Lyriost – Madentiraden

29.11.2013 um 10:24 Uhr

Stören

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Stören

Stören wirkt in jedem Fall belebend, ganz gleich ob man jemanden in seiner Ruhe stört oder in seiner Unruhe.

26.11.2013 um 12:48 Uhr

Selten oft

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Selten oft

"Deutschlands Rentner haben nur selten ein Eigenheim", so lautet die Schlagzeile der FAZ. Wenn ich mich nicht irre, dann bedeutet doch "selten" soviel wie vereinzelt, sporadisch, hin und wieder, kommt schon mal vor, gelegentlich. Wenn also zwei bis drei Prozent oder meinetwegen auch zehn Prozent der Rentner eine Immobilie besäßen, dann wäre es gerechtfertigt, das Wort "selten" zu benutzen. Aber tatsächlich sind es um die fünfzig Prozent, also jeder zweite. ("In Deutschland besitzt nur etwa die Hälfte der Rentner eine Immobilie." So steht es weiter unten im Artikel. "Nur.") Wenn ich jede zweite Woche komplett krank wäre, dann wäre ich also nach der Logik der FAZ selten krank. Nicht selten, solche kranke Logik.

Da das Antonym von "selten" "oft" ist und die Sache halbe-halbe, wäre es nach dieser Logik ebensogut möglich zu sagen, Deutschlands Rentner hätten "oft" ein Eigenheim. Aber was denn nun, oft oder selten? Wer nun glaubt, solch trauriger Journalismus wäre selten, der irrt. Den gibt es leider häufig. Oft kommt das scheinbar Seltene öfter vor, als man denkt.


FAZ

25.11.2013 um 09:29 Uhr

Metaphernmoden

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Metaphernmoden

Die Messe war noch nicht gelesen, da begab sich die Kuh vom Eis, weil am Rand des Sees eine Rolle Drops lag. Genüßlich lutschte sie Drops für Drops, und dann käute sie wieder und wieder und wieder, bis der Zug abgefahren war. So ein Käse.

12.11.2013 um 09:55 Uhr

Andersrum in Bayern

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Andersrum in Bayern

Eine Minderheit
von vierundfünfzig Prozent sonst eine
Mehrheit

stimmte gegen die Mehrheit
von sechsundvierzig Prozent sonst eine
Minderheit

 


CSU-Huber hält es „für politisch und ökonomisch bemerkenswert, dass die Staatsregierung, neunzig Prozent des Landtags und viele Kommunalpolitiker sich gegen eine meinungsstarke Minderheit nicht mehr durchsetzen können“. (Quelle: FAZ)

10.11.2013 um 11:40 Uhr

Junge Leute von heute

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Junge Leute von heute

 

Die Welt hält den Atem an: Fräulein Yasmina Banaszczuk, alias Frau Dingens, ist mit reichlich Lärm und Abschiedsgetöse aus der SPD ausgetreten, nachdem sie wochenlang versucht hatte, „alte Krusten einzureißen“, „Dinge zu pionieren“ und die Partei auf den richtigen Weg zu bringen, ohne daß der Parteivorstand sie öffentlich dafür belobigt hätte. („All diese Zeit. Ohne Wertschätzung“, „nicht mal eine Mini-Erwähnung“.) „Dabei hatte sie in der Partei „so viele Schwachstellen aufgedeckt“. ("Ich habe letztes Jahr fünf Monate ... meiner Dissertation ... geopfert.")  Sie möchte gern „die fünf Monate zurück“haben, also etwa zwanzig Wochen, die sie „damit verschwendete“, sich „an der Partei und ihren Strukturen aufzureiben“. Sie „kann nicht mehr“, hat „die Schnauze voll“, ist „politisch ausgebrannt“, voller „Frust und Resignation und Verzweiflung“. Na schön, nicht jeder Sprung über Karrierehürden kann auf Anhieb gelingen, probiert man es halt bei einer andern Partei oder Vereinigung. Aber weshalb solch ein Theaterdonner, nicht nur auf ihrem Blog, sondern sogar in einer überregionalen Wochenzeitung?

