort passend zur Absicht, jemanden zu diskreditieren. Wozu die tatsächlich gesprochene und geschriebene Sprache beobachten? Sicher kommt auch wieder eine schöne Anregung von Frau Schwarzer. Die hat doch bestimmt ein Abo bei der Empfehlungssammelstelle. 

14.01.2013 um 12:42 Uhr

Wider die naive Sprachbetrachtung

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Wider die naive Sprachbetrachtung

In dem Artikel "Wider die Verwaltung der deutschen Sprache" schrieb ein Herr Rainer Marx in der "Welt" über die überbewertete Rechtschreibung und die "Mäkelei der Hobby-Orthografen", die ihm bitter aufstößt, wie es scheint, ihm, der sich als Sprachexperte und als Berufsorthograph von den Laien absetzen möchte. Wen er mit "Hobby-Orthografen" meint, weiß ich nicht, denn er bleibt leider im allgemeinen. Vielleicht ist der Artikel eine Art Selbstgespräch.

"Über die formalen Aspekte des Deutschen wird seit der Rechtschreibreform ausgiebig diskutiert. Auf orthografische Richtigkeit zu pochen, bringt aber nur eins zum Vorschein: den ewigen Autokraten."

Nun wurde schon immer über formale Aspekte der Sprache diskutiert, tatsächlich auch ausgiebig, denn das Reflektieren über Formales gehört zu jeder Sprache dazu, und deshalb gibt es Studiengänge wie Linguistik und Sprachphilosophie – nicht erst "seit der Rechtschreibreform".

Zum "ewigen Autokraten": Ist es nicht vielmehr ein Zeichen autokratischen, selbstherrlichen Verhaltens, orthographische Richtigkeit geringzuschätzen und zu schreiben, wie es (aus den Tiefen der eigenen Herrlichkeit) gerade kommt? Ein schönes Beispiel dafür: "Grosser Bewunderer von Angela Merkel! Ich bin sehr stolz und werde Patriot,als Sie Friedensnobelpreis gewonnen hat !!!", twitterte Boris Becker.

"Um es gleich anfangs zu sagen: Ja, korrekte Orthografie ist wünschenswert, manchmal sogar wichtig. Es gibt sogar Fälle, da ist sie entscheidend. Aber insgesamt gesehen ist sie nicht annähernd so relevant, wie es die öffentliche Diskussion während der letzten zehn Jahre glauben machen will." "Wünschenswert", "wichtig", "manchmal ... entscheidend". Nanu, wieso das? Und weshalb gleichzeitig "nicht so relevant"?

Übrigens: "Die Diskussion" will etwas glauben machen? Eine Diskussion kann einen Eindruck erwecken, etwas "glauben machen" kann jedoch nur jemand, der eine dahingehende Absicht hat, also ein Teilnehmer der Diskussion. Unscharfes Denken ist schlimmer als fehlerhafte Rechtschreibung, aber manchmal ist das eine auch die Ursache des andern.

"Da führen wir Deutschen über Jahre einen Feldzug gegen die Buchstaben, reformieren eine Rechtschreibung, deren Konsistenz zweifellos sehr zu wünschen übrig ließ, nur um die Reform dann noch einmal zu reformieren und als Ergebnis einen Kompromiss zu verabschieden, dessen Konsistenz zweifellos sehr zu wünschen übrig lässt."

"Wir Deutschen?" Ein Haufen Dummköpfe sind nicht "die Deutschen", und ein "Feldzug gegen die Buchstaben"? Welch eine metaphorische Fehlleistung. Tatsächlich war es doch so, daß beamtete Sprachdilettanten mit der Streubüchse umherliefen und es zusätzliche Buchstaben regnen ließen. Ein paar Beispiele: "Tipp" statt "Tip", "Karamell" statt "Karamel", Brennnessel statt Brennessel; jetzt wird auch "selbstständig" statt "selbständig" nur nummeriert" statt bisher "numeriert" und so weiter und so fort. Man hat jetzt ein Ass im Ärmel und ein Teeei in der Kanne: Feldzug gegen die Buchstaben?

"Dabei ist Rechtschreibung nur ein Teil der Sprache." Wer hätte das gedacht?  "... zumal einer, der sich in seiner Verbindlichkeit ausdrücklich nur an Schulen und die staatliche Verwaltung richtet."

Ein "Teil der Sprache", der sich an jemand oder etwas richtet? Die Sprache ist ein Ganzes, und sie wird zum Zwecke der Betrachtung von Wissenschaftlern oder andern Interessenten in Teile zergliedert. Dieser Analysevorgang führt jedoch nicht dazu, daß "Teile" sich selbständig machen und zu kommunizieren beginnen.  

