Lyriost – Madentiraden

31.12.2013 um 17:56 Uhr

Wichtige Nachricht

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Wichtige Nachricht

Gestern stürzte schwer
in Kambodscha mit dem Rad
eine Schülerin

weil kein Geld für einen Helm
brach ihr der Schädel entzwei

18.12.2013 um 09:30 Uhr

Tückische Güte

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Tückische Güte

Ich bin so wenig mißgünstig, daß ich manchen andern sogar ihren Mißmut gönne.


18.12.2013 um 09:23 Uhr

Senf und Tube

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Senf und Tube

Ein Vorteil des Älterwerdens ist die Erkenntnis: Immer wieder der gleiche Senf. Nur die Tube ändert sich.

16.12.2013 um 22:27 Uhr

Der Neid als mangelndes Bedenken?

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Der Neid als mangelndes Bedenken?

Sehr viele Menschen werden von Neidgefühlen geplagt, die sich langsam, aber beständig in ihnen hochfressen, wenn sie die andern sehen, die mehr Brötchen im Schrank haben oder weniger angelagertes Alchimistengold am Beckenrand. Ich selbst behandle den Neid eher philosophisch, als Ausdruck von Unwissenheit. Wenn wir in allen Einzelheiten wüßten, wie es der beneideten Person geht - und, vor allem ginge, wenn wir sie wären -, würden wir lieber die Finger davon lassen, sie sein zu wollen. Ich selbst habe noch keinen gesehen, mit dem ich tauschen möchte, nicht mal mit mir selbst, denn auch an mir gibt es bei näherer Betrachtung so gar nichts Beneidenswertes, außer vielleicht meinen Mangel an Neid. Obgleich es vielleicht doch ein wenig beneidenswert ist, wenig oder keinen Neid zu empfinden.

16.12.2013 um 11:54 Uhr

Olympisches

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Olympisches

Robert Harting, der Sportler des Jahres, kritisiert den Bundespräsidenten Joachim Gauck, weil der nicht nach Sotschi fahren mag. Aber auch Harting wird dort nicht tätig, weil es sich um Winterspiele handelt und nicht um Sommerspiele. Besser so, meine ich. Weil Harting gerne mal sein Trikot zerreißt, ist es sicherer, er bleibt zu Hause, denn eine derartige Zurschaustellung männlicher Attribute könnte ihm bei den merkwürdigen russischen Moralvorstellungen sonst aus Versehen vielleicht den Vorwurf der "homosexuellen Propaganda" einbringen. Unverdächtig ist nur Putin selbst, mit freiem Oberkörper auf dem schlanken Hengst. Obwohl ... ist die Quelle übersteigerter Homophobie nicht häufig Angst vor eigenen ungeliebten Persönlichkeitsanteilen?

16.12.2013 um 09:36 Uhr

Tirade 201 – Paradoxie

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 201 – Paradoxie

So bunt scheint der Tag
schwarzweiß tönende Farben
vereinfacht gesagt

Aber wer es vereinfacht
macht es noch komplizierter

15.12.2013 um 14:10 Uhr

Peter Wapnewski

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Peter Wapnewski

"Die Welt" online schrieb vor einem Jahr:

"Der Mediävist Peter Wapnewskis ist gestorben. Keines seiner Worte konnte man vergessen – und keinen Satz wiederholen."

Große Worte, aber welch eine Mißachtung eines Menschen: angesichts seines Todes seinen Namen falsch zu schreiben. Und nun steht er so da bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

14.12.2013 um 13:47 Uhr

Die Mutter des Krieges

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Die Mutter des Krieges

Schon Heraklit meinte, der Vater aller Dinge sei der Krieg, wobei er das nicht so eng gesehen haben wollte, daß nur das Ritzen mit scharfen Gegenständen, Knochenbrecherei und das Werfen von großen Klamotten als Krieg bezeichnet wird. Heute meint mancher, der angebliche Vater sei eigentlich ein Stiefvater. Was dabei häufig übersehen wird, ist die Mutter aller Dinge, also auch die des Krieges: die Fehde.

13.12.2013 um 21:03 Uhr

Großkotzerei

von: Lyriost

Großkotzerei

Wieder mal führt semasiologische Phantasterei zu geistiger Tieffliegerei (oder umgekehrt). GroKo ist Wort des Jahres. Das Wahnwitzigste an der Wahl dieses simplen Akronyms ist jedoch nicht die Entscheidung, dieses Blödding akademisch zu veredeln, total bescheuert und eines Sprachwissenschaftlers unwürdig ist die an den Haaren herbeigezogene Begründung und vor allem die frei erfundene Aufladung des Ganzen als "halb spöttischer Anklang an Krokodil". Als Linguisten verkleidete akademische Assonanzenzauberer sollten sich besser nicht im Bereich Phantasy versuchen, wenn sie ernstgenommen werden wollen. Dieser Unsinn hält keiner halbwegs wissenschaftlichen semantischen Prüfung stand. "Eine interessante sprachspielerische Wortbildung", so wie etwa Blabla.