Müssen denn gleich allüberall die Glocken geläutet werden?

Dabei ist der larmoyante Abschiedsbrief, den Frau Dingens in die Öffentlichkeit entlassen hat, solch ein Armutszeugnis, daß ein aufmerksamer Leser sich das Lachen nicht verkneifen mag angesichts eines solch hochgradigen Dilettantismus. So viel geballte Inkompetenz, gepaart mit einem derart vernebelten Blick auf die eigenen Fähigkeiten, ist auch in unserer intellektuell in die Verarmung treibenden Gesellschaft nicht die Regel.

Neben den fünfzehn, zwanzig Orthographie- und Zeichensetzungsfehlern, die ich nur der Vollständigkeit halber erwähnen möchte, die jedoch symptomatisch sind für die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, sind es die vielen unausgegorenen sprachlichen Bilder und Denkungenauigkeiten, die den Text mit dem hochtrabenden Titel „Abschied“ so lächerlich machen. Ein paar Beispiele: Frau Dingens tritt aus der Partei nicht wegen des „noch ausstehenden und wohl nie kommenden kritischen Auseinandersetzen (sic!)“ mit dem Wahlkampf aus, auch nicht wegen dem „Postengeschacher, dass (sic!) der Parteivorstand unbedingt durchsetzen will“.

Die Logik gibt hier vor: Etwas, das wohl nie kommt, ist nichts, also auch nichts, das Grund für oder gegen etwas sein könnte. Zum zweiten: Der Parteivorstand will bestimmt kein „Postengeschacher durchsetzen“, sondern einige streben Posten an, wie in jeder Partei, die Betrachterin aber sieht das von außen, weil selbst nicht erfolgreich beim Streben, als „Geschacher“ an. Sie sagt von sich selbst: „Ich forsche und promoviere über soziales Kapital, Netzwerke und Herkunftseffekte im Bereich des Karriereeinstiegs im Arbeitsmarkt.“ Wie man an ihrem XING-Eintrag sehen kann, scheint Karriere das Zentrum ihres Lebens zu sein. Sie selbst betreibt Karriereplanung. Was die andern machen, ist „Postengeschacher“. Auch in ihrem Abschiedsbriefchen wird sie mehrfach erwähnt: ihre „Diss“, auch daß sie „ein wissenschaftliches Papier“ „schrieb“. Ich dachte immer, man schreibt auf Papier. Aber nein: ein Papier. Sie engagierte sich auch „zu“ Demokratie, nicht dafür, rieb sich „intern und extern auf“. Hat sie Schmirgelpapier gegessen? Die „großen und kleinen Steine“, die ihr in den Weg gelegt wurden, was machte sie damit? „Ich steckte sie weg.“ Auch die großen? Wohin?

Sie kennt die Lebensrealitäten „mindestens so gut“ wie Sigmar Gabriel, der, an den sich der Brief zu wenden scheint: „Lieber Sigmar ...“ Mindestens. Also wahrscheinlich eigentlich besser, nicht wahr? Begründung: „Einige meiner besten Freundinnen kaufen am Monatsanfang den Kühlschrank voll, weil sie danach kein Geld mehr haben.“ Was soll das heißen? Sind die Freundinnen so dumm, Lebensmittel für den ganzen Monat zu kaufen, von denen dann mindestens die Hälfte verdirbt, oder handelt es sich um Kosmetika? Oder können die Freundinnen nicht mit Geld umgehen? Oder was? Ich bin ratlos.

Sigmar Gabriel also als Adressat. Oder doch nicht? An anderer Stelle heißt es: „Glaubt mir, ich habe mehr Ahnung ...“ Plural, also doch nicht der liebe Sigmar? Woanders dann: „Ihr wisst, wer ihr seid.“

Das sind nur einige Beispiele von Ungereimtheiten und sollte genügen, deutlich zu machen, daß der Anspruch, in der SPD schon in der Schnupperphase den Vorredner spielen zu können, durch keinerlei Kompetenz gedeckt ist. Das Gerede über ein „System von Parteivorsitzenden, die sich von jungen Frauen bedroht fühlen“, ist ebenso albern wie der gönnerhafte Pluralis majestatis „Wollen wir mal nicht päpstlicher als der Papst sein“. So viel sprachliche und gedankliche Inkompetenz macht niemandem Angst, es sei denn um den eigenen Kopf beim Schütteln.


