Lyriost – Madentiraden

18.02.2013 um 10:33 Uhr

Stil am Stiel

von: Lyriost   Kategorie: Sonstiges

Stil am Stiel

Aus einem Romanmanuskript: "Blinddarm ist ja heutzutage kein Beinbruch mehr."

10.02.2013 um 10:16 Uhr

Broderei 1 – Sprachgefühl

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Broderei 1 – Sprachgefühl

Henryk M. Broder, einer der originellsten Schöpfer absurder Vergleiche und Schiefhänger von Bildern, wird allgemein heftig überschätzt, vor allem von sich selbst und gerade dann, wenn es um die sprachlich-gedankliche Qualität seiner Verlautbarungen geht. Er gilt weithin als begnadeter Formulierer, was mich doch sehr überrascht. Sein größter Fan, er selbst, spricht darüber hinaus gern anderen die sprachliche Kompetenz ab und redet zum Beispiel von "erbärmlichem Deutsch", wenn jemand etwas zwar nicht übermäßig elegant formuliert hat, aber doch wenigstens gedanklich und sprachlich nachvollziehbar und ohne bedenkliche Fehler, wie sie gerade mal wieder in Broders Beitrag über Claudia Roths Eigentümlichkeiten ins Gesicht fallen.

Er schreibt in diesem Artikel über dies und das, was mit der Sache – "High five" mit einer Dikatur (sic!) – wenig bis gar nichts zu tun hat, und man merkt dabei, daß er es mit dem eigenen Denken und seiner Sprache nicht allzu genau zu nehmen in der Lage ist. So etwa, wenn er das  Schicksal der ehemaligen Ministerin Schavan beklagt: "nachdem ihr der Doktortitel aberkannt wurde, den sie vor über 30 Jahren gemacht hat". Nun, man kann – umgangssprachlich – "seinen Doktor machen", ja, das kann man, mit oder ohne Ernsthaftigkeit, aber einen Titel macht man nicht. Wenn Broder Sprachgefühl hätte, dann hätte jemand oder etwas von innen bei ihm an die Hirnrinde klopfen müssen bei solch einer Formulierung. Oder dabei: "Die flapsige Bemerkung eines älteren Herren an eine junge Journalistin". Eine "Bemerkung an" jemanden? Ich kann das Wort an jemanden richten, also eine Bemerkung machen, doch ebensowenig, wie ich dann ein Wort an diesen "gemacht" habe, habe ich eine Bemerkung an ihn "gerichtet". Jede Sprache hat ihre Feinheiten, und man sollte sie kennen, wenn man andre sprachlich kritisiert.

Daß Broder außerdem findet, ein Video sei "unmißverständlich", wo doch jeder weiß, wie Bilder lügen und trügen, und daß er den Terminus "gesundes Volksempfinden" ohne Anführungszeichen gänzlich unironisch benutzt: "Früher hat das gesunde Volksempfinden entschieden, was ein Skandal ist, heute ist es die Parteizugehörigkeit", das gibt zu denken.
Überdies ist diese Aussage inhaltlich falsch, versteht sich. Ein Skandal ist, früher wie heutzutage, das Verhalten von ANDEREN, nicht das eigene. Das ist nichts Neues, das war schon immer so. Deshalb die Frage in Matthäus 7,3, die Sache mit dem Splitter und dem Balken.


Die Welt online

03.02.2013 um 13:22 Uhr

Katholische Merkwürdigkeiten

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Katholische Merkwürdigkeiten

Neben anderem dogmatischen Firlefanz: Eine Frau könne die Beziehung Christi zu seiner Braut, der Kirche, nicht sakramental-symbolisch sichtbar machen, erklärt der neue Chefdogmatiker des Vatikans, ein gewisser Herr Müller, angesprochen darauf, warum nur Männer im Weihrauchnebel das große Wort führen dürfen. Nun ist mir egal, wer in der katholischen Kirche mit Kultgegenständen hantiert, aber eine solche Aussage erscheint mir schlicht nicht nachvollziehbar. Wenn man das Braut-Bräutigam-Motiv bemüht, dann wäre doch eine Frau die bessere Wahl für den Bräutigam Jesus als ein bestenfalls schwuler männlicher Priester. Ein Priester als Braut ist doch eher karnevalesk, selbst wenn seine Kleidung ein wenig an ein schwülstiges Brautkleid erinnern mag. Die Kirche als Braut soll sich, wie im Epheserbrief nachzulesen ist, dem Bräutigam Jesus unterordnen, denn "der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist". Daraus abzuleiten, ein Mann könne besser eine Braut symbolisieren als eine Frau, ist in höchstem Maße lächerlich.

Und was der Erzdogmatiker über eine angebliche Pogromstimmung gegen Katholiken sagt, das ist eine Unverschämtheit, wenn man bedenkt, daß die von Herrn Müller geleitete Behörde mal als "Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis" ("Kongregation der römischen und allgemeinen Inquisition") angefangen hat, als "Säuberungs"instrument einer Kirche, die zu den Hauptverantwortlichen für ein Klima gehört, in dem Pogrome gegen Juden an der Tagesordnung waren. Als geschichtsbewußter Kirchenvertreter sollte man deshalb derartige Wörter besser nicht in den Mund nehmen, es sei denn in selbstkritischer Absicht.

Mir ist nicht bekannt, daß Katholiken jemals aufgefordert wurden, auch um ihre Identifizierung bei Pogromen zu erleichtern, farbige Ringe auf ihrer Kleidung zu tragen.

Die Welt