Wort des Jahres

11.12.2013 um 10:11 Uhr

Sexuelle Belästigung

von: Lyriost

Sexuelle Belästigung

Vielerorts wird die überbordende Sexualisierung der modernen Gesellschaft beklagt, besonders aber im Land der Kindergewehre, wo man alles tut, um dem gefährlichen Sex-Wahn zu wehren. Man kann gar nicht früh genug damit beginnen, schändliche Tendenzen zu unterbinden und den Kindern die richtigen Werte zu vermitteln. Es wird Gott sei Dank nicht lange dauern, bis sich auch bei uns die Erkenntnis durchsetzen wird, daß zu großzügige Erziehung sexueller Belästigung schon im Kindesalter, etwa durch Hand- oder gar Luftküsse, Vorschub leistet und Grundlage aller anderen späteren schlimmen Schweinereien ist. Dabei darf es natürlich keine Rolle spielen, wer sich von einer Handlung belästigt fühlt. Es muß reichen, daß diese schlimme Tat auch von einem Unbeteiligten, etwa von jemandem, der sie eventuell hätte wahrnehmen können, vielleicht als sexuelle Belästigung hätte interpretiert werden können, wenn er sich nach dem Kirchgang, aufgeregt durch eine anregende Predigt, in Reflexionen über die allgemeine Sittenlosigkeit ergehen würde. In den muslimischen Ländern ist man da bereits einen Schritt weiter zurück. Beneidenswert.

Schule suspendiert Sechsjährigen 

Kindergewehre 

10.12.2013 um 11:58 Uhr

Mit dem Kopf durch die Wand

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Mit dem Kopf durch die Wand

Weshalb so viele versuchen, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, habe ich nie verstanden. Wer auch immer beabsichtigt, das zu tun, sollte doch wissen, daß die Wände, wenn sie ihren Namen verdienen, solchen Wuteskapaden leicht trotzen, oder sagen wir es neutraler: standhalten, denn Wände sind nicht trotzig, sondern massiv – im Gegensatz zu den hornlosen Stierdarstellern, die nicht massiv sind, sondern trotzig. Wände stehen so lange, bis der Bagger drückt oder die Birne klopft, die aus Metall. Bei den nichtmetallischen Birnen dagegen kommt durch derlei Zirkusnummern zum inneren ein nicht unerheblicher äußerlicher Schaden dazu.

09.12.2013 um 23:39 Uhr

Kleine Nachtmusik

von: Lyriost

 

aus Japan

07.12.2013 um 10:30 Uhr

Das letzte Wort

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Das letzte Wort

Viele Menschen, die ich kenne oder versuche kennenzulernen, legen besonderen Wert darauf, das letzte Wort zu haben, und ich bin immer wieder erstaunt, wenn man es mir läßt, obwohl ich längst mehr oder weniger abgewinkt habe. Erfreut bin ich dann meist dennoch nicht, denn ich vermisse in diesen Fällen etwas vor dem letzten Wort: das Gespräch.

06.12.2013 um 11:21 Uhr

Tirade 200 – Singen im Chor

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 200 – Singen im Chor

Bringst Lautes hervor
hast Beschneidung erlitten
Leiden beschnitten

Leis deine Stimme im Chor

tönt nur im feineren Ohr

05.12.2013 um 16:18 Uhr

Beleidigungen

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Beleidigungen

Sollte es erlaubt sein, jemanden, von dem du glaubst, daß er dich beleidigt hat, oder der dich offensichtlich beleidigt hat, zu beleidigen und ihn mit einer Strafanzeige zu bedrohen? Beleidigen im zweiten Fall ja, aber man kann ihn auch bemitleiden. Das ist effektiver. Von einer Strafanzeige des beleidigten Beleidigers würde ich absehen, weil dann auch der beleidigte Beleidiger als Beleidigter das Recht hätte, Strafanzeige zu erstatten.

Sollte es erlaubt sein, jemandem, der dich beleidigt hat, Schläge anzudrohen oder ihn tatsächlich zu schlagen? Ganz sicher nicht, denn das wäre strafbar, selbst dann, wenn du zum Tatwerkzeug das Strafgesetzbuch, die Bibel, den Koran oder ein anderes heiliges Buch wie die Memoiren von Alice Schwarzer wählst.

Sauerei

02.12.2013 um 10:26 Uhr

Trübes Pop-Licht

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Bohlen, Breitgrinser

Trübes Pop-Licht

Wenn Oliver Kahn gemeint war, fand ich die Bezeichnung "Titan" schon immer ein klein wenig übertrieben, aber angesichts seiner Leistungen als Torwart verzeihlich, zumal die Kahn-Titanenbeschwörung normalerweise nicht im ironiefreien Raum vonstatten ging. Geht es aber um Dieter (ehemals Dieter Günter) Bohlen, dann muß ich lachen.

"Pop-Titan", dieses alberne Wort wimmelt inflationär durch die Artikel diverser Zeitungen und macht auch vor kaum einem Wortbeitrag über diese Person halt. "Bild" bringt es sogar auf dreimal "Pop-Titan" in einem (natürlich kurzen) Beitrag. Fest verklebt mit dem wenig schmucken Namen Bohlen, gibt der Ausdruck "Pop-Titan" dem Breitgrinser das, was Homer seinem "listenreichen" Odysseus und anderen Figuren angedeihen ließ, das schmückende Beiwort, das Epitheton ornans. Im Fall Bohlen ist dieses rhetorische Stilmittel jedoch nicht nur schmückend, sondern voll daneben, denn sich einen solch einfachen Menschen wie Dieter Bohlen unter all den alten mythologischen Göttern wie dem Zeus-Vater Kronos und Hyperion, dem Gott des Lichtes, im Olymp vorzustellen, fällt doch einigermaßen schwer. Obwohl man theoretisch sicher auch eine "trübe" (auch eine Art Epiteton ornans) Funzel als Licht bezeichnen kann, wenn man großzügig ist.

Seien wir also großzügig und reden vom trüben Pop-Licht.



BILD