Frau Dingens

 

Korrekturbedarf

Nachtrag

Forever alone Party auf der Überholspur


"Sollen sie mich als emotional verbuchen, als hysterisch, als heulend, ich werde weiter ruhig und klug meine Dinge angehen und sie überholen, während sie sich einen auf ihr Gedisse fappen. Unterschätzt mich ruhig. Das kommt mir entgegen."

Was Frau Dingens selbst tut, wird hier auf  andere projiziert – und das mit einer narzißtischen Hybris, die ihresgleichen sucht. Ungestörte Selbstüberhöhung bei abgeschalteter Kommentarfunktion. Lustig.

09.11.2013 um 14:47 Uhr

Lebensraum Internet

von: Lyriost

Lebensraum Internet

Das Internet sei ein "Lebensraum", hört man. Das ist Unsinn. Die Wüste Gobi ist schon eher einer, wenn auch kein übermäßig freundlicher. Und auch am Südpol flitzen einige Lebewesen umher. Aber im Internet kann man nicht leben. Es ist, so spannend, hilfreich und kommunikationsfördernd es auch immer sei, nur Surrogat wirklichen Lebens. Silizium ist unverdaulich.

09.11.2013 um 14:26 Uhr

Leiden

von: Lyriost

Leiden

Leider leiden an der Volkskrankheit Selbstüberschätzung nicht jene, die sich selbst überschätzen, ganz entgegen dem Volksmund, der gern behauptet, jemand litte an Selbstüberschätzung, wenn er sich zu wichtig nimmt. Es ist nicht der Wichtigtuer, der leidet, sondern die andern sind es, jene, die mit seinem Getue konfrontiert werden. Ein schönes Beispiel:


"Wir nehmen Sie gerne an der Hand."

 

PS: Damit es keine Mißverständnisse unter den "Internetaffinen" gibt: Ich bin nicht der Meinung, daß Sigmar Gabriel sich überschätzt. Man achte auf Gestik, Mimik und Körperhaltung der Beteiligten. An Gabriel bewundere ich Ruhe und Zurückhaltung. 

06.11.2013 um 14:07 Uhr

BVB

von: Lyriost   Kategorie: Sonstiges

BVB

Weshalb ist der BVB so stark? Nun, weil dort beinahe alles möglich zu sein scheint. So haben die Dortmunder unter anderem einen Torhüter, der so schnell ist, daß er gleichzeitig auf der Bank sitzen und im Tor stehen kann.

Torwart der Extraklasse

BVB.de

04.11.2013 um 10:39 Uhr

Heuhaufen

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Heuhaufen

Was ich nicht verstehe: Weshalb suchen die Leute ihre Nadeln dauernd in Heuhaufen? Da sind sie doch nur schwer zu finden. Das Dümmste aber ist: Wenn sie die Nadeln im Heuhaufen nicht finden, dann vergrößern sie, wie die Nachrichtendienste, die geradezu eine krankhafte Sucht nach immer größeren Datenmengen entwickelt haben, die Heuhaufen. Mir kommt da der Verdacht, daß es beim Suchen gar nicht um die imaginären Nadeln geht, sondern um die ganz realen Heuhaufen.

01.11.2013 um 19:58 Uhr

Merkwürdige Rechtsprechung

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Merkwürdige Rechtsprechung

Wenn du, betrunken, mit deinem Auto einen Unfall verursachst, bei dem ein Mensch schwer verletzt wird oder ims Leben kommt, wirst du zu Recht strenger bestraft, als wenn du nüchtern warst. Wer aber im Suff jemanden erschlägt, bekommt mildernde Umstände. Wie besoffen muß der gewesen sein, der sich das ausgedacht hat. 

Obdachlosenmord