"Eines ist sicher: Wo die Rechtschreibung regiert, ist es mit der Kreativität nicht weit her. Statt auf die bildliche und metaphorische, kurzum die sinnliche Kraft der Sprache zu setzen, reduzieren wir sie auf richtige Schreibung und klammern uns daran wie an eine Hoffnung."

Eine vollmundige oder sagen wir besser großmäulige Behauptung ohne jeden Beleg. Ich glaube nicht, daß Rechtschreibung und Kreativität etwas gegeneinander haben, es sei denn, jemand hält es für kreativ, "creatif" zu schreiben.

Und die "metaphorische Kraft der Sprache" kann einer, der einen "Feldzug gegen die Buchstaben" sieht, für sich selbst nicht nutzen, geschweige denn beurteilen.

"... eine ganze Armee von Hobby-Orthografen" ist mit ihrem "Halbwissen" (jedes Wissen ist Halbwissen) am Werk und stört die Kreise der kreativen Schreiber, "mäkelt ... sich ins öffentliche Bewusstsein". Und sie "eiern als Revenants der vermeintlichen deutschen Bildungskatastrophe durch die Geschichte". Mäkeln. Eiern. Ja, Herr Marx, die Sprache gehört allen gleichermaßen, und jeder darf mäkeln und eiern und es besser wissen, wenn er es besser weiß. Auch der "Mensch von Sprache" kann sich nämlich irren und in "inkonsistenten Metaphern" verlieren. So wie Sie, Herr Marx.


DIE WELT

13.01.2013 um 16:52 Uhr

Alleinstellungsmerkmal

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Alleinstellungsmerkmal

Es ist kein Alleinstellungsmerkmal, das Wort Alleinstellungsmerkmal unkritisch zu benutzen.

09.01.2013 um 19:30 Uhr

Kein Witz

von: Lyriost

Kein Witz

Ein Witz, den nur der Witzemacher versteht, ist keiner.

05.01.2013 um 15:39 Uhr

Erdmann – Szenische Monodialoge 12

von: Lyriost   Stichwörter: Broder, Augstein

Erdmann – Szenische Monodialoge 12

ERDMANN verknittert, verläßt das Schlafzimmer, geht zum PC
und startet ihn, dann begibt er sich ins Bad.


Wie kann man nur
Antisemit sein oder
auch einfacher Rassist
oder Weißwurstfetischist
ererbter Hirndefekt
oder erworbene Fehlsichtigkeit
ich verstehs nicht
aber verboten ist es nicht
blöd aber nicht verboten
so wie RTL-Fernsehen oder die
GroßBUCHstabenzeitung
oder schlechter, gar ganz
schlechter Musikgeschmack
wie Gefallen an Volkshiphop
nicht verboten
auch die Verdrängung von
Restverstand durch
den Konsum geistigen Inhalts
mancher Flaschen
erlaubt erlaubt
so wie die Verbreitung
lupenreiner Bosheiten
über vermeintliche Böse
man kennt das und
einer der da besonders
herausragt ist
Henryk Maleficus Broder
bei dem die Zunge
vor Aufregung zittert
wenn er andre beleidigt
denunziert verspottet
falsches Zeugnis gibt
darf er darf er soll er
warum ihn verklagen ist er
nicht wert sehe ich auch so
nur ein selbstverliebter
Wichtigtuer Schmäher Hämeproduzent
das sind die schlimmsten
sie zeigen mit ihren
schmutzigen Fingern
auf andre und schreien
diese andern hätten sich
nicht ausreichend gewaschen
manche Gesichter sprechen
für sich gegen sich
man schaue genau hin
aber hämische Physiognomie
ist nicht verboten wie auch
der Charakter aus dem sie
herauswächst
erlaubt ist was gefällt
und was nicht
gefällt.

Verläßt das Bad, hört ein Summen

Diese blöde Kiste.
Hat sich beim Runterfahren
gestern abend wieder aufgehängt
die ganze Nacht gelaufen
bei den Strompreisen
oder hab ich Trottel im Vorschlaf
nur wieder vergessen
das Ding auszuschalten?

Setzt sich kopfschüttelnd
an seinen Arbeitsplatz.

05.01.2013 um 14:02 Uhr

Schlecht beraten

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Schlecht beraten

Im allgemeinen nehmen wir die Ratschläge kluger Freunde gern an; wenn sie uns jedoch empfehlen, ihren Rat zu befolgen, reagieren wir ebenso gern mit Bockigkeit.

05.01.2013 um 13:49 Uhr

Bildung und Wissen

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Bildung und Wissen

So wie jede Bildung Teilbildung ist, so ist auch jedes Wissen Teilwissen. Selbst Gott weiß nicht alles. Wozu müßten Katholiken sonst beichten?